US-Open-Drittgesetzter Félix Auger-Aliassime nach plötzlichen gesundheitlichen Problemen ausgeschieden
Karen Khachanov sorgte für eine der bislang größten Überraschungen der US Open 2026, indem er den an Nummer drei gesetzten Félix Auger-Aliassime in der zweiten Runde des Herreneinzels ausschaltete. Der russische Tennisspieler, der als Nummer 50 der Welt und ungesetzt nach New York gekommen war, besiegte den Kanadier mit 6:7 (5), 6:3, 6:2, 6:2 in einem Match, das am 3. September im Louis Armstrong Stadium im Komplex des USTA Billie Jean King National Tennis Center in Flushing Meadows, New York, ausgetragen wurde. Das Ergebnis an sich stellte bereits eine große Überraschung dar, doch der sportliche Teil der Geschichte rückte wegen der gesundheitlichen Probleme, die Auger-Aliassime nach der Begegnung schilderte, bald in den Hintergrund. Seinen Angaben zufolge begann er nach ungefähr eineinhalb Sätzen Schwindel zu verspüren, sah Flecken vor den Augen, und sein Körper erholte sich zwischen den Punkten und Spielen nicht wie gewöhnlich. Der Kanadier kündigte medizinische Untersuchungen an, da zum Zeitpunkt des Matchendes unklar war, was die Symptome verursacht hatte.
Auger-Aliassime sagte nach der Niederlage, dass er sich in den Tagen zuvor sowie beim morgendlichen Aufwärmen normal gefühlt und keinerlei Anzeichen bemerkt habe, die auf ein Problem hingedeutet hätten. Gerade diese Plötzlichkeit beunruhigte den 26-Jährigen zusätzlich, der die Situation im Vergleich zu der Müdigkeit und den Krämpfen, mit denen er im Laufe seiner Karriere zu tun gehabt hatte, als ungewöhnlich beschrieb. In Berichten über seinen Zustand während des Matches wurden auch Krämpfe erwähnt, doch der Spieler selbst betonte, dass er solche Probleme bereits früher gehabt habe, während Schwindel, Sehstörungen und die Unfähigkeit, sich zu erholen, diesmal etwas anderes gewesen seien. Laut den nach der Begegnung wiedergegebenen Aussagen erwog er auch, das Match aufzugeben, spielte jedoch weiter, weil er hoffte, dass sich sein Zustand verbessern würde. Das geschah nicht, und Khachanov übernahm von Satz zu Satz immer überzeugender die Kontrolle.
Von einem guten Start zu einem plötzlichen Einbruch
Der Beginn des Duells deutete nicht auf einen solchen Ausgang hin. Auger-Aliassime ging im ersten Satz mit 3:0 in Führung und wirkte bereit, gegen einen Gegner, der vor dem Turnier eine ergebnismäßig schwierige Phase der Saison durchlaufen hatte, seinen Rhythmus durchzusetzen. Khachanov fand jedoch schnell zurück, und die beiden schlagstarken Spieler tauschten Breaks aus, bevor der erste Satz im Tie-Break entschieden wurde. Der Kanadier gewann diesen mit 7:5 und führte nach mehr als einer Stunde Spielzeit mit 1:0 nach Sätzen. Offizielle Statistiken und Turnierberichte zeigen, dass sich das Kräfteverhältnis danach deutlich zugunsten Khachanovs zu verschieben begann.
Der Russe verschaffte sich im zweiten Satz früh einen Vorteil und ging mit 3:0 in Führung, während Auger-Aliassime die Chancen beim Aufschlag seines Gegners nicht nutzen konnte. Khachanov brachte den Satz mit 6:3 zu Ende und schaffte anschließend zu Beginn des dritten Abschnitts der Begegnung erneut ein frühes Break. Dem Kanadier fiel es im Verlauf des Matches immer schwerer, seinen Aufschlag zu halten, und zusätzliche Probleme bereiteten ihm Doppelfehler und eine große Zahl unerzwungener Fehler. Den nach der Begegnung veröffentlichten Daten zufolge beendete Auger-Aliassime das Match mit 47 unerzwungenen Fehlern und acht Doppelfehlern, während Khachanov auf 30 unerzwungene Fehler kam. Beide Spieler schlugen jeweils 12 Asse, doch der russische Tennisspieler war deutlich erfolgreicher, wenn sich ihm Chancen zum Aufschlagdurchbruch boten.
