Jacob Collier im symphonischen Gewand
Jacob Collier kommt mit einem Konzert nach Santa Cruz de Tenerife, das sich deutlich von einem klassischen Tourneeabend mit einer Band unterscheidet. In der Sala Sinfónica des Auditorio de Tenerife wird er gemeinsam mit der Orquesta Filarmónica de Gran Canaria auftreten, die von Suzie Collier dirigiert wird. Das Konzert ist Teil der 35. Ausgabe des Festivals Canarias Jazz & Más und findet am 22. Juli 2026 um 20:00 Uhr statt.
Die Ankündigung verbindet Jazz, Pop, zeitgenössische Harmonik und symphonischen Klang. Colliers Musik kann von einer leisen Gesangslinie zu dichter Mehrstimmigkeit und von einem präzisen Arrangement zu einer Improvisation übergehen, die den gesamten Saal einbezieht. Das Format mit Orchester verleiht seinen Ideen daher zusätzliche Weite.
Die Eintrittskarten für diese Veranstaltung waren außerordentlich begehrt, und alle verfügbaren Plätze sind ausverkauft. Besucher, die bereits eine Eintrittskarte besitzen, sollten ihre Ankunft ohne Zeitdruck planen, da nach dem Schließen der Türen und dem Beginn des Programms kein Einlass in den Saal mehr gestattet ist.
Warum dieses Konzert anders ist
Collier ist Sänger, Komponist, Arrangeur, Produzent und Multiinstrumentalist und beschränkt sich nicht auf ein einziges Genre. Einem breiteren Publikum wurde er durch vielschichtige Bearbeitungen im Internet bekannt, bevor er diesen Ansatz auf Alben und Bühnen übertrug. Jazz, Soul, Folk, klassische Musik und Pop behandelt er nicht als getrennte Schubladen, sondern als Bestandteile derselben Sprache.
Sein Katalog umfasst Lieder wie "All I Need", "Time Alone With You", "Little Blue", "Wherever I Go" und "In My Room" sowie Bearbeitungen von "Moon River", "Bridge Over Troubled Water" und "Don't You Worry 'Bout a Thing". Dabei handelt es sich nicht um Ankündigungen der Setlist für Tenerife. Das Programm der einzelnen Stücke wurde nicht veröffentlicht, weshalb es nicht sinnvoll wäre, Vermutungen darüber anzustellen, was aufgeführt wird. Die Titel verdeutlichen dennoch die Bandbreite seines Schaffens: von intimen Balladen und Neo-Soul bis hin zu Vokalarrangements, die beinahe wie Miniatursymphonien funktionieren.
Die Orquesta Filarmónica de Gran Canaria ist hier kein Ensemble im Hintergrund. Die Geschichte des Ensembles reicht bis ins Jahr 1845 zurück, während seine heutige institutionelle Form 1980 gegründet wurde. Die Streicher können Colliers Vokalharmonien erweitern, die Bläser rhythmische Übergänge hervorheben und das gesamte Orchester plötzliche dynamische Veränderungen vermitteln.
Die Rolle von Suzie Collier
Die Dirigentin Suzie Collier ist ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Solisten und dem Orchester. Neben ihrer Arbeit als Violinistin, Pädagogin und Dirigentin leitete sie Orchesterprojekte in Verbindung mit Jacob Collier und wirkte an den Aufnahmen des Materials für "Djesse Vol. 4" mit. Sie dirigierte Ensembles wie die Britten Sinfonia, die Nashville Symphony und die Orquesta Filarmónica de Gran Canaria.
Ihre Zusammenarbeit ist nicht nur wegen der familiären Verbindung interessant. Suzie Collier kennt Jacobs plötzliche Tempowechsel, improvisierte Übergänge, vielschichtige Mehrstimmigkeit und jene Augenblicke genau, in denen das Publikum Teil der Aufführung wird. Bei einem Orchesterkonzert muss das Orchester präzise bleiben, zugleich aber flexibel genug sein, um auf die Spontaneität des Solisten zu reagieren.
Ein früheres gemeinsames Projekt mit der Britten Sinfonia umfasste Übergänge zwischen Bach, den Beatles, Folk, Pop und orchestralen Klangtexturen, begleitet von Improvisation und mehrstimmigem Gesang des Publikums. Das bedeutet nicht, dass in Tenerife dasselbe Repertoire wiederholt wird, vermittelt jedoch ein realistisches Bild der Methode: Die Grenzen zwischen Konzert, gemeinsamem Musizieren und angeleiteter Improvisation bleiben häufig offen.
