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Chijindu Ujah und Brandon Mingeli in Krypto-Betrugsfall mit Bezug zur britischen Leichtathletik angeklagt

Die britischen Sprinter Chijindu Ujah und Brandon Mingeli sind in einer Untersuchung zu mutmaßlichem Krypto-Betrug wegen Verschwörung zum Betrug angeklagt worden. Die Polizei erklärt, Opfer seien zur Preisgabe von Sicherheitsdaten für Krypto-Wallets gebracht worden

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Britische Sprinter Chijindu Ujah und Brandon Mingeli unter den Beschuldigten in Ermittlungen zu Kryptobetrug

Der britische Sprinter Chijindu Andre Ujah, auch bekannt als CJ Ujah, sowie sein Landsmann Brandon Mingeli wurden wegen Verschwörung zum Betrug im Rahmen einer polizeilichen Untersuchung zu einem mutmaßlichen Kryptobetrug im Vereinigten Königreich angeklagt. Laut einer Mitteilung des Regional Organised Crime Unit Network, also des britischen Netzwerks regionaler Einheiten zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, wurden insgesamt zehn Personen nach koordinierten Durchsuchungen in Kent, Essex und London festgenommen. Die Polizei gibt an, dass die Verdächtigen mit einer organisierten kriminellen Gruppe verbunden sind, die nach den Angaben der Ermittlungen mehrere Opfer telefonisch kontaktierte und sich dabei als Polizei oder als Vertreter von Kryptowährungsunternehmen ausgab. Die Opfer wurden laut Polizeimitteilung dazu gebracht, sensible Sicherheitsdaten preiszugeben, einschließlich sogenannter Seed-Phrase-Ausdrücke, woraufhin sie feststellten, dass ihnen Gelder aus ihren Krypto-Wallets gestohlen worden waren. Eine Person soll laut derselben Quelle angeblich mehr als 300.000 Pfund verloren haben.

Der Fall hat zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit erregt, weil sich unter den Angeklagten zwei Sportler aus der britischen Leichtathletikszene befinden. Ujah ist ehemaliger Weltmeister in der 4x100-Meter-Staffel mit der Mannschaft Großbritanniens aus dem Jahr 2017, während Mingeli Großbritannien über 100 Meter bei den U23-Europameisterschaften 2021 vertrat. Nach den verfügbaren Informationen beziehen sich die Anklagen auf ein Strafverfahren, das sich in einem frühen Stadium befindet, und die polizeilichen Vorwürfe müssen erst noch vor Gericht geprüft werden. Rechtlich gelten alle Angeklagten als unschuldig, bis eine mögliche Schuld im Verfahren bewiesen ist.

Durchsuchungen am frühen Morgen an mehreren Adressen durchgeführt

Laut der Mitteilung der Eastern Region Special Operations Unit wurde die Polizeiaktion am Mittwoch, dem 29. April 2026, durchgeführt, als Beamte um 6 Uhr morgens gleichzeitig mehrere Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckten. Die Aktion umfasste Adressen in Chelmsford, Enfield und Südlondon, und die Polizei gibt an, dass auch Kent Police, City of London Police sowie der Metropolitan Police Service an der Durchführung beteiligt waren. Zusätzliche Unterstützung leistete die Yorkshire and Humber Regional Organised Crime Unit, deren Beamte laut der Mitteilung einen Verdächtigen an einer Adresse in Wakefield festnahmen. Alle Festgenommenen wurden, so ERSOU, nach der Vernehmung angeklagt und innerhalb von 24 Stunden einem Gericht vorgeführt.

Die zehn Angeklagten erschienen am Donnerstag, dem 30. April 2026, vor dem Margate Magistrates’ Court. Die Polizei gab bekannt, dass Brandon Mingeli, Jami Durston-McDonnel und Louis Richards-Miller bis zur nächsten Anhörung vor dem Chelmsford Crown Court, die für den 28. Mai 2026 angesetzt ist, in Untersuchungshaft behalten wurden. Sieben weitere Angeklagte wurden bis zu derselben Anhörung gegen Kaution freigelassen, darunter auch Chijindu Andre Ujah. In der Mitteilung wurden neben den Sportlern auch andere Angeklagte genannt: Joseph Umoru, Adedeji Kujore, Abdul-Azeem Taiwo Adeola Yusuf, Abdul-Azeez Kehinde Adeolu Yusuf, Jayden Nakayama und Samantha Gyabaa. Die Polizei hat bislang keine detailliertere Beschreibung der Rollen veröffentlicht, die den einzelnen Angeklagten zur Last gelegt werden.

Polizei behauptet, Opfer seien zur Preisgabe von Seed-Phrase-Ausdrücken gebracht worden

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein mutmaßlicher Betrug im Zusammenhang mit Kryptowährungen und digitalen Wallets. Laut der ROCU-Mitteilung erhielten die Opfer Telefonanrufe von Personen, die sich als Polizeibeamte oder als Mitarbeiter von Kryptowährungsunternehmen ausgaben. Eine solche Betrugsform beruht darauf, ein Gefühl von Dringlichkeit und Vertrauen zu erzeugen: Opfern wird häufig suggeriert, dass ihr Konto gefährdet sei, dass eine dringende Überprüfung erforderlich sei oder dass sie Schritte unternehmen müssten, um ihr Vermögen zu schützen. Die Polizei gibt an, dass Menschen in diesem Fall dazu gebracht wurden, wichtige Sicherheitsdaten preiszugeben, einschließlich einer Seed Phrase, woraufhin Gelder aus ihren Krypto-Wallets verschwanden.

