Palou gewinnt fünften IndyCar-Titel, O'Ward schreibt mit Doppelsieg in Milwaukee Geschichte
Milwaukee wurde am 30. August 2026 zum Schauplatz zweier großer Momente in der Geschichte des amerikanischen Motorsports. Alex Palou sicherte sich seinen fünften Meistertitel in der NTT IndyCar Series und den vierten in Folge und stellte damit den Rekord von Sébastien Bourdais aus den Jahren 2004 bis 2007 ein. Gleichzeitig gewann Pato O'Ward beide Rennen auf der Milwaukee Mile, einschließlich der Fortsetzung des am Samstag wegen Regens unterbrochenen Rennens, und wurde damit zum ersten Fahrer seit Rick Mears im Jahr 1981, der zwei Rennen der höchsten amerikanischen Monoposto-Serie am selben Tag gewann. Laut dem offiziellen Bericht von IndyCar machte Palou den Titel mit dem zehnten Platz im abschließenden Rennen des Abends rechnerisch perfekt, während O'Ward den Tag mit seinem dritten Saisonsieg und dem zwölften Erfolg seiner Karriere beendete. Das Doppelprogramm auf einer der ältesten noch aktiven Rennstrecken der Welt bestätigte damit zugleich Palous langfristige Dominanz und brachte einen der ungewöhnlichsten Siegestage in der jüngeren Geschichte der Meisterschaft hervor.
Palou stieß mit 29 Jahren in den Kreis der Größten vor
Für den 29-jährigen Spanier besitzt der Titel in Milwaukee eine besondere historische Bedeutung. IndyCar zufolge wurde Palou zum jüngsten Fahrer in der Geschichte der Serie, der fünf Titel erreichte; A. J. Foyt war 32 Jahre alt, als er 1967 seinen fünften gewann. Palou hält nun mit fünf Titeln allein den dritten Platz in der ewigen Bestenliste der Champions, hinter Foyt mit sieben und seinem Teamkollegen Scott Dixon mit sechs. Seine Serie von vier aufeinanderfolgenden Titeln von 2023 bis 2026 stellte Bourdais' Rekord ein, außerdem war er bereits 2021 Champion. Damit hat er in nur sechs Saisons fünf Meisterschaften gewonnen, wobei 2022 das einzige Jahr in diesem Zeitraum war, in dem er den Titel nicht holte.
Palous Saison 2026 beruhte erneut auf einer Kombination aus Geschwindigkeit, strategischer Disziplin und einer nahezu konstanten Präsenz an der Spitze des Klassements. Nach Angaben der Associated Press nach Milwaukee verbuchte er in den ersten 17 Saisonrennen sechs Siege, 12 Platzierungen unter den ersten fünf und 14 unter den ersten zehn. Er kam mit einem großen Punktevorsprung nach Milwaukee, hatte den Titel jedoch noch nicht sicher, weil Kyle Kirkwood am vorherigen Wochenende in Washington mit einem Sieg den Rückstand verkürzt hatte. Im ersten Sonntagsrennen wurde Palou Fünfter und vergrößerte seinen Vorsprung auf 97 Punkte, sodass es ihm beim Abschluss des verschobenen Samstagsrennens genügte, mehr als 54 Punkte Vorsprung zu bewahren. Der zehnte Platz reichte vollkommen aus, um die Meisterschaft vor dem Saisonfinale in Kalifornien rechnerisch zu entscheiden.
Laut der von Motorsport.com nach Milwaukee veröffentlichten Gesamtwertung hat Palou 607 Punkte, genau 100 mehr als der zweitplatzierte Christian Lundgaard. Kirkwood ist mit 505 Punkten Dritter, O'Ward mit 503 Punkten Vierter, sodass der Kampf um Rang zwei bis zum Meisterschaftsfinale am 6. September auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca weitergeht. Palou geht ohne Ergebnisdruck im Titelkampf in dieses Rennen, allerdings auf einer Strecke, auf der er laut IndyCar in den vergangenen vier Jahren dreimal gewonnen hat, darunter zwei Siege in Folge. Damit erhält er die Gelegenheit, die Saison in genau jenem Rhythmus abzuschließen, mit dem er seinen uneinholbaren Vorsprung aufgebaut hat.
