Bundesliga wechselt ihren US-TV-Partner: USA Network und Fandango übernehmen die Übertragungen bis 2031
Die deutsche Bundesliga erhält ab der Saison 2026/27 einen neuen Medienpartner in den Vereinigten Staaten. USA Sports, die Sportsparte des Medienunternehmens Versant, wird zur exklusiven englischsprachigen Heimat der höchsten deutschen Fußballklasse auf dem US-Markt. Die Spiele werden auf dem Kabelsender USA Network und über den Streamingdienst Fandango gezeigt. Die Partnerschaft beginnt im August 2026 und läuft bis zum Ende der Saison 2030/31, umfasst also fünf Spielzeiten. Nach der offiziellen Mitteilung von USA Sports und der Bundesliga werden den Zuschauern in den USA pro Saison mehr als 300 Übertragungen zur Verfügung stehen, einschließlich sämtlicher Spiele des Ligawettbewerbs. Die finanziellen Bedingungen wurden in der offiziellen Mitteilung nicht veröffentlicht. The Athletic berichtete jedoch unter Berufung auf mit der Vereinbarung vertraute Quellen, das Paket habe einen Wert von rund 100 Millionen US-Dollar, also ungefähr 20 Millionen Dollar pro Saison.
Der Wechsel markiert das Ende eines sechsjährigen Zeitraums, in dem ESPN die US-Rechte an der Bundesliga hielt. Die Vereinbarung mit ESPN begann in der Saison 2020/21 und ermöglichte es, das gesamte Ligaprogramm vor allem über die Plattform ESPN+ zu verfolgen. Das neue Modell sorgt für eine größere Präsenz im traditionellen Fernsehen, verändert zugleich aber auch die Art und Weise, wie das Publikum Zugang zu einzelnen Spielen erhält. Mindestens 30 Begegnungen pro Saison sollen auf USA Network gezeigt werden, während die übrigen Spiele laut offizieller Mitteilung kostenlos auf Fandango gestreamt werden. Damit erhält die Bundesliga eine Kombination aus einem landesweiten Kabelsender und einer digitalen Plattform ohne Abonnementpflicht. Die Fans werden jedoch nicht mehr zwangsläufig die gesamte Saison gebündelt an einem einzigen Ort finden.
Die erste Übertragung ist der Supercup zwischen Bayern und Borussia Dortmund
Der neue Übertragungszyklus soll am 22. August 2026 mit dem Franz-Beckenbauer-Supercup zwischen Bayern München und Borussia Dortmund beginnen. Die Begegnung wird auf USA Network ausgestrahlt und dient als Auftakt zur neuen Bundesligasaison. Nach dem offiziellen Spielplan der Deutschen Fußball Liga beginnt die Meisterschaft 2026/27 am 28. August mit der Partie zwischen Bayern und dem VfB Stuttgart. Der vollständige Spielplan wird im Laufe der Saison entsprechend den Verpflichtungen der Vereine in den europäischen Wettbewerben und im deutschen Pokal genauer ausgestaltet. Die Bundesliga umfasst 18 Vereine und bringt üblicherweise 306 Spiele in 34 Spieltagen hervor. Die Formulierung von mehr als 300 Übertragungen bedeutet daher praktisch, dass das gesamte Meisterschaftsprogramm abgedeckt ist. In der offiziellen Mitteilung werden Bayern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Schalke 04, RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und der Hamburger SV als Vereine genannt, die auf USA Network besonders stark vertreten sein sollen.
Die Wahl des Eröffnungsspiels folgt einer klaren Werbelogik. Bayern und Borussia Dortmund sind die international bekanntesten deutschen Vereine, und ihr direktes Duell wird auf dem weltweiten Markt seit Jahren als eines der zentralen Ereignisse der deutschen Fußballsaison vermarktet. USA Sports erhält damit sofort einen Inhalt, der nicht nur die bestehende Fangemeinde der Bundesliga, sondern auch Gelegenheitszuschauer ansprechen kann. In der Mitteilung wurde Harry Kane, einer der größten Stars der Liga, besonders hervorgehoben, während Borussia Dortmund weiterhin über ein sehr stark entwickeltes internationales Publikum verfügt. Für die Liga ist außerdem wichtig, dass die Zusammenarbeit unmittelbar nach der Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika beginnt, wenn das Interesse des US-Publikums am Fußball erwartungsgemäß besonders hoch sein wird.
