Belgien ungeschlagen ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft, Julie Allemand schreibt Assist-Geschichte
Die belgische Frauen-Basketballnationalmannschaft hat die Gruppe C der Weltmeisterschaft in Berlin mit einer perfekten Bilanz abgeschlossen, nachdem sie Australien am 7. September mit 80:68 besiegt hatte. Der Sieg gegen eine der stärksten Mannschaften des Turniers brachte Belgien den ersten Platz in der Gruppe und die direkte Qualifikation für das Viertelfinale, ohne ein zusätzliches Ausscheidungsspiel. Die Begegnung erhielt zugleich eine historische Dimension: Aufbauspielerin Julie Allemand wurde zur besten Assistgeberin in der Geschichte der FIBA-Weltmeisterschaften der Frauen. Nach offiziellen Angaben der FIBA beendete Allemand die Partie mit sieben Assists und erhöhte damit ihre Karrierebilanz bei Weltmeisterschaften auf 111. Belgien schloss die Gruppe somit mit einer Bilanz von 3-0 ab, vor Australien, Puerto Rico und der Türkei, und bestätigte seinen Status als eine der Mannschaften, die in Berlin offen auf eine Medaille zielen.
Belgien kontrollierte das Spiel, Australien wurde erst im dritten Viertel gefährlich
Belgien gab von Beginn an den Rhythmus vor, der der Mannschaft am besten liegt, mit viel Ballbewegung, schnellen Entscheidungen und der ständigen Suche nach der freien Mitspielerin. Laut dem offiziellen Spielbericht der FIBA gewann Belgien das erste Viertel mit 23:17 und ging mit einer 40:33-Führung in die Halbzeit. Australien verkürzte im dritten Abschnitt den Rückstand und gewann diesen Teil des Spiels mit 22:20, doch die belgische Verteidigung übernahm in den letzten zehn Minuten erneut die Kontrolle. Das Schlussviertel ging mit 20:13 an Belgien, sodass die Partie mit einem überzeugenden 80:68 endete. Die statistische Übersicht der FIBA zeigt, dass Belgien insgesamt 38 Minuten und 23 Sekunden in Führung lag und der größte Vorsprung 15 Punkte betrug, während Australien lediglich 35 Sekunden lang führte.
Einen großen Unterschied machte Belgien auch beim Dreipunktewurf. Laut FIBA trafen die belgischen Basketballerinnen 36,8 Prozent ihrer Versuche hinter der Dreipunktelinie, während Australien bei 17,7 Prozent blieb. Die gesamte Feldwurfquote lag etwas näher beieinander, bei 47 Prozent für Belgien und 44 Prozent für Australien, doch die belgische Mannschaft nutzte in den entscheidenden Momenten freie Würfe und Freiwürfe besser. Belgien kam von der Freiwurflinie auf 84,6 Prozent, Australien auf 58,3 Prozent. Dieser Unterschied, zusammen mit einer ruhigeren Schlussphase und besserer Ballkontrolle, ermöglichte es Belgien, Australiens Aufholversuch nach dem dritten Viertel abzuwehren. Nach offiziellen Angaben des Veranstalters verfolgten 3.755 Zuschauer die Partie in der Berlin Arena.
Emma Meesseman zeigte erneut, warum sie die zentrale Figur Belgiens ist
Die beste Einzelleistung in der belgischen Nationalmannschaft zeigte Emma Meesseman. Die FIBA gibt an, dass sie die Begegnung mit 22 Punkten, 10 Rebounds und acht Assists beendete, dazu kamen zwei Steals und ein Block, was ihr einen Effizienzwert von 33 einbrachte. Ihre Leistung war besonders wichtig, weil Belgien um den ersten Platz in der Gruppe und darum spielte, ein zusätzliches Ausscheidungsspiel um den Einzug unter die besten acht Mannschaften zu vermeiden. Meesseman erklärte nach der Partie, die Mannschaft sei sich der Bedeutung des Duells mit Australien bewusst gewesen, und bezeichnete das Spiel als Belgiens bislang beste Vorstellung im Turnier. Die FIBA hob ihre Leistung als eine der besten Einzeldarbietungen des letzten Tages der Gruppenphase hervor.
