Belgien führt olympisches und paralympisches Komitee zusammen: ab 2027 entsteht das einheitliche BOPC
Das Belgische Olympische und Interföderale Komitee (BOIC/COIB) und das Belgian Paralympic Committee (BPC) werden ab dem 1. Januar 2027 in einer einheitlichen Organisation unter dem Namen Belgisches Olympisches und Paralympisches Komitee, beziehungsweise BOPC, tätig sein. Die Entscheidung wurde am 4. Juni 2026 von den Generalversammlungen beider Organisationen gebilligt, und Team Belgium sowie Paralympic Team Belgium stellten sie als eine der wichtigsten institutionellen Veränderungen in der jüngeren Geschichte des belgischen Sports vor. Laut der offiziellen Mitteilung von Team Belgium soll die Fusion die Unterstützung für Spitzensportler bündeln, fachliche Ressourcen aufeinander abstimmen und den gemeinsamen Auftritt des belgischen Sports in der internationalen olympischen und paralympischen Bewegung stärken.
Die Entscheidung bedeutet, dass das bisherige olympische und paralympische System, das formal über zwei getrennte nationale Körperschaften organisiert war, ab Anfang 2027 unter ein gemeinsames Dach wechseln wird. Laut der Veröffentlichung des Belgian Paralympic Committee wird die neue Organisation alle paralympischen Elemente und Beziehungen zur nationalen und internationalen paralympischen Bewegung umfassen, während die besondere nationale Rolle des Parasportverbandes auf die Belgian Para Sports Federation übertragen wird. Damit wird die institutionelle Vertretung der paralympischen Bewegung von der operativen Verbandsrolle im Parasport getrennt, was ein wichtiges Detail für das Verständnis der tatsächlichen Reichweite der Reform ist.
Entscheidung auf getrennten Versammlungen getroffen
Laut einem Bericht von The Brussels Times, der sich auf die Agentur Belga berief, entschieden beide Komitees am 4. Juni 2026 bei getrennten Sitzungen in Tubize über die Fusion. Das BPC stimmte während einer Nachmittagssitzung am Sitz von Belgian Cycling über den Vorschlag ab, während das BOIC seine Entscheidung am selben Abend in den Räumlichkeiten des Königlichen Belgischen Fußballverbandes bekanntgab. Dieselbe Quelle führt an, dass die Fusion in beiden Organisationen einstimmig gebilligt wurde, was der neuen Struktur vor der Übergangsphase eine starke Legitimität verleiht.
Team Belgium führt in der Mitteilung an, dass es sich nicht um einen plötzlichen Schritt handelt, sondern um den Abschluss eines Prozesses, der während des vorherigen Jahres vorbereitet wurde. In diesem Zeitraum wurden laut derselben Veröffentlichung die Ziele, Bedürfnisse und Folgen der Fusion analysiert, und die Sportler wurden als eine der Schlüsselgruppen, auf die sich die Reform bezieht, in die Gespräche einbezogen. Für den belgischen Sport ist dies besonders wichtig, weil die Reform nicht nur als administrative Rationalisierung dargestellt wird, sondern als Versuch, eine gemeinsame Kultur des Spitzensports zu schaffen, in der olympische und paralympische Sportler als Teile derselben nationalen Sportgemeinschaft behandelt werden.
Belgien tritt in den engen Kreis der Länder mit gemeinsamem Komitee ein
Laut der offiziellen Veröffentlichung von Team Belgium und dem Belgian Paralympic Committee wird Belgien das sechste Land der Welt, in dem das nationale olympische Komitee und das nationale paralympische Komitee in einer Organisation vereint sind. In der Mitteilung wird angeführt, dass ein solches Modell vor Belgien von den Niederlanden, den Vereinigten Staaten von Amerika, Norwegen, Saudi-Arabien und der Republik Südafrika eingeführt wurde. Diese Angabe unterstreicht, dass es sich um ein international noch immer relativ seltenes Modell der Sportverwaltung handelt, obwohl sich die Zusammenarbeit olympischer und paralympischer Strukturen in vielen Staaten in den letzten Jahren immer stärker durch gemeinsame Kampagnen, Sponsorenprogramme und Kommunikationsplattformen entwickelt.
Im belgischen Fall war eine solche Zusammenarbeit bereits durch gemeinsame Trainingslager, die Abstimmung der visuellen Identität und gemeinsame Kommunikationsaktivitäten vor großen Wettbewerben sichtbar. Team Belgium hob in der Mitteilung besonders die Kampagnen zu den Olympischen und Paralympischen Spielen in Paris 2024 sowie zu den Winterspielen Milano Cortina 2026 als Beispiele der schrittweisen Annäherung der beiden Systeme hervor. The Brussels Times nannte unter Berufung auf Belga zusätzlich auch das gemeinsame Team-Belgium-Camp in Belek in der Türkei 2022 als eines der früheren Beispiele praktischer Zusammenarbeit.
