Eddie Dunbar gewinnt die 19. Etappe der Vuelta, Enric Mas verteidigt das Rote Trikot vor der entscheidenden Bergschlacht
Eddie Dunbar gewann die 19. Etappe der Vuelta a España 2026 am anspruchsvollen Schlussanstieg nach Peñas Blancas bei Estepona, während Enric Mas ohne Zeitverlust gegenüber seinen wichtigsten Rivalen das Rote Trikot des Gesamtführenden verteidigte. Der Ire vom Team Pinarello-Q36.5 sicherte sich den Sieg nach der 210,8 Kilometer langen Etappe von Vélez-Málaga, indem er den Kolumbianer Santiago Buitrago im Finale noch überholte. Laut dem offiziellen Bericht der Vuelta-Organisatoren gehörte Dunbar zu einer Gruppe, die sich im Finale absetzte, und holte Buitrago ungefähr 350 Meter vor dem Ziel ein und überholte ihn. Buitrago wurde mit 14 Sekunden Rückstand Zweiter, während der Brite Thomas Gloag den dritten Platz belegte. Am wichtigsten für den Kampf um den Gesamtsieg war, dass die führenden Anwärter gemeinsam ins Ziel kamen, sodass Mas auch nach der 19. Etappe einen Vorsprung von 1 Minute und 37 Sekunden auf Primož Roglič besitzt.
Dunbar wird für einen ganzen Tag aggressiver Fahrweise belohnt
Die 19. Etappe, die am 11. September ausgetragen wurde, war die längste der Vuelta 2026 und führte durch die Provinz Málaga, bevor der Schlussanstieg nach Peñas Blancas begann. Die Organisatoren gaben an, dass die Etappe rund 4.000 Höhenmeter umfasste, während der Schlussanstieg ungefähr 18,8 Kilometer lang war und eine durchschnittliche Steigung von 6,5 Prozent aufwies. Obwohl ein solches Profil auf dem Papier Möglichkeiten für die Favoriten der Gesamtwertung eröffnet, entwickelte sich der größte Kampf um den Etappensieg unter den Fahrern der Ausreißergruppe. Laut dem offiziellen Rennbericht dauerte der Kampf fast drei Stunden, bevor sich eine stabile Spitzengruppe bildete, was zeigt, wie viele Teams im Finale der Vuelta nach einer letzten Gelegenheit für einen Etappenerfolg suchten. Eine große Gruppe von Ausreißern erreichte den Schlussanstieg, aus der sich nach und nach eine Vierergruppe mit Dunbar und Buitrago löste.
Buitrago, der Führende in der Bergwertung, griff ungefähr zwei Kilometer vor dem Ziel an und zunächst sah es so aus, als hätte er den entscheidenden Vorsprung herausgefahren. Dunbar reagierte nicht sofort, begann aber im letzten Kilometer erneut, den Rückstand zu verkürzen. Der offizielle Bericht der Vuelta gibt an, dass der Ire den Kolumbianer etwa 350 Meter vor der Ziellinie überholte und allein zum Sieg weiterfuhr. EFE berichtete, dass Dunbar die Etappe in 5 Stunden und 55 Sekunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,6 Kilometern pro Stunde beendete. Dieses Finale verlieh der Etappe einen dramatischen Ausgang, bestätigte aber gleichzeitig, wie sorgfältig die Fahrer der Ausreißergruppe ihre Kräfte nach mehr als fünf Stunden Renndauer und einem äußerst anspruchsvollen Schlussanstieg eingeteilt hatten.
Für den 30-jährigen Dunbar hat der Sieg auf Peñas Blancas auch eine weitergehende Bedeutung. Die Vuelta-Organisatoren geben an, dass es sein dritter Etappensieg bei der spanischen Grand Tour war, nach zwei Erfolgen im Jahr 2024 in Padrón und am Picón Blanco. Im offiziellen Bericht wurde außerdem hervorgehoben, dass er sich im Laufe des Jahres 2026 nach schweren Verletzungen, die er bei einem Trainingssturz erlitten hatte, zurückkämpfte, weshalb der Sieg im Finale eines der härtesten dreiwöchigen Rennen seine Rückkehr zur Form zusätzlich bestätigt. Dunbar bekam auf Peñas Blancas genau die Art von Finale, die einem starken Bergfahrer liegt, der lange in einer Ausreißergruppe fahren und anschließend auf den letzten Kilometern reagieren kann. Der Sieg brachte zugleich ein wichtiges Ergebnis für das Team Pinarello-Q36.5 im Saisonfinale und zeigte, dass der Kampf um Etappensiege offen bleibt, selbst wenn der größte Teil der Aufmerksamkeit auf dem Duell der Anwärter auf den Gesamtsieg liegt.
