Finanzielle Unsicherheit bei Al Nassr: Berichte über Gehälter und ein bescheidenes Budget bremsen die Vorbereitung des Meisters
Al Nassr hat die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 in einer Atmosphäre begonnen, die sich deutlich von den Feierlichkeiten unterscheidet, mit denen die vorherige Meisterschaft beendet wurde. Der Klub aus Riad gewann im Mai den saudischen Meistertitel, sieht sich Mitte Juli jedoch mit Medienberichten über einen Mangel an verfügbaren finanziellen Mitteln, teilweise nicht ausgezahlte Juni-Gehälter und verlangsamte Planungen für das sommerliche Transferfenster konfrontiert. Nach Informationen, die in saudischen Sportmedien kursieren, sollen einige Spieler der ersten Mannschaft noch immer nicht den vollständigen Gehaltsbetrag für Juni erhalten haben, während die Vereinsführung auf ein klareres Bild des Budgets für die neue Saison wartet. Bis zum 14. Juli 2026 hatte Al Nassr weder einen offiziellen Finanzbericht veröffentlicht, der das Ausmaß des Problems bestätigt hätte, noch ausführlich zu den angeblichen Verzögerungen bei den Zahlungen an die Spieler Stellung genommen. Deshalb ist es wichtig, bestätigte sportliche Entscheidungen wie den Abgang von Marcelo Brozović von Behauptungen über Gehälter zu unterscheiden, die bislang lediglich auf Medienberichten beruhen.
Die Situation ist besonders heikel, weil es sich nicht um einen Klub handelt, der lediglich versucht, zur Konkurrenz aufzuschließen, sondern um den amtierenden Meister mit einer ausgesprochen teuren und international bekannten Mannschaft. Offizielle Daten der Saudi Pro League zeigen, dass Al Nassr die Saison 2025/26 mit 86 Punkten auf dem ersten Platz beendete, zwei Punkte vor Al Hilal, und den Titel mit einem 4:1-Sieg gegen Damac am letzten Spieltag sicherte. Cristiano Ronaldo erzielte im entscheidenden Spiel zwei Tore und gewann damit seit seiner Ankunft in Riad seinen ersten saudischen Meistertitel. Gerade aufgrund dieses Ergebnisses wurde erwartet, dass der Klub aus einer Position der Stärke in den Sommer gehen und den Kader für die Titelverteidigung sowie die kontinentalen Herausforderungen weiter verstärken würde. Stattdessen deuten die verfügbaren Berichte auf eine vorsichtige Transferpolitik und die Notwendigkeit hin, zunächst die finanziellen Verpflichtungen zu stabilisieren.
Berichte über Juni-Gehälter bislang ohne offizielle Bestätigung
Der schwerwiegendste Teil der Geschichte betrifft die Behauptung, dass einzelne Spieler der ersten Mannschaft nicht den vollständigen Betrag ihrer Juni-Gehälter erhalten hätten. Sollte sich diese Angabe bestätigen, wäre dies mehr als ein kurzfristiges administratives Problem, denn die regelmäßige Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen wirkt sich unmittelbar auf das Vertrauen von Spielern, Beratern und potenziellen Neuzugängen aus. Bis zum 14. Juli wurde jedoch weder vom Klub noch von der Liga oder einer anderen zuständigen Institution offiziell und detailliert bestätigt, wie viele Spieler betroffen sind, welcher Teil des Betrags fehlt und wann eine mögliche Differenz ausgezahlt werden soll. Daher lässt sich nicht zuverlässig feststellen, ob es sich um eine vorübergehende Verzögerung im Zahlungsverkehr, um den Auszahlungsplan oder um einen tieferliegenden Mangel an finanziellen Mitteln handelt. Im Profifußball ist dieser Unterschied wichtig, weil eine kurze technische Verzögerung nicht dieselben Folgen hat wie eine längerfristige Unfähigkeit, Verträge zu erfüllen.
Der breitere Kontext zeigt dennoch, dass die finanziellen Spannungen nicht über Nacht entstanden sind. Die arabische Redaktion von Goal berichtete Anfang Juli, dass Al Nassr während des sommerlichen Transferfensters mit einem stark begrenzten Budget arbeite und der Klub bereits in der vorherigen Saison die Folgen geringerer verfügbarer Finanzierung sowie der Unterstützungsstruktur innerhalb des saudischen Profifußballs gespürt habe. Dieselbe Quelle erklärte, die Vereinsführung wolle das Grundgerüst der Meistermannschaft behalten, müsse die Zahl und das Profil der neuen Spieler jedoch an die verfügbaren Mittel anpassen. Auch die saudische Zeitung Al Weeam berichtete, dass Al Nassr auf die endgültige Bestätigung des Budgets für die neue Saison warte, bevor die Transfers präzise festgelegt würden. Diese Berichte bestätigen für sich genommen keine Verzögerung bei den Juni-Gehältern, stützen jedoch die Schlussfolgerung, dass der Spielraum für neue Investitionen erheblich kleiner ist, als man es vom amtierenden Meister erwarten könnte.