Mindestens 30 Spiele im Fernsehen, die übrigen kostenlos auf Fandango
Die wichtigste praktische Änderung betrifft die Aufteilung der Übertragungen auf zwei Plattformen. USA Network ist in den Paketen amerikanischer Kabel-, Satelliten- und Internetfernsehanbieter verfügbar. Für den Zugang zu diesen Spielen benötigen die Zuschauer daher ein entsprechendes Fernsehabonnement. Fandango wird laut offizieller Ankündigung alle übrigen Bundesligaspiele kostenlos und werbefinanziert anbieten. Die Plattform ist einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch den Verkauf von Kinokarten, Filminformationen und Video-on-Demand-Angebote bekannt. Der Einstieg in ein umfangreiches Sportprogramm stellt daher eine bedeutende Erweiterung ihres traditionellen Geschäftsfelds dar. Versant gibt an, dass Fandango mit seinen Angeboten rund um Kino, Filme, Fernsehen und digitale Inhalte monatlich mehr als 50 Millionen einzelne Besucher erreicht.
Diese Aufteilung könnte der Bundesliga zu größerer Sichtbarkeit bei Zuschauern verhelfen, die bislang nicht aktiv auf einer spezialisierten Sportplattform nach der Liga gesucht haben. Die Spiele auf USA Network werden in den breiteren Sportplan des Senders eingebunden, der bereits die Premier League, NASCAR, die WNBA, Hochschulsport, Golf und weitere Veranstaltungen überträgt. Gleichzeitig könnten die kostenlosen Übertragungen auf Fandango die finanzielle Hürde für Zuschauer senken, die kein zusätzliches Sport-Streamingabonnement besitzen. Dennoch wird der Spielplan mehr Aufmerksamkeit erfordern, da das Publikum vor jedem Spieltag prüfen muss, ob eine bestimmte Partie auf dem Fernsehsender oder auf der digitalen Plattform gezeigt wird. Die offizielle Mitteilung erklärt nicht, dass dieselbe Begegnung gleichzeitig auf beiden Diensten verfügbar sein wird. Berichte amerikanischer Medien deuten vielmehr darauf hin, dass die Spiele zwischen den beiden Angeboten aufgeteilt werden.
Warum ein Teil der Fans das neue Modell kritisiert
Die ersten Reaktionen einiger Fans und spezialisierter amerikanischer Fußballmedien zeigen, dass die Aufsplitterung des Zugangs die Hauptquelle der Unzufriedenheit ist. Im bisherigen Modell ermöglichte ESPN+, sämtliche Bundesligaspiele innerhalb einer einzigen Sportanwendung zu finden, einschließlich Wiederholungen und zusätzlicher Inhalte. Im neuen System wird ein Teil der attraktivsten Begegnungen auf USA Network gezeigt, das nicht kostenlos ist und üblicherweise Bestandteil eines größeren Fernsehpakets ist, während der Rest auf Fandango verfügbar sein wird. Für Zuschauer, die USA Network bereits empfangen, könnte die Umstellung unkompliziert sein. Personen, die ausschließlich auf Streaming setzen, könnten jedoch mit zusätzlichen Kosten oder der Nichtverfügbarkeit einzelner Spiele konfrontiert werden. Kritik gibt es auch daran, dass Fandango bislang nicht als Anlaufstelle für Live-Sport bekannt war. Daher werden die Qualität der Anwendung, die Übersichtlichkeit des Spielplans, die Verfügbarkeit von Wiederholungen und die technische Stabilität bereits vom ersten Spieltag an genau beobachtet werden.
Andererseits lässt sich die Behauptung, das gesamte Paket werde für jeden Zuschauer teurer, nicht im Voraus belegen. Der Großteil der Spiele soll kostenlos auf Fandango verfügbar sein. Das könnte Zuschauern entgegenkommen, die bestimmte Vereine oder Begegnungen verfolgen, aber kein ESPN+ besitzen. Die Kosten werden vor allem davon abhängen, wie viele Spiele des jeweiligen Vereins auf USA Network landen und ob der Zuschauer den Sender bereits in seinem bestehenden Paket hat. Ein genauer Fernsehspielplan für die gesamte Saison wurde noch nicht veröffentlicht. Daher lässt sich kein einheitlicher Zugangspreis für alle Fans berechnen. Ebenfalls wurde offiziell noch nicht erläutert, ob Fandango vollständige Spielwiederholungen, Zusammenfassungen, mehrere Sprachoptionen oder zusätzliche Studiosendungen anbieten wird.
