RB Leipzig entließ Ole Werner trotz Qualifikation für die Champions League
RB Leipzig bestätigte am 17. Juni 2026, dass Ole Werner nicht mehr Cheftrainer der ersten Mannschaft ist, obwohl der Klub die gerade beendete Bundesliga-Saison auf dem dritten Platz abgeschlossen und sich die Teilnahme an der Champions League gesichert hatte. Die Entscheidung überraschte die deutsche Fußballöffentlichkeit, weil Werner erst im vergangenen Sommer nach Leipzig gekommen war, einen Vertrag bis 2027 unterschrieben hatte und in seiner ersten Saison das grundlegende sportliche Ziel des Klubs erreichte. Laut der offiziellen Mitteilung von RB Leipzig wurden neben Werner auch seine Assistenten Tom Cichon und Patrick Kohlmann von ihren Aufgaben entbunden, während der Klub zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben wird, wie der neue Trainerstab aussehen wird. Bundesliga.com berichtet unter Berufung auf die Vereinsmitteilung, dass Sportdirektor und Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer den Trainer und seinen Stab am Mittwoch über die Entscheidung informiert habe. Damit eröffnete Leipzig eine der unerwartetsten Trainerfragen dieses Sommers im deutschen Fußball.
Der Klub berief sich auf die abschließende Saisonanalyse
Laut der Mitteilung von RB Leipzig wurde die Entscheidung nach der abschließenden Analyse der Saison 2025/26 getroffen, die die Vereinsführung in den Tagen nach dem Ende der Wettbewerbsphase durchgeführt hatte. Marcel Schäfer erklärte laut der von Bundesliga.com aufgegriffenen Vereinsmitteilung, die Saison sei noch einmal intensiv analysiert worden und am Dienstagabend sei die Entscheidung für eine neue Lösung auf der Position des Cheftrainers gefallen. In derselben Erklärung dankte er Werner, Cichon und Kohlmann für ihre Arbeit und ihren Beitrag und betonte, dass sie einen großen Anteil am erfolgreichen Umbruch der Mannschaft und an der Rückkehr in die Champions League gehabt hätten. Zugleich fügte er hinzu, der Klub sei zu der Überzeugung gelangt, dass für die kommenden Herausforderungen eine inhaltliche Weiterentwicklung und ein anderer Ansatz erforderlich seien. Eine solche Formulierung zeigt, dass die Entscheidung nicht ausschließlich auf einem Misserfolg bei den Ergebnissen beruhte, sondern auf einer Einschätzung der Richtung, in die die Führung die Mannschaft entwickeln möchte.
Gerade deshalb hat die Entlassung besonderes Gewicht. Werner wurde nicht nach einem Formabfall entlassen, der die Mindestambitionen des Klubs gefährdet hätte, sondern nach einer Saison, in der Leipzig wieder Teilnehmer des stärksten europäischen Klubwettbewerbs wurde. Nach Angaben der Bundesliga führte Werner Leipzig in 38 Pflichtspielen, während die Mannschaft in der Meisterschaft Dritter wurde und das Viertelfinale des DFB-Pokals erreichte. Kicker verzeichnet im Trainerprofil für die Saison 2025/26, dass RB Leipzig in 34 Bundesligaspielen unter Werner 20 Siege, fünf Unentschieden und neun Niederlagen erzielte. Sport Bild berichtet dabei, dass die Zahl von 20 Ligasiegen den Vereinsrekord in einer einzelnen Bundesliga-Saison einstellte, was zusätzlich erklärt, warum die Entscheidung als Überraschung aufgenommen wurde.
Von Werder nach Leipzig: eine kurze Amtszeit mit hohen Erwartungen
Werner wurde am 24. Juni 2025 offiziell auf die Trainerbank von RB Leipzig berufen, als der Klub bekanntgab, dass der 37-jährige Trainer von Werder Bremen komme und einen Vertrag bis 2027 unterschreibe. In der Mitteilung zu seiner Ankunft hob RB Leipzig sein Entwicklungsprofil, seine Erfahrung in der Arbeit mit Mannschaften im Umbruch und die Tatsache hervor, dass er Werder in 128 Pflichtspielen betreut hatte. Werner arbeitete in Bremen von November 2021 bis Mai 2025, zuvor profilierte er sich bei Holstein Kiel, wo er sich den Ruf eines Trainers erarbeitete, der eine Mannschaft mit klarer Identität und Betonung auf Intensität organisieren kann. Nach Leipzig kam er nach einer Phase, in der der Klub Stabilität und neuen Schwung suchte, weshalb sein Engagement als mittelfristige Lösung und nicht als kurzfristiges Experiment präsentiert wurde.
