Slowakische Medien nach Hajduk und Žilina: Poljud begeisterte sie mit seiner Atmosphäre, warf aber auch die Frage der Stadionstandards auf
Hajduk Split gelang mit einem 2:0-Sieg gegen MŠK Žilina im Poljud ein vom Ergebnis her ruhiger Einstieg in die europäische Saison, doch das Echo der Partie blieb nicht nur auf den Rasen beschränkt. Das slowakische Medium Šport, dessen Journalist die Begegnung in Split verfolgte, veröffentlichte eine ausführliche Reportage, in der er die Atmosphäre im Stadion als seltenes europäisches Fußballerlebnis beschrieb, zugleich aber eine Reihe scharfer Anmerkungen zum Zustand des Stadions und zur Organisation des Spiels vorbrachte. Im Mittelpunkt des slowakischen Textes standen das Dach des Poljud, die Leichtathletikbahn, das Verhalten eines Teils des Publikums, der Alkoholverkauf, die Behandlung der Gästefans und die Arbeitsbedingungen für Journalisten nach dem Ende der Begegnung.
Nach Angaben der UEFA wurde die Partie Hajduk Split - Žilina am 9. Juli 2026 in der ersten Qualifikationsrunde der Europa League im Stadion Poljud ausgetragen. Spezialisierte Spieldatenbanken führen an, dass die Begegnung um 20 Uhr Ortszeit begann und dass Roko Brajković den Gastgeber in der 22. Minute in Führung brachte, während Dali in der 49. Minute den Endstand von 2:0 herstellte. Die UEFA-Statistik zeigt, dass Hajduk 13 Abschlüsse in Richtung Tor hatte und Žilina fünf, während die Heimmannschaft sechs Ecken ausführte und die Gäste drei. Dieses Ergebnis verschafft Hajduk vor dem Rückspiel in der Slowakei, das nach dem UEFA-Spielplan für den 16. Juli in Žilina vorgesehen ist, einen wichtigen Vorteil.
Dennoch verlagerte sich am Tag nach dem Spiel ein Teil der Aufmerksamkeit vom Ergebnis auf den breiteren Eindruck des Gastauftritts. Šport veröffentlichte am Freitag, dem 10. Juli 2026, einen Text mit einer Überschrift rund um “Löcher im Dach”, einen “bekannten Politiker” und “verbotene Dinge”, verbunden mit der Behauptung, slowakische Journalisten seien zu früh aus dem Pressezentrum entfernt worden. Kroatische Medien, darunter tportal und Sportske novosti, übernahmen die wichtigsten Teile dieser Reportage und betonten besonders, dass die slowakischen Journalisten zugleich die Stärke der Poljud-Atmosphäre anerkannten und organisatorische Details sehr direkt kritisierten. Damit eröffnete die Partie, neben ihrer sportlichen Bedeutung, erneut die Debatte darüber, wie historische Stadien im europäischen Fußball ihre Identität bewahren und gleichzeitig zeitgemäße infrastrukturelle und organisatorische Standards erfüllen können.
Das Ergebnis war klar, doch der Eindruck der Gäste vielschichtig
Auf dem Platz erreichte Hajduk genau das, was in den ersten europäischen Qualifikationsspielen am meisten gefragt ist: einen Sieg ohne Gegentor. Nach den Berichten von Šport begann Žilina nicht ängstlich und hatte in der frühen Phase des Spiels eine Gelegenheit, die den Ton der Begegnung hätte verändern können, insbesondere durch Timotej Hranica. Žilinas Trainer Pavol Staňo betonte nach der Begegnung laut Šport, dass die ersten etwa zwanzig Minuten aus Sicht seiner Mannschaft nicht schlecht gewesen seien, gab aber zu, dass der Gegentreffer in der 22. Minute die Gäste erschüttert habe. Nach seiner Einschätzung verlor Žilina den Ball zu leicht und löste sich nicht ausreichend gut aus dem Pressing.
Hajduk bestrafte solche Versäumnisse effizient. Brajkovićs erstes Tor fiel in einem Moment, in dem der Gastgeber die Kontrolle übernahm, und der zweite Treffer unmittelbar nach der Pause veränderte das psychologische Kräfteverhältnis zusätzlich. Šport übermittelte Staňos Einschätzung, dass das zweite Tor “kurios” gewesen sei und die Mannschaft es detailliert analysieren müsse, während Torhüter Jakub Badžgoň die Botschaft mit der Feststellung zusammenfasste, dass Fußball nicht nur 25 Minuten, sondern alle 90 gespielt werde. In diesem Rahmen bestritt die slowakische Seite die Qualität Hajduks nicht, sondern erklärte die Niederlage als Verbindung eigener Fehler, der Intensität der Heimmannschaft und des Drucks von den Tribünen.