Eine Seed Phrase ist eine Wortfolge, die als Schlüssel für den Zugriff auf ein Krypto-Wallet und zur Wiederherstellung von Geldern dient, wenn ein Nutzer ein Gerät oder eine Anwendung verliert. Gerade deshalb hat diese Information einen außerordentlich hohen Sicherheitswert: Eine Person, die an eine Seed Phrase gelangt, kann in der Regel die Kontrolle über das digitale Wallet übernehmen. Die britische Polizei betont in den zusammen mit der Mitteilung veröffentlichten Ratschlägen, dass die Polizei Bürger niemals unerwartet wegen ihrer Krypto-Vermögenswerte anrufen oder Zugang zu Geräten zur Speicherung von Kryptowährungen verlangen werde. In denselben Ratschlägen heißt es auch, dass kein legitimes Unternehmen und kein Polizeibeamter eine Seed Phrase verlangen werde, was eines der wichtigsten Anzeichen für einen möglichen Betrug ist.

Ujahs sportliche Karriere geprägt von Weltmeistertitel und früherer Sperre

Chijindu Ujah, ein 32-jähriger Sprinter aus Enfield, ist der breiteren Sportöffentlichkeit durch seinen Einsatz in der britischen 4x100-Meter-Staffel bekannt, die bei den Weltmeisterschaften 2017 in London Gold gewann. Nach Angaben von The Guardian und Sportaufzeichnungen lief Ujah damals die erste Teilstrecke im Finale, in dem die britische Staffel vor heimischem Publikum gewann, in einem Rennen, das auch als letzter Auftritt von Usain Bolt auf der großen Bühne in Erinnerung blieb. Im selben Jahr gewann Ujah auch den Titel im 100-Meter-Rennen im Finale der Diamond League, und laut dem Wettkampfprofil beträgt seine persönliche Bestleistung über 100 Meter 9,96 Sekunden.

Seine Karriere wurde später auch durch einen Anti-Doping-Fall nach den Olympischen Spielen in Tokio geprägt. Die Athletics Integrity Unit gab 2022 bekannt, dass Ujah für 22 Monate gesperrt wurde, vom 6. August 2021 bis zum 5. Juni 2023, nach einem positiven Befund auf die verbotenen Substanzen Ostarin und S-23. Laut der AIU-Mitteilung endete das Verfahren mit der Feststellung, dass der Sportler einen Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln begangen hatte, es wurde jedoch ebenfalls angegeben, dass der Fall mit einem verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel verbunden war. Aufgrund dieses Befunds wurde der britischen 4x100-Meter-Staffel die Silbermedaille von den Olympischen Spielen in Tokio aberkannt, was auch Team GB in seinem Sportlerprofil bestätigte.

Nach Ablauf der Sperre kehrte Ujah zu Wettkämpfen zurück. The Guardian berichtet, dass er bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2024 in Rom das Halbfinale des 100-Meter-Rennens erreichte, dass er sich jedoch nach den verfügbaren Sportaufzeichnungen seit April 2025 nicht mehr im Wettkampf befand. Im Kontext des neuen Strafverfahrens haben seine früheren sportlichen Ergebnisse keine rechtliche Bedeutung für die Anklage selbst, erklären aber, weshalb der Fall auch außerhalb der Rubriken, die Kriminalität und Justiz verfolgen, Aufmerksamkeit erregt hat. Ujah gehört zu den sieben Angeklagten, denen das Magistrates’ Court erlaubte, die nächste Anhörung gegen Kaution in Freiheit abzuwarten.

Mingeli bis zur Anhörung vor dem Crown Court in Untersuchungshaft

Brandon Mingeli, ein 25-jähriger Sprinter, ist der zweite in der Polizeimitteilung erwähnte Sportler. Nach Angaben von World Athletics trat Mingeli in den Disziplinen 60 und 100 Meter an, und seine persönliche Bestleistung über 100 Meter beträgt 10,18 Sekunden, erzielt im Jahr 2022. British Athletics gab in seinem Bericht von den U23-Europameisterschaften 2021 in Tallinn an, dass Mingeli in der britischen Nationalmannschaft über 100 Meter antrat und nach den Qualifikationsläufen das Finale erreichte. Im aktuellen Strafverfahren gab die Polizei bekannt, dass Mingeli zusammen mit zwei weiteren Angeklagten bis zur Anhörung vor dem Chelmsford Crown Court am 28. Mai 2026 in Untersuchungshaft behalten wurde.

