Kraftwerk in der Arena: elektronischer Minimalismus unter steinernen Bögen
Kraftwerk kommt am Dienstag, dem 28. Juli 2026, um 20:00 Uhr in die Arena von Pula. Das Konzert wurde als bestuhlte Aufführung und als Rückblick auf eine mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Karriere angekündigt. Das Programm soll fast zwei Stunden dauern. Das ist ein wichtiges Detail: Es handelt sich nicht um einen Festivalauftritt mit verkürzter Spielzeit, sondern um ein vollständiges Konzertformat, in dem sich Musik, Projektionen und eine präzise gestaltete Szenografie zu einem einheitlichen Ganzen entwickeln.
Für das Publikum, das Kraftwerk nur durch einige große Lieder kennt, ist dies eine Gelegenheit zu hören, wie sich ihr Katalog zu einer ununterbrochenen Geschichte über Autos, Züge, Computer, Radio, Roboter, Radsport und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine verbindet. Für langjährige Fans liegt der Reiz woanders: Musik, die Elektropop, Techno, Hip-Hop, New Wave und industrielle Elektronik geprägt hat, in einem römischen Amphitheater zu hören, ist kein gewöhnlicher Konzertrahmen.
Der Kartenverkauf für diese Veranstaltung läuft.
Warum Kraftwerk noch immer zeitgemäß klingt
Kraftwerk entstand Anfang der 1970er-Jahre in Düsseldorf, und Ralf Hütter blieb die zentrale kreative Figur der Gruppe. Ihr entscheidender Wandel bestand nicht nur in der Verwendung von Synthesizern und Rhythmusmaschinen. Die Band entwickelte eine eigene Sprache: kurze melodische Phrasen, strenge Wiederholungen, elektronisch bearbeitete Stimmen, grafisch klare Bilder und Themen aus dem modernen Alltag.
"Autobahn" verwandelte eine Fahrt auf der Autobahn in eine lange elektronische Komposition. "Radioactivity" verband Kommunikation, Energie und Gefahr in mehreren scheinbar einfachen Motiven. "Trans-Europe Express" vereinte den Rhythmus eines Zuges mit der Idee europäischer Verbundenheit. "The Model" wurde zu einem kühl-eleganten Pop-Hit, während "The Robots", "Computer Love" und "Tour de France" zeigten, wie unterschiedlich präzise, reduzierte Musik atmosphärisch wirken kann.
Ihre rhythmischen Muster und die Idee einer Band als audiovisuelles Projekt wurden von Künstlern aus Hip-Hop, Pop, Techno, House und Industrial übernommen. Das MoMA präsentierte ihre Arbeit an acht aufeinanderfolgenden Abenden, und die Rock & Roll Hall of Fame nahm sie 2021 in der Kategorie Musical Influence auf. Deshalb zieht das Konzert auch ein Publikum an, das sonst nur selten elektronische Auftritte besucht.
Die aktuelle Phase: Radio-Activity und die Multimedia Tour
Der Kontext des Konzerts in Pula ist kein neues Studioalbum, sondern die aktuelle Phase der Multimedia Tour und die erneute Öffnung des Katalogs für eine neue Generation von Hörerinnen und Hörern. Im Mai 2026 erschienen Ausgaben anlässlich des 50. Jubiläums des Albums "Radio-Activity". Die neue Dolby-Atmos-Version wurde im Kling Klang Studio aus den ursprünglichen 16-Spur-Bändern erstellt, unter Mitwirkung von Ralf Hütter und Fritz Hilpert.
Die Themen Radiowellen, Energie und technologischer Fortschritt wirken nicht mehr wie historische Science-Fiction. In einer Welt der ununterbrochenen Datenübertragung und Automatisierung erhält das alte Material ohne größere Veränderungen einen neuen Kontext.
Genau auf dieser Fähigkeit beruht die Multimedia Tour. Das Konzert ist nicht als Abfolge voneinander getrennter Hits mit den üblichen Ansprachen zwischen den Liedern konzipiert. Kraftwerk erschafft einen kontinuierlichen Fluss, in dem sich Klang und Bild gegenseitig erklären. Zahlen, Typografie, Verkehrswege, Zugkompositionen, Computernetzwerke, Radsportaufnahmen und Roboterfiguren werden Teil des Rhythmus und nicht bloß zu einem Hintergrund.