Dieser Druck war einer der wenigen Punkte, bei denen sich Lob und Kritik in der slowakischen Reportage vollständig überschnitten. Šport beschrieb die Unterstützung der Torcida als kraftvoll, organisiert und als ein Kolorit, das im modernen europäischen Fußball immer seltener wird. Laut der Reportage schufen Gesänge, Choreografien, Transparente und Lärm ein Umfeld, das schon vor Spielbeginn wirkte, und der Rhythmus der Heimfans stellte zeitweise sogar das Spiel selbst in den Schatten. In diesem Sinne war Poljud für die Gäste mehr als ein Stadion: Es war eine Bühne, auf der die Fußballidentität Splits Teil des sportlichen Drucks selbst wurde.
Poljud als architektonische Ikone und ein Stadion, das sein Alter zeigt
Der größte Teil der slowakischen Anmerkungen bezog sich auf das Stadion. Poljud ist keine gewöhnliche Sportanlage, sondern eines der bekanntesten Stadien an der Ostküste der Adria. HNK Hajduk gibt auf seiner offiziellen Website an, dass das Stadion 1979 für die VIII. Mittelmeerspiele erbaut wurde, dass es von Boris Magaš entworfen wurde und eine Kapazität von 33.987 Plätzen hat. Der Klub beschreibt es als Bauwerk in Muschelform, mit einer Dachkonstruktion, die die Ost- und Westtribüne überdeckt, sowie als eines der Symbole der sportlichen Identität Splits.
Genau diese Doppelheit prägte auch die slowakische Reportage. Šport beschrieb Poljud als architektonisch beeindruckende “Muschel”, aber auch als ein Stadion, in dem sich die Jahre und der Mangel an Modernisierung nicht verbergen lassen. Besonders hervorgehoben wurde das Dach, über das in der Reportage angeführt wurde, es habe sichtbare Löcher, verbunden mit der Behauptung, bei stärkerem Unwetter könne ein Teil der Zuschauer nass werden. Kritisiert wurde auch die alte Leichtathletikbahn rund um den Rasen, über die der slowakische Autor schrieb, sie entferne die Tribünen vom Spielfeld und eine solche Lösung entspreche nicht mehr dem modernen Fußballerlebnis.
Diese Bewertungen sind im breiteren Kontext der langjährigen Debatte über die Zukunft des Poljud zu lesen. Das Ministerium für Tourismus und Sport der Republik Kroatien gab bereits 2024 bekannt, dass der Stadt Split 597.586,25 Euro für Studien- sowie projekttechnische Dokumentation zur Sanierung des Städtischen Stadions Poljud zugesprochen werden. Nach einem schweren Unwetter im Juli 2025 berichtete Hina, die kroatische Regierung habe einen Beschluss über die Bereitstellung von zwei Millionen Euro für die dringende Sanierung der Schäden am Stadion gefasst, und der damalige Minister für Tourismus und Sport Tonči Glavina sagte, das Stadion würde, falls die Schäden nicht kurzfristig saniert würden, die Bedingungen für die Austragung nationaler und internationaler Spiele nicht erfüllen. Das zeigt, dass sich das Problem Poljud nicht auf den Eindruck eines Gastjournalisten reduziert, sondern ein infrastrukturelles Thema ist, das bereits seit längerer Zeit nach einer Lösung verlangt.
Alkohol, Rauchen und UEFA-Regeln im Fokus der Reportage
Der zweite Block der Anmerkungen bezog sich auf die Organisation des Spiels selbst. Šport führte an, dass im Poljud geraucht wurde, und zwar nach den Behauptungen des Autors nicht nur unter den Fans, sondern auch unter einzelnen Personen, die für die Ordnung zuständig waren. Dieser Teil der Reportage ist keine offizielle Inspektionsdokumentation, sondern eine journalistische Beobachtung vor Ort, weshalb er als Behauptung des slowakischen Mediums und nicht als festgestellter Verstoß zu verstehen ist. Dennoch zeigt die Tatsache, dass ein solches Detail in der Überschrift und in Zwischenüberschriften landete, wie einprägsam das organisatorische Bild für die Gäste war.