Regen verwandelte das Wochenende in einen außergewöhnlichen Sonntagsmarathon
Der Zeitplan in Milwaukee wurde durch Regen vollständig verändert. Das erste Rennen des Doppelprogramms, das Snap-on Makers and Fixers 250, begann am Samstag, dem 29. August, wurde jedoch nach ungefähr 90 der geplanten 250 Runden wegen Regens und nasser Strecke unterbrochen. IndyCar plante zunächst eine Fortsetzung am Sonntagmorgen, doch zusätzlicher Niederschlag und das Trocknen der Strecke veränderten das Programm erneut. Der offizielle Zeitplan sah anschließend vor, dass das regulär angesetzte Sonntagsrennen Snap-on Milwaukee Mile 250 um 13 Uhr Eastern Time gefahren und das unterbrochene erste Rennen gegen 18 Uhr fortgesetzt werden sollte.
Diese Änderung bedeutete, dass die Fahrer an einem einzigen Tag potenziell sogar 410 Rennrunden absolvieren mussten: die vollständigen 250 Runden des Sonntagsrennens und die verbleibenden 160 Runden vom Samstag. Auf dem 1,015 Meilen beziehungsweise rund 1,63 Kilometer langen Oval erforderte dies außergewöhnliche körperliche Konzentration, präzises Reifenmanagement und die Anpassung der Fahrzeuge an unterschiedliche Bedingungen im Tagesverlauf. Die Milwaukee Mile besitzt in den Kurven lediglich neun Grad Überhöhung und wird deshalb laut der offiziellen Beschreibung von IndyCar anders gefahren als viele klassische Ovale. Sie verlangt von den Fahrern mehr Bremsarbeit, Wechsel der Fahrlinie und Kompromisse bei der Fahrzeugabstimmung. Unter diesen Umständen gelang O'Ward und Arrow McLaren ein nahezu perfekter Tag.
Erster Sonntagssieg nach entscheidender Arbeit in der Box
Im regulär angesetzten Snap-on Milwaukee Mile 250 holte O'Ward den Sieg nach einem äußerst wechselhaften taktischen Duell. Im offiziellen IndyCar-Bericht heißt es, dass der Mexikaner im Arrow-McLaren-Wagen mit der Nummer 5 von einem sehr schnellen letzten Boxenstopp profitierte und anschließend vor Scott McLaughlin lag. O'Wards Mannschaft erledigte den abschließenden Service in 6,6 Sekunden, wodurch er McLaughlin überspringen konnte. Die Führung übernahm er endgültig in Runde 196, nachdem Santino Ferrucci an die Box gefahren war. In der Schlussphase musste er sich durch Verkehr mit überrundeten Fahrern kämpfen, konnte den Vorsprung jedoch behaupten und gewann mit 0,7916 Sekunden vor McLaughlin.
Christian Lundgaard wurde Dritter und bescherte Arrow McLaren damit zwei Podestplätze. David Malukas belegte Rang vier, Palou wurde Fünfter, nachdem er während des Rennens 115 Runden geführt hatte, im Finale jedoch nicht über das nötige Tempo für den Kampf um den Sieg verfügte. IndyCar registrierte 333 Überholmanöver um Positionen, was zu diesem Zeitpunkt des Wochenendes einen Serienrekord für die Milwaukee Mile darstellte. Mit diesem Sieg feierte O'Ward seinen zweiten Saisonerfolg nach seinem Triumph in Mid-Ohio im Juli, und nur wenige Stunden später musste er erneut ins Auto steigen, um jenes Rennen fortzusetzen, in dem er bereits vor der Unterbrechung am Samstag in Führung gelegen hatte.
O'Ward vollendete bei der Fortsetzung am Abend sein historisches Werk
Bei der Fortsetzung des Snap-on Makers and Fixers 250 gehörte O'Ward erneut zu den Hauptakteuren, doch der Sieg war keineswegs einfach. David Malukas zeigte über weite Teile der Schlussphase ein sehr starkes Tempo und lag nach den Boxenstoppsequenzen in Führung. Der entscheidende Moment kam beim letzten Restart in Runde 226. Laut dem offiziellen IndyCar-Bericht führte Malukas das Feld an, beschleunigte jedoch nicht optimal; O'Ward zog nach innen, McLaughlin nach außen, und die drei fuhren nahezu nebeneinander in die erste Kurve. O'Ward setzte sich nach vorne, übernahm die Führung und gab sie nicht mehr ab.
