Dedićs Botschaft nach dem Schweizer Schlag: BiH muss gegen Katar sein Gesicht verändern und ab der ersten Minute angreifen
Amar Dedić hat nach der schweren Niederlage von Bosnien und Herzegowina gegen die Schweiz bei der Weltmeisterschaft 2026 eine klare Botschaft gesendet und betont, dass die Nationalmannschaft vor der letzten Runde der Gruppe nicht länger auf die Entwicklung der Ereignisse warten kann, sondern die Initiative übernehmen muss. BiH verlor am 18. Juni im Los Angeles Stadium gegen die Schweiz mit 4:1, obwohl die erste Halbzeit ohne Tore endete, und laut dem Bericht des Fußballverbands von Bosnien und Herzegowina wurde das Spiel in der Schlussphase entschieden, nach der Schweizer Führung und der Roten Karte für Tarik Muharemović. Dedić sprach nach einem neuen Training in Salt Lake City offen über die Notwendigkeit eines anderen Ansatzes gegen Katar, den Gegner, auf den BiH am 24. Juni in Seattle trifft. Seine Botschaft fügt sich in den breiteren Ton aus dem Lager der Nationalmannschaft ein: Die Niederlage gegen die Schweiz ist nicht das Ende des Turniers, aber der Spielraum für Kalkulationen ist sehr eng geworden. In einem solchen Kontext erhält jede Aussage eines Spielers zusätzliches Gewicht, besonders wenn sie von einem Fußballer kommt, der im Spiel selbst gegen die Schweiz zu jenen gehörte, die versuchten, den Rhythmus des Spiels zu verändern.
Dedić sagte, dass Bosnien und Herzegowina nun in ein Spiel geht, in dem es, zumindest nach den Erwartungen in der Nationalmannschaft, auf dem Papier Favorit ist, dass dieser Status aber durch konkretes Spiel bestätigt werden muss. “Jetzt haben wir ein Spiel, in dem wir auf dem Papier Favoriten sind. Ich erwarte ein anderes Spiel und einen anderen Ansatz. Wir müssen eine Mannschaft sein, die Chancen kreiert”, lautet seine Kernbotschaft nach der Schweizer Niederlage. Laut der Mitteilung des NS/FS BiH hob Dedić zusätzlich hervor, dass es gegen die Schweiz “besser hätte sein können”, dass dem Gegner zu viel Raum gelassen wurde und dass es nach der Roten Karte deutlich schwieriger wurde, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. In derselben Erklärung betonte er, dass BiH nun weiß, dass gegen Katar ein Sieg nötig ist und dass es ab der ersten Minute angreifen und den Wunsch zeigen muss, in die nächste Runde des Wettbewerbs einzuziehen. Ein solcher Ton klingt nicht nur wie ein Versuch, nach der Niederlage das Selbstvertrauen zu heben, sondern auch wie eine öffentliche Forderung nach einem mutigeren, aktiveren und offensiveren Spiel.
Eine Niederlage, die erst in der Schlussphase schwer wurde
Laut dem offiziellen Bericht des NS/FS BiH sah das Spiel zwischen der Schweiz und Bosnien und Herzegowina lange nicht wie eine Begegnung aus, die mit einem deutlichen Unterschied enden würde. Die erste Halbzeit verlief in vorsichtigem Spiel beider Nationalmannschaften, mit etwas stärker ausgeprägter Initiative der Schweiz, aber ohne Tor. Dan Ndoye sorgte in der frühen Phase für Gefahr, Remo Freuler versuchte es aus der Distanz, während BiH in Situationen am gefährlichsten war, in denen Edin Džeko Mitspieler im Strafraum suchte oder mit einem Schuss von der Strafraumgrenze abschließen wollte. In die Pause ging es beim Stand von 0:0, was den Eindruck hinterließ, dass BiH taktisch am Plan festhielt und dass das Spiel in Richtung eines Fehlers, einer Standardsituation oder einer individuellen Aktion gehen könnte. Genau das geschah am Ende auch, allerdings zugunsten der Schweiz.
