Amazon erweitert sein NHL-Angebot: Prime Video wird lokaler Streaming-Partner von sechs US-Clubs
Ab der Saison 2026/27 wird Prime Video zur exklusiven Streaming-Plattform für lokale Übertragungen von sechs NHL-Clubs in ihren regionalen Märkten in den Vereinigten Staaten. Laut einer gemeinsamen Mitteilung der NHL und Prime Video vom 2. September umfasst die mehrjährige Vereinbarung den amtierenden Stanley-Cup-Sieger Carolina Hurricanes sowie die Anaheim Ducks, Columbus Blue Jackets, Dallas Stars, Minnesota Wild und St. Louis Blues. Über Prime Video können Fans innerhalb des jeweiligen Clubgebiets Spiele verfolgen, die nicht für eine exklusive nationale Übertragung ausgewählt wurden. Das Angebot umfasst außerdem Sendungen vor und nach den Spielen sowie zusätzliche Clubinhalte. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen exklusiven Streaming-Rechten und der gesamten Fernsehverbreitung: Mehrere Clubs werden Spiele weiterhin auch über klassische Fernseh-, Kabel- oder Satellitenkanäle anbieten oder planen dies. Preise und Zugangsbedingungen werden nicht in allen sechs Märkten gleich sein, sondern von den Clubs jeweils separat festgelegt.
Die Vereinbarung stärkt Amazons Position bei der Verbreitung von Profisport in den Vereinigten Staaten zusätzlich und vertieft zugleich die Beziehung zur NHL. Prime Video überträgt bereits lokale Spiele der Seattle Kraken in Teilen des Nordwestens der USA, während die Plattform in Kanada in den vergangenen beiden Spielzeiten das exklusive Paket Prime Monday Night Hockey hatte. Ab der Saison 2026/27 wächst ihre Rolle in Kanada durch eine 12-jährige Vereinbarung mit Rogers Communications weiter. Demnach wird Prime Video nationale NHL-Spiele am Mittwoch exklusiv auf Englisch und Französisch sowie ausgewählte Playoff-Serien übertragen. Die neue lokale Vereinbarung in den USA ist daher kein isolierter Schritt, sondern Teil einer umfassenderen Strategie, mit der Amazon schrittweise ein Portfolio von Rechten am professionellen Eishockey auf mehreren Ebenen aufbaut.
Sechs Clubs, aber unterschiedliche Abonnementmodelle
Die NHL und Prime Video haben die Rahmenvereinbarung für alle sechs Clubs bekannt gegeben, die Einzelheiten zeigen jedoch, dass es kein einheitliches Preismodell gibt. Carolina Hurricanes, Columbus Blue Jackets, Minnesota Wild und St. Louis Blues kündigten lokale Pakete zum Preis von 19,99 US-Dollar pro Monat oder 99,99 Dollar pro Jahr an. Nach Angaben der Clubs ist für den Kauf dieser separaten Pakete keine kostenpflichtige Amazon-Prime-Mitgliedschaft erforderlich; ein Amazon-Benutzerkonto genügt, anschließend wird das Abonnement für das lokale Eishockeypaket über Prime Video abgeschlossen. Dieser Ansatz unterscheidet zwischen Inhalten, die im Standard-Prime-Paket enthalten sind, und zusätzlichen lokalen Sportabonnements, die innerhalb derselben Anwendung angeboten werden.
Dallas Stars und Anaheim Ducks gingen einen anderen Weg. Dallas gab bekannt, dass alle nicht national übertragenen Spiele im regionalen Gebiet des Clubs für Amazon-Prime-Mitglieder ohne zusätzliche Gebühr verfügbar sein werden. Laut Mitteilung des Clubs umfasst das regionale Gebiet der Stars Texas, Oklahoma, Louisiana und Arkansas, während Zuschauer außerhalb dieses Gebiets weiterhin separate Möglichkeiten haben werden, Spiele außerhalb des lokalen Marktes zu verfolgen. Anaheim gab ebenfalls bekannt, dass lokale Spiele, die nicht Teil einer nationalen Übertragung sind, zumindest im ersten Jahr der Vereinbarung für Prime-Mitglieder ohne zusätzliches Abonnement verfügbar sein werden. Die Ducks erklärten außerdem, dass ihr Streaming-Gebiet mehrere Countys in Südkalifornien sowie Hawaii umfasst.