Ähnliches gilt für den Alkoholverkauf. Šport schrieb, dass im Stadion klassisches Karlovačko-Bier verkauft wurde, und stellte dies als Widerspruch zu Praktiken bei vielen europäischen Spielen dar. Die Sicherheitsvorschriften der UEFA führen in Artikel 36 kein einfaches allgemeines Alkoholverbot für alle Stadien und alle Spiele ein, sondern schreiben vor, dass der Veranstalter Alkohol nur innerhalb der Grenzen des nationalen und lokalen Rechts verkaufen oder verteilen darf und dass alle alkoholischen und alkoholfreien Getränke in Papier- oder offene Kunststoffbehälter ausgeschenkt werden müssen, die nicht gefährlich verwendet werden können. Mit anderen Worten: Allein die Existenz des Alkoholverkaufs muss nicht automatisch einen Verstoß gegen UEFA-Regeln bedeuten, doch der Veranstalter muss lokale Vorschriften, Sicherheitsbewertungen und Wettbewerbsbedingungen einhalten.
Die slowakische Reportage hat daher zwei Ebenen. Die erste ist die konkrete Behauptung des Journalisten, er habe im Stadion eine lockerere Anwendung der Regeln gesehen, als bei UEFA-Spielen erwartet wird. Die zweite ist der breitere Eindruck, dass Gästefans und heimisches Publikum nicht gleich behandelt wurden. Šport führte nämlich an, dass Žilina-Fans detailliert kontrolliert wurden und einige ihre Schuhe ausziehen mussten, während ihrer Ansicht nach der Umgang mit den heimischen Zuschauern milder war. Solche Behauptungen würden, falls die zuständigen Stellen sie prüfen wollten, in den Bereich offizieller Berichte von Delegierten, Sicherheitsdiensten und möglicher UEFA-Verfahren fallen, doch bis zum 11. Juli 2026 deuten öffentlich verfügbare Informationen nicht auf eine veröffentlichte offizielle Entscheidung zu diesem Thema hin.
Das Pressezentrum und Standards für die Arbeit der Medien
Ein besonders sensibler Teil der Reportage betrifft die Behandlung der Journalisten nach dem Spiel. Šport führte an, der lokale Veranstalter habe den slowakischen Journalisten nach dem Ende der Begegnung gesagt, sie hätten noch zehn Minuten und das Pressezentrum werde geschlossen. Der Autor der Reportage stellte einen solchen Schritt als Verstoß gegen übliche UEFA-Medienstandards dar und führte an, dass Arbeitsräume für Journalisten deutlich länger nach dem Spiel verfügbar bleiben müssten. In kroatischen Medien wurde derselbe Einwand übernommen, mit der Betonung, dass gerade diese Episode den slowakischen Eindruck von der Organisation zusätzlich verschärfte.
Die UEFA-Infrastrukturvorschriften aus dem Jahr 2025 sehen vor, dass Stadien mindestens einen Raum haben müssen, der mit Tischen, Stromanschlüssen und Internetverbindung für die Arbeit von Medienvertretern ausgestattet ist. Die Vorschriften in Artikel 29 nennen außerdem die Mindestzahl an Arbeitsplätzen je nach Stadionkategorie. Das Reglement der Europa League für die Saison 2026/27 bestätigt im Abschnitt über Medienzugang, dass akkreditierte Medienvertreter Zugang zu Pressekonferenzen nach dem Spiel und zur Mixed Zone haben, mit Einschränkungen, die sich auf das Spielfeld, den Tunnel und die Umkleideräume beziehen. Die Behauptung selbst, dass das Pressezentrum zu früh geschlossen wurde, bleibt vorerst eine Angabe von Šport, doch das Problem, das sie aufwirft, ist praktisch: Europäische Spiele erfordern eine Medienlogistik, die auch nach dem Schlusspfiff des Schiedsrichters andauert.
Ein solches Detail mag weniger wichtig erscheinen als das Ergebnis, doch in internationalen Klubwettbewerben ist die Organisation des Spiels Teil des Rufs des Klubs und der Gastgeberstadt. Journalisten, die zu europäischen Spielen reisen, berichten nicht nur über das Spiel, sondern auch über die Verfügbarkeit von Arbeitsraum, die Sicherheitsbehandlung, die Kommunikation der Veranstalter und den allgemeinen Standard der Veranstaltung. Deshalb erhielten die Anmerkungen von Šport zusätzliches Gewicht: Sie kamen nicht aus einem Fankommentar, sondern aus journalistischer Erfahrung bei einem Spiel, das unter dem Rahmen der UEFA stand.
