UEFA Conference League 2025/2026: Der Frühling in Leipzig ist noch weit weg, aber acht Klubs sehen bereits das Finale
Die UEFA Conference League der Saison 2025/2026 ist in jene Phase eingetreten, in der der Wettbewerb nicht mehr über die Tabelle und die Auslosung betrachtet wird, sondern über die Gesichter der Klubs, die den Winter überlebt haben. Begonnen hat alles schon am 10. Juli 2025, durch Qualifikationsrunden, verstreut über die europäische Peripherie und ernsthafte Fußballadressen, und enden wird es am 27. Mai 2026 in Leipzig. Auf diesem Weg gibt es keinen Schutz mehr: Acht Klubs sind übrig geblieben, und unter ihnen gibt es keinen einzigen, der sagen könnte, dass er zufällig das Viertelfinale erreicht hat.
Dies ist die fünfte Saison des Wettbewerbs und die zweite, seit die UEFA den alten Gruppenplan abgeschafft und das neue Format mit einer großen Ligaphase eingeführt hat. Für die Conference League bedeutete das
36 Klubs im Hauptteil des Turniers, aber auch eine wichtige Besonderheit im Vergleich zur Champions League und zur Europa League: Hier spielte jede Mannschaft in der Ligaphase
sechs Spiele, gegen sechs verschiedene Gegner, drei zu Hause und drei auswärts. Es gab keine klassischen Gruppen, sondern eine gemeinsame Tabelle. Die ersten acht zogen direkt ins Achtelfinale ein, die Klubs auf den Plätzen 9 bis 24 spielten in den Play-offs um die verbleibenden acht Plätze, und jene auf den Plätzen 25 bis 36 schieden ohne zweite Chance aus.
Wie die Saison aufgebaut ist und wo ihre genauen Wendepunkte liegen
Der Wettbewerb hatte praktisch drei verschiedene Rhythmen. Der Sommer war Qualifikation, der Herbst tabellarisch, und der Frühling war K.-o.-Phase. Wer alle Stufen überstand, musste Fußball fast das ganze Jahr über aushalten.
- 1. Qualifikationsrunde: 10. und 17. Juli 2025
- 2. Qualifikationsrunde: 24. und 31. Juli 2025
- 3. Qualifikationsrunde: 7. und 14. August 2025
- Play-offs: 21. und 28. August 2025
- Ligaphase: 2. Oktober, 23. Oktober, 6. November, 27. November, 11. Dezember und 18. Dezember 2025
- Play-offs zum Achtelfinale: 19. und 26. Februar 2026
- Achtelfinale: 12. und 19. März 2026
- Viertelfinale: 9. und 16. April 2026
- Halbfinale: 30. April und 7. Mai 2026
- Finale: 27. Mai 2026, Leipzig
Das ist ein Spielplan, der klar erklärt, warum die Conference League zu einem ernsthaften Test der Kadertiefe geworden ist. In diesem Wettbewerb reicht es nicht mehr, einen guten Herbst und zwei formstarke Stürmer zu haben. Wer den Pokal will, muss vom Hochsommer bis ganz ans Ende des Mai überleben.
36 Klubs in der Ligaphase: Namen, Länder und Fußballadressen
Die Ligaphase brachte genau jene Spannweite, die sich die UEFA von ihrem dritten kontinentalen Wettbewerb wünscht: bekannte Namen aus starken Ligen, aber auch Klubs, für die dies eine Bühne für den europäischen Durchbruch ist.
- Armenien: Noah
- Österreich: SK Rapid
- Bosnien und Herzegowina: Zrinjski
- Kroatien: Rijeka
- Zypern: AEK Larnaca, Omonoia
- Tschechien: Sigma Olomouc, Sparta Praha
- England: Crystal Palace
- Finnland: KuPS Kuopio
- Frankreich: Strasbourg
- Deutschland: Mainz
- Gibraltar: Lincoln Red Imps
- Griechenland: AEK Athen
- Island: Breidablik
- Italien: Fiorentina
- Kosovo: Drita
- Malta: Hamrun Spartans
- Niederlande: AZ Alkmaar
- Nordmazedonien: Shkëndija
- Polen: Jagiellonia Białystok, Lech Poznań, Legia Warschau, Raków Częstochowa
- Republik Irland: Shamrock Rovers, Shelbourne
- Rumänien: Universitatea Craiova
- Schottland: Aberdeen
- Slowakei: Slovan Bratislava
- Slowenien: Celje
- Spanien: Rayo Vallecano
- Schweden: Häcken
- Schweiz: Lausanne-Sport
- Türkei: Samsunspor
- Ukraine: Dynamo Kyiv, Schachtar Donezk
In dieser Gesellschaft hatte Kroatien Rijeka, das das Achtelfinale erreichte und dort auf Strasbourg traf. Es schaffte es nicht bis ins Viertelfinale, aber allein die Tatsache, dass es Teil der Frühjahrsphase war, zeigt, wie wichtig dieses Turnier für Klubs aus der europäischen Mittelklasse ist. Genau dort atmet die Conference League mit vollen Lungen: zwischen großen Budgets und echten Ambitionen.