Botschaft der Führung: eine Sportbewegung und größere Sichtbarkeit der Sportler
BOIC-Präsident Jean-Michel Saive beschrieb die Entscheidung als historischen Schritt für den belgischen Sport. Laut der Mitteilung von Team Belgium betonte Saive, dass die Fusion eine stärkere Bewegung schaffen solle, die sportliche Exzellenz, Inklusion und gesellschaftliche Wirkung verbindet. Seine Botschaft ist in der Formulierung zusammengefasst, dass es nur ein Team Belgium gibt, was zugleich auch die zentrale kommunikative Achse des gesamten Projekts ist. Saive dankte dabei den Sportverbänden für ihre Unterstützung, denn gerade die nationalen Mitgliedsverbände des BOIC mussten die Richtung der Veränderung bestätigen.
BPC-Präsidentin Ellen Van Camp teilte in derselben Mitteilung mit, dass die Ambition, Inklusion durch Sport auszuweiten, eine neue Dimension erhält. Ihren Worten zufolge soll die Fusion ein Beispiel für Sportverbände und die breitere Gemeinschaft sein, weil der Grundsatz eines gleichberechtigten Platzes für Menschen mit Behinderungen auch auf die Institutionen selbst angewendet wird, die darüber sprechen. Eine solche Betonung ist wichtig, weil die Entscheidung nicht nur die Art der Vertretung belgischer Sportler auf internationaler Ebene verändert, sondern auch die Botschaft, die der nationale Sport an Vereine, Verbände, Partner und die Öffentlichkeit sendet.
Cédric Van Branteghem, Hauptgeschäftsführer des BOIC, bewertete laut der offiziellen Veröffentlichung, dass die Entscheidung zeigt, wie sehr die Sportföderationen an die langfristige Ambition eines gemeinsamen Auftritts glauben. Er betonte, dass BOIC und BPC bereits seit Jahren zusammenarbeiten und dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine klare Entscheidung über die künftige Richtung getroffen werden musste. Olek Kazimirowski, Managing Director des BPC, fügte hinzu, dass das Projekt das Ergebnis monatelanger Überlegungen sei und dass die operative Vollendung der Integration dauern werde, aber neue Möglichkeiten für die belgische Parasportbewegung eröffne.
Was sich für die paralympische Bewegung ändert
Das Belgian Paralympic Committee vertrat bisher nach eigener Beschreibung die paralympische Bewegung und ihre Werte in Belgien und war vom Internationalen Paralympischen Komitee anerkannt. Das BPC hatte zugleich die Rolle des nationalen paralympischen Komitees, das Paralympic Team Belgium zu den Sommer- und Winter-Paralympics entsendet, und wirkte im belgischen Sportsystem auch als nationaler Partner für den paralympischen Sport. Auf seinen offiziellen Seiten ist angegeben, dass das BPC zwei Mitglieder hat: Ligue Handisport Francophone und G-sport Vlaanderen, Organisationen, die für die Entwicklung des Sports von Menschen mit Behinderungen in der französischsprachigen und flämischen Gemeinschaft entscheidend sind.
Nach der Fusion gehen laut der Mitteilung von Team Belgium und BPC alle paralympischen Elemente sowie die Verbindungen zur nationalen und internationalen paralympischen Bewegung in die neue gemeinsame Organisation BOPC über. Gleichzeitig wird die Rolle des nationalen Parasportverbandes, die ebenfalls unter dem BPC lag, künftig der Belgian Para Sports Federation zufallen. Diese Föderation soll die Zusammenarbeit mit G-sport Vlaanderen und Ligue Handisport Francophone fortsetzen, was bedeutet, dass das bestehende Netzwerk fachlicher Arbeit, der Vereine und regionalen Partner nicht unterbrochen wird, sondern klarer institutionell aufgeteilt werden soll.
Das BOIC bringt olympisches Erbe und internationale Anerkennung ein
Das BOIC ist das nationale olympische Komitee Belgiens und Teil des olympischen Systems, das vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt wird. Laut offiziellen Daten von Olympics.com wurde das belgische nationale olympische Komitee 1906 anerkannt, sein Präsident ist Jean-Michel Saive, und sein Generalsekretär ist Cédric Van Branteghem. Diese Angaben sind wichtig, weil sie zeigen, dass eine Institution mit langer Kontinuität, internationalem Status und einem entwickelten Beziehungsnetz zu nationalen Verbänden, dem Internationalen Olympischen Komitee und europäischen Sportstrukturen in die neue Organisation eintritt.