Was von der Live-Aufführung zu erwarten ist
Die genaue Setlist für Pula wurde nicht veröffentlicht, und es sollte nicht angenommen werden, dass das Konzert derselben Reihenfolge wie frühere Auftritte folgen wird. Dennoch bieten die Ankündigung einer Karriereretrospektive und die Erfahrungen mit Konzerten aus dem Jahr 2026 einen ziemlich klaren Rahmen. Das Publikum kann einen Querschnitt durch die wichtigsten Perioden erwarten, von "Autobahn" und "Radioactivity" über "Trans-Europe Express", "The Man-Machine" und "Computer World" bis hin zu Material im Zusammenhang mit "Tour de France".
Beim Auftritt in Belfast im Mai 2026 stand Ralf Hütter gemeinsam mit Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen und Georg Bongartz auf der Bühne. Die Aufführung umfasste präzise synchronisierte Projektionen, aber auch Momente, in denen der Klang live verändert wurde, insbesondere während "Autobahn" und am Ende des Liedes "Neon Lights". Das Publikum reagierte besonders stark auf Sequenzen im Zusammenhang mit "Tour de France", "Trans-Europe Express" und "The Robots". Das ist keine Garantie für das Repertoire in Pula, zeigt jedoch, wie die aktuelle Tour den Katalog behandelt: Bekannte Kompositionen sind keine Museumsexponate, sondern Material, das während der Aufführung subtil verändert werden kann.
Kraftwerk verwendet keine klassische Rock-Dynamik. Die Musiker stehen größtenteils hinter Konsolen, während die Spannung durch Rhythmus, Synthesizerschichten und das Zusammenspiel mit dem riesigen Bild hinter ihnen entsteht. Deshalb kann die bestuhlte Form ein Vorteil sein: Der Blick auf die gesamte Bühne ist wichtiger als die Nähe zu nur einem Gruppenmitglied.
Für wen das Konzert besonders attraktiv ist
- Für langjährige Fans, die einen vollständigen Querschnitt durch den Katalog und keine kurze Festivalauswahl erleben möchten.
- Für Liebhaber von Techno, Electro, Synth-Pop, New Wave und Hip-Hop, die sich für den Ursprung vieler späterer Produktionsideen interessieren.
- Für ein Publikum, dem bildende Kunst, Typografie, Design und die Beziehung zwischen Klang und bewegtem Bild wichtig sind.
- Für Besucher, die normalerweise Konzerthallen, Theater und audiovisuelle Aufführungen klassischen Rock-Konzerten vorziehen.
- Für jüngere Hörerinnen und Hörer, die Kraftwerk durch Samples, Remixe, Dokumentarfilme oder von der Gruppe beeinflusste Künstler entdeckt haben.
Die Plätze werden schnell knapp.
Die Arena als Teil des Konzertbildes
Die Arena in Pula ist eines der am besten erhaltenen römischen Amphitheater und wird heute für Konzerte, Filmvorführungen, Oper, Ballett und andere Aufführungen genutzt. Bei Veranstaltungen kann sie ungefähr 5.000 Zuschauer aufnehmen, wobei die tatsächliche Zahl von der Bühne, der Produktion und der Sitzordnung abhängt. Für Kraftwerk wurde eine bestuhlte Anordnung angekündigt, weshalb bei der Einschätzung der Verfügbarkeit einzelner Sektoren nicht von der allgemeinen Kapazität ausgegangen werden sollte.
Die Verbindung von Kraftwerk und der Arena funktioniert auf der Ebene des Kontrasts. Auf der einen Seite stehen steinerne Bögen, unregelmäßige Oberflächen und ein Bauwerk aus der Antike. Auf der anderen Seite befinden sich die strengen Raster, geraden Linien, digitalen Zahlen und die robotische Geometrie ihrer Projektionen. Während das Tageslicht im Laufe des Abends abnimmt, tritt der visuelle Teil der Aufführung immer stärker hervor, während die Umrisse des Amphitheaters rund um Leinwand und Bühne sichtbar bleiben.
