Chris Brown beantragt beim Gericht, ihn wegen seiner Tournee und des Streits um ein Urteil über 12,9 Millionen Dollar vom persönlichen Erscheinen zu befreien
Chris Brown hat ein Gericht in Los Angeles aufgefordert, einen Antrag abzulehnen, wonach er persönlich zu einer Schuldnervernehmung erscheinen müsste, die mit einem Urteil über 12,9 Millionen Dollar zugunsten seiner ehemaligen Haushälterin Maria Avila zusammenhängt. Laut einem Schriftsatz, über den Complex und andere US-Medien am 1. September unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichteten, argumentiert Brown, dass ihm zwei Faktoren das persönliche Erscheinen im Gerichtssaal in Van Nuys erschweren: sein ständiger Wohnsitz in Nevada und der intensive Zeitplan seiner gemeinsamen Tournee mit Usher. Bei dem Verfahren geht es nicht darum, erneut zu entscheiden, ob Brown für Avilas Verletzungen verantwortlich ist, sondern darum, sein Vermögen, seine Einkünfte und andere Quellen festzustellen, aus denen eine rechtskräftige oder vollstreckbare Geldverpflichtung eingezogen werden könnte. Gleichzeitig ficht Brown den Ausgang des Zivilverfahrens an und beantragt ein neues Verfahren, sodass vor Gericht parallel Fragen der Vollstreckung und der Versuch behandelt werden, das Urteil überprüfen zu lassen. Bis zum 2. September 2026 hatte das Gericht keine öffentliche Entscheidung veröffentlicht, mit der Browns jüngstem Antrag stattgegeben worden wäre, nicht persönlich zur finanziellen Vernehmung erscheinen zu müssen.
Brown beruft sich auf seinen Wohnsitz in Nevada und die Entfernungsregel
In dem Schriftsatz vom 27. August führt Browns Anwaltsteam an, dass der Sänger in Nevada lebt, mehr als 150 Meilen beziehungsweise ungefähr 241 Kilometer vom Gericht in Van Nuys im Raum Los Angeles entfernt. Dieses Argument betrifft nicht nur die praktische Frage der Anreise. Abschnitt 708.160 der kalifornischen Zivilprozessordnung bestimmt, dass eine Person, die im Rahmen der Vollstreckung eines Geldurteils vernommen werden soll, grundsätzlich nicht dazu gezwungen werden kann, vor einem Gericht außerhalb des Bezirks zu erscheinen, in dem sie lebt oder geschäftlich tätig ist, wenn der Ort der Vernehmung 150 Meilen oder mehr von ihrem Wohnsitz oder Geschäftssitz entfernt liegt. Der offizielle Leitfaden von California Courts erklärt außerdem, dass ein Antrag auf eine solche Vernehmung in der Regel bei einem Gericht in dem Bezirk gestellt wird, in dem die betreffende Person lebt oder geschäftlich tätig ist, wenn der Schuldner zu weit von dem Gericht entfernt wohnt oder arbeitet, bei dem das Verfahren eingeleitet wurde. Browns Seite argumentiert, dass diese Regeln bedeuten, dass das verlangte Erscheinen in Van Nuys unzulässig sei, doch die endgültige Anwendung des Gesetzes auf seine konkreten Umstände muss das Gericht bestimmen.
Die finanzielle Vernehmung eines Schuldners ist ein übliches Instrument des US-amerikanischen zivilrechtlichen Vollstreckungsverfahrens, mit dem ein Gläubiger Informationen darüber erhalten kann, was eine Person, die Geld schuldet, verdient und besitzt. California Courts erklärt, dass ein Gericht den Schuldner anweisen kann, Fragen zu Einkünften und Vermögen zu beantworten, und dass bei Bedarf auch Dokumente wie Finanzaufstellungen und andere Unterlagen verlangt werden können, die bei der Vollstreckung helfen können. Im Fall Brown wollen Avila und ihre Anwälte die Struktur seiner Einkünfte und seines Vermögens nach dem Urteil in Millionenhöhe klären. Berichten über den Schriftsatz zufolge behauptet Brown zusätzlich, dass er kein Vermögen verborgen oder übertragen habe, um eine Zahlung zu vermeiden. Das ist wichtig, weil sich der Streit inzwischen nicht mehr nur um die von den Geschworenen zugesprochene Summe dreht, sondern auch um die praktische Frage, wie dieser Betrag eingezogen werden kann, während Brown versucht, das Ergebnis des Prozesses anzufechten.