Wer im April 2026 noch im Rennen war
Bis zum 7. April 2026 war die Geschichte auf acht Viertelfinalisten zusammengeschrumpft. Das sind
AEK Athen, AZ Alkmaar, Crystal Palace, Fiorentina, Mainz, Rayo Vallecano, Schachtar Donezk und Strasbourg. Die Viertelfinalpaarungen sind so angelegt, dass jede ihre eigene besondere Geschichte trägt.
- Schachtar Donezk – AZ Alkmaar
- Crystal Palace – Fiorentina
- Rayo Vallecano – AEK Athen
- Mainz – Strasbourg
Auf der einen Seite des Turnierbaums steht der englische Debütant Crystal Palace gegen Fiorentina, einen Klub, der diese Bühne bereits fast schmerzhaft gut kennt. Auf derselben Seite steht auch Schachtar, europäisch erfahren und zäh, gegen AZ, das diese Phase mit einem überzeugenden
6:1 insgesamt gegen Sparta Prag im Achtelfinale erreicht hat.
Auf der anderen Seite steht Rayo Vallecano, der Madrider Klub aus Vallecas, dessen europäisches Gesicht immer anders war als der marketinggetriebene Glanz seiner großen Nachbarn. Rayo setzte sich im Achtelfinale mit insgesamt
3:2 gegen Samsunspor durch. Ihm gegenüber steht AEK Athen, Dritter der Ligaphase, das Celje mit insgesamt
4:2 ausschaltete und als vielleicht am meisten unterschätzte Mannschaft des verbliebenen Feldes ins Viertelfinale einzog.
Mainz und Strasbourg bestreiten ein Duell, das wie eine beiläufige Fußnote aussieht, aber leicht zu einer der Schlüsselgeschichten dieses Frühjahrs werden könnte. Mainz wurde Siebter der Ligaphase und warf im Achtelfinale Sigma Olomouc mit
2:0 insgesamt hinaus. Strasbourg wurde in der Ligaphase
Erster und bestätigte dann über Rijeka mit insgesamt
3:2, dass es nicht nur auf einer Welle der Überraschung bis ins Frühjahr gekommen war.
Klubs, die es wert sind, anders betrachtet zu werden als nur durch ihren Namen
Fiorentina trägt in der Conference League eine besondere Last. Zweimal stand der Klub im Finale, zweimal blieb er ohne Pokal. In diesem Wettbewerb ist das bereits eine Geschichte für sich: ein Klub, der weiß, wie man das Ende des Weges erreicht, aber noch nicht weiß, wie man ihn mit einer erinnerungswürdigen Medaille um den Hals beendet. In der Saison 2025/2026 erreichte er das Viertelfinale durch zwei schwere K.-o.-Runden, zuerst gegen Jagiellonia, dann gegen Raków. Das war kein elegantes Weiterkommen, sondern ein arbeitsames, hartes und zermürbendes. Gerade deshalb wirkt Fiorentina gefährlich.
Crystal Palace ist ein anderer Fall. Für den Klub aus Südlondon ist dies im modernen Sinn des Wortes das europäische Debüt, und der Einzug ins Viertelfinale ist bereits eines der größten internationalen Ergebnisse der Vereinsgeschichte. Palace hatte keinen leichten Weg: zuerst Zrinjski, dann AEK Larnaca nach Verlängerung. Solche Teams spielen im April nicht mehr nur Fußball, sondern auch ihre eigene Vereinsautobiografie.
