Matthew Brennan holt vierten Etappensieg bei seiner Vuelta-Premiere, Enric Mas behält das Rote Trikot
Matthew Brennan setzte seinen außergewöhnlichen Debütauftritt bei einem der drei größten Etappenrennen der Welt fort. Der britische Sprinter vom Team Visma | Lease a Bike gewann am 8. September 2026 die 16. Etappe der Vuelta a España von Cortegana nach La Rábida in Palos de la Frontera und holte damit bereits bei seinem ersten Grand-Tour-Start seinen vierten Etappensieg. Laut dem offiziellen Bericht der Vuelta-Organisatoren setzte sich der 21-jährige Brennan im Schlusssprint gegen den Franzosen Bryan Coquard von Cofidis und den Belgier Vito Braet von Lotto-Intermarché durch, nachdem Teamkollege Wout van Aert erneut eine präzise ausgeführte Sprintvorbereitung geliefert hatte. Enric Mas vom Movistar Team beendete den Tag ohne Veränderung an der Spitze der Gesamtwertung und behielt das Rote Trikot des Führenden. Das Ergebnis festigte Brennans Status als eine der größten Entdeckungen der diesjährigen Vuelta zusätzlich und machte seinen ersten dreiwöchigen Renneinsatz zu einem historisch bedeutsamen Debüt.
Vierter Sieg in nur sechzehn Etappen
Die offizielle Website der Vuelta gibt an, dass Brennan vor seinem Triumph in La Rábida bereits in Manosque, Roquetes und Lorca gewonnen hatte, also auf der zweiten, fünften und elften Etappe des Rennens. Damit war er in nur etwas mehr als zwei Wettkampfwochen viermal der Schnellste im Ziel, obwohl er ohne vorherige Grand-Tour-Erfahrung nach Spanien gekommen war. Der Rennveranstalter hebt hervor, dass Brennan der erste Debütant mit vier Etappensiegen bei einer der drei großen dreiwöchigen Rundfahrten seit dem Kolumbianer Fernando Gaviria ist, der beim Giro d'Italia 2017 dieselbe Anzahl an Siegen erzielte. Visma teilte nach der Etappe zusätzlich mit, dass Brennan zugleich der jüngste Fahrer seit Vicente Carretero im Jahr 1936 ist, der bei einer einzigen Vuelta vier Etappen gewonnen hat, wodurch das Alter bei seinem Erfolg einen noch ausgeprägteren historischen Kontext erhält. Für einen Fahrer, der vor dem Start auf einen Etappensieg abgezielt hatte, hat der Verlauf des Rennens die ursprünglichen Erwartungen bei Weitem übertroffen.
Brennan betonte nach dem Zieleinlauf in einer von der Vuelta veröffentlichten Erklärung, dass das Gefühl nach dem vierten Sieg nicht nachgelassen habe und dass der Plan der Mannschaft vor dem Rennen darin bestanden habe, eine Etappe zu gewinnen. Besonders hob er die Rolle seiner Teamkollegen hervor, die den ganzen Tag an der Spitze des Pelotons arbeiteten und die Ausreißergruppe unter Kontrolle hielten, bevor er im Finale dem Hinterrad von Wout van Aert folgte. Seinen Worten zufolge brachte Van Aert ihn durch das chaotische Finale in eine nahezu ideale Position für den Sprint. Obwohl Visma inzwischen Christophe Laporte verloren hatte, urteilte Brennan, dass die Mannschaft den Plan auch mit einem Fahrer weniger auf sehr hohem Niveau umsetzen konnte. Diese Rollenverteilung ist zu einem der wichtigsten Merkmale von Vismas Auftritt bei der Vuelta 2026 geworden, denn Van Aert gewinnt nicht nur eigene Etappen, sondern übernimmt gleichzeitig auch die Rolle des Schlüsselfahrers in Brennans Sprintzug.