Die erste Saison in Leipzig begann für Werner im Kontext erheblicher personeller Veränderungen. RB Leipzig betonte in seiner eigenen abschließenden Saisonanalyse, die Ende Mai veröffentlicht wurde, dass die Mannschaft einen großen Umbau mit zwölf neuen Spielern und einer noch größeren Zahl von Abgängen durchlaufen habe. Unter solchen Umständen konnten die Platzierung unter den ersten drei Mannschaften der Bundesliga und die Rückkehr in die Champions League als Bestätigung der Stabilisierung gedeutet werden. Der Klub kam jedoch zu dem Schluss, dass er für die nächste Phase einen anderen Trainerimpuls brauche. Dieser Unterschied zwischen dem erzielten Ergebnis und der internen Bewertung der Mannschaftsentwicklung ist der zentrale Grund, weshalb sich Werners Entlassung von üblichen Trainerwechseln in der Bundesliga abhebt.
Das Ergebnis reichte nicht für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit
Der dritte Platz in der Bundesliga ist in der Regel ein starkes Argument für Kontinuität, besonders wenn man die sportliche Bedeutung der Champions League berücksichtigt. Die Teilnahme an diesem Wettbewerb bringt ein größeres internationales Profil, stärkere sportliche Sichtbarkeit und eine bessere Position bei der Kaderplanung. Für Leipzig, einen Klub, der in den vergangenen Jahren regelmäßig die Ambition eines dauerhaften Platzes an der europäischen Spitze betonte, war die Rückkehr in die Champions League sowohl symbolisch als auch geschäftlich wichtig. Laut der Begründung des Klubs war die Qualifikation allein jedoch nicht ausreichend, um mit demselben fachlichen Modell weiterzumachen. In diesem Sinne zeigt die Entscheidung das hohe Erwartungsniveau in Leipzig, aber auch die Bereitschaft der Führung, selbst nach einer ergebnistechnisch erfolgreichen Saison den Kurs zu ändern.
Ein solcher Schritt birgt auch ein gewisses Risiko. Der neue Trainer, wer auch immer er sein wird, übernimmt eine Mannschaft, die sich auf einen anspruchsvolleren Spielplan, den nationalen Wettbewerb und die Champions League vorbereiten muss. Neben der sportlichen Kontinuität sind Fragen rund um die Vorbereitung, Transfers und die Rollen einzelner Spieler in einem System offen, das erst noch definiert werden muss. RB Leipzig kündigte in der Mitteilung an, die Öffentlichkeit rechtzeitig über den Nachfolger auf der Position des Cheftrainers, die Zusammensetzung des neuen Trainerstabs und eine mögliche Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Co-Trainer Jan Zimmermann zu informieren. Bis zur offiziellen Bekanntgabe bleiben alle Informationen über die Namen potenzieller Kandidaten im Bereich medialer Berichte.
Demichelis wird als möglicher Nachfolger genannt
Sky Sport berichtete am 17. Juni, dass Werners Nachfolger Martín Demichelis werden solle, der argentinische Trainer und ehemalige Bayern-Fußballer, der zuletzt mit RCD Mallorca in Verbindung gebracht wurde. Nach Informationen von Sky Sport ist Leipzig bereit, eine Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu aktivieren, und der Vertrag solle kurzfristig unterschrieben werden. RB Leipzig bestätigte diese Informationen zum Zeitpunkt der Vereinsmitteilung nicht, weshalb sie als Medienbericht und nicht als offizielle Ernennung zu betrachten sind. Sollte sich dieser Verlauf bestätigen, wäre es für Demichelis der erste eigenständige Trainerjob in der Bundesliga, einem Wettbewerb, in dem er als Spieler deutliche Spuren hinterlassen hat.
