Pogačar nach schwerem Sturz, der ihn aus der Vuelta warf, erfolgreich in Barcelona operiert
Tadej Pogačar ist in Barcelona erfolgreich wegen eines Bruchs des linken Schlüsselbeins operiert worden, den er sich bei einem schweren Sturz auf der achten Etappe der Vuelta a España 2026 zugezogen hatte. Der slowenische Radrennfahrer und amtierende Weltmeister musste das Rennen am 29. August aufgeben, obwohl er die Gesamtwertung souverän anführte, und die medizinischen Untersuchungen nach dem Unfall bestätigten außerdem eine Gehirnerschütterung, einen stabilen Bruch des siebten Halswirbels C7 sowie mehrere Abschürfungen. Laut einer medizinischen Mitteilung von UAE Team Emirates-XRG wurden bei Pogačar keine weiteren schweren Verletzungen oder neurologischen Folgen festgestellt. Die Operation am Schlüsselbein war zunächst wegen Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Gehirnerschütterung verschoben worden, und der Eingriff wurde am 31. August vorgenommen, nachdem die Ärzte die Freigabe für die Operation erteilt hatten. Das Team teilte mit, dass der Eingriff erfolgreich verlaufen sei und Pogačar noch einige Tage zur postoperativen Überwachung im Krankenhaus bleiben werde.
Operation nach ärztlicher Freigabe durchgeführt
Der Eingriff wurde im Hospital Universitari Dexeus in Barcelona durchgeführt, und laut Berichten von RTVE, Associated Press und anderen Medien, die Informationen des Teams weitergaben, nahm der Arzt Xavier Mir die Operation vor. Adrian Rotunno, medizinischer Direktor von UAE Team Emirates-XRG, erklärte, Pogačar habe erst nach einer Beurteilung seines Zustands nach der Gehirnerschütterung grünes Licht für die Operation erhalten. Genau diese Verletzung war der Grund dafür, dass die Ärzte die verschobene Fraktur des linken Schlüsselbeins nicht sofort chirurgisch behandelten. Rotunno erklärte nach dem Eingriff, der Fahrer werde einige Tage im Krankenhaus bleiben, damit der postoperative Verlauf überwacht werden könne, danach solle er nach Hause zurückkehren und unter Aufsicht des medizinischen Personals des Teams mit der Genesung und Rehabilitation beginnen. UAE Team Emirates-XRG hat bislang keinen genauen Zeitplan für die Rückkehr ins Training oder in den Wettkampf bekannt gegeben.
Diese Vorsicht ist wegen der gleichzeitig diagnostizierten Gehirnerschütterung besonders wichtig. Der Internationale Radsportverband UCI betont in seinem Protokoll für sportbedingte Gehirnerschütterungen, dass solche Verletzungen Gedächtnis, Sprache, Gleichgewicht und Reaktionsgeschwindigkeit beeinträchtigen können und vor der Rückkehr in das vollständige Training und den Wettkampf eine schrittweise medizinische Beurteilung erfordern. Das UCI-Protokoll sieht in der Anfangsphase eine Phase vollständiger Ruhe und eine kontrollierte Rückkehr zu Aktivitäten erst nach dem Abklingen der Symptome vor, wobei die endgültige Entscheidung von Ärzten getroffen wird. In Pogačars Fall stellt der Bruch des C7-Wirbels einen zusätzlichen Faktor dar, obwohl sein Team ihn als stabil und ohne neurologische Folgen beschrieben hat. Wegen der Kombination der Verletzungen bleibt jede Einschätzung eines Rückkehrdatums zum jetzigen Zeitpunkt unsicher.
Sturz auf einer Flachetappe beendete das Rennen, das er souverän angeführt hatte
Der Unfall ereignete sich am 29. August während der achten Etappe der Vuelta zwischen Puçol und Xeraco über 171 Kilometer. Pogačar stürzte ungefähr dreißig Kilometer vor dem Ziel, und nach dem Aufprall versuchte er, das Rennen fortzusetzen, doch Schmerzen in der Schulter und die Folgen des Sturzes verhinderten, dass er wieder normal auf dem Fahrrad sitzen konnte. Laut dem damaligen Bericht seines Ärzteteams wurde er nach einer ersten Untersuchung für detaillierte Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Medienberichte und Aufnahmen des Rennens brachten den Sturz mit einem Stein auf der Straße in Verbindung, doch für das medizinische Ergebnis war vor allem entscheidend, dass die Untersuchungen schnell zeigten, dass es sich nicht nur um eine Verletzung des Schlüsselbeins handelte. Neben dem verschobenen Bruch des linken Schlüsselbeins wurden eine Gehirnerschütterung, ein stabiler Bruch des C7-Wirbels und mehrere oberflächliche Verletzungen bestätigt.