Visma kontrollierte die Ausreißergruppe, Wind erschwerte das Finale
Die sechzehnte Etappe war 181,1 Kilometer lang und wurde vom Veranstalter als wellig eingestuft. Laut dem offiziellen Bericht der Vuelta umfasste die Strecke mehr als 2.250 Höhenmeter, obwohl sie keinen einzigen kategorisierten Berganstieg aufwies, während der letzte Abschnitt in Richtung La Rábida deutlich flacher war und den Sprintern entgegenkam. Das Rennen führte durch die Provinz Huelva im Südwesten Spaniens, und 150 Fahrer starteten in Cortegana. Nach ungefähr 14 Kilometern bildete sich eine fünfköpfige Ausreißergruppe mit Kevin Vermaerke, Valentin Madouas, Simon Dalby, Jasha Sütterlin und Roland Thalmann. Nach Angaben des Veranstalters betrug ihr größter Vorsprung etwa zwei Minuten und 45 Sekunden, was nicht ausreichte, um die Pläne der Mannschaften, die mit einem Sprint rechneten, ernsthaft zu gefährden.
Visma-Lease a Bike übernahm den größten Teil der Verantwortung für die Kontrolle des Pelotons, und die Mannschaft hob nach der Etappe besonders Steven Kruijswijk und Jørgen Nordhagen für ihre Arbeit hervor, die Ausreißer in erreichbarer Distanz zu halten. Als das Ziel näher rückte, beteiligten sich auch Cofidis, das für Coquard arbeitete, sowie Red Bull-Bora-Hansgrohe, das eine Chance für Jordi Meeus schaffen wollte, an der Verfolgung. Der offizielle Bericht der Vuelta gibt an, dass die fünf Ausreißer etwa 23,5 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurden. Auf den dem Wind ausgesetzten Straßen teilte sich das Peloton anschließend vorübergehend, und zu den Fahrern, die hinter der Hauptgruppe lagen, gehörte auch Magnus Cort. Etwa 11 Kilometer vor dem Ziel schlossen sich die Gruppen wieder zusammen, sodass das Finale erneut das erwartete Sprintszenario annahm.
Auf dem letzten Kilometer übernahm Van Aert die Führungsrolle für Visma, und Brennan nutzte dessen Geschwindigkeit als idealen Auftakt für seinen eigenen finalen Angriff. Der Veranstalter gibt an, dass der Brite vor Coquard und Braet als Erster die Ziellinie überquerte, während Van Aert nach seiner Führungsarbeit Sechster wurde. Brennans offizielle Zeit betrug 3 Stunden, 56 Minuten und 33 Sekunden. Laut dem Bericht seiner Mannschaft war der Sieg das Ergebnis einer ganztägigen Kontrolle und nicht nur der letzten paar hundert Meter des Sprints. Gerade diese Kombination aus der Arbeit der Helfer und der finalen Stärke des Sprinters ermöglichte es Visma-Lease a Bike, auf dieser Etappe erneut den eigenen Rennplan durchzusetzen.
Van Aert und Brennan bescherten einer Mannschaft sechs Siege
Brennans vierter Sieg war zugleich der sechste Etappensieg von Visma-Lease a Bike bei der Vuelta 2026. Laut der offiziellen Website des Rennens und dem Bericht der Mannschaft gingen die beiden übrigen Siege an Wout van Aert, der in Loja und Córdoba triumphierte. Eine solche Bilanz zeigt, wie erfolgreich die niederländische Mannschaft auf Etappen war, die nicht ausschließlich auf den Kampf der Anwärter auf die Gesamtwertung ausgerichtet waren. Van Aert nimmt dabei eine ungewöhnlich vielseitige Rolle ein: Er gewinnt Etappen, sammelt Punkte für das Grüne Trikot und dient gleichzeitig als letzter Anfahrer für den 21-jährigen Sprinter. Laut dem offiziellen Race Center der Vuelta nach der 16. Etappe führte der Belgier die Punktewertung mit 282 Punkten an, was die Beständigkeit seiner Präsenz in den Finalphasen zusätzlich bestätigt.