Schachtar Donezk besitzt ein europäisches Profil, das über dieses Wettbewerbsniveau hinausgeht. Der UEFA-Cup-Sieger von 2008/2009 kam als Klub in die Conference League, für den ein europäischer Frühling ein natürliches Umfeld ist. Gegen Lech stand es im Achtelfinale insgesamt
4:3, was genug darüber aussagt, wie hart dieses Weiterkommen erkämpft wurde.
Strasbourg ist vielleicht die schönste Geschichte der verbliebenen acht. Erster in der Ligaphase, ein junger Kader, die Rückkehr eines französischen Klubs in ein ernsthaftes europäisches Frühjahr zum ersten Mal seit der Saison 2005/2006. Das ist nicht nur ein gutes Resultat, sondern auch eine Erinnerung daran, dass die Conference League Türen für Klubs öffnen kann, die es nicht gewohnt sind, dass Europa ihnen im April zuschaut.
Finalstadion: Leipzig, Stadt und Bühne
Das Finale wird im
Leipzig Stadium in Leipzig gespielt. Für das Endspiel nennt die UEFA eine Kapazität von
39.700 Plätzen, während das Stadion in einer breiteren Beschreibung als Arena mit rund
47.000 Plätzen geführt wird, je nach Konfiguration der Veranstaltung. Es ist ein Ort, der bereits große Turniere beherbergt hat, darunter die Weltmeisterschaft 2006 und die Euro 2024. Für das kroatische Publikum blieb er auch wegen des dramatischen
1:1 zwischen Kroatien und Italien bei der Euro in Erinnerung.
Leipzig ist keine zufällige Wahl. Es steht für die neue deutsche Fußballgeografie, eine Stadt, die in den vergangenen Jahren an europäische Nächte gewöhnt ist, aber noch nicht jene Sättigung hat, die ältere Finalstädte mit sich tragen. Gerade deshalb ist es interessant, dass genau dort ein Wettbewerb enden wird, den die UEFA als europäischen Raum für andere Klubs und andere Wege gedacht hat.
Geschichte des Wettbewerbs: vier Finals, vier Sieger, eine Wunde, die immer wieder zurückkehrt
Die Conference League begann in der Saison 2021/2022 und hat bislang keinen Serienherrscher hervorgebracht. Jede bisherige Saison brachte einen anderen Sieger.
- 2021/2022: Roma – Feyenoord 1:0
- 2022/2023: West Ham – Fiorentina 2:1
- 2023/2024: Olympiacos – Fiorentina 1:0 nach Verlängerung
- 2024/2025: Chelsea – Real Betis 4:1
Diese Ergebnisse zeigen zwei Dinge. Das erste ist, dass der Wettbewerb wirklich offen ist: Der Pokal blieb nicht innerhalb einer Liga oder eines Zirkels der Reichen eingeschlossen. Das zweite ist, dass
Fiorentina zum ersten großen emotionalen Kapitel der Conference League geworden ist, ohne den Pokal gewonnen zu haben. Zwei Finals, zwei Niederlagen, beide schwer genug, um im Gedächtnis zu bleiben.
Der Sieger der vergangenen Saison,
Chelsea, schlug im Finale in Wrocław Real Betis mit
4:1 und wurde auf dem Papier zum aktuellen Titelverteidiger, aber nicht zum Teilnehmer der neuen Endphase. Dieser Triumph hatte auch zusätzliches historisches Gewicht: Chelsea vollendete damit seine europäische Trophäensammlung und wurde der erste Klub, der alle aktuellen großen UEFA-Klubtrophäen gewann.
Zahlen, Rekorde und Statistiken, die dem Wettbewerb ein Gesicht geben
Die Conference League ist ein junger Wettbewerb, hat aber bereits ihre eigenen Zahlen, die mehr wert sind als bloße trockene Daten.
Der höchste Sieg in der Geschichte des Wettbewerbs bleibt
Chelsea – Noah 8:0 aus dem November 2024. In der Saison 2025/2026 waren die deutlichsten Siege in der Hauptphase
AEK Athen – Aberdeen 6:0 und
Dynamo Kyiv – Zrinjski 6:0. Diese beiden Spiele erinnern daran, wie sich in diesem Turnier die Verfassung einer Mannschaft in eine vollständige Lawine verwandeln kann.
Die höchste Zuschauerzahl eines K.-o.-Spiels in der Geschichte des Wettbewerbs bleibt
63.940 Zuschauer beim Halbfinale Roma – Leicester im Jahr 2022. Das ist eine Zahl, die den herablassenden Blick auf die Conference League zertrümmert. Wenn man tief in den Frühling vordringt, wirkt dieses Turnier nicht mehr wie ein Zusatz zum europäischen Kalender, sondern wie eine wirklich große Bühne.
