Schock in Georgien: Dinamo Tbilisi scheidet vor einem möglichen Europapokalduell mit Hajduk gegen einen Drittligisten aus
Dinamo Tbilisi erlitt nur wenige Tage vor dem Spiel, das den Einzug in die dritte Qualifikationsrunde der Conference League bestätigen sollte, eine seiner schwersten nationalen Niederlagen dieser Saison. Der georgische Traditionsverein schied nach einer 0:1-Auswärtsniederlage gegen Guria Lanchkhuti, einen Klub aus der dritten georgischen Spielklasse, aus dem nationalen Pokal aus. Die Partie der Runde der letzten 32 wurde am 26. Juli 2026 im Evgrapi-Schewardnadse-Stadion in Lanchkhuti ausgetragen, den einzigen Treffer erzielte Luka Chaganava in der 40. Minute. Dinamo fand nach dem Gegentor keinen Weg zurück ins Spiel, sodass Guria den knappen Vorsprung verteidigte und sich für die nächste Wettbewerbsphase qualifizierte.
Das Ergebnis sorgte auch außerhalb Georgiens für zusätzliche Aufmerksamkeit, weil Dinamo Tbilisi auf Hajduks möglichem europäischem Weg liegt. Die UEFA-Auslosung brachte den Sieger des Duells Dinamo Tbilisi – Žalgiris Vilnius mit jenem Klub zusammen, der im Duell Hajduk – Pafos in der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League ausscheidet. Hajduk gewann das Hinspiel in Split gegen Pafos mit 2:0, während Dinamo Žalgiris in Tbilisi mit 3:0 besiegte. Vor den Rückspielen verfügen beide Mannschaften über einen deutlichen Vorsprung, doch die Pokalniederlage des georgischen Klubs zeigte, wie schnell sich Eindruck und Form innerhalb weniger Tage verändern können.
Chaganava bestrafte Dinamo vor der Reise nach Vilnius
Nach offiziellen Angaben des Georgischen Fußballverbands bestritten Guria und Dinamo eine Partie der Runde der letzten 32 im Pokal, die der Gastgeber mit 1:0 gewann. In den Spielberichten heißt es, dass der entscheidende Moment in der 40. Minute kam, als Luka Chaganava den Torhüter von Dinamo überwand. Dieser Treffer bescherte dem Drittligisten eine der größten Überraschungen dieser Runde und beendete die Pokalsaison eines der bekanntesten Klubs des Landes.
Dinamo trat nicht mit einer völlig unbekannten oder ausschließlich aus Entwicklungsspielern bestehenden Mannschaft an. In der Startelf standen unter anderem Kapitän Nika Ninua, der erfahrene Jaba Kankava, Stürmer Mate Vatsadze, Numan Kurdić und Levan Kharabadze, während Temur Ketsbaia die Mannschaft betreute. Eine solche Aufstellung unterstreicht das Ausmaß der Überraschung zusätzlich, denn es handelte sich nicht um ein Spiel, in dem der Favorit ausschließlich Junioren auf den Platz geschickt hatte. Dennoch reichten Erfahrung und individuelle Qualität nicht aus, um Gurias Abwehr zu überwinden, nachdem der Gastgeber in Führung gegangen war.
Für Guria besitzt der Sieg auch symbolische Bedeutung. Der Klub aus Lanchkhuti spielt in der Liga 3, offiziell der dritten Stufe des georgischen Ligasystems, und traf im Pokal auf eine Mannschaft aus der höchsten Spielklasse. Der Unterschied bei Status, Ressourcen und Kaderbreite war vor dem Spiel deutlich, doch Pokalwettbewerbe verringern häufig die Bedeutung solcher Unterschiede, weil die Entscheidung in einer einzigen Partie fällt. Guria nutzte seine Chance, bewahrte nach der Führung die Konzentration und eliminierte einen Gegner mit einer wesentlich größeren nationalen und europäischen Tradition.
Traditionsverein mit europäischem Erbe kann nicht mehr um den Pokal kämpfen
Dinamo Tbilisi ist nicht nur einer der führenden Klubs des modernen georgischen Fußballs, sondern auch eine Mannschaft mit einem bedeutenden Platz in der Geschichte der europäischen Wettbewerbe. Die UEFA führt den Klub als Sieger des Europapokals der Pokalsieger von 1981, als er im Finale Carl Zeiss Jena besiegte. Dieser Erfolg ist bis heute der größte internationale Triumph des georgischen Vereinsfußballs, weshalb jedes frühe Ausscheiden Dinamos aus dem nationalen Pokal zusätzliches Gewicht besitzt.
Die Niederlage in Lanchkhuti bedeutet, dass der Klub im weiteren Saisonverlauf keine Möglichkeit mehr hat, eine der beiden wichtigsten nationalen Trophäen zu gewinnen. Gleichzeitig erhöht dies die Bedeutung der Meisterschaft und der europäischen Qualifikation. Laut der offiziellen Tabelle der Erovnuli Liga liegt Dinamo nach 19 absolvierten Spieltagen mit 31 Punkten und einer Tordifferenz von plus zehn auf dem dritten Platz. Spitzenreiter Iberia 1999 hat 34 Punkte, der zweitplatzierte Rustavi 32, sodass der Kampf um die Spitze weiterhin völlig offen ist.