Demichelis' Name passt in das breitere Muster Leipzigs, das häufig Trainer auswählt, die mit Spielerentwicklung, aggressiverem Fußball und einer klaren taktischen Idee verbunden sind. Doch jede Veränderung in dieser Phase der Vorbereitung bringt Druck mit sich, besonders weil vom neuen Trainer nicht nur erwartet wird, den Platz an der Spitze der Bundesliga zu halten, sondern auch in Europa konkurrenzfähig zu sein. Leipzig hat in der Saison unter Werner bereits einen erheblichen Kaderumbau und Veränderungen in den Rollen einzelner Spieler durchlaufen, sodass jeder neue Trainerstab schnell bewerten muss, was beibehalten und was verändert werden sollte. Deshalb wird die Ernennung des Nachfolgers das erste wichtige Signal dafür sein, welche Art von Fußball und Organisationsstruktur der Klub in der Saison 2026/27 anstrebt.
Was die Entlassung über die Ambitionen von RB Leipzig aussagt
RB Leipzig hat sich im vergangenen Jahrzehnt als Klub profiliert, der schnell auf Abweichungen von den eigenen Plänen reagiert, und Werners Entlassung bestätigt, dass an der Vereinsspitze das sportliche Ergebnis gemeinsam mit der langfristigen Bewertung von Spiel, Entwicklung und Marktstrategie betrachtet wird. In diesem Kontext haben der dritte Platz und die Champions League die Frage der Trainerzukunft nicht automatisch geschlossen. Aus Schäfers Aussage ergibt sich, dass der Vorstand zu der Einschätzung gelangte, die Mannschaft müsse ihre Arbeitsweise verändern und den Inhalt ihres Spiels weiterentwickeln. Das ist eine wichtige Botschaft an die Spieler, aber auch an den Markt, weil sie zeigt, dass Leipzig die Mannschaft weiterhin nach klar definierten internen Kriterien aufbauen will, selbst wenn das äußere Ergebnis erfolgreich aussieht.
Andererseits bleibt Werners Position in diesem Fall besonders, weil er mit Erfolgen geht, die in vielen Klubs die Grundlage für eine Verlängerung des Vertrauens gewesen wären. Seine Arbeit brachte die Rückkehr in den europäischen Elitewettbewerb, Stabilisierung nach Veränderungen im Kader und eine Wettbewerbsleistung, die Leipzig unter die führenden Bundesligamannschaften zurückbrachte. Nach den verfügbaren offiziellen Informationen nannte der Klub keine disziplinarischen Gründe und führte öffentlich auch keinen konkreten sportlichen Vorfall an, der zur Beendigung der Zusammenarbeit geführt hätte. Stattdessen wurde die Entscheidung als strategische Einschätzung nach einer Analyse dargestellt. Eine solche Begründung lässt Raum für verschiedene Interpretationen, bestätigt aber auch klar, dass die Erwartungslatte in Leipzig sehr hoch liegt.
Für Werner löscht die Entlassung nach nur einer Saison in Leipzig nicht die Tatsache aus, dass er in kurzer Zeit ein Ergebnis erzielte, das der Champions League würdig war. Sein nächster Schritt wird auf dem deutschen Trainermarkt besonders interessant sein, weil es sich um einen Fachmann handelt, der bereits unter verschiedenen Umständen gearbeitet hat, von der Entwicklung in Kiel über die Stabilisierung von Werder bis hin zu einer kurzen, aber ergebnistechnisch erfolgreichen Phase in Leipzig. Für RB Leipzig beginnt nun eine Phase, in der sich zeigen muss, dass die Entscheidung zur Veränderung mehr war als die Suche nach einem neuen Namen. In einer Saison, die die Rückkehr in die Champions League bringt, wird der neue Trainer keine Mannschaft in der Krise übernehmen, sondern eine Mannschaft, von der der nächste Schritt erwartet wird.
Quellen:
- RB Leipzig – offizielle Mitteilung zur Trennung von Cheftrainer Ole Werner (link)
- Bundesliga.com – Bericht über die Entlassung, Aussage von Marcel Schäfer und Daten zu Werners Leistung in Leipzig (link)
- RB Leipzig – offizielle Mitteilung zur Ernennung von Ole Werner im Juni 2025 und Vertragsdetails (link)
- Kicker – Trainerprofil von Ole Werner und Einsatzstatistik in der Bundesliga 2025/26 (link)
- Sky Sport – Bericht über einen möglichen Nachfolger und Angaben zu Martin Demichelis (link)
- Sport Bild – Bericht über den Kontext der Entlassung, den Vertrag bis 2027 und die Angabe zu 20 Ligasiegen (link)