Brennans Leistung ist besonders interessant, weil seine Siege nicht nur die Folge reiner individueller Schnelligkeit sind. Auf mehreren Etappen nutzte Visma Van Aerts Fähigkeit zur Positionierung, Beschleunigung und zum Lesen des Finales, um den jüngeren Teamkollegen an eine Stelle zu bringen, von der aus er seinen Sprint ohne unnötigen Energieverbrauch eröffnen konnte. Brennan sagte nach der 16. Etappe offen, seine Aufgabe habe darin bestanden, Van Aert zu vertrauen und an dessen Hinterrad zu bleiben. Diese Zusammenarbeit aus Erfahrung und Jugend hat eines der wirkungsvollsten Schlussduos des diesjährigen Rennens hervorgebracht. Gleichzeitig zeigte Visma, dass die Mannschaft ihren Hauptkandidaten auf einen Etappensieg je nach Streckenprofil wechseln kann, weshalb sich ihr Auftritt nur schwer auf einen klassischen Sprintzug reduzieren lässt.
Mas sicher in Rot, Abstände an der Spitze unverändert
Während die Sprinter um den Etappensieg kämpften, kamen die wichtigsten Anwärter auf die Gesamtwertung ohne größere Veränderungen durch den Tag. Laut dem offiziellen Race Center der Vuelta nach der 16. Etappe behielt Enric Mas mit einer Gesamtzeit von 56 Stunden, 2 Minuten und 29 Sekunden die Führung. Félix Gall vom Decathlon CMA CGM Team lag mit zwei Minuten und sechs Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz, während der viermalige Vuelta-Sieger Primož Roglič von Red Bull-Bora-Hansgrohe Dritter war, nur weitere vier Sekunden hinter Gall beziehungsweise zwei Minuten und zehn Sekunden hinter Mas. Richard Carapaz lag mit 4:24 Minuten Rückstand auf dem vierten Platz, Oscar Onley mit 5:44 Minuten auf dem fünften. Da die führenden Kandidaten in der Hauptgruppe ins Ziel kamen und in den Momenten, in denen der Wind das Peloton teilte, Probleme vermieden, blieb der Kampf um das Rote Trikot vor den entscheidenden Tagen der letzten Woche offen.
Mas' Position ist besonders wichtig, weil nach den Sprintetappen Disziplinen auf dem Programm stehen, in denen sich die Abstände schnell verändern können. Der offizielle Zeitplan der Vuelta zeigt, dass am 10. September ein 32,1 Kilometer langes Einzelzeitfahren zwischen El Puerto de Santa María und Jerez de la Frontera folgt. Danach steht am 11. September eine 210,8 Kilometer lange wellige Etappe mit Ziel am Anstieg Peñas Blancas in Estepona an, und am 12. September folgt die Bergetappe von La Calahorra nach Collado del Alguacil. Das bedeutet, dass ein Vorsprung von etwas mehr als zwei Minuten den Sieg noch nicht garantiert, besonders gegen Roglič, einen Fahrer mit großer Erfahrung im Zeitfahren und mehrfachen Vuelta-Sieger. Für Mas war die 16. Etappe deshalb ein erfolgreicher Tag vor deutlich härteren Prüfungen: Er musste keine zusätzliche Energie für Angriffe aufwenden und verlor dabei keine Zeit auf seine engsten Rivalen.