Während der drei Stunden und 20 Minuten Spielzeit erspielte sich Khachanov 20 Breakbälle und verwertete sieben davon, während Auger-Aliassime zwei seiner neun Möglichkeiten nutzte. Reuters berichtete, dass der Russe sieben von neun Breakbällen abwehrte und mit dem Sieg erst seinen zweiten Karriereerfolg gegen einen Spieler aus den Top 10 der Welt bei einem Grand-Slam-Turnier erreichte. Besonders wichtig war ein Muster, das sich nach dem ersten Satz wiederholte: Khachanov nahm seinem Gegner in jedem der nächsten drei Sätze früh den Aufschlag ab und erhöhte damit zusätzlich den Druck. Den dritten und vierten Satz gewann er jeweils mit 6:2, während es Auger-Aliassime zunehmend schwerfiel, das für einen ausgeglichenen Schlagabtausch erforderliche Bewegungs- und Intensitätsniveau aufrechtzuerhalten.
Auger-Aliassime: "Ich konnte mich nicht erholen"
Nach dem Match versuchte der Kanadier nicht, die Niederlage mit Taktik oder einzelnen tennisbezogenen Details zu erklären. Im Gespräch mit Journalisten sagte er, dass er nach eineinhalb Sätzen Schwindel verspürt und "Flecken gesehen" habe, verbunden mit dem Gefühl, sich nicht erholen zu können. Er fügte hinzu, dass er zunächst gedacht habe, die Beschwerden würden vorübergehen, doch das sei nicht geschehen. Außerdem betonte er, dass er sich noch nie zuvor genau so gefühlt habe, obwohl er im Laufe seiner Karriere Krämpfe und die übliche Müdigkeit in den Schlussphasen anspruchsvoller Begegnungen erlebt habe. Seiner Einschätzung nach war dies ungewöhnlich genug, um zusätzliche medizinische Untersuchungen erforderlich zu machen.
Auger-Aliassime spielte dabei die Qualität seines Gegners nicht herunter. Er bezeichnete Khachanov als einen sehr guten Spieler, erklärte jedoch, dass er in seinem damaligen Zustand weder gegen ihn noch gegen irgendeinen anderen Gegner im Tableau mit einem Sieg hätte rechnen können. Besonders hob er hervor, dass eine Analyse des Matches ohne normale Bewegungsfähigkeit nicht mehr im engeren Sinne eine Frage des Tennis sei, weshalb er bedauerte, nach der Begegnung nicht über taktische Einzelheiten und Schläge sprechen zu können, die er hätte besser ausführen können. Laut AFP und anderen Medien, die über die Pressekonferenz berichteten, sagte der Kanadier, dass er sich untersuchen lassen und versuchen werde herauszufinden, was die plötzliche Reaktion seines Körpers ausgelöst habe.
Bislang gibt es keine offiziell bestätigte Diagnose. Das bedeutet, dass sich nicht zuverlässig feststellen lässt, ob die Symptome mit Hitze, Dehydrierung, einer früheren Verletzung, einem Virus, Erschöpfung oder einer anderen Ursache zusammenhingen. Khachanov sagte nach der Begegnung, er habe bemerkt, wie sein Gegner körperlich nachließ, wollte jedoch nicht über den Grund spekulieren. Er erklärte, dass solche Situationen zum Profisport gehörten, wünschte Auger-Aliassime eine schnelle Genesung, falls es sich um eine Verletzung oder ein anderes gesundheitliches Problem handele, und betonte, dass er seinerseits versucht habe, konzentriert zu bleiben und bis zum Ende zu kämpfen.