FIFA hob in ihrem Bericht Johan Manzambi als Schlüsselfigur des Spiels hervor, und die offiziellen Spieldaten vermerken, dass der Schweizer Mittelfeldspieler zwei Tore erzielte. Die Schweiz ging in der 74. Minute in Führung, als Manzambi auf einen Abpraller reagierte und Nikola Vasilj bezwang. Nur wenige Minuten später blieb BiH mit einem Spieler weniger, weil Tarik Muharemović als letzter Abwehrspieler Breel Embolo stoppte, was das Kräfteverhältnis auf dem Platz veränderte. Ruben Vargas erhöhte in der 84. Minute den Vorsprung, Manzambi erzielte in der Schlussphase auch seinen zweiten Treffer, und Ermin Mahmić verkürzte anschließend in der Nachspielzeit mit seinem ersten Tor im Trikot der Nationalmannschaft auf 3:1. Den Endstand von 4:1 stellte Granit Xhaka per Elfmeter nach einem Foul von Amar Memić an Djibril Sow her, wodurch das Ergebnis Ausmaße annahm, die aus bosnisch-herzegowinischer Perspektive das Bild der Gruppe zusätzlich erschwerten.
Džeko und Barbarez hatten bereits auf dasselbe Problem hingewiesen
Dedićs Botschaft kam nicht aus dem Nichts. Nationaltrainer Sergej Barbarez bewertete nach dem Spiel laut der Mitteilung des NS/FS BiH das Endergebnis als zu hoch und als nicht vollständig widerspiegelnd, was während des größeren Teils der Begegnung geschehen war. Barbarez hob besonders das erste Tor der Schweiz und die Rote Karte als Details hervor, die “den Verlauf der Begegnung vollständig verändert” hätten, und fügte hinzu, dass es keine Aufgabe gebe und sich die Nationalmannschaft auf Katar vorbereiten müsse. Seine Aussage war ein Versuch, einen vollständigen psychologischen Absturz nach einer Schlussphase zu verhindern, in der BiH in kurzer Zeit vier Tore kassierte. Gleichzeitig räumte der Nationaltrainer klar ein, dass Fehler in einem Spiel auf diesem Niveau zu teuer sind und bereits im nächsten Auftritt korrigiert werden müssen.
Kapitän Edin Džeko sprach noch direkter über die letzten rund zwanzig Minuten. Laut der Mitteilung des Verbands sagte Džeko, BiH habe die Schlussphase nicht durchgehalten, die Tore seien naiv kassiert worden und bei einem solchen Wettbewerb dürfe kein Ball unterschätzt werden. Besonders betonte er, dass die Nationalmannschaft nach dem 1:0 und der Roten Karte daran hätte denken müssen, kein weiteres Tor zu kassieren, weil die Tordifferenz im Kampf um das Weiterkommen wichtig sein kann. Džekos Botschaft knüpft damit direkt an jene von Dedić an: Gegen Katar wird nicht nur eine emotionale Reaktion verlangt, sondern auch eine reifere Kontrolle des Spiels, eine bessere Einschätzung von Risiken und eine größere Effizienz in Momenten, in denen die Begegnung kippt. Für eine Nationalmannschaft, die sich auf eine Verbindung aus Erfahrung und jüngeren Spielern stützt, kann genau dieses Gleichgewicht entscheidend sein.
Gruppe B lässt eine Möglichkeit, aber nicht viel Sicherheit
Nach zwei Runden der Gruppe B hat Kanada laut der vom NS/FS BiH veröffentlichten Tabelle vier Punkte und eine Tordifferenz von +6, die Schweiz ebenfalls vier Punkte und eine Tordifferenz von +3, Bosnien und Herzegowina einen Punkt bei einer Tordifferenz von -3, und Katar einen Punkt bei einer Tordifferenz von -6. BiH spielte vor der Niederlage gegen die Schweiz in Toronto 1:1 gegen Kanada, während die Schweiz in der ersten Runde die Punkte mit Katar teilte. Das bedeutet, dass die letzte Runde zwei direkt miteinander verbundene Spiele bringt: Die Schweiz spielt gegen Kanada, und Bosnien und Herzegowina gegen Katar. Ein Sieg über Katar würde für BiH den Sprung auf vier Punkte bedeuten, aber die endgültige Position wird auch vom Ausgang der anderen Begegnung sowie von der Tordifferenz und den übrigen Kriterien der Rangordnung abhängen. In der Praxis spricht man deshalb aus dem Lager der Nationalmannschaft von einem Sieg als notwendigem Ziel und nicht nur als wünschenswertem Szenario.