Neue Chance für die Sprinter in Sevilla
Am 9. September 2026, einen Tag nach Brennans viertem Sieg, setzt das Peloton das Rennen mit der 17. Etappe von Dos Hermanas nach Sevilla fort. Laut der offiziellen Beschreibung des Veranstalters handelt es sich um eine 185 Kilometer lange Flachetappe, was erneut eine realistische Möglichkeit für einen Schlusssprint eröffnet. Die Vuelta gibt an, dass Dos Hermanas erstmals Gastgeber des Starts einer Etappe ist, während Sevilla zwei Jahre nach dem letzten Besuch des Pelotons als Zielort des Rennens zurückkehrt. Nach seinem Erfolg in La Rábida erhält Brennan damit eine weitere Gelegenheit, seine Anzahl an Siegen zu erhöhen, bevor das Rennen in eine Phase übergeht, in der Zeitfahrer und Bergfahrer wieder die Hauptrolle übernehmen werden. Visma hatte nach der 16. Etappe bereits angekündigt, die Siegesserie fortsetzen zu wollen, und Van Aert erklärte, die Mannschaft habe ihre Arbeit noch nicht beendet.
Für Brennan ist die Fortsetzung der Vuelta auch über die Statistik dieses Rennens hinaus wichtig. Im offiziellen Gespräch nach seinem Sieg erwähnte er die Tour de France 2027 und den Wunsch, beim Start im Vereinigten Königreich gemeinsam mit Fahrern wie Van Aert und Laporte dabei zu sein. Die Organisatoren der Tour de France haben bestätigt, dass die Ausgabe 2027 am 2. Juli mit einer Etappe von Edinburgh nach Carlisle beginnen wird, einer Strecke, die laut offizieller Beschreibung den Sprintern entgegenkommen und einen Kampf um das erste Gelbe Trikot bringen könnte. Brennan nannte genau dieses Szenario als mögliches nächstes großes Ziel, verbunden mit der Idee, die erfolgreiche Zusammenarbeit von der Vuelta auf die Tour zu übertragen. Sein derzeitiger Auftritt zeigt, warum ein solcher Plan nicht länger nur als langfristige Ambition eines jungen Fahrers betrachtet werden kann, sondern als realistische sportliche Möglichkeit, wenn er sich weiterentwickelt und sich einen Platz in der Mannschaft sichert.
Brennan ging somit mit vier Etappensiegen in die Schlusswoche seiner ersten Vuelta, eine Serie, die ihn neben jene seltenen Debütanten stellte, die sofort einen starken Eindruck bei einer Grand Tour hinterlassen konnten. Gleichzeitig bleibt das Rennen um den Gesamtsieg davon getrennt und offen: Mas trägt Rot, Gall und Roglič liegen innerhalb von etwas mehr als zwei Minuten, und es folgen ein Zeitfahren sowie zwei anspruchsvolle Etappen mit großem Potenzial für Veränderungen. Die sechzehnte Etappe war daher zugleich eine Bestätigung von Brennans Sprintdominanz und eine kurze Ruhephase im Kampf um die Gesamtwertung. Während der 21-jährige Brite zum vierten Mal feierte, schonten die führenden Favoriten ihre Kräfte für die Tage, die vor dem Ende des Rennens am 13. September in Granada den Sieger der Vuelta 2026 bestimmen sollen.
Quellen:
- La Vuelta - offizieller Bericht zur 16. Etappe, Ergebnis des Sprints, Rennverlauf, historische Angabe zu vier Siegen eines Debütanten und Informationen über die Arbeit der Ausreißer (Link)
- La Vuelta - offizielle Aussagen von Matthew Brennan nach seinem vierten Etappensieg und Kommentar zur Tour de France 2027 (Link)
- Team Visma | Lease a Bike - Mannschaftsbericht zur 16. Etappe, Brennans Zeit, Rolle von Van Aert, Kruijswijk und Nordhagen sowie Angaben zu den sechs Etappensiegen der Mannschaft (Link)
- La Vuelta Race Center - Stand der Gesamtwertung und der Punktewertung nach der 16. Etappe (Link)
- La Vuelta - offizieller Zeitplan und Profile der Schlussetappen der Vuelta 2026, einschließlich der 17. Etappe und des Zeitfahrens am 10. September (Link)
- Tour de France - offizielle Angaben zum Grand Départ 2027 im Vereinigten Königreich und zur ersten Etappe Edinburgh-Carlisle (Link)