Die Untersuchungshaft in dieser Phase des Verfahrens bedeutet weder ein Urteil noch einen Schuldnachweis. Sie ist eine prozessuale Entscheidung des Gerichts, während die Anklagen erst noch im weiteren Verfahren geprüft werden müssen. Nach den verfügbaren Informationen aus der Polizeimitteilung wird allen Angeklagten Verschwörung zum Betrug zur Last gelegt, doch öffentlich wurden keine Details bekannt gegeben, die die mutmaßlichen Handlungen einzelner Personen voneinander abgrenzen würden. Deshalb kann in der Berichterstattung über den Fall vorerst von Anklagen und polizeilichen Vorwürfen gesprochen werden, nicht aber von festgestellten Tatsachen zur strafrechtlichen Verantwortung.

Kryptobetrügereien nutzen immer häufiger falsche Identitäten und Druck auf Opfer

Die Ermittlungen passen in ein breiteres Muster von Betrügereien, bei denen Täter ein unzureichendes Verständnis von Technologie, aber auch Vertrauen in Institutionen ausnutzen. In Fällen im Zusammenhang mit Kryptowährungen haben falsche Anrufe von Polizei, Banken oder Anlageplattformen häufig dasselbe Ziel: an Daten zu gelangen, die die Übernahme eines Kontos oder Wallets ermöglichen. Das britische Meldezentrum für Betrug Action Fraud warnt Bürger regelmäßig davor, Passwörter, Sicherheitscodes und andere Zugangsdaten mit Personen zu teilen, die sie unerwartet kontaktieren. Im Kontext von Krypto-Vermögenswerten ist eine Seed Phrase besonders sensibel, weil ihre Offenlegung eine unumkehrbare Übertragung von Geldern ermöglichen kann.

Die Polizei nennt in den direkt mit diesem Fall verbundenen Ratschlägen mehrere Vorsichtsregeln. Wenn sich jemand telefonisch als Polizei ausgibt und behauptet, ein Krypto-Wallet sei gefährdet, wird Bürgern geraten, den Anruf selbst zu überprüfen, indem sie die offizielle Nummer 101 anrufen, möglichst nach einigen Minuten oder von einem anderen Telefon aus. Außerdem wird davor gewarnt, Links anzuklicken, die in unerwünschten Nachrichten oder während Anrufen gesendet werden. Besonders hervorgehoben wird, dass Passwörter und Sicherheitsausdrücke außerhalb des offiziellen Vorgangs zur Einrichtung oder Wiederherstellung eines Wallets auf dem eigenen Gerät weder eingegeben noch geteilt werden sollten. Solche Ratschläge sind auch für Personen wichtig, die keine professionellen Anleger sind, denn digitale Vermögenswerte können auch bei kleineren Beträgen Ziel von Angriffen sein.

Der nächste Schritt ist die Anhörung am 28. Mai

Der weitere Verlauf des Verfahrens wird vor dem Chelmsford Crown Court erwartet, wo die Anhörung für den 28. Mai 2026 angesetzt ist. Laut Polizei bleiben drei Angeklagte bis dahin in Untersuchungshaft, während sieben gegen Kaution freigelassen wurden. In dieser Phase sind nicht alle Beweise, auf denen die Anklage beruht, öffentlich bekannt, noch wurden Verteidigungserklärungen der einzelnen Angeklagten veröffentlicht. Das Gerichtsverfahren sollte den Umfang des mutmaßlichen Betrugs, die Rollen der angeklagten Personen und die Schadenssumme klären, die die Staatsanwaltschaft nachzuweisen versuchen wird.

Der Fall zeigt zugleich, wie sich Strafverfahren im Zusammenhang mit digitalen Vermögenswerten zunehmend mit klassischen Betrugsformen überschneiden. Obwohl in der Öffentlichkeit oft von technisch komplexen Angriffen auf Kryptosysteme die Rede ist, deuten die polizeilichen Vorwürfe in diesem Fall auf einen anderen Mechanismus hin: telefonische Täuschung durch falsche Identität, psychologischer Druck und Ausnutzung von Vertrauen. Genau deshalb betont die britische Polizei in der Mitteilung eine einfache Regel, die unabhängig von der Art des Wallets oder der Plattform gilt: Eine Seed Phrase wird mit niemandem geteilt, auch nicht mit Personen, die behaupten, von der Polizei oder von einem Kryptowährungsunternehmen zu kommen.

Quellen:
- Regional Organised Crime Unit Network / ERSOU – offizielle Mitteilung über Festnahmen, Anklagen, den Ablauf der Polizeiaktion und Ratschläge zur Verhinderung von Kryptobetrug (Link)
- The Guardian – Bericht über die Anklagen gegen Chijindu Ujah und Brandon Mingeli sowie den sportlichen Kontext des Falls (Link)
- Athletics Integrity Unit – Mitteilung über Ujahs Anti-Doping-Sperre aus dem Jahr 2022 (Link)
- Team GB – Profil von Chijindu Ujah und Angaben zu seinem Olympiaauftritt sowie zur Aberkennung der Medaille nach einem Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln (Link)
- World Athletics – Profil von Brandon Mingeli und offizielle sportliche Ergebnisse (Link)
- British Athletics – Bericht von den U23-Europameisterschaften 2021 mit Informationen über Mingelis Auftritt (Link)

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