Khachanov nutzt seine Chance nach einem schwierigen Sommer
Für Khachanov hat der Sieg in New York aufgrund seiner Ausgangslage vor dem Turnier zusätzliche Bedeutung. Der frühere Top-10-Spieler der Welt und US-Open-Halbfinalist von 2022 kam als Nummer 50 der ATP-Weltrangliste zum letzten Grand-Slam-Turnier der Saison, was seine niedrigste Platzierung seit fast zehn Jahren war. Reuters berichtete, dass er bei drei Vorbereitungsturnieren auf Hartplatz vor den US Open jeweils bereits sein erstes Match verloren hatte, weshalb er gegen den an Nummer drei Gesetzten nicht als Favorit antrat. Gerade deshalb stellt der Sieg über Auger-Aliassime ein wichtiges Ergebnis in einer Saison dar, in der er nach Stabilität und einer Rückkehr zu guter Form gesucht hatte.
Khachanov sagte nach dem Match, dass er vor allem damit zufrieden sei, die anspruchsvolle Begegnung durchgestanden und im Kampf geblieben zu sein. Sein Spiel war nicht fehlerfrei, doch in den entscheidenden Momenten war er stabil genug, um den Leistungsabfall seines Gegners auszunutzen. Besonders halfen ihm sein kraftvoller Aufschlag und seine tiefen Grundschläge, und bei mehreren wichtigen Punkten fand er mit der Rückhand entlang der Linie Lösungen. In einem Match, in dem der körperliche Zustand eines Spielers zum Hauptthema wurde, musste Khachanov die Aufgabe auf dem Platz dennoch zu Ende bringen, und die Statistik zeigt, dass er in nahezu allen entscheidenden Situationen bei Aufschlagspielen und Breakbällen erfolgreicher war.
Mit dem Sieg ging er in der direkten Bilanz gegen Auger-Aliassime mit 3:2 in Führung. Gleichzeitig erreichte er laut Reuters zum ersten Mal in einem Kalenderjahr bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens die dritte Runde. Diese Zahl unterstreicht eine gewisse Widersprüchlichkeit seiner Saison: Obwohl seine Platzierung in der ATP-Weltrangliste gesunken war und er ungesetzt zu den US Open kam, gelang es ihm bei den größten Turnieren, ein Niveau zu halten, das für das Überstehen der frühen Turnierphasen ausreichte. In der dritten Runde wartet eine neue Herausforderung auf ihn, und das Turniertableau wird zeigen, ob er den Sieg über den Drittgesetzten in einen tieferen Lauf in New York umwandeln kann.
Ein schwerer Schlag für einen der Turnierfavoriten
Das Ausscheiden Auger-Aliassimes ist besonders bedeutend, weil er als einer der am höchsten eingestuften Spieler des Tableaus nach New York gekommen war. Die offizielle Vorschau auf das US-Open-Tableau vor Turnierbeginn führte ihn als Nummer drei der Setzliste, hinter Alexander Zverev und Titelverteidiger Carlos Alcaraz. Der kanadische Tennisspieler konnte zudem auf eine sehr gute Bilanz in Flushing Meadows verweisen: 2021 und erneut 2025 erreichte er das Halbfinale. Beim Turnier im vergangenen Jahr wurde er erst in der Schlussphase gestoppt, weshalb er auch 2026 als einer der Kandidaten für einen tiefen Turnierlauf galt.
Auch seine Form im Saisonverlauf rechtfertigte die hohen Erwartungen. Anfang August teilte die ATP mit, dass Auger-Aliassime mit Platz vier der Weltrangliste seine damalige Karrierebestmarke erreicht hatte, bei einer Bilanz von 30 Siegen und 14 Niederlagen sowie einem Titelgewinn in Montpellier. In Wimbledon erreichte er das Viertelfinale, musste sich anschließend jedoch wegen Rückenproblemen vom Masters in Montreal zurückziehen. Damals erklärte er, dass die Schmerzen während des Trainings plötzlich aufgetreten seien und er praktisch nicht habe aufschlagen können, weshalb er seinen Auftritt vor heimischem Publikum gar nicht erst begann.