Von der Pracht von "Djesse" zur akustischen Nähe
Das Konzert findet nach dem Abschluss des vierteiligen Projekts "Djesse" statt, mit dem Collier seine eigene Klangwelt über Jahre hinweg durch große kollaborative Besetzungen, Orchester, Chöre, Elektronik und Musiker aus unterschiedlichen Traditionen erweiterte. "Djesse Vol. 4" schloss diesen Zyklus 2024 ab. Zu den bekanntesten Titeln aus dieser Phase zählen "Little Blue", "Wherever I Go", "A Rock Somewhere" und "Bridge Over Troubled Water".
Auf diese maximalistische Phase folgte das Album "The Light for Days". Es erschien 2025 und stellt eine bewusste Verengung des Fokus dar. Collier baute den größten Teil des Materials auf seiner Stimme und einer eigens angepassten fünfsaitigen Akustikgitarre auf. Anstelle von Hunderten Produktionsschichten liegt der Schwerpunkt auf der Berührung der Finger, dem Raum zwischen den Akkorden und der Wärme einer unmittelbaren Aufnahme.
Auf dem Album treffen eigene Lieder und Bearbeitungen aufeinander, darunter "I Know (A Little)", "Keep An Eye On Summer", "Norwegian Wood" und "You Can Close Your Eyes". Die Harmonien bleiben reichhaltig, doch die Komplexität verbirgt sich häufig in einem einzigen ungewöhnlichen Akkord oder einem Wechsel der Stimmfarbe.
Das Konzert auf Tenerife findet deshalb zu einem interessanten Zeitpunkt statt. Auf der einen Seite steht ein Künstler, der gerade ein beinahe vollständig reduziertes Format erforscht hat, auf der anderen ein vollständiges Symphonieorchester. Dieser Kontrast könnte zum Mittelpunkt des Abends werden: Die akustische Nähe seiner jüngsten Phase trifft auf die Pracht und Tiefe seiner früheren Orchesterarbeit.
Das Publikum als zusätzliches Instrument
Eine der bekanntesten Konzertmethoden Colliers besteht darin, das Publikum wie einen Chor zu dirigieren. Mit Handbewegungen teilt er den Saal in Gruppen, weist ihnen Töne zu und verändert die Harmonie in Echtzeit. Das Ergebnis ist kein gewöhnliches gemeinsames Singen eines Refrains. Das Publikum wird zu einem mehrstimmigen Instrument, während der Künstler die Akkorde und die Dynamik wie der Dirigent eines improvisierten Chors gestaltet.
Die Sala Sinfónica bietet einen interessanten Rahmen für dieses Verfahren. Die amphitheatralische Sitzanordnung und eine Kapazität von 1.616 Plätzen erzeugen eine große kollektive Stimme, während die Konzertakustik das Gefühl eines gemeinsamen Raums bewahrt. Collier schafft häufig selbst vor Tausenden Menschen Nähe, und hier dürfte die Beziehung zwischen Bühne, Orchester und Publikum besonders deutlich zu hören sein.
Das Publikum muss keine Musiktheorie beherrschen, um teilzunehmen, denn die Anweisungen sind visuell und intuitiv. Der Reiz liegt in dem Augenblick, in dem die Besucher erkennen, dass der Klang des Saals auch aus ihren eigenen Stimmen entsteht.
Für wen das Konzert besonders attraktiv ist
Dieser Abend richtet sich nicht nur an ein einziges Publikum. Langjährige Fans erhalten die seltene Gelegenheit, Collier in einer vollständigen symphonischen Umgebung zu hören. Jazzliebhaber können Improvisationen, rhythmische Verschiebungen und Reharmonisierungen verfolgen. Das Publikum klassischer Musik kann sich auf die Orchestrierung und das Zusammenspiel zwischen Dirigentin und Ensemble konzentrieren. Besucher, die ihn lediglich durch virale Bearbeitungen kennen, werden wahrscheinlich am besten verstehen, weshalb seine Konzerte so stark auf gemeinsames Musizieren ausgerichtet sind.