Dinamo zeigte vor der Sommerpause in der Liga, dass die Mannschaft effektiv sein kann, konnte jedoch weder einen großen Punktevorsprung noch jene Stabilität aufbauen, die sie von der Konkurrenz abgesetzt hätte. Die offiziellen Ligadaten führen Mate Vatsadze mit fünf Treffern als besten Torschützen des Klubs, während Nika Ninua die Mannschaft mit neun Vorlagen anführt. Gerade die Spieler mit wichtigen Rollen in der Ligasaison kamen auch im Pokalspiel zum Einsatz, weshalb sich die Niederlage kaum ausschließlich durch Rotation oder die Schonung sämtlicher Leistungsträger für Europa erklären lässt.
Der 3:0-Vorsprung öffnet Dinamo weiterhin die Tür zur dritten Qualifikationsrunde
Trotz des nationalen Rückschlags ist Dinamos europäische Ausgangslage deutlich günstiger. Die georgische Mannschaft besiegte Žalgiris Vilnius im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde der Conference League, das am 23. Juli in Tbilisi ausgetragen wurde, mit 3:0. Alle drei Treffer fielen in der ersten Halbzeit, sodass Dinamo mit einem Ergebnis zum Rückspiel nach Litauen reist, das einen kontrollierteren Ansatz ermöglicht und Žalgiris vor eine äußerst schwierige Aufgabe stellt.
Das Rückspiel ist laut UEFA-Spielplan für den 30. Juli in Vilnius vorgesehen. Dinamo wird dort nur vier Tage nach dem Pokalaus versuchen, den Einzug in die nächste Runde zu bestätigen, wodurch dem Trainerstab nur wenig Zeit für die psychologische und taktische Erholung der Mannschaft bleibt. Die Niederlage gegen Guria löscht den gegen Žalgiris herausgespielten Vorsprung nicht aus, könnte aber das Selbstvertrauen beeinträchtigen und den Druck zusätzlich erhöhen, falls der litauische Klub früh ein Tor erzielt.
Für Žalgiris ist die Rechnung klar: Die Mannschaft muss einen Rückstand von drei Toren aufholen und darf Dinamo gleichzeitig nicht erlauben, den Gesamtvorsprung weiter auszubauen. Der georgische Klub bleibt deshalb klarer Favorit auf das Weiterkommen, doch das Pokalergebnis wird als Warnung dienen, dass sich keine Partie allein auf Grundlage der Reputation kontrollieren lässt. Dinamo muss in Vilnius deutlich mehr Präzision im Angriff und Kontrolle zeigen als in Lanchkhuti, besonders wenn sich der Gastgeber für einen aggressiven Beginn entscheidet.
Hajduk reist mit zwei Toren Vorsprung nach Zypern
Der zweite Teil des möglichen Duells in der dritten Qualifikationsrunde wird im Aufeinandertreffen zwischen Hajduk und Pafos entschieden. Hajduk besiegte die zyprische Mannschaft am 23. Juli im Poljud-Stadion im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League mit 2:0. Laut dem offiziellen Bericht des Klubs aus Split erzielten Michele Šego und Dario Melnjak die Tore in der zweiten Halbzeit. Der Vorsprung von zwei Treffern bringt Hajduk in eine günstige Position, garantiert das Weiterkommen vor dem Rückspiel auf Zypern jedoch nicht.
Es ist wichtig, zwischen den beiden europäischen Wegen zu unterscheiden. Der Sieger des Duells Hajduk – Pafos setzt die Qualifikation zur Europa League fort, während der Verlierer in die dritte Qualifikationsrunde der Conference League wechselt. Genau dieser unterlegene Klub würde laut Auslosung gegen den Sieger des Duells Dinamo Tbilisi – Žalgiris antreten. Das bedeutet, dass Hajduk nur dann gegen Dinamo spielen könnte, wenn Pafos den Rückstand aus Split aufholt und Hajduk aus der Europa League eliminiert, während der georgische Klub gleichzeitig seinen Vorsprung gegen Žalgiris verteidigt.
Ein solcher Ausgang ist angesichts der Ergebnisse der Hinspiele derzeit nicht der wahrscheinlichste, bleibt aber vollständig möglich, solange die Rückspiele nicht ausgetragen sind. Hajduk muss auf Zypern ein 2:0 verteidigen, während Dinamo in Vilnius einen 3:0-Vorsprung schützt. Sollten beide Mannschaften ihre Vorteile behaupten, werden sie nicht aufeinandertreffen, weil Hajduk in der Europa League bleiben und Dinamo in der Conference League weiterspielen würde. Sollte Hajduk ausscheiden, würde sein europäischer Weg zum Sieger des georgisch-litauischen Duells führen.