Unter den individuellen Rekorden ragt besonders die Angabe heraus, dass
Mikael Ishak mit
13 Toren der beste Torschütze in der Geschichte des Wettbewerbs ist. Genau das verleiht dieser Saison eine zusätzliche Wendung, denn Ishak stand erneut weit oben in der Torschützenliste und zeigte vor dem Ausscheiden von Lech, dass sich die Conference League an Stürmer erinnert, die immer wieder zu ihr zurückkehren.
In der aktuellen Saison, unmittelbar vor dem Viertelfinale, hob die UEFA auch das Rennen um den besten Torschützen hervor, in dem
Mikael Ishak von Lech und
Marius Mouandilmadji von Samsunspor gleichauf lagen. Beide standen mit
sechs Toren an der Spitze der Liste, obwohl ihre Klubs den Wettbewerb bereits verlassen hatten. Das ist ein weiterer Reiz dieses Turniers: Ein Torschütze kann weit oben vermerkt bleiben, selbst wenn seine Mannschaft nicht mehr dabei ist.
Interessante Details, die nicht in Tore und Auslosungen passen
AEK Athen trägt im Namen eine ganze Geschichte der Vertreibung. Der Klub wurde 1924 von griechischen Flüchtlingen aus dem damaligen Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gegründet. Wenn AEK einen europäischen Frühling erreicht, läuft im Hintergrund nicht nur eine sportliche Geschichte, sondern auch ein Jahrhundert der Identität mit.
Crystal Palace ist in Europa fast eine Anomalie und gerade deshalb so interessant. Der Klub aus Croydon auf der Südseite der Themse bringt keinen aristokratischen Londoner Fußball mit, sondern dessen hartnäckige, nachbarschaftliche Form. In der Conference League ergibt dieses Profil plötzlich vollkommen Sinn.
Rayo Vallecano ist vielleicht am bekanntesten für das Trikot mit dem diagonalen roten Streifen, inspiriert von River Plate, aber wichtiger ist, dass Vallecas auch in Europa Vallecas bleibt. Selbst wenn Rayo weit kommt, wirkt es nicht wie ein Projekt, sondern wie ein Klub, der sich mit seinem eigenen Temperament durchgesetzt hat.
Mainz ist in Deutschland als
Karnevalsverein bekannt, und Heimtore werden dort zur bekannten Melodie
Narrhallamarsch begleitet. Kaum ein Viertelfinalist hat eine so eigenwillige lokale Handschrift.
Schachtar wiederum trägt die Bergbauvergangenheit des Donbas im Kern seines Namens. Wenn der Klub in der Endphase eines europäischen Wettbewerbs auftaucht, bringt er immer mehr mit als nur einen taktischen Plan und eine Formation; er bringt eine ganze historische Schicht Osteuropas mit, zusätzlich belastet durch Krieg und Vertreibung, aber sportlich weiterhin widerstandsfähig.
Warum die Saison 2025/2026 schon jetzt gelungen ist
Die Conference League wird oft im Vergleich zu größeren UEFA-Wettbewerben betrachtet, und genau das braucht sie eigentlich am wenigsten. Es reicht, auf die verbliebenen acht zu schauen. Es gibt keine serielle Dominanz derselben Klubs. Es gibt keine einfache geografische Logik. Im Viertelfinale stehen ein englischer Debütant, ein italienischer Klub mit zwei frischen Finalnarben, der französische Erstplatzierte der Ligaphase, ein deutscher Debütant, ein spanischer Viertelklub, ein griechischer Traditionsriese aus einer historischen Geschichte, ein niederländischer Europapokalspezialist und ein ukrainischer Klub, der längst gelernt hat, unter einem Druck zu spielen, der sich nicht nur auf der Anzeigetafel zeigt.
Darin liegt auch der wahre Wert des Turniers. Die UEFA Conference League 2025/2026 ist nicht nur die letzte Stufe des europäischen Vereinsfußballs. Im April 2026 wirkt sie wie ein Wettbewerb, in dem unfertige Giganten, neue europäische Stimmen und Klubs aufeinandertreffen, die gut genug sind, um den Frühling zu erobern, aber noch nicht sicher sind, ob sie auch den Mai erobern können.