Anna Lapwood im Hamburger Michel: die Orgel zwischen Klassik, Pop und Filmmusik
Anna Lapwood tritt am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, um 19:00 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg auf. Das Konzert ist Teil des Hamburger Orgelsommers, wird im Programm jedoch als Sonderkonzert in Zusammenarbeit mit ProArte hervorgehoben. Angekündigt ist Musik aus Klassik, Pop und Film - genau jene Verbindung, durch die die britische Organistin ein Publikum weit über den üblichen Kreis der Liebhaber von Kirchenorgeln hinaus erreicht hat.
Das derzeit verfügbare Programm nennt drei breite musikalische Bereiche, jedoch keine einzelnen Titel, Gäste oder zusätzlichen Mitwirkenden. Daher ist eine Verbindung des traditionellen Orgelrepertoires mit Film- und Popmusik zu erwarten, allerdings ohne die Annahme, dass sie ein bestimmtes Werk spielen wird.
Die Eintrittskarten für diese Veranstaltung waren außerordentlich gefragt: Das Konzert ist ausverkauft. Sollten Rückläufer oder zusätzliche Plätze verfügbar werden, lohnt es sich, rechtzeitig zu reagieren.
Warum Anna Lapwood ein neues Publikum für die Orgel gewonnen hat
Anna Lapwood hat ihre Karriere auf einer Verbindung aus erstklassiger Orgeltechnik, einem offenen Verhältnis zum Publikum und einem Repertoire aufgebaut, das keine starre Grenze zwischen konzertanter Klassik und Musik aus der Populärkultur anerkennt. Sie ist Organistin der Royal Albert Hall, Dirigentin, Arrangeurin sowie Radio- und Fernsehmoderatorin. Ihre Reichweite in den sozialen Medien umfasst Millionen von Followern, doch wichtiger als die Zahl selbst ist die Art, wie sie diese Aufmerksamkeit in Interesse an einem Instrument verwandelt, das häufig als fern oder streng an die Liturgie gebunden wahrgenommen wird.
In ihren Programmen können Maurice Duruflé, Eugène Gigout und Benjamin Britten ebenso begegnen wie große Transkriptionen von Musik aus Pirates of the Caribbean und The Lord of the Rings. Sie hat außerdem Musik von Hans Zimmer, Dario Marianelli, James Newton Howard, John Powell und Rachel Portman aufgenommen und aufgeführt. Eine solche Auswahl verbindet den rhythmischen Impuls der Filmmusik, die französische Orgeltradition und die orchestralen Farben großer Kirchenorgeln.
Ihre Bekanntheit nahm durch Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Bonobo, AURORA, Florence + the Machine und Raye zusätzlich zu. Diese Kooperationen zeigen, dass die Orgel in ihrer Arbeit kein Museumsstück ist, sondern ein Instrument, das Elektronik, Pop, Orchestermusik, Chor und monumentale Solotranskriptionen tragen kann.
Die aktuelle Karrierephase: von Firedove bis Arise Shine
Der Hamburger Auftritt findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Lapwood zugleich ihr Solorepertoire erweitert und ein wichtiges Kapitel ihrer Chorarbeit abschließt. Das Album Arise Shine, das am 20. März 2026 bei Sony Classical veröffentlicht wurde, entstand mit dem Chapel Choir of Pembroke College, Cambridge. Es verbindet traditionelles Repertoire, neuere Neuinterpretationen und Werke junger Komponisten mit Lapwoods eigenen Kompositionen.
Für das Konzert im Michel ist Firedove, ihr jüngstes Soloalbum aus dem Jahr 2025, unmittelbarer relevant. Das Spektrum reicht von Alan Menken und Hans Zimmer bis zu Louis Vierne und Maurice Duruflé, ergänzt durch Musik von Poppy Ackroyd, Hania Rani, Ola Gjeilo und Olivia Belli. Die Werke werden nicht in einen "ernsten" und einen "populären" Teil getrennt, sondern nach Farbe, Energie und räumlicher Wirkung miteinander verbunden.