Zum Zeitpunkt des Unfalls trug Pogačar das rote Führungstrikot und hatte einen Vorsprung von 3 Minuten und 50 Sekunden auf Enric Mas. Er war der größte Favorit auf den Gesamtsieg, und die Vuelta hatte für ihn auch eine besondere sportliche Bedeutung, weil sie die einzige der drei großen Rundfahrten ist, die er noch nicht gewonnen hat. Nach Angaben der offiziellen Website der Tour de France gewann der Slowene im Juli 2026 seine fünfte Tour de France, während er in seiner Karriere bereits auch einen Gesamtsieg beim Giro d'Italia errungen hat. Ein Triumph in Spanien hätte ihm somit Siege bei allen drei Grand Tours beschert, ein Kunststück, das in der Geschichte des professionellen Männer-Radsports nur eine sehr begrenzte Zahl von Fahrern vollbracht hat. Statt die Jagd auf dieses Ergebnis fortzusetzen, wurde die achte Etappe für Pogačar zur ersten großen Unterbrechung seiner Vuelta-Kampagne 2026.
Die Etappe selbst endete mit dem Sieg von Bryan Coquard vom Team Cofidis, wie die offiziellen Daten der Vuelta zeigen. Das sportliche Ergebnis des Tages stand jedoch im Schatten des Sturzes des führenden Fahrers und seiner Einweisung ins Krankenhaus. Enric Mas vom Movistar Team übernahm das rote Trikot, und nach Pogačars Aufgabe veränderten sich die Kräfteverhältnisse in der Gesamtwertung schlagartig. Mas zeigte sich öffentlich zurückhaltend angesichts der Art und Weise, wie er die Führung übernommen hatte, und erklärte nach der Etappe, dass sich die Übernahme der Führung nach dem Sturz eines Rivalen nicht gut anfühle. Seine Reaktion spiegelte die Stimmung im Peloton wider, in dem nach dem Zieleinlauf der Fokus ebenso sehr auf Pogačars Gesundheitszustand wie auf der Fortsetzung des Kampfes um den Gesamtsieg lag.
Enric Mas festigt Führung am Alto de Aitana
Bereits einen Tag nach Pogačars Aufgabe erhielt die Vuelta einen neuen sportlichen Rahmen. Auf der neunten Etappe von La Vila Joiosa zum Alto de Aitana über 187,4 Kilometer und mit mehr als 5.000 Höhenmetern gewann Mas im roten Trikot und festigte damit zusätzlich seinen Status als neuer Führender. Nach den offiziellen Ergebnissen der Vuelta nach der neunten Etappe hatte Mas in der Gesamtwertung 1 Minute und 18 Sekunden Vorsprung auf Primož Roglič sowie 1 Minute und 39 Sekunden auf Felix Gall. Oscar Onley lag mit 2 Minuten und 20 Sekunden Rückstand auf dem vierten Platz, Richard Carapaz mit 3 Minuten und 26 Sekunden Rückstand auf dem fünften. Damit verwandelte sich das Rennen, das vor Pogačars Sturz stark auf den slowenischen Favoriten ausgerichtet gewirkt hatte, in einen deutlich offeneren Kampf zwischen mehreren Anwärtern.
Mas' Sieg auf der Aitana bestätigte außerdem, dass der Movistar-Fahrer bereit ist, seine neue Führung aktiv zu verteidigen und nicht lediglich den nach Pogačars Aufgabe geerbten Vorsprung zu verwalten. Die Organisatoren der Vuelta erklärten, es sei sein zweiter Etappensieg bei der spanischen Grand Tour gewesen, acht Jahre nach seinem ersten derartigen Erfolg. Für Movistar hatte das Ergebnis zusätzliches Gewicht, weil das spanische Team eine realistische Chance erhielt, um den Gesamtsieg bei dem Rennen zu kämpfen, das am 13. September in Granada endet. Gleichzeitig erhielten Roglič, Gall, Onley, Carapaz und die übrigen Konkurrenten eine Möglichkeit, die angesichts von Pogačars großem Vorsprung vor dem Unfall nur einen Tag zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. Die Vuelta wird am 1. September mit der zehnten Etappe von Alcaraz nach Elche de la Sierra fortgesetzt.