Die Tournee mit Usher ist Teil der gerichtlichen Argumentation geworden
Der zweite Teil von Browns Antrag stützt sich auf seinen Auftrittsplan. In einer dem Gericht vorgelegten Erklärung heißt es, dass seine ständigen Reisen die Forderung nach einem persönlichen Erscheinen besonders problematisch machten. Brown und Usher treten 2026 gemeinsam auf der Stadiontournee The R&B Tour auf, die Live Nation ursprünglich als nordamerikanische Reihe von 33 Konzerten angekündigt hatte, beginnend am 26. Juni in Denver und endend im Dezember in Florida. Inzwischen wurden weitere Termine hinzugefügt, und der aktuelle Ticketverkaufsplan Anfang September zeigt eine Reihe von Auftritten in den Vereinigten Staaten, darunter Las Vegas, Arlington, Inglewood, Glendale, Houston, Atlanta, Miami und Tampa. Brown trat am 1. September in Santa Clara in Kalifornien auf, und die nächsten angekündigten Konzerte finden am 5. und 6. September in Las Vegas statt.
Der interessanteste Teil seines neuen Schriftsatzes betrifft eine mögliche Fortsetzung der Tournee weit über die derzeit angekündigten nordamerikanischen Termine hinaus. Laut Complex erklärte Brown in einer gerichtlichen Erklärung, dass "fortgeschrittene Gespräche" über eine internationale Verlängerung der Tournee bis Ende 2027 geführt würden. Diese Formulierung bedeutet nicht, dass eine internationale Tournee offiziell bestätigt ist: Live Nation hatte bis zum 2. September keinen Zeitplan veröffentlicht, der Auftritte bis Ende 2027 bestätigen würde. Brown nutzt diese Möglichkeit als Argument dafür, dass seine intensive Reisetätigkeit noch lange andauern könnte, weshalb er das Gericht auffordert, die logistische Belastung eines persönlichen Erscheinens zu berücksichtigen. Für Avilas Seite kann jedoch gerade das Ausmaß der Konzertaktivitäten finanziell von Bedeutung sein, weil Einnahmen aus der Tournee eine der möglichen Quellen für die Vollstreckung des Urteils darstellen.
Das Urteil geht auf einen Hundeangriff im Jahr 2020 zurück
Der Streit geht auf einen Vorfall im Dezember 2020 in Browns Haus in Tarzana zurück, einem Stadtteil im San Fernando Valley in Los Angeles. Laut der Klage und den vom Los Angeles Times veröffentlichten Berichten über den Prozess arbeitete Maria Avila als Haushälterin, als sie von Browns Kaukasischem Schäferhund Hades angegriffen wurde. Avila erlitt schwere Verletzungen im Gesicht, am Arm und am Bein und wurde nach dem Angriff ins Krankenhaus eingeliefert und operiert. Im späteren Gerichtsverfahren wurden Behauptungen über dauerhafte Folgen vorgebracht, darunter Narben, Nervenschäden und Probleme, die ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten. Brown bestritt im Prozess einen Teil der Behauptungen zu seiner Verantwortung und erklärte, er habe das Personal im Zusammenhang mit den Hunden gewarnt, während die Gegenseite diese Darstellung der Ereignisse bestritt.
Nach einem mehrjährigen Verfahren und einem zweiwöchigen Prozess in Van Nuys stellte eine Jury in Los Angeles am 30. Juni 2026 die Haftung von Brown und seinem Unternehmen Black Pyramid fest und sprach Maria Avila 12,9 Millionen Dollar Schadenersatz zu. Der Los Angeles Times zufolge erhielt ihre Schwester Patricia Avila, die zum Zeitpunkt des Angriffs anwesend war, separat 885.000 Dollar wegen emotionaler Belastung, während Marias Ehemann Oscar Olivo 50.000 Dollar erhielt. Der insgesamt verschiedenen Klägern zugesprochene Betrag liegt somit über 13,8 Millionen Dollar, doch der aktuelle Streit um Browns finanzielle Vernehmung betrifft in erster Linie die Maria Avila zugesprochenen 12,9 Millionen Dollar. Späteren Berichten über Gerichtsakten zufolge wurde das formelle Urteil Mitte Juli eingetragen, woraufhin eine intensivere Phase der Vollstreckungsverfahren und Browns Versuche begann, das Ergebnis anzufechten.