Zusätzlicher Druck entsteht durch bereits zuvor eingegangene Verpflichtungen. 365Scores berichtete im Juni unter Berufung auf Quellen der Zeitung Al Riyadiah, dass Al Nassr im Laufe des Sommers rund 25 Millionen Euro an verbleibenden Verpflichtungen gegenüber Chelsea und Bayern begleichen müsse, die mit den Transfers von João Félix und Kingsley Coman zusammenhängen. Dieser Betrag wurde in öffentlich zugänglichen Vereinsdokumenten nicht offiziell bestätigt, zeigt aber, warum hohe Einnahmen und eine große Gehaltskapazität nicht automatisch bedeuten, dass ein Klub jederzeit über frei verfügbares Geld für neue Geschäfte verfügt. Gleichzeitig finanziert Al Nassr eine der teuersten Mannschaften außerhalb Europas, während externe Schätzungen von Capology die festen Bruttogehälter für die Saison 2025/26 ohne Boni auf mehr als 360 Millionen Euro beziffern. Capology weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Schätzungen und nicht um offizielle Zahlen handelt, weshalb sie als Hinweis auf die Größenordnung der Verpflichtungen und nicht als bestätigte Vereinsbuchhaltung betrachtet werden sollten.
Der Abgang von Marcelo Brozović hat im Zentrum der Mannschaft eine Lücke hinterlassen
Während die finanziellen Einzelheiten weiterhin nicht ausreichend geklärt sind, ist der Abgang von Marcelo Brozović keine Frage der Spekulation mehr. Al Nassr beendete Anfang Juli nach Ablauf seines Dreijahresvertrags die Zusammenarbeit mit dem kroatischen Mittelfeldspieler, wobei Medien, die über den Klub berichten, angeben, dass die Entscheidung mit Zustimmung der sportlichen und geschäftsführenden Strukturen sowie des neuen Trainers getroffen worden sei. Brozović wechselte im Sommer 2023 von Inter nach Riad und entwickelte sich in drei Spielzeiten zu einer zentralen Figur in der Organisation des Spiels. Goal zufolge absolvierte er 124 Einsätze für Al Nassr, erzielte acht Tore und bereitete 23 weitere vor. Sein Beitrag beschränkte sich nicht auf die Abschlussstatistik, da er häufig die erste Phase des Spielaufbaus übernahm, das Tempo des Ballbesitzes bestimmte und der Abwehr dabei half, den Raum vor den Innenverteidigern zu kontrollieren.
Deshalb ist die Suche nach seinem Ersatz keine gewöhnliche Ergänzung des Kaders, sondern eine der wichtigsten sportlichen Aufgaben des Sommers. Al Nassr benötigt einen Spieler, der den Ball unter Druck annehmen, die Angriffsseite wechseln, das Tempo kontrollieren und gleichzeitig hinter einer stark offensiv ausgerichteten Linie für Ausgleich sorgen kann. Ein solches Profil ist auf dem internationalen Markt üblicherweise teuer, insbesondere wenn der verkaufende Klub weiß, dass der Käufer einen direkten Ersatz für einen Stammspieler sucht. Vor Brozovićs offiziellem Abgang wurden verschiedene Namen genannt, darunter Barcelonas Marc Casadó, doch es wurde nicht bekannt gegeben, dass die Verhandlungen eine entscheidende Phase erreicht hätten. Nach den ursprünglichen saudischen Berichten, auf denen diese Geschichte beruht, wurde die Suche inzwischen verlangsamt oder vorübergehend gestoppt, bis die finanziellen Mittel gesichert sind, obwohl andere Berichte einen Ersatz für Brozović weiterhin als oberste Transferpriorität bezeichnen.