Geringere gemeldete Vergütung, aber stärkerer Schwerpunkt auf Reichweite
Die finanzielle Seite des Geschäfts wirft weitere Fragen für die Bundesliga auf. Nach einem Bericht von The Athletic, der von amerikanischen Medien aufgegriffen wurde, ist der neue Vertrag rund 20 Millionen Dollar pro Saison wert. Das vorherige ESPN-Paket soll dagegen ungefähr 30 Millionen Dollar jährlich eingebracht haben. Sollten diese Schätzungen zutreffen, hätte die Liga eine niedrigere direkte Vergütung im Austausch für eine andere Verbreitung und eine potenziell größere Reichweite akzeptiert. Da weder die DFL noch Versant in der offiziellen Mitteilung finanzielle Einzelheiten genannt haben, sind diese Beträge als Medienschätzungen und nicht als offiziell bestätigte Zahlen zu betrachten. Für die Bewertung des Gesamtwerts der Vereinbarung sind außerdem Marketinginvestitionen, Produktionsverpflichtungen, die Art des Werbeverkaufs und die Möglichkeit zur Entwicklung zusätzlicher Inhalte wichtig. Diese Elemente wurden bislang nicht öffentlich erläutert.
Robin Austermann, Executive Vice President von Bundesliga Americas, erklärte in der offiziellen Mitteilung, dass die Zahl der Bundesligafans in den USA in den vergangenen fünf Jahren um 43 Prozent gestiegen sei. Seinen Worten zufolge stellt die Partnerschaft mit USA Sports die nächste Phase einer Strategie dar, die auf eine bessere Verbreitung und darauf ausgerichtet ist, die Liga einer größeren Zahl von Zuschauern näherzubringen. Matt Hong, Präsident von USA Sports, hob hervor, dass die Bundesliga bekannte Vereine und Spieler mitbringe und über eine etablierte Verbindung zum amerikanischen Fußballpublikum verfüge. Diese Aussagen zeigen, dass beide Seiten die Vereinbarung vor allem als Investition in den Ausbau ihrer Präsenz darstellen und nicht nur als Verkauf der Rechte an den Höchstbietenden. Für die DFL werden daher die Zuschauerzahlen auf USA Network, die Zahl der Fandango-Streamingnutzer, das Wachstum kommerzieller Partnerschaften und ein stärkeres Interesse an Vereinen außerhalb der wenigen größten Namen entscheidende Erfolgsindikatoren sein.
US-Spieler bleiben ein wichtiger Bestandteil der Marketingstrategie
Die Bundesliga baut seit Jahrzehnten über Spieler, die ihre Entwicklung oder einen wichtigen Teil ihrer Karriere in Deutschland absolviert haben, eine Verbindung zum amerikanischen Fußball auf. In der offiziellen Mitteilung heißt es, dass 81 Fußballer aus den USA in der Bundesliga gespielt haben, mehr als in jeder anderen führenden europäischen Liga. Zu den bekannteren Beispielen aus verschiedenen Epochen zählen Thomas Dooley, Steve Cherundolo und Christian Pulisic, während im aktuellen Werbekontext Malik Tillman hervorgehoben wird. Deutsche Vereine organisieren regelmäßig Tourneen, Vorbereitungsspiele und Marketingaktivitäten in den Vereinigten Staaten. Der US-Markt gilt als eines der wichtigsten Gebiete für internationales Wachstum. Der neue Fernsehvertrag soll dieser Strategie bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts eine stabile Verbreitungsgrundlage geben.
Die Verbindung zu amerikanischen Spielern ist wichtig, weil die Bundesliga auf dem US-Markt nicht nur mit anderen europäischen Ligen konkurriert, sondern auch mit der heimischen MLS, der Champions League und zahlreichen Sportarten mit langer Fernsehtradition. Die Premier League verfügt bereits über eine starke Stellung auf Sendern, die mit derselben Mediengruppe verbunden sind. Auch die spanische, italienische und französische Liga kämpfen um Abonnenten und Sendeplätze. Die Bundesliga positioniert sich daher häufig als Wettbewerb mit hohem Tempo, offensivem Fußball, vollen Stadien und einer starken Förderung junger Spieler. USA Sports erklärt in seiner Ankündigung, dass in der Saison 2026/27 unter Einbeziehung von Bundesliga und Premier League mehr als 1.000 Stunden Live-Fußball gezeigt werden sollen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, verschiedene europäische Wettbewerbe gemeinsam zu bewerben. Es besteht jedoch auch das Risiko, dass die deutsche Liga im Programm hinter der kommerziell stärkeren englischen Konkurrenz zurückbleibt.
Was der neue Vertrag bislang nicht klärt
Obwohl die grundlegende Verteilungsstruktur veröffentlicht wurde, sind zahlreiche Einzelheiten noch unbekannt. Es wurde nicht angegeben, wie viele Spiele über das garantierte Minimum von 30 hinaus auf USA Network gezeigt werden oder nach welchen Kriterien die Fernsehsendeplätze ausgewählt werden. Offiziell bestätigt wurde auch nicht, wie das Studioprogramm aussehen wird, wer kommentieren wird, ob das internationale Signal der Bundesliga oder eine spezielle US-Produktion genutzt wird und wie viele Inhalte auf Abruf verfügbar sein werden. Die veröffentlichte Vereinbarung betrifft exklusive englischsprachige Rechte in den USA. Daraus geht der Status spanischsprachiger Übertragungen nicht hervor. Außerdem wird ausdrücklich von der Bundesliga gesprochen, während die künftige US-Verbreitung der 2. Bundesliga nicht im Detail erläutert wurde.