Bei den Anaheim Ducks bedeutet das Streaming über Prime Video nicht das Ende des kostenlosen terrestrischen Fernsehens. Nach Angaben des Clubs werden 65 Spiele der Saison 2026/27 weiterhin auf KCOP-13 oder FOX 11 ausgestrahlt, wodurch der Club eine breite Verfügbarkeit im großen Fernsehmarkt von Los Angeles beibehält. Die Ducks betonten, dass sie ein paralleles Modell erhalten möchten, bei dem Zuschauer zwischen Streaming und klassischer Fernsehübertragung wählen können. Dies zeigt, dass die Bezeichnung "exklusiver lokaler Streaming-Partner" nicht bedeutet, dass Prime Video zwangsläufig die einzige Möglichkeit sein wird, lokale Spiele zu sehen.
Carolina startet nach dem Gewinn des Stanley Cups ein eigenes Netzwerk
Besonders interessant ist die Situation bei den Carolina Hurricanes, die als amtierender NHL-Meister in die neue Saison gehen. Am 1. September stellte der Club das Hurricanes Hockey Network vor, eine neue clubeigene Plattform, die die lokale Produktion und Verbreitung der Übertragungen steuern wird. Einen Tag später wurde bestätigt, dass das direkte Streaming-Abonnement über Prime Video verfügbar sein wird. Laut Mitteilung der Hurricanes wird HHN Spielübertragungen, Sendungen vor und nach den Spielen sowie zusätzliche Studioberichterstattung anbieten, während Einzelheiten zu Kabel- und Satellitenpartnern vor Beginn der regulären Saison bekannt gegeben werden. Das monatliche Abonnement wird 19,99 Dollar kosten, das Jahresabonnement 99,99 Dollar.
Carolina hat sich außerdem entschieden, das bekannte Fernsehteam beizubehalten. Laut offizieller Mitteilung des Clubs bleibt Mike Maniscalco Spielkommentator, Tripp Tracy Analyst, Hanna Yates Moderatorin und Digitalreporterin sowie Shane Willis Analyst für Inhalte vor, während und nach den Spielen. Produktion, Verbreitung, Verkauf und Marketing des neuen Netzwerks wird der Club in Abstimmung mit der NHL führen. Dieses Modell veranschaulicht einen breiteren Trend im regionalen US-Sportfernsehen: Clubs übernehmen zunehmend mehr Kontrolle über ihre eigene Produktions- und Vermarktungskette, während Technologieplattformen als Vertriebskanal zu den Zuschauern dienen.
Columbus und St. Louis kombinieren Streaming mit traditioneller Verbreitung
Auch die Columbus Blue Jackets stellten das neue Blue Jackets Hockey Network vor, das alle Spiele der regulären Saison verbreiten wird, die nicht für eine exklusive nationale Übertragung ausgewählt wurden. Der Club gab bekannt, dass das Netzwerk über Kabel- und Satellitenanbieter, über ein separates Prime-Video-Abonnement und für einen Teil der Spiele auch über terrestrische Fernsehsender verfügbar sein wird. Das Streaming-Abonnement kostet 19,99 Dollar pro Monat oder 99,99 Dollar pro Jahr. Das Gebiet der lokalen Fernsehrechte umfasst nach Angaben der Blue Jackets den größten Teil von Ohio, West Virginia und Kentucky. Der Club bestätigte zudem den Fortbestand des bisherigen Übertragungsteams sowie Sendungen vor und nach jedem lokal produzierten Spiel.
Einen ähnlichen Ansatz entwickelt auch St. Louis Blues, der bereits im Juli ankündigte, gemeinsam mit der NHL mehr Kontrolle über die Produktion regionaler Übertragungen zu übernehmen. Laut Mitteilung des Clubs sollen rund 70 Spiele, die nicht Teil des nationalen Pakets sind, über die neue Clubplattform mit einer Kombination aus Streaming und traditionellen Fernsehkanälen verbreitet werden. Prime Video wird exklusiver lokaler Streaming-Vertriebspartner sein, und der Club bestätigte einen Preis von 19,99 Dollar pro Monat oder 99,99 Dollar pro Jahr. Die Blues arbeiten noch an den Einzelheiten zur Verfügbarkeit über Kabel und Satellit, sodass die endgültige Verbreitungskarte vor Beginn der Saison erwartet wird.
Minnesota nimmt auch die erste Playoff-Runde in das Paket auf
Minnesota Wild gab bekannt, dass Prime Video im lokalen Gebiet des Clubs exklusiver Streaming-Vertriebspartner für alle Spiele der regulären Saison sein wird, die nicht national übertragen werden, sowie für Spiele der ersten Runde der Stanley-Cup-Playoffs, die lokalen Rechten unterliegen. Der Club kündigte denselben Preis wie Carolina, Columbus und St. Louis an: 19,99 Dollar pro Monat beziehungsweise 99,99 Dollar für ein Jahrespaket. Das Abonnement wird allen Amazon-Nutzern und nicht nur Prime-Mitgliedern zur Verfügung stehen. Weitere technische und abonnementbezogene Einzelheiten sollen vor Beginn der regulären Saison bekannt gegeben werden.