Avila versucht bereits, einen Teil aus Tournee- und Tantiemeneinnahmen einzuziehen
Die finanzielle Vernehmung ist nicht der einzige Mechanismus, mit dem Avila versucht, an das ihr zugesprochene Geld zu gelangen. Laut Gerichtsunterlagen, über die TMZ und juristische Medien berichteten, genehmigte ein Richter in Los Angeles am 20. August einen Antrag, wonach bestimmte gegenwärtige und zukünftige Zahlungsansprüche Browns an Avila umgeleitet werden können, um das Urteil zu erfüllen. Ein solcher Beschluss kann den verfügbaren Berichten zufolge Einnahmen im Zusammenhang mit der Tournee und bestimmte Tantiemen umfassen, bedeutet jedoch nicht, dass Avila automatisch sämtliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf oder die Bruttoeinnahmen der Tournee erhält. Entscheidend ist, dass qualifizierte Zahlungen, die andernfalls Brown zustehen würden, zur Begleichung der gerichtlich festgelegten Verpflichtung verwendet werden können, vorbehaltlich der gesetzlich vorgesehenen Beschränkungen und Ausnahmen.
Brown widersetzte sich einem derart weitreichenden Zugriff auf seine Einkünfte und argumentierte, der Antrag gehe zu weit. Medien, die die Gerichtsunterlagen geprüft haben, berichteten außerdem, dass Avilas Seite behauptete, seit dem Urteil keine Zahlung erhalten zu haben, mit der die Begleichung der Schuld begonnen hätte. Ende August lehnte das Gericht laut TMZ Browns Antrag auf zusätzliche Zeit zur Vorlage von Informationen über seine Einkommensquellen ab, was zeigt, dass der Vollstreckungsteil des Verfahrens weiterläuft, während der Streit über das Urteil selbst andauert. Die Informationen, die Avilas Anwälte verlangen, können Einnahmen aus Auftritten, Vergütungen für persönliche Auftritte, den Verkauf von Merchandising-Artikeln und digitale Einnahmequellen umfassen. In diesem Zusammenhang hat eine persönliche Vernehmung einen klaren verfahrensrechtlichen Zweck: dem Gläubiger ein genaueres Bild davon zu ermöglichen, welches Vermögen und welche Geldströme für die Vollstreckung verfügbar sein könnten.
Der Antrag auf ein neues Verfahren wird getrennt von der Vollstreckung behandelt
Brown und Black Pyramid versuchen gleichzeitig, ein neues Verfahren zu erreichen. Laut Schriftsätzen, über die Complex und TMZ berichtet haben, nennt sein Anwaltsteam mehrere Gründe, aus denen es der Ansicht ist, dass das Urteil aufgehoben oder der Fall erneut verhandelt werden sollte, darunter angebliche Unregelmäßigkeiten im Verfahren, das Verhalten der Geschworenen und die Behauptung, dass der zugesprochene Betrag überhöht sei. In einer späteren Begründung beanstandeten Browns Anwälte insbesondere, dass während des Verfahrens seine strafrechtliche Verurteilung aus dem Jahr 2009 erwähnt wurde, und argumentierten, dass diese Information die Geschworenen in einem Zivilverfahren wegen eines Hundeangriffs möglicherweise unfair beeinflusst habe. Avilas Seite widersetzt sich einem neuen Verfahren und vertritt die Auffassung, dass die Geschworenen ihre Entscheidung auf Grundlage der Beweise zum Vorfall und zu den von ihr erlittenen Folgen getroffen hätten.