Dieser Auftritt war zugleich eine Antwort auf ein offensiv etwas schwächeres Spiel gegen Puerto Rico, in dem Meesseman sechs Punkte erzielt hatte. Zum Auftakt der Weltmeisterschaft gegen die Türkei dominierte sie mit 27 Punkten, was laut FIBA ihr persönlicher Rekord bei Weltmeisterschaften und zugleich ein neuer Rekord der belgischen Nationalmannschaft für die meisten Punkte einer Spielerin in einem WM-Spiel war. Nach drei Begegnungen in Berlin kommt Meesseman im Durchschnitt auf 18,3 Punkte, acht Rebounds und 5,3 Assists. Diese Zahlen erklären ihre Rolle im belgischen System zusätzlich: Sie ist nicht nur die wichtigste Abschlussoption im Angriff, sondern auch eine der zentralen Spielgestalterinnen. Zusammen mit Allemand verfügt Belgien über zwei Spielerinnen, die gleichzeitig den Angriff organisieren, Überzahlsituationen erkennen und die Verteidigung bestrafen können, wenn sie sich zu stark auf eine Seite des Spielfelds konzentriert.
Julie Allemand brach den Rekord von Laia Palau
Der historische Moment der Partie gehörte jedoch Julie Allemand. Die belgische Aufbauspielerin war mit 87 Karriere-Assists bei Weltmeisterschaften nach Berlin gekommen und verteilte in den ersten beiden Spielen des Turniers weitere 17: neun gegen die Türkei und acht gegen Puerto Rico. Damit ging sie mit 104 Assists in das Duell mit Australien und benötigte ihren fünften Assist der Partie, um die bisherige Rekordhalterin Laia Palau zu überholen. Laut dem Bericht der Associated Press und den Daten der FIBA brach sie den Rekord bereits in der ersten Halbzeit und beendete die Partie mit sieben Assists. Damit erhöhte sie ihre Gesamtzahl bei Weltmeisterschaften auf 111 Assists.
Der bisherige Rekord der Spanierin Palau lag bei 108 Assists. Hinter Allemand befinden sich laut der historischen Statistik der FIBA nun auch die US-amerikanischen Legenden Sue Bird mit 107 und Dawn Staley mit 103 Assists. Gegen Australien erzielte Allemand neben sieben Assists 11 Punkte und vier Rebounds und leistete sich in 36 Spielminuten nur einen Ballverlust. Im gesamten Turnier kommt sie nach drei Einsätzen auf 24 Assists, also durchschnittlich acht pro Spiel. Für eine Spielerin, deren Einfluss häufig stärker in der Organisation des Angriffs als an ihrer Punktzahl abzulesen ist, bestätigt die Übernahme des ersten Platzes in der ewigen Rangliste symbolisch ihre Bedeutung für die belgische Nationalmannschaft.
Nach dem Rekord betonte Allemand, dass sie die persönliche Auszeichnung mit der Spielweise Belgiens verbinde. In einer von der Associated Press verbreiteten Aussage hob sie die Uneigennützigkeit der Mannschaft und die Tatsache hervor, dass der belgische Angriff auf dem Teilen des Balls basiert. Nationaltrainer Mike Thibault unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Leistung, insbesondere angesichts der Namen, die sich an der Spitze der historischen Liste befinden. Die FIBA erinnert außerdem daran, dass Allemand bereits einen Teil des Rekords für die meisten Assists in einem einzelnen WM-Spiel hält: 2018 verteilte sie gegen Frankreich 13 Assists, ebenso viele wie die Japanerin Yuka Harada 1994. Die Beständigkeit solcher Leistungen über mehrere Turniere hinweg erklärt, wie die 30-jährige belgische Aufbauspielerin an die Spitze der Gesamtwertung gelangen konnte.
Drei Siege und der direkte Weg unter die besten acht
Belgien erreichte den ersten Platz in Gruppe C ohne Niederlage. Im ersten Spiel am 4. September besiegte die Mannschaft die Türkei mit 89:75, zwei Tage später folgte ein 76:64 gegen Puerto Rico, ehe sie die Gruppenphase mit einem 80:68-Sieg gegen Australien abschloss. Laut der offiziellen FIBA-Tabelle beendete Belgien die Gruppe mit drei Siegen und sechs Punkten, Australien wurde mit einer Bilanz von 2-1 Zweiter, Puerto Rico mit 1-2 Dritter, während die Türkei ohne Sieg blieb. Dieses Ergebnis ist wegen des neuen Turnierformats besonders wichtig: Die Sieger der vier Gruppen ziehen direkt ins Viertelfinale ein, während die zweit- und drittplatzierten Mannschaften ein zusätzliches Spiel um den Einzug unter die besten acht bestreiten müssen.