Mas neutralisiert die Angriffe und verteidigt 1:37 Vorsprung
In der Gruppe der Favoriten entwickelte sich die Situation anders. Red Bull-Bora-Hansgrohe, das Team von Primož Roglič, versuchte das Tempo am Schlussanstieg zu erhöhen, und auch Rivalen aus anderen Mannschaften waren aktiv, doch die ersten fünf Fahrer der Gesamtwertung erreichten gemeinsam das Ziel. Laut dem offiziellen Bericht der Vuelta kam die Gruppe der Besten etwas mehr als fünf Minuten hinter Dunbar ins Ziel, ohne dass sich die Zeitabstände zwischen den Führenden veränderten. Enric Mas verteidigte damit seinen Vorsprung von 1:37 auf Roglič, während Felix Gall mit 3:01 Rückstand Dritter ist. Richard Carapaz blieb mit 5:17 Vierter, Oscar Onley liegt mit etwas mehr als sechs Minuten Rückstand auf dem fünften Platz, wie aus den Daten der Rennorganisatoren hervorgeht.
Mas erklärte nach der Etappe, seine Mannschaft habe die Situation trotz der zahlreichen Angriffe während des Tages unter Kontrolle gehabt. In einer von der Vuelta veröffentlichten Erklärung lobte er besonders die Arbeit von Movistar und betonte, dass den Fahrern noch ein außergewöhnlich schwieriger Tag in den Bergen bevorstehe. Seine Einschätzung entspricht der Rennsituation: Ein Vorsprung von 1:37 ist groß genug, dass Mas nicht auf jeden Angriff aus großer Entfernung reagieren muss, aber nicht so groß, dass er sich einen ernsthaften taktischen Fehler oder einen schwächeren Tag am Schlussanstieg leisten könnte. Roglič, viermaliger Sieger der Vuelta, besitzt weiterhin eine realistische mathematische Chance auf die Wende, insbesondere weil die 20. Etappe an einem der härtesten Anstiege der diesjährigen Strecke endet.
Für Mas wäre der Gesamtsieg der erste bei einer Grand Tour. Der spanische Fahrer stand bereits mehrfach auf dem Podium der Vuelta, darunter dreimal als Zweiter, hat ein dreiwöchiges Rennen bisher jedoch noch nie auf der obersten Stufe beendet. Seine Position vor dem letzten Bergtag ist auch im spanischen Kontext besonders wichtig: Der letzte spanische Gesamtsieger der Vuelta war Alberto Contador im Jahr 2014. In einer offiziellen Erklärung nach der 18. Etappe erinnerte Mas daran, dass Contador sein Vorbild gewesen sei, als er ein Teenager war, und betonte, wie viel es ihm bedeute, um den Titel in einem Rennen zu kämpfen, das seit mehr als einem Jahrzehnt kein einheimischer Fahrer gewonnen hat. Nach Peñas Blancas sprach er dennoch nicht so, als sei die Arbeit bereits erledigt, sondern richtete seinen Fokus auf das letzte große Berghindernis.
Roglič bleibt nach seinem Zeitgewinn im Zeitfahren die größte Bedrohung
Vor der 19. Etappe hatte Roglič den Vorsprung von Mas bereits verkürzen können. Am Vortag wurde der Slowene im 32,1 Kilometer langen Einzelzeitfahren zwischen El Puerto de Santa María und Jerez de la Frontera Vierter und holte 33 Sekunden auf den führenden Spanier auf. Die Etappe gewann der Schweizer Stefan Küng, während Mas Zwölfter wurde und das Rote Trikot behielt. Laut dem offiziellen Bericht der Vuelta wurde der Abstand zwischen Mas und Roglič genau nach diesem Zeitfahren auf die aktuellen 1:37 verkürzt, während Gall auf den dritten Platz der Gesamtwertung zurückfiel. Die 19. Etappe war daher die erste von zwei aufeinanderfolgenden letzten Bergchancen, bei denen Roglič versuchen konnte, den Zeitgewinn aus dem Zeitfahren in größeren Druck auf den Führenden umzuwandeln.