Dieses scheinbar widersprüchliche Bild ergibt sich wahrscheinlich aus dem Unterschied zwischen dem sportlichen Wunsch und der finanziellen Möglichkeit. Die Vereinsführung und der Trainerstab können einen neuen defensiven oder zentralen Mittelfeldspieler für notwendig halten, ohne ein bestätigtes Budget jedoch kein Geschäft abschließen, das Ablösesumme, Handgeld, Provision und ein mehrjähriges Gehalt umfasst. Unter solchen Umständen kann der Klub weiterhin Spieler beobachten und Kontakte pflegen, ohne gleichzeitig verbindliche Angebote abzugeben. Jede Woche des Wartens verringert die Zeit, die einem neuen Spieler zur Anpassung an seine Mitspieler und die Anforderungen des Trainers bleibt. Für eine Mannschaft, die ihren Titel verteidigt, ist dieses Risiko größer als für einen Klub, der sich in einem langfristigen Neuaufbau befindet.
Postecoglou hat den Meister übernommen, aber auch ein heikles Erbe
Der neue Trainer Ange Postecoglou kam als Nachfolger von Jorge Jesus nach Riad, der den Klub nach dem Gewinn des Titels verlassen hatte. Die Saudi Pro League gab bekannt, dass der australische Fachmann einen Zweijahresvertrag unterschrieben und die Mannschaft während der Vorbereitung auf die neue Saison übernommen habe. In seinem ersten Gespräch für die Vereinskanäle erklärte er, Al Nassr auf ein neues Niveau heben zu wollen, was die Fortsetzung des Kampfes um nationale Trophäen und einen Fortschritt in den asiatischen Wettbewerben voraussetzt. Sein Fußball basiert traditionell auf hoher Intensität, aggressivem Pressing, mutigem Spielaufbau und einer großen Zahl von Spielern vor dem Ball. Gerade deshalb kann ein zuverlässiger und taktisch disziplinierter Mittelfeldspieler für das Funktionieren des Systems entscheidend sein.
Postecoglou hat eine Mannschaft mit großer individueller Qualität übernommen. Neben Ronaldo spielten João Félix, Kingsley Coman, Mohamed Simakan, Iñigo Martínez und Torhüter Bento wichtige Rollen beim Gewinn des Titels, während die offizielle Analyse der Liga besonders hervorhob, dass Félix die Saison mit 20 Toren und 13 Vorlagen beendete. Coman war derselben Quelle zufolge an 21 Ligatoren beteiligt, während die Abwehr 17 Spiele ohne Gegentor absolvierte. Ein solches Grundgerüst gibt dem Trainer genügend Qualität, um auch ohne eine Reihe teurer Verstärkungen eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen. Das Problem besteht darin, dass der Abgang eines Spielers auf einer strategisch wichtigen Position das Gleichgewicht des gesamten Systems verändern kann, insbesondere wenn kein natürlicher Ersatz mit vergleichbarer Erfahrung vorhanden ist.
Der Vorbereitungsplan unterstreicht zusätzlich, wie wichtig die Zeit ist. Nach einem Bericht von Goal, der sich auf Al Riyadiah beruft, begann die erste Phase der Vorbereitung am 5. Juli in Riad und sollte zehn Tage dauern, bevor Trainingseinheiten in Abha und ein abschließendes Trainingslager in Portugal folgen. Die Nationalspieler stoßen nach ihren Verpflichtungen bei der Weltmeisterschaft 2026 dazu, sodass der Trainerstab ohnehin nur eine begrenzte Zahl gemeinsamer Trainingseinheiten mit der gesamten Gruppe haben wird. Geplant sind außerdem mehrere Freundschaftsspiele gegen ausländische Gegner, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch noch nicht endgültig bestätigt waren. Sollte Brozovićs Ersatz spät eintreffen, wird der neue Mittelfeldspieler einen Teil der taktisch wichtigsten Phase der Vorbereitung verpassen.
Transferplan auf prioritäre Positionen reduziert
Die verfügbaren Berichte zeigen, dass Al Nassr seine Aktivitäten auf dem Transfermarkt nicht vollständig einfrieren, sondern auf einige präzise ausgewählte Schritte beschränken will. Goal und Al Weeam berichten von einem Plan zur Verpflichtung dreier ausländischer Spieler: eines direkten Ersatzes für Brozović sowie zweier jüngerer Fußballer, eines Stürmers und eines Verteidigers, die den Regeln für Spieler einer jüngeren Altersklasse entsprechen würden. Eine solche Strategie passt zu einem Klub, der seine ursprüngliche Startformation erhalten und gleichzeitig die Tiefe des Kaders auffrischen möchte, ohne eine Reihe teurer Verträge mit etablierten Stars abzuschließen. Doch auch dieser bescheidenere Plan hängt von der endgültigen Verteilung der finanziellen Mittel und der Möglichkeit ab, bestehende Verpflichtungen zu reduzieren. Saudische Medien betonen deshalb, dass die Vereinsführung gleichzeitig sportliche Verhandlungen führen und die übernommenen Verträge finanziell verwalten müsse.