Der offene Raum bietet je nach Sitzplatz, Produktion und Wetter ein anderes Klangerlebnis als eine geschlossene Halle. Kraftwerks Musik beruht auf klaren tiefen Frequenzen und präzisen Rhythmen, daher ist es ratsam, frühzeitig zu kommen und den Platz ohne Eile zu finden. Bei einer bestuhlten Veranstaltung sind Sektor und Blickwinkel wichtiger als bei einer Veranstaltung mit freier Stehplatzwahl.
Es lohnt sich, die Eintrittskarten rechtzeitig zu sichern.
Anreise nach Pula und der Weg zur Arena
Die Arena befindet sich neben dem historischen Stadtkern in der Flavijevska-Straße, in der Nähe der Uferpromenade, des Fähranlegers und des städtischen Busbahnhofs. Für Besucher, die sich im zentralen Teil der Stadt aufhalten, ist der Weg zu Fuß am einfachsten. An Abenden mit großen Veranstaltungen kann der Verkehr rund um das Amphitheater vorübergehend umgeleitet werden, und einzelne Bushaltestellen an der Arena können außer Betrieb sein.
Wer mit dem Auto anreist, sollte nicht mit einem Parkplatz unmittelbar am Eingang rechnen. Für frühere Sommerkonzerte empfahl die Stadt Mandrač und Gregovica als weiter außerhalb gelegene Möglichkeiten. Mandrač liegt ungefähr zehn Gehminuten von der Arena entfernt, während Gregovica durch Stadtbusse angebunden ist. Fahrpläne, Gebühren und besondere Verkehrsregelungen für den 28. Juli können abweichen und sollten deshalb unmittelbar vor der Reise überprüft werden.
Pulapromet verbindet die Stadtviertel und umliegenden Siedlungen mit einem Netz aus Tages- und Nachtlinien. Die Anwendung zeigt Fahrpläne, Reiseplanung und die Position der Busse in Echtzeit an. Für den Konzertabend ist es besonders wichtig, die letzten Abfahrten und mögliche Änderungen der Haltestellen im Bereich der Arena zu überprüfen.
Flugreisende können den Shuttlebus zwischen dem Flughafen Pula und dem zentralen Busbahnhof nutzen. Für den 28. Juli wurde ein Sommerfahrplan mit mehreren täglichen Abfahrten veröffentlicht, der jedoch Änderungen in Verbindung mit dem Flugplan unterliegen kann. Da das Konzert am Abend stattfindet, lässt eine Anreise am selben Tag weniger Spielraum für Flugverspätungen, die Gepäckausgabe und den Transfer durch die Stadt.
Praktischer Plan für den Konzertabend
- Überprüfen Sie vor Ihrer Ankunft am Amphitheater den auf der Eintrittskarte angegebenen Sektor und Eingang.
- Planen Sie eine frühere Ankunft ein, da der Beginn um 20:00 Uhr innerhalb desselben Zeitraums eine größere Zahl von Besuchern anziehen kann.
- Verlassen Sie sich nicht auf Parkmöglichkeiten an der Arena; wählen Sie im Voraus eine Fußroute, öffentliche Verkehrsmittel oder einen Parkplatz am Stadtrand.
- Überprüfen Sie am Tag des Konzerts die Wettervorhersage, da es sich um eine Open-Air-Veranstaltung handelt.
- Nehmen Sie nur Dinge mit, die gemäß den Einlassregeln gestattet sind, und prüfen Sie die Einschränkungen für Taschen, Flaschen, Regenschirme und professionelle Fotoausrüstung.
- Achten Sie auf einen ausreichenden Akkustand Ihres Telefons für die Eintrittskarte, den Stadtplan und mögliche Verkehrsänderungen nach dem Konzert.
Die Öffnungszeit der Eingänge ist derzeit auf der Programmseite nicht angegeben. Auch eine Vorgruppe, besondere Gäste oder eine Pause wurden nicht angekündigt. Die Ankündigung spricht von einer fast zweistündigen Kraftwerk-Retrospektive, daher ist es sicherer, den Abend zu planen, ohne sich auf ein nicht bestätigtes Zusatzprogramm zu verlassen.