Das breitere Format der Weltmeisterschaft 2026 verkompliziert die Rechnung zusätzlich. FIFA hat für diese Ausgabe ein Turnier mit 48 Nationalmannschaften eingeführt, aufgeteilt in 12 Gruppen zu je vier Teams, wobei die zwei besten aus jeder Gruppe sowie die acht besten drittplatzierten Nationalmannschaften in die Runde der letzten 32 einziehen. Deshalb bedeutet der dritte Platz nicht automatisch das Ausscheiden, aber auch keine Sicherheit für das Weiterkommen, besonders wenn eine Mannschaft die Gruppe mit schlechter Tordifferenz beendet. Die 4:1-Niederlage gegen die Schweiz belastet BiH daher nicht nur punktemäßig, sondern auch statistisch. Džekos Warnung, dass die Tordifferenz entscheiden kann, ist gerade in diesem System besonders wichtig, weil die Nationalmannschaften, die Dritte werden, mit den drittplatzierten Teams aus den übrigen Gruppen verglichen werden.
Dedić fordert das Kreieren von Chancen, nicht nur eine Reaktion auf das Ergebnis
Der wichtigste Teil von Dedićs Botschaft bezieht sich auf das Spiel und nicht nur auf das Ergebnis. Wenn er sagt, dass BiH eine Mannschaft sein muss, die Chancen kreiert, eröffnet er eigentlich die Frage nach der Identität der Nationalmannschaft in einem Spiel, in dem es nicht ausreichen wird, nur auf einen Fehler des Gegners zu warten. Gegen die Schweiz hatte BiH mehrere Phasen der Stabilität, aber laut dem offiziellen Bericht des Verbands gelang es in den entscheidenden offensiven Momenten nicht oft genug, Vorstöße in die Schlusszone in große Chancen umzuwandeln. Dedićs Versuch in der 68. Minute, den Gregor Kobel parierte, war einer der wenigen direkten Schüsse, die den Ton des Spiels vor der Schweizer Führung hätten verändern können. Danach nahm die Begegnung eine völlig andere Richtung, was zusätzlich unterstreicht, wie wichtig es gegen Katar sein wird, die frühen Phasen des Spiels zu nutzen.
Das Spiel gegen Katar trägt deshalb eine andere Art von Druck als die Begegnung mit der Schweiz. Wenn eine Mannschaft als Außenseiter oder gleichwertiger Gegner in ein Duell geht, muss sie nicht zwangsläufig von Beginn an die Last von Ballbesitz und Initiative tragen. Wenn sie, wie Dedić sagt, auf dem Papier Favorit ist, ändern sich die Erwartungen: Es wird ein klarerer Angriffsplan verlangt, eine größere Anzahl von Spielern im letzten Drittel, eine bessere Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff sowie schnellere Entscheidungen im letzten Drittel des Feldes. Das bedeutet nicht, dass das defensive Risiko vernachlässigt werden darf, besonders nach der Erfahrung mit Schweizer Kontern und dem abschließenden Druck. Doch die Botschaft aus dem Lager der Nationalmannschaft deutet darauf hin, dass Passivität keine Option mehr ist.
Unterstützung des Verbands und der Versuch, die Atmosphäre zu stabilisieren
Laut der Mitteilung des NS/FS BiH war Verbandspräsident Vico Zeljković bei den Nationalspielern beim Training in Salt Lake City und unterstützte den Trainerstab und die Spieler vor den kommenden Herausforderungen bei der Weltmeisterschaft. Eine solche Geste verändert die Tabelle sportlich nicht, hat aber nach einer Niederlage, die Raum für innere Anspannung und äußere Kritik hätte öffnen können, eine wichtige kommunikative Funktion. Wenn das Ergebnis hoch ausfällt und das nächste Spiel entscheidend ist, muss das Lager der Nationalmannschaft die Diskussion über das, was nicht mehr geändert werden kann, schnell schließen und die Energie auf die Vorbereitung richten. In dieser Atmosphäre ist Dedićs Aussage zugleich selbstkritisch und mobilisierend: Es wird anerkannt, dass es gegen die Schweiz besser hätte sein können, aber betont, dass die Mannschaft noch einen Weg zur Fortsetzung des Wettbewerbs hat.