Im April 2026 veröffentlichte sie außerdem eine Single, die Nimbus der Komponistin Eunike Tanzil mit Eugène Gigouts Toccata verbindet. Dieses Paar beschreibt ihre Ästhetik treffend - zeitgenössische, atmosphärische Musik neben einem virtuosen Werk des französischen Orgelkanons. Das bedeutet nicht, dass diese Werke für Hamburg bestätigt sind, zeigt jedoch, womit sich Lapwood derzeit beschäftigt und welche Kontraste das Publikum von ihrer Art der Programmgestaltung erwarten kann.
Wie ihre Konzerte live funktionieren
Lapwoods Auftritte sind nicht bloß eine Reihe von Werken, die von einer entfernten Empore gespielt werden. Sie ist dafür bekannt, dem Publikum Kontext zu vermitteln, über das Instrument zu sprechen und zu erklären, warum sie scheinbar weit voneinander entfernte Stücke miteinander verbunden hat. Bei der Orgel ist dies besonders wichtig, weil sich die Interpretin häufig nicht im direkten Sichtfeld des Publikums befindet. Durch ihre Erläuterungen zwischen den Werken verringert sie die physische und symbolische Distanz zwischen dem Orgelspieltisch und dem Zuschauerraum.
Kritiken ihrer neueren Auftritte in der Royal Albert Hall betonten ihre klare Kommunikation und ihre Fähigkeit, die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten, während das Programm von Filmmusik zu zeitgenössischen und symphonischen Werken wechselte. Die Virtuosität dient dabei der Entdeckung der Klangfarben des Instruments - von beinahe unhörbaren Registern bis zum vollen Klang.
Für das Hamburger Konzert ist Folgendes vernünftigerweise zu erwarten:
- eine Verbindung aus klassischer Musik, Popmusik und Filmmusik, da das Programm genau so angekündigt wurde;
- große dynamische Kontraste, von leisen, luftigen Texturen bis zum vollen Orgelklang;
- ein Repertoire, das an die Möglichkeiten der Instrumente im Michel angepasst ist, und keine Kopie eines Programms aus einem anderen Saal;
- direkte Kommunikation mit dem Publikum, die ein Merkmal ihrer jüngsten Auftritte ist;
- ein Abend ohne bestätigte Gäste, Vorgruppe oder zusätzliche Produktionselemente.
Weder die Dauer des Konzerts noch eine Pause oder eine detaillierte Setlist wurden veröffentlicht. Besucher sollten ihre Weiterfahrt nach dem Konzert deshalb nicht nach einem angenommenen Ende planen. Am sichersten ist es, auch nach der Aufführung genügend Zeit einzuplanen, insbesondere wegen des möglicherweise langsameren Verlassens eines großen Kirchenraums.
Die Hauptkirche St. Michaelis als Teil des musikalischen Erlebnisses
Die Hauptkirche St. Michaelis, bekannt als Michel, ist keine neutrale Kulisse. Die Orgeln sind an mehreren Stellen in der Kirche verteilt, und die Reihe Hamburger Orgelsommer im Michel trägt den Untertitel "Ein Raum - vier Orgeln". Der Ort selbst verfügt über sechs Orgeln, von der Krypta bis zum Dachraum. Drei Instrumente in der Hauptkirche sind zu einer Einheit mit 145 Registern verbunden, und alle Orgeln zusammen besitzen mehr als 11.000 Pfeifen.
Für die Zuhörer bedeutet dies, dass der Klang nicht nur frontal erlebt wird, wie bei einem Orchester auf einer Bühne. Verschiedene Klangquellen und die Höhe des Kirchenraums können ein Gefühl von Tiefe, Entfernung und Antwort zwischen den Gebäudeteilen erzeugen. Es wurde nicht veröffentlicht, welche Instrumente Lapwood genau verwenden wird oder ob sie auf allen Orgeln spielen wird, die in das Konzept der Reihe einbezogen sind. Dieser Aspekt sollte daher nicht im Voraus zu einem Versprechen gemacht werden. Sicher ist, dass sie an einem der vielfältigsten Orgelorte Hamburgs auftritt.
Der Michel ist mit seinem 132 Meter hohen Turm ein architektonisches Wahrzeichen, doch das Konzert ist keine gewöhnliche touristische Besichtigung. Das Publikum betritt eine aktive Kirche, in der auf Stille, Bewegung und einen pünktlichen Beginn geachtet wird.