Die Anhörung über den Antrag auf ein neues Verfahren ist laut veröffentlichten Gerichtsinformationen für den 22. September 2026 angesetzt. Dieses Datum liegt zwischen Browns Konzertverpflichtungen in Las Vegas und Inglewood und zeigt zusätzlich, wie eng seine geschäftliche und rechtliche Agenda miteinander verflochten sind. Dennoch sind der Antrag auf ein neues Verfahren und der Antrag, von einem persönlichen Erscheinen bei der Vernehmung befreit zu werden, nicht dasselbe. Das eine Verfahren zielt auf eine Überprüfung des Urteils ab, während das andere regelt, auf welche Weise Avila Informationen verlangen und Geld einziehen kann, solange das Urteil in Kraft bleibt. Gerade deshalb kann die Entscheidung über das persönliche Erscheinen wichtig sein, selbst wenn das Gericht einige Wochen später über Browns Versuch entscheiden wird, ein neues Verfahren zu erhalten.
Das Gericht muss entscheiden, wie rechtlich relevant Tournee und Entfernung sind
Browns Auftrittsplan bedeutet für sich genommen nicht, dass er automatisch von einem Erscheinen vor Gericht befreit ist. Sein stärkeres rechtliches Argument stützt sich auf die Regeln zum Ort der Schuldnervernehmung und auf die Tatsache, dass er seiner Erklärung zufolge dauerhaft in Nevada und nicht im Los Angeles County lebt. California Courts unterscheidet in seinen Anweisungen klar zwischen Situationen, in denen die Vernehmung vor dem Gericht stattfinden kann, an dem das Urteil ergangen ist, und solchen, in denen die Entfernung verlangt, dass der Gläubiger das Verfahren näher am Wohn- oder Geschäftssitz des Schuldners einleitet. Das Gericht muss jedoch erst noch feststellen, ob sämtliche tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Voraussetzungen dieser Regel im Fall Brown erfüllt sind. Die Tournee kann ein zusätzlicher Umstand sein, den das Gericht berücksichtigt, sie ersetzt jedoch nicht die gesetzlichen Kriterien.
Für Avila ist die Zeit wichtig, weil sich der Schwerpunkt nach dem hohen Schadenersatzurteil vom Nachweis der Haftung auf die tatsächliche Vollstreckung verlagert hat. Für Brown ist es dagegen entscheidend, Vollstreckungsmaßnahmen zu begrenzen, während er versucht, ein neues Verfahren zu erhalten und die Art und Weise anzufechten, wie das vorherige Verfahren geführt wurde. Die Tatsache, dass er gleichzeitig auf einer großen Stadiontournee auftritt, erhöht das Interesse an seinen Einkünften, erschwert aber auch die Terminplanung möglicher Gerichtstermine. Seine Behauptung, es gebe Gespräche über eine internationale Verlängerung der Tournee bis Ende 2027, bleibt vorerst eine Information aus einer gerichtlichen Erklärung und kein bestätigter Konzertplan. Die nächsten Gerichtsentscheidungen sollen klären, ob Brown persönlich zu einer Vernehmung in Kalifornien erscheinen muss, ob diese an einem anderen Ort organisiert werden muss und ob sein Antrag auf ein neues Verfahren den Verlauf der Vollstreckung des Urteils über 12,9 Millionen Dollar verändern kann.
Quellen:
- Complex - Bericht vom 1. September 2026 über Browns Schriftsatz vom 27. August, seinen Wohnsitz in Nevada, die Tournee und eine mögliche internationale Verlängerung bis Ende 2027 (Link)
- California Courts - offizielle Erläuterung des Verfahrens zur Schuldnervernehmung und der Entfernungsregel von 150 Meilen (Link)
- Los Angeles Times - Einzelheiten zum Vorfall aus dem Jahr 2020, zum Prozess in Van Nuys und zu den Beträgen, die die Geschworenen Maria und Patricia Avila sowie Oscar Olivo zugesprochen haben (Link)
- Live Nation - ursprüngliche offizielle Ankündigung der gemeinsamen Stadiontournee von Usher und Chris Brown für das Jahr 2026 (Link)
- Ticketmaster - aktuelle Liste der angekündigten Termine der The R&B Tour Anfang September 2026 (Link)
- TMZ - Berichte über die Anordnung, einen Teil von Browns Einkünften zur Erfüllung des Urteils umzuleiten, sowie über den Antrag auf ein neues Verfahren, einschließlich des Termins der Anhörung am 22. September (Link)