Die UEFA hat festgelegt, dass die Hinspiele der dritten Qualifikationsrunde der Conference League am 6. August und die Rückspiele am 13. August 2026 ausgetragen werden. Die Auslosung fand am 20. Juli statt und umfasste 60 Klubs oder noch nicht entschiedene Duelle. Im Hauptweg wurde offiziell die gekreuzte Paarung Dinamo Tbilisi/Žalgiris – Hajduk/Pafos gebildet, wodurch die Klubs bereits vor Abschluss der zweiten Qualifikationsrunde einen klaren Rahmen möglicher Gegner erhielten.
Die Pokalniederlage ist ein wichtiges Signal, aber kein vollständiges Bild von Dinamo
Das Ergebnis gegen Guria wird die Einschätzung von Dinamos Stärke naturgemäß beeinflussen, insbesondere bei den Fans und Trainerstäben möglicher europäischer Gegner. Dennoch wäre es nicht gerechtfertigt, eine einzige Partie zur endgültigen Bewertung der Mannschaft zu machen. Nur drei Tage vor dem Pokalaus erspielte sich Dinamo gegen Žalgiris einen überzeugenden 3:0-Vorsprung, was zeigt, dass die georgische Mannschaft sehr gefährlich sein kann, wenn sie früh ihren Rhythmus durchsetzt und ihre Chancen nutzt.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Leistungen offenbart gleichzeitig eine mögliche Instabilität. Gegen Žalgiris schuf Dinamo schnell Ergebnissicherheit, während die Mannschaft gegen einen disziplinierten unterklassigen Gegner nach dem Gegentor keine Antwort fand. Für einen potenziellen Gegner könnte dies eine wichtige taktische Erkenntnis sein: Der georgische Klub verfügt über genügend Qualität, um eine offene Spielweise zu bestrafen, könnte jedoch Schwierigkeiten bekommen, wenn er eine tief stehende Abwehr geduldig angreifen und mit dem Druck in einer Partie umgehen muss, in der er als haushoher Favorit gilt.
Für Temur Ketsbaia besteht die nächste Herausforderung darin, den nationalen Misserfolg vom europäischen Ziel zu trennen. Die Mannschaft muss innerhalb weniger Tage von der Enttäuschung über den verlorenen Pokal zu einem Spiel übergehen, das einen großen Teil der internationalen Saison bestimmen kann. Der Einzug in die dritte Qualifikationsrunde würde mindestens zwei weitere Europapokalspiele bringen und die Chance auf eine Annäherung an die Ligaphase der Conference League bewahren. Ein Ausscheiden nach einem 3:0-Vorsprung würde dagegen den Druck auf Mannschaft und Trainerstab zusätzlich erhöhen.
Die Entscheidung fällt am 30. Juli
Die entscheidenden Antworten werden am 30. Juli bekannt sein, wenn die Rückspiele Žalgiris – Dinamo Tbilisi und Pafos – Hajduk auf dem Programm stehen. Bis dahin steht lediglich fest, dass Dinamo aus dem georgischen Pokal ausgeschieden ist und in Europa über einen großen, aber noch nicht bestätigten Vorsprung verfügt. Guria Lanchkhuti hat bereits gezeigt, dass der Favoritenstatus keinen Schutz vor dem Ausscheiden bietet, und Dinamo wird in Vilnius beweisen wollen, dass die Niederlage gegen einen Drittligisten ein isolierter Misserfolg und nicht der Beginn eines Formabfalls war.
Für Hajduk ist das georgische Ergebnis vor allem als Information über einen möglichen Gegner interessant, doch die unmittelbare Aufgabe bleibt Pafos. Erst wenn die zyprische Mannschaft ein 0:2 dreht und Dinamo das Weiterkommen gegen Žalgiris bestätigt, würde sich ein Conference-League-Duell zwischen den Klubs aus Split und Tbilisi eröffnen. Bis dahin besitzen beide Duelle ihre eigene Dynamik, während die Pokalsensation in Lanchkhuti die Ungewissheit des europäischen Sommers lediglich weiter vergrößert hat.
Quellen:
- Georgischer Fußballverband – offizieller Spielbericht der Partie Guria Lanchkhuti – Dinamo Tbilisi im georgischen Pokal (Link)
- Futbol24 – Ergebnis, Torschütze und Minute des entscheidenden Treffers im Spiel Guria – Dinamo Tbilisi (Link)
- UEFA – offizielle Seite des Spiels Dinamo Tbilisi – Žalgiris in der zweiten Qualifikationsrunde der Conference League (Link)
- UEFA – Auslosung und Termine der dritten Qualifikationsrunde der Conference League 2026/27 (Link)
- Erovnuli Liga – offizielle Tabelle und Statistik von Dinamo Tbilisi nach 19 Spieltagen (Link)
- Liga 3 des Georgischen Fußballverbands – offizielle Angaben zur Teilnahme von Guria Lanchkhuti an der dritten Spielklasse (Link)
- HNK Hajduk Split – offizieller Bericht zum Spiel Hajduk – Pafos 2:0 (Link)
- UEFA – historische Angabe zu Dinamo Tbilisi als Sieger des Europapokals der Pokalsieger 1981 (Link)