Im Ziel hatte er 1,7535 Sekunden Vorsprung auf Malukas, während Rinus VeeKay den dritten Platz eroberte, nachdem er McLaughlin in den Schlussrunden überholt hatte. McLaughlin wurde Vierter, Christian Rasmussen Fünfter. IndyCar zufolge brachte das Rennen rekordverdächtige 372 Überholmanöver um Positionen auf der Milwaukee Mile hervor, was den ungewöhnlich dynamischen Charakter des abendlichen Programmteils zusätzlich unterstrich. O'Ward und Malukas führten zusammen 212 der 250 Runden, wobei O'Ward 119 und Malukas 93 Runden an der Spitze lag. Für Malukas war es der sechste zweite Platz seiner IndyCar-Karriere ohne Sieg, während O'Ward mit seinem Erfolg einen der größten Tage seiner bisherigen Karriere abschloss.
Der Doppelerfolg bescherte O'Ward laut den Statistiken von Motorsport.com seinen dritten Sieg in der Saison 2026 und den zwölften seiner Karriere. Eine historische Parallele verleiht dem Ergebnis besonderen Wert: IndyCar bestätigte, dass der letzte Fahrer vor ihm, der zwei Rennen der Serie am selben Tag gewonnen hatte, Rick Mears am 28. Juni 1981 auf dem Atlanta Motor Speedway gewesen war. Mehr als 45 Jahre später wiederholte O'Ward dieses Kunststück unter völlig anderen Umständen, nach einem wetterbedingt durcheinandergebrachten Doppelprogramm in Milwaukee. Für Arrow McLaren war das Ergebnis zugleich ein starkes Signal zum Saisonende, in einer Saison, in der das Team über Lundgaard und O'Ward bis zum letzten Rennen um den zweiten Platz in der Fahrerwertung kämpft.
Titel im letzten Rennen ohne Risiko bestätigt
Während O'Ward um den Sieg kämpfte, hatte Palou in der Schlussphase eine völlig andere Aufgabe. Sein Chip Ganassi Racing Honda verfügte nicht über eine ideale Balance, und der Fahrer selbst räumte nach dem Rennen ein, dass das Auto schwierig zu fahren gewesen sei. Statt unnötige Risiken im Verkehr einzugehen, lag der Fokus darauf, das Rennen zu beenden und die für die rechnerische Titelbestätigung notwendigen Punkte zu holen. IndyCar zufolge ließ Palou beim Vorbeifahren seiner Konkurrenten mehr Platz als gewöhnlich, da ihm bewusst war, dass er kein Spitzenergebnis benötigte. Mit dem zehnten Platz sicherte er sich seinen fünften Titel und ermöglichte seinem Team, bereits ein Rennen vor Saisonende mit den Feierlichkeiten zu beginnen.
Dieser Ansatz beschreibt gut eine der Grundlagen von Palous Dominanz in den vergangenen Jahren: die Fähigkeit, zwischen Momenten zu unterscheiden, in denen ein Angriff nötig ist, und solchen, in denen der Schutz des Punktevorsprungs wichtiger ist. Seine Geschwindigkeit war auch in Milwaukee sichtbar, wo er im ersten Sonntagsrennen lange an der Spitze lag, doch der Titel hing nicht von einem Sieg ab. Nach dem Rennen dankte er Chip Ganassi Racing, Honda und den Partnern und betonte, dass er dem Team einen großen Teil seines Erfolgs verdanke. Diese Beziehung besteht seit 2021, als er zu Ganassi wechselte und sofort seinen ersten IndyCar-Titel gewann, bevor er nach einer Saison ohne Meisterschaft jene Serie begann, die nun bereits vier Jahre andauert.
Laut Associated Press ist der Titel von 2026 zugleich die 18. Fahrermeisterschaft für Chip Ganassi Racing, womit das Team einen neuen Rekord aufstellte und Team Penske überholte. Ganassis Erfolgsära in der IndyCar-Serie erstreckt sich über mehrere Generationen, von den Titeln von Alex Zanardi und Juan Pablo Montoya bis zu den mehrfachen Meisterschaften von Scott Dixon, Dario Franchitti und nun Palou. Mit seinem fünften Titel wurde Palou zur zentralen Figur der neuesten Phase dieser Tradition und warf angesichts seines Alters die Frage auf, wie nahe er den Rekorden von Dixon und Foyt noch kommen kann. Im Moment liefert die offizielle Statistik nur auf das bereits Erreichte eine klare Antwort: Fünf Titel bis zum Alter von 29 Jahren hat vor ihm niemand gewonnen.