Für die Ausgabe der Weltmeisterschaft 2026 erhöhte die FIBA die Zahl der teilnehmenden Mannschaften von 12 auf 16. Das Turnier in Berlin dauert vom 4. bis 13. September und umfasst 36 Spiele innerhalb von zehn Tagen. Die sechzehn Mannschaften sind in vier Vierergruppen eingeteilt, nach der Gruppenphase folgt eine Qualifikationsrunde für das Viertelfinale, anschließend werden Viertelfinale, Halbfinale, Spiel um Platz drei und Finale ausgetragen. Für Belgien bringt der erste Platz daher auch einen wichtigen praktischen Vorteil: Die Mannschaft überspringt ein Ausscheidungsspiel und erhält zusätzliche Zeit zur Vorbereitung auf das Viertelfinale am 10. September. Bei einem Turnierrhythmus, in dem die Spiele in kurzen Abständen stattfinden, kann diese Pause von erheblichem Wert sein.
Nach dem von der FIBA veröffentlichten Spielplan der Endphase trifft Belgien im Viertelfinale auf den Sieger der Begegnung Deutschland gegen Südkorea. Dieses Qualifikationsduell für das Viertelfinale ist für den 8. September in Berlin angesetzt. Deutschland geht als Gastgeber des Turniers in die Partie, während Südkorea versucht, sich erstmals seit 2010 wieder für die besten acht Mannschaften einer Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Belgien kann das Duell dagegen ohne unmittelbaren Wettbewerbsdruck verfolgen und sich auf beide möglichen Szenarien vorbereiten. Das ist die direkte Belohnung für drei Siege in der Gruppe und insbesondere für den Erfolg gegen Australien in der Partie, in der der erste Platz entschieden wurde.
Ein Sieg mit zusätzlichem Gewicht wegen der jüngeren Geschichte mit Australien
Das Duell zwischen Belgien und Australien hatte auch aufgrund ihrer früheren Begegnungen bei den größten Wettbewerben zusätzliches Gewicht. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 besiegte Australien Belgien im Spiel um die Bronzemedaille mit 85:81. Der FIBA-Bericht zu dieser Partie nennt Ezi Magbegor als beste australische Spielerin mit 30 Punkten, womit sie den Opals die erste olympische Medaille seit London 2012 sicherte. Zwei Jahre später gelang es Belgien in Berlin, das Kräfteverhältnis im direkten Duell umzukehren und den australischen Angriff dabei auf 68 Punkte zu begrenzen. Magbegor war auch diesmal die auffälligste australische Spielerin, der offizielle FIBA-Spielbericht weist für sie einen Effizienzwert von 18 aus.
Australien kam als Nummer drei der FIBA-Weltrangliste nach Berlin, Belgien lag auf Rang fünf. In der Vorschau auf die Begegnung erinnerte die FIBA daran, dass beide Mannschaften auch im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 2022 aufeinandergetroffen waren, als Australien mit 86:69 gewann, sowie in der Gruppenphase der Olympischen Spiele in Tokio, wo Belgien mit 85:70 siegte. Der 80:68-Erfolg ist daher kein isoliertes Ergebnis, sondern ein neues Kapitel in der Rivalität zweier Nationalmannschaften, die in den vergangenen Jahren regelmäßig in wichtigen Spielen aufeinandergetroffen sind. Für Australien bedeutet die Niederlage den zusätzlichen Weg über die Viertelfinalqualifikation, in der die Mannschaft gegen Italien antreten wird, während Belgien bereits einen Platz unter den besten acht sicher hat.
Belgien kam als zweifacher Europameister nach Berlin
Das Ergebnis in Gruppe C fügt sich in den allgemeinen Aufstieg des belgischen Frauenbasketballs ein. Im Mannschaftsprofil der FIBA heißt es, dass Belgien 2026 zum dritten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Beim Debüt 2018 erreichte die Mannschaft das Halbfinale und wurde Vierter, 2022 belegte sie den fünften Platz. Eine WM-Medaille hat Belgien noch nicht gewonnen, weshalb Berlin eine neue Gelegenheit bietet, das bislang beste Ergebnis auf globaler Ebene zu erreichen. Belgien hat inzwischen auch auf europäischer Ebene Kontinuität aufgebaut und verteidigte 2025 seinen Europameistertitel durch einen 67:65-Sieg gegen Spanien im Finale des EuroBasket.