Auch die Situation unter den Torhütern ist ungewiss. Laut 365Scores, wie im Bericht von Goal wiedergegeben, sollen die Zukunft von Bento und Nawaf Al Aqidi während der Vorbereitung in Portugal bewertet werden. Die Entscheidung darüber, wer Stammtorhüter sein wird und ob einer von ihnen den Klub verlassen soll, kann finanzielle Folgen haben, aber auch einen Platz bei der Registrierung ausländischer Spieler schaffen. Solche Entscheidungen sind häufig mit Transfers auf anderen Positionen verbunden, weil die Zahl der Plätze für ausländische Fußballer nicht unbegrenzt ist. Postecoglou bewertet deshalb nicht nur die individuelle Qualität, sondern auch die Auswirkungen jeder Entscheidung auf die gesamte Struktur des Spielerkaders.
Das derzeit realistischste Szenario ist nicht der Zerfall der mit Stars besetzten Mannschaft, sondern ein Sommer mit weniger Verstärkungen und längeren Verhandlungen, als die Fans nach dem Gewinn des Titels erwartet hatten. Al Nassr verfügt weiterhin über Ronaldo und eine Reihe von Spielern, die ein Spiel entscheiden können, doch die Titelverteidigung wird mehr erfordern als das Vertrauen auf individuelle Qualität. Al Hilal, Al Ahli und andere ambitionierte Klubs werden ihre Kader weiter verstärken, während der Meister ein Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit und Ergebnisdruck finden muss. Sollten sich die Berichte über den nicht ausgezahlten Teil der Juni-Gehälter schnell klären und das Budget bestätigt werden, könnte die derzeitige Sorge eine kurze Episode bleiben. Sollten die finanziellen Einschränkungen jedoch anhalten, könnte das Fehlen eines Ersatzes für Brozović zum ersten sichtbaren sportlichen Symptom eines umfassenderen Problems werden.
Für die öffentliche Bewertung der tatsächlichen Lage werden die folgenden offiziellen Entscheidungen entscheidend sein: die Begleichung aller fälligen Verpflichtungen, die Bekanntgabe der ersten Transfers und eine mögliche Bestätigung des Klubs zum verfügbaren Budget. Bis dahin sollte die Behauptung, dass Al Nassr nicht genügend Geld habe, als Medienbericht betrachtet werden, der durch Berichte über einen sehr begrenzten Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt gestützt wird, und nicht als vollständig dokumentierte Insolvenz. Der Klub hatte nur wenige Wochen zuvor die Liga gewonnen, und sein sportlicher Wert bleibt hoch, doch hohe Einnahmen, teure Verträge und frei verfügbare Liquidität sind nicht dasselbe. Die Fähigkeit der Vereinsführung, diese drei Ebenen miteinander in Einklang zu bringen, wird darüber entscheiden, ob Postecoglou eine zur Titelverteidigung bereite Mannschaft erhält oder ob der Meister mit einer ungelösten Lücke im Mittelfeld in die neue Saison startet.
Quellen:
- Goal Arabia – Bericht über das begrenzte Budget, die Transferprioritäten und den Vorbereitungsplan von Al Nassr (Link)
- Goal Arabia – Bestätigung des Abgangs von Marcelo Brozović und Übersicht über seine Leistungen im Klub (Link)
- Saudi Pro League – offizieller Bericht über den Titelgewinn in der Saison 2025/26 und die Abschlusstabelle (Link)
- Saudi Pro League – erstes Interview von Ange Postecoglou nach der Übernahme von Al Nassr und Bestätigung seines Zweijahresvertrags (Link)
- Saudi Pro League – Analyse der Schlüsselspieler und statistischen Kennzahlen der Meistersaison (Link)
- Al Weeam – Bericht über den Plan für drei Sommertransfers und das Warten auf die endgültige Bestätigung des Budgets (Link)
- 365Scores – Bericht über rund 25 Millionen Euro an verbleibenden Transferverpflichtungen gegenüber Chelsea und Bayern (Link)
- Capology – Schätzung der festen Bruttogehaltskosten von Al Nassr für die Saison 2025/26 mit dem Hinweis, dass die Daten nicht offiziell sind (Link)