Wie man Kraftwerk an diesem Ort am besten erlebt
Ein Kraftwerk-Konzert verlangt eine etwas andere Art von Aufmerksamkeit als ein Auftritt, der auf einen singenden Frontmann ausgerichtet ist. Es lohnt sich zu beobachten, wie Motive zurückkehren und sich verändern: Eine Zahl auf der Leinwand wird zum Rhythmus, der Rhythmus wird zum Wort, das Wort verwandelt sich in ein Zeichen, und anschließend erhält die gesamte Komposition eine visuelle Identität. In Liedern wie "Numbers", "Computer World" oder "Radioactivity" wirkt Sprache häufig wie ein weiteres elektronisches Instrument.
Die zentralen Plätze bieten den ausgewogensten Blick auf die symmetrische Bühne und die breiten Projektionen. Seitliche Sektoren können ein stärkeres Gefühl für die Arena selbst vermitteln, weil die steinernen Bögen und das Publikum deutlicher im Sichtfeld erscheinen. Es gibt keine allgemein beste Position: Die Wahl hängt davon ab, ob das frontale Bild der Leinwand, die Nähe zur Bühne oder ein weiterer Blick auf das Amphitheater wichtiger ist.
Das Publikum sollte kein klassisches Nostalgiekonzert erwarten. Kraftwerk rekonstruiert die 1970er-Jahre nicht mit langen Geschichten über die Vergangenheit. Alte analoge Motive, frühe Computeranzeigen und Roboterfiguren wirken zugleich historisch und aktuell.
Pula zwischen Konzert und Stadt
Für Besucher, die anreisen, lässt sich das Konzert leicht mit einem kurzen Aufenthalt in der Stadt verbinden. Die Arena liegt am Rand des historischen Stadtkerns, weshalb das Forum, der Augustustempel, der Sergierbogen und die Straßen der Altstadt zu Fuß erreichbar sind. Ein Sommerabend rund um die Arena ist gewöhnlich belebt, weshalb es sinnvoll ist, das Abendessen und die Ankunft mit einem zeitlichen Puffer zu organisieren, anstatt in den letzten Minuten den Einlass zu versuchen.
Nach der Aufführung entstehen die größten Menschenansammlungen auf engen Fußwegen, an Taxiständen und auf den Straßen rund um das Zentrum. Wer nicht sofort mit dem Auto losfahren muss, kann warten, bis sich die erste Besucherwelle aufgelöst hat. Reisende mit einem späten Bus, Transfer oder im Voraus vereinbarten Transport sollten den Abfahrtsort überprüfen, da vorübergehende Verkehrsregelungen die üblichen Einstiegsstellen verlegen können.
Kraftwerk in Pula ist nicht nur das Zusammentreffen eines bekannten Katalogs mit einem eindrucksvollen historischen Ort. Der interessanteste Teil des Abends wird die Art sein, wie sich zwei strenge Architekturen überlagern: ein römisches Amphitheater, das für Massenversammlungen errichtet wurde, und ein digitales Konzertsystem, in dem jeder Ton, jedes Bild und jede Bewegung präzise angeordnet sind.
Quellen:
- Arena Pula - Datum, Uhrzeit, bestuhltes Format, Multimedia Tour und angekündigte Konzertdauer.
- Kraftwerk - Konzertarchiv und Überblick über den Katalog.
- The Guardian - Bericht über den Auftritt in Belfast im Mai 2026, die aktuelle Besetzung und Elemente der Aufführung.
- Louder - Ausgabe von "Radio-Activity" zum 50. Jubiläum und Dolby-Atmos-Bearbeitung aus den Originalbändern.
- MoMA - Kraftwerk-Retrospektive und Beschreibung des Einflusses auf elektronische Musik, Hip-Hop und Performancekunst.
- Rock & Roll Hall of Fame - Aufnahme in der Kategorie Musical Influence im Jahr 2021.
- Tourismusverband Pula - Kapazität der Arena, Lage, Stadtinformationen und frühere Empfehlungen für Parkmöglichkeiten während Veranstaltungen.
- Stadt Pula - empfohlene Standorte Mandrač und Gregovica für Sommerkonzerte.
- Pulapromet - Stadt- und Nachtlinien, Anwendung und Informationen über vorübergehende Verkehrsänderungen.
- Flughafen Pula - Shuttle zum Busbahnhof und Sommerfahrplan für Ende Juli 2026.