In der Praxis hängt die Verfügbarkeit einzelner Spiele davon ab, ob sie für eine nationale US-Übertragung ausgewählt wurden. Die nationalen NHL-Rechte in den USA bleiben von den lokalen Paketen getrennt, und die derzeitigen mehrjährigen Verträge mit ESPN/Disney und Warner Bros. Discovery, zu dem TNT/TBS gehört, laufen bis zum Ende der Saison 2027/28. Deshalb wird sich der Spielplan für die Zuschauer weiterhin zwischen nationalen Partnern und lokalen Vertriebspartnern aufteilen. Amazons neues Paket verändert in erster Linie den Ort, an dem regionale Übertragungen zu finden sind, nicht aber die Struktur der nationalen Rechte.
Dallas und Anaheim nach dem Victory+-Modell
Dallas Stars und Anaheim Ducks boten in den vergangenen Spielzeiten einen großen Teil ihrer lokalen Spiele über den Streaming-Dienst Victory+ mit kostenlosem Zugang innerhalb ihrer regionalen Gebiete an. In der Saison 2025/26 hatten die Ducks nach eigenen Angaben 77 Spiele der regulären Saison auf Victory+ und 64 Begegnungen im lokalen terrestrischen Fernsehen, während Dallas seine regionalen Übertragungen ebenfalls über Victory+ verbreitete. Ab der Saison 2026/27 verlagern beide Clubs die Streaming-Komponente zu Prime Video, behalten jedoch das Ziel bei, dem lokalen Publikum einen einfachen Zugang zu nicht national übertragenen Spielen zu ermöglichen.
Für Dallas bedeutet dies, dass lokale Übertragungen für Prime-Mitglieder im Gebiet der vier Bundesstaaten keine zusätzliche monatliche Sportgebühr mit sich bringen. Der Club kündigte auch Kontinuität bei der Produktion an: Daryl "Razor" Reaugh und Josh Bogorad bleiben das wichtigste Kommentatorenduo, während Brien Rea und Brent Severyn weiterhin an Sendungen vor dem Spiel, während der Pausen und nach dem Spiel arbeiten. Dieses Modell verschafft Amazon attraktive lokale Inhalte innerhalb der bestehenden Mitgliedschaft, während der Club eine Verbreitung über eine Plattform erhält, die bereits auf Fernsehern, Mobilgeräten, Spielkonsolen und im Web verfügbar ist.
Amazons NHL-Portfolio reicht bereits über lokale Rechte hinaus
Prime Video ist kein neuer Akteur im lokalen NHL-Streaming. Seattle Kraken schloss bereits 2024 eine mehrjährige Vereinbarung, nach der die nicht national übertragenen Spiele des Clubs für Prime-Mitglieder im Nordwesten der Vereinigten Staaten auf Prime Video ausgestrahlt werden, parallel zur Verbreitung über terrestrische Fernsehsender. Nach aktuellen Angaben der Kraken deckt das lokale Prime-Video-Paket Washington, Oregon, Idaho, Montana und Alaska ab und umfasst nicht national übertragene Spiele der regulären Saison sowie bestimmte Playoff-Inhalte. St. Louis Blues erklärte in seiner Mitteilung, dass Prime Video inzwischen lokale NHL-Berichterstattung für mehr als zehn Mannschaften anbietet, wenn auch andere über die Plattform verfügbare regionale Vereinbarungen mitgerechnet werden.
Ein noch größerer Schritt erfolgte in Kanada. Rogers Communications und Prime Video gaben am 28. Juli eine 12-jährige Vereinbarung bekannt, nach der Amazons Plattform ab der Saison 2026/27 zur exklusiven kanadischen Heimat nationaler NHL-Spiele am Mittwoch wird. Das Paket umfasst mindestens 26 Spiele der regulären Saison pro Jahr auf Englisch und Französisch. Prime Video erhält außerdem jedes Jahr die exklusiven kanadischen Rechte für zwei Serien der ersten Runde und eine Serie der zweiten Runde der Stanley-Cup-Playoffs. Laut Mitteilung von Rogers und Amazon werden diese Inhalte ohne zusätzliche Gebühr in der Prime-Mitgliedschaft in Kanada enthalten sein.