Samed Baždar, der sich laut der Mitteilung des Verbands ebenfalls an die Medien wandte, sagte, dass Bedauern wegen der Niederlage gegen die Schweiz bleibe und dass sich das Spiel bis zur 75. Minute zugunsten von BiH hätte drehen können. Er fügte hinzu, dass auf einem so hohen Niveau schon ein Fehler eine Mannschaft teuer zu stehen kommen kann, und beschrieb die Schweiz als sehr gute Nationalmannschaft, die das Angebotene zu nutzen wusste. Baždar betonte dabei, dass nun alle Gedanken auf Katar gerichtet werden müssten, das “wichtigste Spiel”, das der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft bevorsteht. Diese Aussage bestätigt, dass in der Kabine die Niederlage nicht nur durch das endgültige 4:1 betrachtet wird, sondern auch durch die Frage, wie das Spiel nach einer relativ ausgeglichenen Phase außer Kontrolle geriet.
Was BiH gegen Katar ändern muss
Aus allem, was Dedić, Džeko, Barbarez und Baždar nach dem Spiel sagten, lassen sich mehrere klare Forderungen für die letzte Runde herausheben. Die erste ist eine größere Konzentration in Phasen, in denen der Gegner den Druck erhöht, weil BiH gegen die Schweiz lange im Spiel blieb, aber nach dem ersten Tor und dem Platzverweis zu schnell die Struktur verlor. Die zweite ist ein besseres Risikomanagement: Wenn die Mannschaft angreifen muss, darf sie hinter dem Ball nicht zu viel Raum lassen, besonders gegen einen Gegner, der Umschaltsituationen bestrafen kann. Die dritte ist Effizienz im Angriff, denn Dedić hob das Kreieren von Chancen ausdrücklich als Verpflichtung hervor und nicht als wünschenswerte Ergänzung. Die vierte ist emotionale Stabilität, weil ein entscheidendes Spiel bei der Weltmeisterschaft oft nicht nur Qualität belohnt, sondern auch die Fähigkeit der Mannschaft, selbst nach dem ersten Problem im Plan zu bleiben.
Katar geht ebenfalls mit einem Punkt in die letzte Runde, daher wird die Begegnung in Seattle nicht einseitig sein, nur weil BiH sich selbst auf dem Papier als Favoriten sieht. Genau deshalb kann Dedićs Aussage auch als Warnung gelesen werden, dass der Favoritenstatus ohne konkrete Intensität ab der ersten Minute nichts bedeutet. Eine Nationalmannschaft, die aus der Gruppe weiterkommen will, muss zeigen, dass sie die Lektion aus Los Angeles gelernt hat: Sie darf dem Gegner nicht zu viel Raum lassen, sie darf nach einem Schlag nicht das Gleichgewicht verlieren und sie muss früher Situationen erzeugen, aus denen ein Tor entstehen kann. Im neuen Format der Weltmeisterschaft kann Hoffnung länger dauern als früher, aber nur, wenn sie von einem Ergebnis begleitet wird. Für Bosnien und Herzegowina bedeutet das nun eine einfache sportliche Gleichung: Gegen Katar muss es ein Spiel zeigen, das Dedićs Worte in einen Beweis auf dem Platz verwandelt.
Quellen:
- Fußballverband von Bosnien und Herzegowina – Mitteilung vom Training in Salt Lake City und Aussagen von Amar Dedić sowie Samed Baždar vor dem Spiel gegen Katar (Link)
- Fußballverband von Bosnien und Herzegowina – Aussagen von Sergej Barbarez und Edin Džeko nach der Niederlage gegen die Schweiz (Link)
- Fußballverband von Bosnien und Herzegowina – offizieller Spielbericht Schweiz – Bosnien und Herzegowina 4:1 in Gruppe B (Link)
- FIFA – offizieller Bericht und hervorgehobene Daten des Spiels Schweiz – Bosnien und Herzegowina bei der Weltmeisterschaft 2026 (Link)
- FIFA – offizielles Spielzentrum Schweiz – Bosnien und Herzegowina mit Ergebnis, Austragungsort und statistischen Daten (Link)
- FIFA – Erklärung des Formats der Weltmeisterschaft 2026 mit 48 Nationalmannschaften, 12 Gruppen und dem Weiterkommen der besten drittplatzierten Teams (Link)