Die Slowaken erkannten die Stärke des Poljud an, warnten aber vor den Kontrasten
Interessant ist, dass die Reportage keine einseitige Verurteilung war. Šport hob sehr klar hervor, dass Poljud eine Atmosphäre bot, wie man sie im modernen Fußball immer seltener sieht. Im Text heißt es, Split habe in den Tagen des Spiels nicht nur vom Sport gelebt, sondern auch von großen Sommerveranstaltungen, einschließlich des Musikfestivals Ultra Europe in der Nähe des Park mladeži. Eine solche Verbindung aus touristischem Gedränge, hohen Temperaturen, Fanaufladung und europäischem Spiel schuf den Eindruck eines Sportspektakels, das der slowakische Autor als die Reise wert betrachtete.
Doch gerade dieser Kontrast zwischen der Energie der Tribünen und dem Alter der Infrastruktur bildet den Kern der ganzen Geschichte. Poljud kann zugleich ein Stadion mit außergewöhnlicher Atmosphäre und eine Anlage sein, die ernsthafte Eingriffe benötigt. Es kann ein architektonischer Wert und eine organisatorische Herausforderung sein. Es kann Gastjournalisten mit Fankultur beeindrucken und sie zugleich mit Details enttäuschen, die im UEFA-Umfeld immer weniger toleriert werden. Die slowakische Reportage beschrieb eigentlich beide Gesichter desselben Ortes: eine Fußballbühne mit großem emotionalem Kapital und ein Stadion, das sich mit den Anforderungen des modernen Sports immer schwerer tut.
Für Hajduk ist der sportliche Teil der Geschichte vorerst günstig. Die Mannschaft von Gonzalo García kontrollierte nach den Berichten vom Spiel die entscheidenden Momente, hielt das Tor sauber und erspielte sich vor der Reise nach Žilina einen Vorsprung von zwei Treffern. Für Žilina ist die Niederlage schwer, doch Trainer Staňo gab in seinen Aussagen für Šport das Rückspiel nicht auf und betonte, das Ergebnis sei zwar ungünstig, seine Mannschaft halte es aber weiterhin für spielbar. Das Rückspiel in der Slowakei wird daher eine doppelte Dimension haben: die sportliche Frage des Einzugs in die zweite Qualifikationsrunde und den zusätzlichen Kontext der ersten Begegnung, die wegen der slowakischen Reportage über den Rahmen eines gewöhnlichen Ergebnisberichts hinausging.
Vor dem zweiten Spiel wird es für Hajduk am wichtigsten sein, den Vorsprung zu halten, und für Žilina, schnell ein Tor zu finden, das die Spannung zurückbringen würde. Für Poljud und die Organisatoren europäischer Spiele bleibt jedoch eine breitere Botschaft. Die Atmosphäre, die Fans schaffen, kann ein großer Vorteil und Teil der internationalen Anziehungskraft des Klubs sein, doch europäische Standards verlangen immer stärker, dass ein solches Erlebnis von einer ebenso überzeugenden Infrastruktur, klaren Sicherheitsregeln und professionellen Bedingungen für alle Beteiligten begleitet wird. Die slowakische Kritik ändert daher Hajduks Sieg nicht, zeigt aber, dass der Eindruck eines europäischen Spiels viel breiter gemessen wird als an der Anzeigetafel.
Quellen:
- Šport.sk – Reportage und Aussagen nach dem Spiel Hajduk Split - MŠK Žilina, einschließlich Anmerkungen zum Stadion, zur Organisation und zur Atmosphäre (Link)
- Šport.sk – Aussage von Trainer Pavol Staňo nach Žilinas Niederlage in Split (Link)
- UEFA – offizielle Seite des Spiels Hajduk Split - Žilina in der Europa League 2026/27 (Link)
- Global Sports Archive – Daten zu Ergebnis, Torschützen, Termin und Austragungsort des Spiels (Link)
- HNK Hajduk Split – offizielle Beschreibung des Stadions Poljud, der Kapazität, des Baujahres und des Architekten (Link)
- UEFA – Safety and Security Regulations, Artikel 36 über die Verteilung von Alkohol in Stadien (Link)
- UEFA – Stadium Infrastructure Regulations, Artikel 29 über Arbeitsräume für die Medien (Link)
- Ministerium für Tourismus und Sport der Republik Kroatien – Entscheidung über die Finanzierung der Projektdokumentation für die Erneuerung des Stadions Poljud (Link)
- Portal.hr / Hina – Bericht über die Zuweisung von zwei Millionen Euro für die Sanierung der Schäden am Stadion Poljud nach dem Unwetter 2025 (Link)