Mitte August kehrte er in Cincinnati auf den Platz zurück, wo er in seinem ersten Match nach 40 Tagen Stefanos Tsitsipas besiegte und anschließend auch Juan Manuel Cerundolo schlug, bevor er in der vierten Runde gegen Frances Tiafoe verlor. Laut ATP lag er zum Zeitpunkt seiner Rückkehr auf Platz vier der Weltrangliste. Deshalb war die frühe Niederlage in New York nicht nur wegen seines Setzlistenstatus unerwartet, sondern auch, weil sie auf eine Phase folgte, in der es so ausgesehen hatte, als habe er sich von den Rückenproblemen erholt. Wichtig ist jedoch, dass Auger-Aliassime die aktuellen Symptome nicht mit dieser Verletzung in Verbindung brachte und dass es für einen solchen Zusammenhang bislang keine offizielle Bestätigung gibt.
Untersuchungen stehen bevor, danach wartet ein wichtiger Davis-Cup-Termin
Die wichtigste Frage nach dem Ausscheiden betrifft nicht mehr ATP-Punkte oder die Rangliste, sondern den Gesundheitszustand des kanadischen Tennisspielers. Auger-Aliassime kündigte an, nach seiner Rückkehr aus New York mit Ärzten und Mitgliedern seines Betreuerteams zu sprechen und Untersuchungen durchführen zu lassen. Solange die Ergebnisse dieser Tests nicht vorliegen, bleibt die Ursache für Schwindel und Sehstörungen unbekannt. Im Profitennis, wo Grand-Slam-Matches über drei Gewinnsätze gespielt werden und mehrere Stunden dauern können, ist die Fähigkeit des Körpers, Energie, Flüssigkeitshaushalt, Temperatur und Konzentration aufrechtzuerhalten, entscheidend, doch Symptome wie jene, die Auger-Aliassime beschrieben hat, können verschiedene Ursachen haben und sollten ohne medizinische Beurteilung nicht auf eine einzige Vermutung reduziert werden.
Der zeitliche Verlauf der Erholung ist auch wegen des nächsten wichtigen Einsatzes für die Nationalmannschaft von Bedeutung. Laut dem offiziellen Davis-Cup-Spielplan soll Kanada am 18. und 19. September 2026 Frankreich in der zweiten Qualifikationsrunde im Centre Vidéotron in Québec City empfangen. Auger-Aliassime war zuvor als einer der Schlüsselspieler der kanadischen Mannschaft angekündigt worden, und die offizielle Davis-Cup-Website hob seine Rückkehr vor heimischem Publikum als eines der wichtigsten Ereignisse des Nationalmannschaftszyklus hervor. Ob er nach den gesundheitlichen Problemen in New York wie geplant antreten kann, wird von den Untersuchungsergebnissen und der Einschätzung seines Teams abhängen.
Für die US Open verändert seine Niederlage zusätzlich das Bild des Herrentableaus. Der Drittgesetzte verließ das Turnier bereits in der zweiten Runde, während Khachanov zeigte, wie gefährlich ein ungesetzter Spieler sein kann, wenn er Erfahrung aus den späten Phasen von Grand-Slam-Turnieren mitbringt. Andererseits erinnerte der Fall Auger-Aliassime daran, wie schnell sich eine sportliche Geschichte verändern kann, wenn ein gesundheitliches Problem ohne Vorwarnung auftritt. Am Tag nach dem Match, dem 4. September 2026, steht lediglich fest, dass sein Auftritt in New York beendet ist und der nächste Schritt darin bestehen wird, die Ursache der Symptome zu ermitteln, die ihn daran hinderten, die Begegnung auf seinem üblichen Niveau zu spielen.
Quellen:
- US Open / USTA - offizielle Vorschau auf das Tableau und Auger-Aliassimes Status als Drittgesetzter sowie Turnierdaten (Link)
- Reuters / Channel NewsAsia - Ergebnis, Matchverlauf, Breakball-Statistik, Aussagen Khachanovs und Kontext seiner Weltranglistenposition (Link)
- AFP - Aussagen Auger-Aliassimes über Schwindel, Sehstörungen, geplante medizinische Untersuchungen und seine frühere Rückenverletzung (Link)
- ATP Tour - Rückzug aus Montreal wegen einer Rückenverletzung, damalige Platzierung und Saisonbilanz Auger-Aliassimes (Link)
- ATP Tour - Rückkehr in Cincinnati nach 40 Tagen und Form vor den US Open (Link)
- Davis Cup - Spielplan des Qualifikationsduells Kanada - Frankreich in Québec City am 18. und 19. September 2026 (Link)