Auf Peñas Blancas brachte dieser Versuch kein Ergebnis. Mas hielt das Tempo der wichtigsten Konkurrenten mit, während Movistar eine Situation vermied, in der Roglič oder einer der anderen hoch platzierten Fahrer vor den entscheidenden Kilometern einen Vorsprung hätte herausfahren können. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Kampf entschieden ist. Roglič gehört zu den erfolgreichsten Fahrern in der Geschichte der Vuelta: Er gewann die Gesamtwertung 2019, 2020, 2021 und 2024 und stellte damit den Rekord von vier Gesamtsiegen ein. Jeder seiner Angriffe auf der 20. Etappe hat daher einen doppelten Einsatz - den Kampf um die Wende in der Ausgabe 2026 und die Möglichkeit, als erster Fahrer fünf Gesamttitel zu gewinnen, falls er vor dem letzten Tag in Granada genügend Zeit gutmachen kann.
Collado del Alguacil als letztes großes Hindernis
Die 20. Etappe wird am 12. September von La Calahorra zum Collado del Alguacil gefahren und ist 186,8 Kilometer lang. Laut dem offiziellen Profil der Vuelta handelt es sich um eine echte Bergetappe mit mehreren kategorisierten Anstiegen, darunter zwei Überquerungen des El Purche, ein Anstieg der ersten Kategorie zum El Duque und der abschließende Collado del Alguacil. Der Schlussanstieg ist 8,3 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 9,8 Prozent auf, das Ziel liegt auf ungefähr 1.884 Metern Höhe. Die Organisatoren stufen ihn als Anstieg außerhalb der Kategorie ein und geben an, dass er zum ersten Mal als Ziel eines Profirennens genutzt wird. Ein solches Profil bietet ausreichend Raum für Angriffe und ernsthafte Zeitabstände, insbesondere nach fast drei Rennwochen.
Vor dem Schlussanstieg werden die Fahrer bereits eine große Anzahl schwieriger Kilometer in den Beinen haben. Der offizielle Streckenplan umfasst den Anstieg der dritten Kategorie Blacares, anschließend zwei Überquerungen des El Purche, beide 8,2 Kilometer lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,1 Prozent, sowie El Duque, 7,4 Kilometer lang bei 8,3 Prozent. Erst danach folgt der Collado del Alguacil, dessen Durchschnitt von 9,8 Prozent bedeutet, dass Ermüdung und die Positionierung der Mannschaften ebenso wichtig sein werden wie reine Kraft. Für Roglič und die anderen Rivalen ist die Logik klar: Wenn sie Mas gefährden wollen, bietet der letzte große Bergtag eine deutlich bessere Gelegenheit als die flachere Schlussetappe. Für Movistar ist das Ziel das Gegenteil - das Rennen kontrollieren, gefährliche Angriffe neutralisieren und Mas mit einem ausreichend großen Polster für den letzten Tag zum Gipfel bringen.
Die abschließende 21. Etappe ist für den 13. September angesetzt und führt über 112 Kilometer von Carrefour Granada nach Granada. Der offizielle Zeitplan der Vuelta klassifiziert sie als Flachetappe, weshalb der entscheidende Kampf um den Gesamtsieg auf dem Collado del Alguacil erwartet wird. Obwohl der letzte Tag niemals völlig frei von sportlichen Risiken ist, bedeutet die übliche Dynamik von Grand Tours, dass die größten Zeitverschiebungen auf schweren Bergetappen und nicht am Schlusstag erwartet werden, der für Sprinter und die Feier der Träger der Führungstrikots vorgesehen ist. Deshalb stellt die 20. Etappe den entscheidenden Moment für Mas, Roglič, Gall und die übrigen Fahrer an der Spitze der Gesamtwertung dar.
Buitrago verpasst den Etappensieg, bestätigt aber seinen Status als bester Bergfahrer
Santiago Buitrago kam einem Sieg über Dunbar auf Peñas Blancas am nächsten. Der Kolumbianer ging als Führender der Bergwertung ins Finale, und sein Angriff zwei Kilometer vor dem Ziel entsprach seinem Ruf als einer der aggressivsten Kletterer dieser Vuelta. Der offizielle Rennbericht gibt an, dass er bereits zuvor gute Platzierungen auf Bergetappen erreicht hatte, auf Peñas Blancas jedoch nach Dunbars spätem Comeback den Sieg verpasste. Der zweite Platz brachte ihm dennoch ein weiteres starkes Ergebnis und bestätigte zusätzlich seine Konstanz an den Anstiegen im Finale des Rennens. In dieser Situation geht Buitrago mit zwei Zielen in die letzte Bergetappe: seinen Vorsprung in der Bergwertung verteidigen und, falls sich erneut eine Gelegenheit bietet, um den Etappensieg kämpfen.