Wer bereits eine Eintrittskarte besitzt, sollte den Einlass unmittelbar nach der Türöffnung einplanen. So bleibt genügend Zeit, den Platz zu finden, sich im Raum zu orientieren und sich niederzulassen, ohne andere Besucher zu stören.
Für wen das Konzert besonders attraktiv ist
Langjährige Orgelliebhaber erhalten hier die Gelegenheit, eine Interpretin zu hören, die das traditionelle Repertoire gut kennt, es jedoch in einen anderen programmatischen Rahmen stellt. Besucher, die wegen der Filmmusik kommen, können entdecken, wie überzeugend sich orchestrale Schichten auf die Orgel übertragen lassen. Liebhaber von Chormusik werden in der Art, wie Lapwood eine Phrase aufbaut, innere Stimmen ausbalanciert und über den akustischen Raum nachdenkt, die Disziplin einer Dirigentin erkennen.
Das Konzert ist auch für Besucher attraktiv, die nur selten klassische Recitals besuchen. Lapwood setzt keine Kenntnis der Orgelterminologie voraus: Sie nutzt wiedererkennbare Melodien als Zugang zu weniger bekannten Werken. Deshalb versammeln ihre Auftritte ein traditionelles Konzertpublikum, jüngere Follower, Musikstudierende, Filmfans und Menschen, die die Orgel zum ersten Mal außerhalb eines Gottesdienstes hören.
Eltern sollten die Regel der Reihe berücksichtigen, nach der die Konzerte für Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet sind. Dies ist keine Bewertung des Musikgeschmacks, sondern eine praktische Empfehlung im Zusammenhang mit der Dauer der Stille, der Lautstärke des Instruments und der fehlenden Möglichkeit, nach Beginn noch eingelassen zu werden.
Der Hamburger Orgelsommer und die Bedeutung dieses Termins
Der Hamburger Orgelsommer verbindet die fünf Hamburger Hauptkirchen und den St. Marien-Dom mit mehr als 50 Orgelkonzerten während des Sommers. In der Hauptkirche St. Michaelis finden die Konzerte von Juli bis Anfang September mittwochs um 19:00 Uhr statt. Lapwoods Termin ist als Sonderkonzert hervorgehoben und der einzige Programmpunkt des Michels, der ausdrücklich eine Verbindung von Klassik, Pop und Filmmusik ankündigt.
Der Auftritt wird nicht als gewöhnliche Station einer benannten Tournee präsentiert, sondern als eigenständiger Abend innerhalb der Hamburger Sommerreihe. Dadurch erhält er einen anderen Charakter als ihre Konzerte auf transportablen Digitalorgeln oder ihre Auftritte mit Orchester. Im Mittelpunkt des Abends steht hier die Beziehung zwischen einer Interpretin, einem historischen Kirchenraum und einem großen Pfeifenorgelsystem.
Hamburg ist ihr nicht unbekannt: Zu ihren jüngeren Recital-Orten gehört auch die Elbphilharmonie. Der Michel bietet eine andere Perspektive - einen Kirchenraum, in dem die Orgeln Teil des Gebäudes selbst sind, sodass ein Filmthema oder eine Popbearbeitung zu Musik wird, die durch Register, Luft und Entfernungen geformt ist.
Praktische Informationen zur Anreise
- Veranstaltung: Anna Lapwood - Orgel
- Ort: Hauptkirche St. Michaelis, Englische Planke 1, 20459 Hamburg
- Beginn: 19:00 Uhr
- Einlass: 18:15 Uhr
- Konzerteinführung: Das Programm der Reihe nennt einen Termin um 18:30 Uhr im Besucherzentrum Sankt Michaelis
- Ticketstatus: ausverkauft
- Öffentlicher Nahverkehr: S-Bahn S1 oder S3 bis Stadthausbrücke, Ausgang Michaelisstraße; U-Bahn U3 bis St. Pauli; Buslinien 16 und 17 bis Michaeliskirche
- Auto: Michel-Garage mit Zufahrt über Rödingsmarkt/Schaarsteinweg; auf dem Parkplatz Zeughausmarkt ist die Parkdauer auf zwei Stunden begrenzt
- Barrierefreiheit: Der Hauptkirchenraum ist für Rollstuhlfahrer über den Eingang Portal 10 zugänglich; in einem Teil der Kirche ist eine Induktionsschleife für Hörhilfen vorhanden
Der Veranstaltungskalender weist darauf hin, dass in der Eintrittskarte ein HVV KombiTicket enthalten ist. Besucher sollten vor der Abfahrt die auf ihrer Eintrittskarte aufgedruckten Angaben prüfen, insbesondere die zeitliche und räumliche Gültigkeit der Fahrberechtigung.