Die kanadische Vereinbarung setzt das zweijährige Projekt Prime Monday Night Hockey aus den Spielzeiten 2024/25 und 2025/26 fort, mit dem Amazon erstmals ein exklusives nationales NHL-Paket auf einer digitalen Plattform in Kanada erhielt. Der Wechsel von Montag auf Mittwoch und die Verlängerung der Zusammenarbeit auf 12 Jahre zeigen, dass sich die Beziehung zwischen Amazon, Rogers und der NHL von einem Experiment zu einer langfristigen Vertriebsstrategie entwickelt hat. Die parallele Ausweitung lokaler Rechte in den Vereinigten Staaten verwischt zusätzlich die Grenze zwischen einem traditionellen regionalen Sportsender und einer großen globalen Streaming-Anwendung.
Was sich für Zuschauer in den USA ändert
Für Fans der sechs beteiligten Clubs wird die wichtigste Folge der Wechsel der Anwendung oder des Abonnements sein, über die sie auf lokale Spiele zugreifen. Prime Video gibt an, dass die Übertragungen über das Web, Mobilgeräte, Tablets, Set-Top-Geräte, Spielkonsolen und vernetzte Fernseher angesehen werden können, der Zugang jedoch anhand des regionalen Gebiets jedes Clubs überprüft wird. Mit anderen Worten: Carolinas lokales Paket wird nicht automatisch einem Zuschauer außerhalb des Gebiets der Fernsehrechte der Hurricanes zur Verfügung stehen, ebenso wenig wie ein Abonnement für Minnesota Wild nationale oder "Out-of-Market"-Dienste für Zuschauer in anderen Teilen des Landes ersetzt.
Die NHL weist in ihren Informationen zum Zuschauen darauf hin, dass Zuschauer außerhalb des lokalen Marktes weiterhin entsprechende "Out-of-Market"-Optionen nutzen, darunter NHL Center Ice und mit ESPN-Plattformen verbundene Streaming-Lösungen, abhängig vom Standort und vom jeweiligen Spiel. National ausgewählte Spiele bleiben bei den Partnern, die die nationalen Rechte besitzen, sodass das lokale Prime-Video-Paket kein vollständiger Ersatz für alle Möglichkeiten ist, die Saison zu verfolgen. Genau deshalb betonen die Clubs in ihren Mitteilungen regelmäßig den Ausdruck "non-nationally televised games", also Spiele, die nicht Teil einer exklusiven nationalen Übertragung sind.
Für die NHL selbst bietet die Vereinbarung mit Amazon die Möglichkeit, dass mehr Clubs dieselbe Technologieplattform nutzen, ohne vollständig auf lokale Fernsehmodelle zu verzichten. Für Amazon erhöhen sechs neue Mannschaften die Häufigkeit von Sportinhalten während nahezu der gesamten NHL-Saison und schaffen Raum für zusätzliche Clubsendungen, Abonnements und Werbung. Für die Zuschauer hängt der tatsächliche Wert vom jeweiligen Markt ab: Einige erhalten die Spiele innerhalb ihrer bestehenden Prime-Mitgliedschaft, während andere ein separates lokales Paket kaufen müssen. Der gemeinsame Nenner ist, dass Prime Video ab Herbst 2026 zu einem deutlich wichtigeren Vertriebspunkt für professionelles Eishockey in den Vereinigten Staaten wird.
Quellen:
- NHL / Prime Video - Mitteilung über die mehrjährige Vereinbarung für lokales Streaming von sechs NHL-Clubs ab der Saison 2026/27 (Link)
- Carolina Hurricanes - Einzelheiten zum Hurricanes Hockey Network, zu Abonnementpreisen und Vertriebswegen (Link)
- Carolina Hurricanes - Zusammensetzung des Übertragungsteams und Organisation des neuen Clubnetzwerks (Link)
- Columbus Blue Jackets - Einzelheiten zum Blue Jackets Hockey Network, zum Gebiet, zum Preis und zur Fernsehverfügbarkeit (Link)
- Minnesota Wild - Bedingungen des lokalen Abonnements und Einbeziehung von Spielen der ersten Playoff-Runde (Link)
- St. Louis Blues - Preise des lokalen Prime-Video-Abonnements und Vertriebsmodell für die Saison 2026/27 (Link)
- Dallas Stars - Gebiet der lokalen Rechte, Zugang ohne zusätzliche Gebühr für Prime-Mitglieder und Übertragungsteam (Link)
- Anaheim Ducks - Streaming auf Prime Video, terrestrische Übertragungen und regionales Gebiet des Clubs (Link)
- Seattle Kraken - bestehendes lokales Vertriebsmodell über Prime Video und terrestrisches Fernsehen (Link)
- Rogers Communications / Prime Video - 12-jährige Vereinbarung für nationale kanadische Mittwochsspiele und einen Teil der Playoffs (Link)
- NHL - geltende nationale US-Verträge mit ESPN/Disney und Turner Sports bis zur Saison 2027/28 (Link)