Seine Leistung zeigt zugleich, wie unterschiedlich die Interessen auf den letzten Etappen einer Grand Tour sind. Während Mas und Roglič in erster Linie die Sekunden in der Gesamtwertung zählen, können Fahrer wie Buitrago und Dunbar in der Ausreißergruppe größere Risiken eingehen, weil ihr Ziel ein Etappensieg oder eine Sonderwertung ist. Genau dieser Unterschied ermöglichte es, dass auf Peñas Blancas parallel zwei Rennen stattfanden: eines um den Etappensieg und ein anderes um das Rote Trikot. Dunbar gewann das erste, Mas verteidigte seine Position im zweiten erfolgreich, und Roglič blieb nahe genug, dass der Kampf um den Titel formal weiterhin nicht entschieden ist.
Die Vuelta geht mit einem klaren, aber noch nicht endgültigen Kräfteverhältnis in die letzten beiden Tage
Nach der 19. Etappe ist das Bild des Rennens deutlich klarer als zu Beginn der letzten Woche. Mas trägt das Rote Trikot und hat 1:37 Vorsprung, Roglič ist der einzige Fahrer innerhalb von zwei Minuten, während Gall mit 3:01 Rückstand einen wesentlich größeren Zeitgewinn erzielen müsste, um in den direkten Kampf um den Gesamtsieg einzugreifen. Carapaz und Onley liegen noch weiter zurück, aber jeder ernsthafte Angriff aus dieser Gruppe kann die Taktik von Movistar und Red Bull-Bora-Hansgrohe verändern, da die Mannschaften auch auf die Plätze des Abschlusspodiums achten müssen. Genau deshalb muss die letzte Bergetappe nicht nur ein Duell zwischen Mas und Roglič sein: Angriffe von Fahrern, die um den dritten, vierten oder fünften Platz kämpfen, können die Favoriten viel früher zu einer Reaktion zwingen, als sie selbst geplant hätten.
Mas behielt nach Peñas Blancas das, was für ihn in dieser Phase des Rennens am wichtigsten ist - seinen Zeitvorsprung und die Kontrolle über die taktische Situation. Roglič verlor dagegen keine zusätzliche Zeit und erhält eine weitere, letzte große Gelegenheit auf einem Terrain, das einen Unterschied von mehr als einer Minute erzeugen kann. Dunbar prägte mit seinem Sieg einen Tag, an dem sich die Favoriten gegenseitig neutralisierten, doch am 12. September erlaubt das Profil der Etappe zum Collado del Alguacil kaum eine völlig passive Herangehensweise. Die Vuelta 2026 geht somit mit einem führenden Fahrer, der einen klaren Vorsprung besitzt, einem Herausforderer mit rekordverdächtiger Erfahrung in diesem Rennen und einem Schlussanstieg, der schwer genug ist, um weiterhin Raum für eine Wende zu lassen, in den letzten Bergkampf.
Quellen:
- La Vuelta - offizieller Bericht der 19. Etappe und Beschreibung von Dunbars Sieg auf Peñas Blancas (Link)
- La Vuelta - Erklärung von Enric Mas nach der 19. Etappe und Bestätigung des Abstands von 1:37 zu Roglič (Link)
- La Vuelta - offizielles Profil der 20. Etappe La Calahorra-Collado del Alguacil, Länge und kategorisierte Anstiege (Link)
- La Vuelta - offizieller Bericht der 18. Etappe, Zeitfahren und Zeitabstände in der Gesamtwertung (Link)
- La Vuelta - offizielle Mitteilung zum Führungswechsel nach der 8. Etappe und zum Kontext von Mas' Rotem Trikot (Link)
- EFE - Ergebnisse der 19. Etappe, Dunbars Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit und Platzierungen der führenden Fahrer (Link)
- The Guardian / AFP - Etappenergebnis, Dunbars Vorsprung und die Lage im Kampf um die Gesamtwertung (Link)
- La Vuelta - offizieller Abschlussbericht der Ausgabe 2024 und Bestätigung von Rogličs viertem Gesamttitel (Link)