Die wichtigste Regel des Abends lautet: Nach Beginn des Konzerts ist kein Einlass mehr möglich. Einige Minuten Verspätung bedeuten nicht nur, das erste Werk zu verpassen, sondern möglicherweise das gesamte Konzert nicht hören zu können. Eine Ankunft ungefähr zur Türöffnung ist eine vernünftige Entscheidung, besonders für Personen, die zum ersten Mal in den Michel kommen oder einen barrierefreien Eingang benötigen.
Bei der Anreise mit dem Auto sollte mit Verkehr im Hamburger Zentrum und begrenzten Parkmöglichkeiten gerechnet werden. Der öffentliche Nahverkehr ist eine praktische Wahl, da die Kirche mit S-Bahn, U-Bahn und Bus erreichbar ist.
Das Konzert kann mit einer früheren Besichtigung der Hamburger Innenstadt verbunden werden, doch der Zeitplan sollte vom Einlass um 18:15 Uhr rückwärts geplant werden und nicht vom Beginn um 19:00 Uhr. Sommerliche Menschenmengen und der Abendverkehr können die Zeitreserve schnell aufbrauchen.
Wenn ein stufenloser Zugang erforderlich ist, sollte der Eingang Portal 10 eingeplant werden. Für Personen mit Hörhilfen deckt die Induktionsschleife bestimmte Reihen im vorderen und mittleren Bereich der Kirche ab.
Wie man sich auf den Abend vorbereitet
Ein Orgelkonzert verlangt eine andere Art des Zuhörens als ein Auftritt, bei dem die Interpretin ständig sichtbar ist. Im Michel wird sich ein Teil der Aufmerksamkeit natürlich auf die Emporen und die Architektur richten, doch es lohnt sich, auf die Veränderungen der Klangfarbe zu achten: wie ein Register ein entferntes Blasinstrument imitiert, wie der Bass das Raumgefühl körperlich verändert und wie sich die Melodie zwischen den Schichten der Orgel bewegt.
Da die einzelnen Werke nicht veröffentlicht wurden, ist es sinnvoller, auf die Übergänge zwischen den Stilen zu hören. In ihnen wird Lapwoods Arbeit besonders interessant: Filmmusik kann den Weg zu Duruflé öffnen, eine zeitgenössische Miniatur zu Gigout und eine bekannte Melodie zu einer Registrierung, die das Instrument auf neue Weise offenbart.
Es lohnt sich, die Eintrittskarte vor der Abfahrt zu prüfen, sie für den Einlass bereitzuhalten und früh genug anzukommen. In einem ausverkauften Raum gibt es wenig Platz für Improvisation in letzter Minute, und die Regel, nach Beginn keinen Einlass mehr zu gewähren, wird aus Rücksicht auf die Interpretin und das bereits zuhörende Publikum angewendet.
Quellen:
- Hauptkirche St. Michaelis - Veranstaltungskalender, Ausverkauft-Status, Einlasszeit, Regeln nach Beginn, Programm des Hamburger Orgelsommers, Orgeln, Adresse, Verkehrsanbindung, Parken und Barrierefreiheit
- Anna Lapwood - Biografie, aktuelle Karrierephase, jüngstes Repertoire, die Alben Firedove und Arise Shine sowie die Single Nimbus & Toccata
- The Guardian - Beschreibung jüngerer Auftritte, Verhältnis zum Publikum und Art der Verbindung von klassischer Musik und Filmmusik