Stabiler C7-Bruch bislang ohne neurologische Folgen
Der sensibelste Teil von Pogačars medizinischem Bericht betrifft die Halswirbelsäule. Das Team teilte nach den Untersuchungen im Krankenhaus mit, dass es sich um einen stabilen Bruch des C7-Wirbels handle, und betonte, dass keine neurologischen Folgen vorlägen. Obwohl das Team den Bruch als stabil bezeichnete und das Fehlen neurologischer Folgen hervorhob, handelt es sich um eine Verletzung, die neben der Heilung des Schlüsselbeinbruchs und der Gehirnerschütterung weitere ärztliche Überwachung erfordert. Bei einem Sportler, der in einer Disziplin mit lang anhaltender Belastung des Nackens, hohen Geschwindigkeiten und einem ständigen Risiko weiterer Stürze antritt, muss die Entscheidung über die Rückkehr den gesamten Genesungsprozess berücksichtigen und nicht nur den Zustand des operierten Schlüsselbeins. Genau deshalb vermeidet es das Team derzeit, einen festen Wettkampfplan bekannt zu geben.
Pogačars Fall verdeutlicht erneut die Besonderheiten von Verletzungen im Straßenradsport. Anders als in Sportarten, in denen eine ärztliche Untersuchung unmittelbar am Spielfeld stattfinden kann, befinden sich Radfahrer nach einem Sturz häufig mitten in einem sich bewegenden Rennen und in großer Entfernung von einem medizinischen Fahrzeug oder Krankenhaus. Deshalb hat die UCI ein spezielles Protokoll zur Erkennung von Gehirnerschütterungen entwickelt, bei dem neben Ärzten auch Sportdirektoren, Mechaniker, Trainer und die Fahrer selbst eine wichtige Rolle spielen, da sie als Erste Desorientierung, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen, Sehstörungen oder andere Warnzeichen bemerken können. Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung muss ein Fahrer medizinisch untersucht werden, und die anschließende Rückkehr zur Aktivität erfolgt schrittweise. Pogačar wurde nach dem Unfall ausführlich untersucht und erst nach einer späteren ärztlichen Freigabe operiert.
Weltmeisterschaft in Montreal nun fraglich
Eine große offene Frage bleibt der weitere Verlauf von Pogačars Saison. Laut UCI-Kalender findet die Straßenradsport-Weltmeisterschaft 2026 vom 20. bis 27. September in Montreal statt. Associated Press berichtet, dass dies Pogačars nächster geplanter großer Auftritt ist, seine Teilnahme jedoch von der Geschwindigkeit und Qualität seiner Genesung abhängen wird. Als amtierender Weltmeister und einer der dominierenden Fahrer seiner Generation würde er unter normalen Umständen zu den Hauptanwärtern auf den Titel zählen, doch nun stehen sportliche Ziele hinter der vollständigen Genesung von den mehrfachen Verletzungen zurück. UAE Team Emirates-XRG hat weder bestätigt, ob Pogačar versuchen wird, in Montreal anzutreten, noch einen medizinischen Zeitrahmen genannt, nach dessen Ablauf eine solche Entscheidung getroffen werden könnte.
Der Zeitraum zwischen der Operation am 31. August und dem Beginn der Weltmeisterschaft beträgt weniger als drei Wochen, was die Unsicherheit zusätzlich unterstreicht. Ein Schlüsselbeinbruch allein gehört zu den häufigen Verletzungen im professionellen Radsport, doch Pogačar muss sich gleichzeitig von der Gehirnerschütterung erholen und die Heilung des C7-Bruchs überwachen lassen. Deshalb wäre es verfrüht, seine Einsatzfähigkeit allein aufgrund der Tatsache zu beurteilen, dass die Operation erfolgreich verlaufen ist. Das Team kündigte eine fortgesetzte medizinische Überwachung während der Rehabilitation an, und Entscheidungen über das Training und eine mögliche Rückkehr an die Startlinie sollen schrittweise getroffen werden. In dieser Phase ist lediglich bestätigt, dass der chirurgische Eingriff gut verlaufen ist und der Fahrer noch einige Tage unter stationärer Überwachung bleiben wird.