Milwaukee Mile erneut Schauplatz großer Geschichten
Der historische Charakter des Wochenendes wird zusätzlich durch den Ort unterstrichen, an dem all dies geschah. Die Milwaukee Mile befindet sich im Wisconsin State Fair Park in West Allis, unmittelbar westlich der Stadt Milwaukee. Nach Angaben der örtlichen Tourismusorganisation Visit Milwaukee reicht die Geschichte der Strecke bis ins Jahr 1903 zurück, weshalb sie als ältester noch aktiver Motorsport-Speedway der Welt bezeichnet wird. Die Strecke war im Laufe von mehr als einem Jahrhundert Austragungsort verschiedener Rennkategorien, während IndyCar nach einer Unterbrechung 2024 nach Milwaukee zurückkehrte. Das kurze Oval mit geringer Überhöhung belohnt traditionell Fahrer, die Präzision beim Kurveneingang, Reifenschonung und rechtzeitige Positionierung im Verkehr miteinander verbinden können.
O'Ward gehörte bereits bei der Rückkehr der Serie auf die Milwaukee Mile 2024 zu den Siegern und festigte mit seinem Doppelerfolg 2026 seine Verbindung zu dieser Strecke zusätzlich. Für Palou wurde Milwaukee nicht zum Ort eines weiteren Sieges, sondern zu jenem Ort, an dem eine Saison bestätigt wurde, die durch Ergebnisse auf Stadtkursen, klassischen Rundstrecken und Ovalen aufgebaut worden war. Am selben Tag sicherte Honda laut IndyCar seinen zwölften Titel in der Motorenherstellerwertung, nachdem seine Fahrer zehn der ersten 16 Saisonrennen gewonnen hatten. Obwohl Chevrolet im Abendrennen die ersten sieben Plätze belegte, hatte die gesamte Punkteausbeute über das Jahr bereits ausgereicht, damit Honda die Herstellermeisterschaft rechnerisch für sich entscheiden konnte.
Der Titel ist entschieden, doch der Kampf hinter Palou bleibt offen
Die IndyCar-Saison endet am 6. September mit dem Mission Grand Prix of Monterey auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca in Kalifornien. Palou reist als feststehender Champion mit 607 Punkten und einem nicht mehr einholbaren Vorsprung dorthin. Hinter ihm sind die Abstände jedoch minimal: Lundgaard hat 507 Punkte, Kirkwood 505 und O'Ward 503. Nur vier Punkte trennen die drei Fahrer, die den zweiten Meisterschaftsplatz unter sich ausmachen werden, während Malukas mit 484 Punkten ebenfalls noch nahe genug liegt, dass das Finale die endgültige Reihenfolge der Spitzenfahrer deutlich verändern kann.
Für Palou wird das Finale die Gelegenheit sein, eine weitere Rekordsaison ohne die Last des Titelkampfs abzuschließen. Für O'Ward wird Milwaukee als jenes Wochenende in Erinnerung bleiben, an dem er aus einem ungeplanten Zeitplan das Maximum herausholte: zwei Siege am selben Tag, ein historischer Erfolg, den es in der IndyCar-Serie seit 1981 nicht mehr gegeben hatte, und ein großer Sprung im Kampf um Rang zwei der Gesamtwertung. Milwaukee brachte damit an einem einzigen Tag zwei parallele Geschichten hervor - die Bestätigung des Fahrers, der in den vergangenen Jahren den Maßstab für Konstanz in der Meisterschaft gesetzt hat, und den Triumph eines Fahrers, der außergewöhnliche Umstände in ein Ergebnis für die Geschichtsbücher verwandelte.
Quellen:
- INDYCAR - offizieller Bericht über O'Wards Sieg in beiden Rennen und Palous fünften Titel (Link)
- INDYCAR - offizieller Bericht über das erste Sonntagsrennen, die Strategie, Ergebnisse und den Meisterschaftsstand vor dem letzten Programmteil (Link)
- INDYCAR - offizielle Mitteilung über den wegen Regens und Streckentrocknung geänderten Sonntagszeitplan (Link)
- INDYCAR - Angaben zur Milwaukee Mile, ihrer Länge, Überhöhung und Geschichte der Streckenkonfiguration (Link)
- INDYCAR - Bestätigung von Hondas zwölftem Titel in der IndyCar-Motorenherstellerwertung (Link)
- Motorsport.com - endgültiger Meisterschaftsstand nach dem Doppelprogramm in Milwaukee und Punktestand vor dem Finale (Link)
- Associated Press / Local 10 - Palous Saisonstatistik, Punktevorsprung und Rekord von Chip Ganassi Racing (Link)
- Visit Milwaukee - historischer Kontext der Milwaukee Mile und die Angabe, dass die Strecke aus dem Jahr 1903 stammt (Link)