Andererseits nennen die Daten des Internationalen Paralympischen Komitees über Belgien das BPC als nationales paralympisches Komitee, mit Ellen Van Camp als Präsidentin. Die IPC-Datenbank für Belgien zeigt auch die Medaillenbilanz belgischer Paralympioniken, darunter sieben Gold-, vier Silber- und drei Bronzemedaillen bei den Paralympischen Spielen in Paris 2024. Solche Ergebnisse verdeutlichen zusätzlich, warum die Fusion nicht nur unter dem Gesichtspunkt administrativer Effizienz betrachtet werden kann, sondern auch unter dem Aspekt der weiteren Unterstützung für Sportler, die bereits international relevante Ergebnisse erzielen.
Schrittweise Integration, keine sofortige Veränderung von allem
Laut der offiziellen Mitteilung wird die Fusion schrittweise aufgebaut. Das BOPC will Programme des Spitzensports, das Partnerangebot und die Markenarchitektur von Team Belgium und Paralympic Team Belgium entwickeln und aufeinander abstimmen. Das bedeutet, dass ab dem 1. Januar 2027 ein gemeinsamer institutioneller Rahmen eingerichtet wird, die vollständige Integration aller Arbeitsebenen aber nicht in einem Schritt erfolgen muss. Genau deshalb wurde in den Veröffentlichungen betont, dass die Entscheidung eine wichtige Etappe eines langfristigen Prozesses ist und nicht das Ende aller organisatorischen Veränderungen.
Ein solcher Ansatz verringert das Risiko, dass bestehende Unterstützungsprogramme für Sportler in der Übergangsphase gestört werden. Für Sportler ist entscheidend, dass die Veränderung keine Unklarheiten rund um Vorbereitung, Qualifikationsprozesse, Finanzierung, medizinische und fachliche Unterstützung oder Beziehungen zu internationalen Föderationen schafft. Aus den bisher verfügbaren Informationen ergibt sich, dass die operativen Details zusätzlich ausgearbeitet werden, und das BPC betonte besonders, dass der Abschluss der vollständigen operativen Integration zusätzliche Zeit erfordern wird. Das ist bei der Fusion von Institutionen zu erwarten, die unterschiedliche internationale Verpflichtungen, unterschiedliche Geschichten und unterschiedliche Verbindungen zu nationalen Verbänden haben.
Breitere Bedeutung für den belgischen Sport
Die Fusion von BOIC und BPC kann Einfluss darauf haben, wie in Belgien Spitzensport geplant, sportliche Erfolge kommuniziert und Partner gewonnen werden. Ein einheitliches Komitee kann gemeinsame Kampagnen, eine effizientere Verteilung von Fachwissen und einen stärkeren Marktauftritt gegenüber Sponsoren erleichtern, doch der Erfolg wird davon abhängen, wie die olympischen und paralympischen Prioritäten in der Praxis aufeinander abgestimmt werden. In den Mitteilungen wird betont, dass die Sportler im Zentrum der Veränderung bleiben, was bedeutet, dass die Reform vor allem daran bewertet werden wird, ob sie die Bedingungen für Vorbereitungen, Wettbewerbe und die langfristige Entwicklung von Karrieren verbessert.
Die Entscheidung hat auch symbolisches Gewicht, weil sie einen Trend bestätigt, in dem der paralympische Sport zunehmend als gleichberechtigter Teil der nationalen Sportidentität dargestellt wird und nicht als ausgelagertes System. Das belgische Beispiel wird nun eines der Modelle sein, die auch andere Staaten beobachten können, besonders jene, in denen olympische und paralympische Komitees bereits eng zusammenarbeiten, aber formal noch getrennt sind. Für belgische Sportler sollte die neue Struktur eine gemeinsame Plattform, stärkere institutionelle Sichtbarkeit und eine klarere Botschaft bedeuten, dass Team Belgium und Paralympic Team Belgium künftig innerhalb desselben nationalen Sportprojekts agieren.
Quellen:
- Team Belgium / BOIC – offizielle Mitteilung über die Fusion von BOIC und BPC zum BOPC ab dem 1. Januar 2027 (Link)
- Paralympic Team Belgium / Belgian Paralympic Committee – offizielle Veröffentlichung über die Entscheidung der Generalversammlungen und die Rolle der neuen Organisation (Link)
- The Brussels Times / Belga – Bericht über die Tagungsorte, die einstimmige Zustimmung und den Kontext der Fusion (Link)
- Olympics.com / International Olympic Committee – offizielle Daten zum belgischen nationalen olympischen Komitee (Link)
- International Paralympic Committee – offizielles Profil Belgiens und Daten zum Belgian Paralympic Committee (Link)
- Paralympic Team Belgium – offizielle Beschreibung der Rolle des BPC und der Mitgliedsorganisationen der paralympischen Bewegung in Belgien (Link)