Besonders ansprechend könnte es sein für:
- Hörer, die Jazz, Soul, Folk und Pop ohne strenge Genregrenzen mögen
- Musiker und Studierende, die sich für Harmonik, Arrangement und Improvisation interessieren
- ein Publikum, das den Klang eines großen Orchesters schätzt, aber ein Programm außerhalb des klassischen symphonischen Repertoires erleben möchte
- Fans der Alben "Djesse" und der neueren Phase von "The Light for Days"
- Besucher, denen die Interaktion zwischen Künstler und Saal wichtig ist
Für einen Hörer, der eine strikte Wiederholung der Studioversionen erwartet, kann Colliers Ansatz unvorhersehbar sein. Arrangements verändern sich, Lieder können miteinander verbunden werden und Improvisationen können den Verlauf der Aufführung neu ausrichten. Genau das macht einen Teil des Reizes aus.
Zwei aufeinanderfolgende Inselabende
Der Auftritt in Santa Cruz de Tenerife ist das zweite von zwei aufeinanderfolgenden Konzerten Colliers mit der Orquesta Filarmónica de Gran Canaria unter der Leitung von Suzie Collier. Das erste findet einen Tag zuvor in Las Palmas de Gran Canaria statt, das zweite im Auditorio de Tenerife. Das Festival präsentierte beide Konzerte als zentrale symphonische Produktionen seiner 35. Ausgabe, und beide sind ausverkauft.
Es handelt sich nicht um eine einzelne Station einer langen Reihe identischer Saalauftritte, sondern um den zweiten Abend eines kurzen Inselprojekts. Orchester und Dirigentin bringen die Erfahrung der vorherigen Aufführung mit, doch Colliers Verhältnis zur Improvisation bedeutet, dass die beiden Abende nicht auf dieselbe Weise verlaufen müssen.
Das Festival Canarias Jazz & Más dauert den gesamten Juli über an und verbindet Bühnen auf mehreren Inseln. Die Einbindung eines großen Orchesters an der Seite eines Künstlers, der sich zwischen Jazz, Pop und zeitgenössischer Komposition bewegt, verdeutlicht die programmatische Idee: Jazz wird als Methode des Zuhörens, Reagierens und Zusammenarbeitens präsentiert.
Die Sala Sinfónica und das Raumgefühl
Das Auditorio de Tenerife wurde 2003 eröffnet und zählt zu den bekanntesten Werken des Architekten Santiago Calatrava. Das Gebäude steht an der Atlantikküste, am südlichen Rand des Zentrums von Santa Cruz de Tenerife, in der Nähe des Hafens und des Parque Marítimo César Manrique. Die weiße Außenfläche, die in Trencadís-Technik ausgeführt wurde, und das große geschwungene Dach sind leicht wiederzuerkennen, für das Konzert ist jedoch die Innenaufteilung wichtiger.
Die Sala Sinfónica verfügt über höchstens 1.616 Plätze, die amphitheatralisch um die Bühne angeordnet sind. Diese Form verringert das Gefühl von Entfernung, das in Arenen häufig entsteht. Das Publikum ist auf das Zentrum der Aufführung ausgerichtet, während das Orchester den Klang ohne stadionartige Produktion in Tiefe und Breite entwickeln kann. Für einen Künstler, der subtile Vokalharmonien, akustische Instrumente und plötzliche dynamische Veränderungen einsetzt, bietet der Konzertsaal eine Fülle von Details.
Anreise zum Auditorio de Tenerife
Die Adresse des Saals lautet Avenida de la Constitución 1, Santa Cruz de Tenerife. Er befindet sich in der Nähe der wichtigsten Verkehrswege und des zentralen Verkehrsknotenpunkts der Stadt.
- Mit dem Auto: Die Autobahn TF-5 führt aus nördlicher Richtung und die TF-1 aus südlicher Richtung heran; beide ermöglichen die Zufahrt zum Bereich des Saals.
- Parken: Der Saal verfügt über 189 Stellplätze für Autos, 14 Stellplätze für Motorräder und 8 für Menschen mit eingeschränkter Mobilität vorgesehene Stellplätze.
- Mit dem Bus: Linien, die am Hauptbahnhof von Santa Cruz de Tenerife enden, bringen die Fahrgäste bis auf wenige Gehminuten an den Saal heran.