Diese Fragen sind besonders für die treuesten Zuschauer wichtig, die nicht nur die größten Vereine und Spitzenspiele verfolgen. Sollte Fandango einen übersichtlichen Sportbereich, zuverlässige Übertragungen, eine einfache Suche und verfügbare Wiederholungen entwickeln, könnte das kostenlose Modell das Publikum deutlich vergrößern. Sollte der Spielplan jedoch schwer zu verfolgen sein oder sollten Fernsehspiele für Nutzer ohne Kabelpaket häufig nicht verfügbar sein, könnte die Kritik an der Fragmentierung zunehmen. Der Erfolg wird nicht nur von der Zahl der angebotenen Spiele abhängen, sondern auch davon, wie einfach sie auf verschiedenen Geräten gefunden und angesehen werden können. Die erste ernsthafte Bewährungsprobe für das neue System folgt bereits am 22. August, wenn Bayern und Borussia Dortmund die fünfjährige Zusammenarbeit zwischen USA Sports und der Bundesliga eröffnen.
Versants breiterer Kurswechsel hin zum Live-Sport
Für Versant ist die Bundesliga Teil einer umfassenderen Strategie zur Stärkung des Sportprogramms. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr langfristige Vereinbarungen für die WNBA, die Hochschulwettbewerbe der Pac-12, Turniere des amerikanischen Golfverbands, die PGA of America und die DP World Tour abgeschlossen oder erweitert und verfügt bereits über eine Reihe etablierter Sportrechte. USA Sports bündelt Übertragungen auf USA Network, Golf Channel, CNBC und Fandango, wodurch Fernseh- und Digitalverbreitung immer stärker miteinander verknüpft werden. Reuters bewertete die Vereinbarung mit der Bundesliga als Ausdruck eines breiteren Brancheninteresses an Live-Inhalten, die für Medienunternehmen in einer Phase des Rückgangs des traditionellen Kabelfernsehens und der wachsenden Konkurrenz durch Streamingdienste weiterhin wichtig sind. Sportübertragungen versammeln die Zuschauer zu einem genau festgelegten Zeitpunkt und sind dadurch für Werbekunden und Distributoren besonders wertvoll.
In einem solchen Portfolio erhält die Bundesliga Zugang zu einer Infrastruktur, die Spiele über unterschiedliche Kanäle bewerben kann, von Fernsehankündigungen bis hin zu digitalen Film- und Unterhaltungsplattformen. Gleichzeitig übernimmt die Liga das Risiko einer Zusammenarbeit mit einem Dienst, der erst noch beweisen muss, dass er Hunderte Live-Sportübertragungen auf eine Weise organisieren kann, die ein anspruchsvolles Publikum zufriedenstellt. Die fünfjährige Vertragsdauer gibt beiden Seiten genügend Zeit für die Weiterentwicklung des Produkts, bindet die Bundesliga jedoch zugleich bis zum Sommer 2031 an das gewählte Modell. Für die Fans wird das praktische Ergebnis entscheidend sein: wie viele Spiele tatsächlich leicht verfügbar sein werden, wie hoch die Übertragungsqualität sein wird und ob kostenloses Streaming den Verlust einer einheitlichen Sportplattform ausgleichen kann. Antworten auf diese Fragen werden erst klarer, wenn die neue Saison begonnen hat und die detaillierten Spielpläne für USA Network und Fandango veröffentlicht worden sind.
Quellen:
- USA Sports / Versant - offizielle Bekanntgabe des Vertrags, Aufteilung der Übertragungen, Dauer der Partnerschaft und Aussagen der Vertreter (Link)
- TMCnet / Business Wire - vollständiger Text der offiziellen Mitteilung mit Angaben zu mindestens 30 Spielen auf USA Network, kostenlosen Übertragungen auf Fandango und der Reichweite der Plattform (Link)
- Reuters - Kontext zu Versants Strategie für Investitionen in Live-Sportübertragungen (Link)
- Bundesliga - offizieller Kalender und Beginn der Saison 2026/27 (Link)
- Bavarian Football Works - Überblick über Medienberichte zum geschätzten Vertragswert und Vergleich mit dem vorherigen ESPN-Paket (Link)
- Euronews / Reuters - Bestätigung der Laufzeit des vorherigen ESPN-Vertrags von 2020 bis 2026 (Link)