Dieser Erfolg brachte Belgien als Kontinentalmeister zugleich die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft, obwohl die Nationalmannschaft auch am Qualifikationsturnier in Wuhan teilnahm. Dort erzielte sie laut FIBA fünf Siege in fünf Spielen, darunter deutliche Erfolge gegen Brasilien, China, Mali, den Südsudan und Tschechien. Diese Serie zeigt zusammen mit den Europameistertiteln und der perfekten Bilanz in der Berliner Gruppe, dass die aktuelle Form Belgiens nicht das Ergebnis eines einzigen guten Turniers ist. Die Mannschaft hat über mehrere Wettbewerbszyklen ihren Kern behalten und gleichzeitig einen wiedererkennbaren Stil entwickelt, der auf Ballzirkulation, der Vielseitigkeit der großen Spielerinnen und der Fähigkeit der Guards basiert, Vorteile zu schaffen.
Allemands Rekord spiegelt die Identität der gesamten Mannschaft wider
Der Rekord von Julie Allemand kann deshalb auch über die individuelle Statistik hinaus betrachtet werden. Belgien ist in den vergangenen Jahren für einen Angriff bekannt geworden, bei dem mehrere Spielerinnen an der Spielgestaltung beteiligt sind, während Meesseman als große Spielerin häufig die Rolle einer zusätzlichen Spielmacherin übernimmt. Gegen Australien war genau diese Kombination besonders deutlich zu sehen: Allemand kam auf sieben Assists, Meesseman auf acht. Wenn zwei Schlüsselspielerinnen gleichzeitig aus unterschiedlichen Positionen den Angriff organisieren können, ist es für eine Verteidigung deutlich schwieriger, die erste Option zu stoppen, ohne an anderer Stelle Räume zu öffnen. Belgien verwandelte dies gegen Australien in genügend offene Würfe und einen stabilen Angriff über nahezu die gesamte Partie hinweg.
Für Allemand kam der historische Rekord in einem Moment, in dem Belgien in die wichtigste Phase des Turniers eintritt. Nach drei Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen, hat ein zusätzliches Ausscheidungsspiel vermieden und geht mit der klaren Bestätigung ins Viertelfinale, dass sie eine Mannschaft aus der absoluten Weltspitze schlagen kann. Der nächste Test wird anders sein, weil der Gegner erst nach dem Duell zwischen Deutschland und Südkorea feststeht, doch die grundlegende Aufgabe bleibt dieselbe: die defensive Disziplin bewahren und durch Ballbewegung weiterhin hochwertige Würfe kreieren. Wenn das gelingt, erhält Belgien die Chance, erstmals eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen. Vorerst hat die Mannschaft bereits ihren Platz unter den besten acht gesichert, und Allemand hat sich in Berlin ihren Platz in der Geschichte des Wettbewerbs gesichert.
Quellen:
- FIBA - offizieller Spielbericht der Partie Belgien - Australien, Ergebnis, Statistiken, Viertel und Zuschauerzahlen (Link)
- FIBA - offizielles Profil von Julie Allemand und Statistiken ihrer Einsätze bei der Weltmeisterschaft 2026 (Link)
- FIBA - historischer Überblick über den Assist-Rekord von Julie Allemand bei Weltmeisterschaften (Link)
- FIBA - offizieller Spielplan und Paarungen der Endphase der Weltmeisterschaft 2026 (Link)
- FIBA - Wettbewerbssystem und Format der Weltmeisterschaft 2026 mit 16 Mannschaften (Link)
- FIBA - Profil der belgischen Nationalmannschaft, Geschichte ihrer Teilnahmen und Kontext der Europameistertitel (Link)
- Associated Press / The Washington Post - Bericht über den Rekord und die Aussagen von Julie Allemand und Mike Thibault (Link)
- FIBA - offizieller Bericht und Ergebnis des Spiels um Bronze zwischen Belgien und Australien bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 (Link)