- Mit der Straßenbahn: Die Endhaltestelle Intercambiador der Linie 1 befindet sich in der Nähe des Busterminals und des Auditoriums.
Der Parkplatz verfügt im Verhältnis zur Zahl der Sitzplätze nur über eine begrenzte Kapazität, weshalb öffentliche Verkehrsmittel für einen ausverkauften Abend eine praktische Wahl sind. Besucher, die mit dem Auto anreisen, sollten mit einer erhöhten Nachfrage in der Umgebung rechnen.
Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität bietet das Gebäude ebene Zugänge, Rampen, einen Aufzug zum Saal und reservierte Plätze für Rollstuhlfahrer. Beim Personal kann Unterstützung für den Einlass angefordert werden.
Wissenswerte Einlassregeln
Das Konzert beginnt um 20:00 Uhr. Nach dem Schließen der Türen und dem Beginn der Aufführung ist der Einlass in den Saal nicht mehr gestattet. Dies ist bei einem Programm, das Orchester, Solist und improvisierte Übergänge miteinander verbindet, besonders wichtig, da ein verspäteter Einlass sowohl die Künstler als auch das Publikum stört.
Der Zutritt zu dieser Veranstaltung ist Personen gestattet, die älter als fünf Jahre sind. Die Dauer des Konzerts, das Vorhandensein einer Pause und die vollständige Setlist wurden nicht bekannt gegeben, weshalb man sich bei der Planung der Rückfahrt nach dem Ende nicht darauf verlassen sollte. Der Saal gestattet grundsätzlich die verantwortungsvolle Nutzung mobiler Geräte ohne Blitz, sofern die Aufführung dadurch nicht gestört wird. Einzelne Programme können jedoch strengere Regeln haben. Am sichersten ist es, den Anweisungen des Personals zu folgen.
Besucher mit Eintrittskarten sollten vorab einen Treffpunkt vereinbaren, ihre Eintrittskarte vor der Kontrolle bereithalten und früh genug eintreffen, um ihren Sitzplatz zu finden. Wer keine Eintrittskarte besitzt, sollte mögliche Aktualisierungen der Veranstalter verfolgen und ungeprüfte Angebote meiden.
Ein kurzer Reiseführer für Santa Cruz de Tenerife
Santa Cruz de Tenerife ist eine Hafenstadt an der nordöstlichen Küste der Insel Tenerife. Das Auditorio liegt am Meer, in der Nähe des Parque Marítimo César Manrique, des Palmetum und des Hafengebiets. In Richtung Stadtzentrum befinden sich Plätze und gastronomische Angebote rund um die Plaza de España. Für die Anreise aus anderen Teilen der Insel ist der Intercambiador ein praktischer Ausgangspunkt, an dem Buslinien, Straßenbahn und Fußwege zusammentreffen.
Die Abende im Juli können an der Küste warm sein, doch in einem Konzertsaal herrschen andere Bedingungen als bei einem Festival unter freiem Himmel. Eine leichte zusätzliche Kleidungsschicht kann nützlich sein. Da die Endzeit nicht veröffentlicht wurde, sollte die Rückfahrt mit einer gewissen Flexibilität geplant werden.
Dieser Abend vereint einen musikalischen Universalgelehrten, ein vollständiges Symphonieorchester, eine Dirigentin, die seine Sprache gut kennt, und einen Saal, der groß genug für einen kollektiven Klang, zugleich aber konzentriert genug ist, damit die Details zu hören sind. Für das Publikum bedeutet dies mehr Zuhören, Reagieren und Mitwirken.
Quellen:
- Auditorio de Tenerife - Datum, Uhrzeit, Sala Sinfónica, Ausverkauft-Status, Künstler und Einlassregeln.
- Auditorio de Tenerife, Besucherinformationen - Kapazität, Adresse, Parkplätze, öffentliche Verkehrsmittel und Barrierefreiheit.
- Festival Internacional Canarias Jazz & Más - Kontext der 35. Ausgabe, zwei aufeinanderfolgende Orchesterabende und die Rolle des Festivals.
- Jacob Collier Music und MusicRadar - das Album "The Light for Days" und seine akustische Ausrichtung.
- The Guardian und LOS40 - frühere Auftritte, Orchesterkooperationen, Improvisation und Arbeit mit dem Publikum.