Sturz unterbricht außergewöhnlich erfolgreiche Saison und Angriff auf die letzte Grand-Tour-Krone
Pogačar kam als fünffacher Sieger der Tour de France zur Vuelta, nachdem er Ende Juli erneut das französische Rennen gewonnen hatte. Die offizielle Website der Tour erklärt, dass er mit seinem fünften Gesamtsieg die Leistung von Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain eingestellt habe. In Spanien zeigte er schnell, dass er seine Form vom Juli nicht verloren hatte: Im ersten Teil der Vuelta erarbeitete er sich einen großen Zeitvorsprung und lag vor der achten Etappe fast vier Minuten vor Mas. Sein Versuch, die Vuelta zu gewinnen, war damit nicht nur ein weiterer Saisonauftritt, sondern die Gelegenheit, seine Sammlung an Grand-Tour-Siegen zu vervollständigen. Der Sturz hat dieses Ziel mindestens bis zu einer zukünftigen Saison verschoben.
Auch für UAE Team Emirates-XRG sind die Folgen erheblich. Innerhalb weniger Tage wechselte das Team von einer Situation, in der es das Rennen mit einem souverän führenden Fahrer kontrollierte, zu einer Fortsetzung der Vuelta ohne seinen wichtigsten Kandidaten auf den Gesamtsieg. Pogačars Fehlen verändert die Taktik des Teams auf den verbleibenden Etappen, während sich das öffentliche Interesse naturgemäß auf seine gesundheitliche Genesung verlagert. Gleichzeitig geht die Vuelta ohne den Fahrer weiter, der nach der ersten Woche den größten Vorsprung hatte und die zentrale Figur des Rennens war. Die neue Rangfolge erfordert nun eine andere Verteilung der Verantwortung unter den führenden Teams, insbesondere Movistar, Red Bull-Bora-Hansgrohe und Decathlon CMA CGM.
Für Pogačar selbst ist das unmittelbare Ziel nicht mehr ein Ergebnis, sondern ein stabiler postoperativer Verlauf und die sichere Rückkehr zur vollständigen Funktionsfähigkeit nach drei unterschiedlichen Arten von Verletzungen, die er bei demselben Sturz erlitten hat. Laut der jüngsten Mitteilung seines Ärzteteams war die Operation am linken Schlüsselbein erfolgreich, es gibt keine neurologischen Folgen im Zusammenhang mit dem C7-Bruch, und einige Tage stationärer Überwachung sollen dem Beginn der Rehabilitation zu Hause vorausgehen. Alle weiteren Entscheidungen, einschließlich eines möglichen Starts bei der Weltmeisterschaft, werden von den ärztlichen Einschätzungen und der Entwicklung der Symptome nach der Gehirnerschütterung abhängen. Sportlich hat sein Ausscheiden die Vuelta vollständig verändert, medizinisch bleibt die entscheidende Nachricht jedoch, dass sein Zustand nach einem schweren Unfall stabil ist und der erste große Schritt der Behandlung planmäßig verlaufen ist.
Quellen:
- UAE Team Emirates-XRG / von RTVE übermittelte Mitteilung – Bestätigung der erfolgreichen Operation, der postoperativen Überwachung und des medizinischen Verlaufs nach der Gehirnerschütterung (Link)
- La Vuelta – offizielle Daten zur achten Etappe Puçol–Xeraco, zur Etappenlänge und zum Sieger Bryan Coquard (Link)
- La Vuelta – offizieller Bericht und Gesamtstand nach der neunten Etappe am Alto de Aitana, einschließlich des Sieges und der Führung von Enric Mas (Link)
- UCI – offizielles Protokoll für sportbedingte Gehirnerschütterungen im Radsport und Richtlinien für die Beurteilung sowie die Rückkehr in den Wettkampf (Link)
- UCI – Kalender und offizielle Informationen zur Straßenradsport-Weltmeisterschaft 2026 in Montreal vom 20. bis 27. September (Link)
- Tour de France – offizielle Erklärung von Tadej Pogačar nach seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour 2026 (Link)
- Associated Press / NBC Sports – Einzelheiten zur Operation in Barcelona, Arzt Xavier Mir und Status von Pogačars geplantem Start bei der Weltmeisterschaft (Link)