IBA will Jon Jones in den Boxring nach Russland bringen
Die International Boxing Association, bekannt unter der Abkürzung IBA, hat bekannt gegeben, dass sie bereit ist, in Russland einen professionellen Boxkampf für Jon Jones, den ehemaligen UFC-Champion im Halbschwergewicht und Schwergewicht, zu organisieren. Laut der Mitteilung der IBA vom 19. Mai 2026 verfolgt die Organisation Jones' jüngste Aussagen über einen möglichen Wechsel zum Boxen und ist der Ansicht, dass sein Auftritt nach Boxregeln große internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht einer der bekanntesten Kämpfer in der Geschichte der gemischten Kampfkünste, aber auch eine Organisation, die in den vergangenen Jahren versucht hat, ihre Rolle über das klassische Amateurboxen hinaus auszuweiten. Die IBA erklärt, dass Jones' mögliches Boxdebüt in Russland stattfinden könnte, falls der Amerikaner bestätigt, dass er einen Auftritt im Ring ernsthaft in Betracht zieht. Derzeit gibt es jedoch weder einen offiziell bestätigten Gegner noch ein Datum oder einen Vertrag für einen solchen Kampf.
IBA-Präsident Umar Kremlev erklärte laut der Mitteilung der Organisation, dass mögliche Duelle zwischen Jones und Daniel Cormier oder Francis Ngannou, allerdings nach Boxregeln, Kämpfe seien, über die im Kampfsport viel gesprochen werde. Die IBA kündigte dabei an, dass diese Möglichkeit persönlich mit Jones besprochen werde, wenn er am 27. Juni zum IBA-Bare-Knuckle-Turnier nach Russland kommt.
Jones als globaler Botschafter des IBA-Bare-Knuckle-Projekts
Jones' Verbindung zur IBA begann nicht mit dieser Ankündigung. Die Organisation gab im März 2026 bekannt, dass Jon Jones globaler Botschafter des IBA-Bare-Knuckle-Projekts geworden ist, also ihrer Plattform für Kämpfe mit bloßen Fäusten. Laut der damaligen Mitteilung der IBA sollte Jones bei der Veranstaltung IBA Bare Knuckle #4 am 28. März in Sankt Petersburg als Gast-Co-Moderator und einer der wichtigsten Werbenamen des Abends auftreten.
Jones erklärte in dieser Mitteilung, es sei ihm eine Ehre, der Liga als globaler Botschafter beizutreten, und er wolle mit der IBA am Aufbau, wie es in der Pressemitteilung formuliert wurde, einer neuen globalen Ära der Kämpfe mit bloßen Fäusten mitwirken. Die IBA stellte die Zusammenarbeit als wichtigen Schritt in der Entwicklung ihres Projekts dar, aber auch als Signal, dass sie bekannte Namen aus dem MMA und anderen Kampfsportdisziplinen gewinnen möchte.
Wichtig ist, zwei Ebenen dieser Zusammenarbeit zu unterscheiden. Jones' Botschafterrolle im IBA-Bare-Knuckle-Projekt bedeutet nicht automatisch, dass er in Kämpfen mit bloßen Fäusten antreten wird, noch dass sein professionelles Boxdebüt vereinbart ist. Derzeit handelt es sich um ein Werbeengagement und um das Interesse der IBA, seinen Auftritt im Profiboxen zu organisieren, falls dafür die sportlichen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllt werden.
Was die IBA konkret angekündigt hat
Laut der Mitteilung der IBA hat die Organisation ein "starkes Interesse" und ihre Bereitschaft zur Ausrichtung eines professionellen Boxkampfs für Jones bekundet. Die IBA betonte dabei, dass die Ankündigung an Jones' Kommentare über einen möglichen Wechsel zum Boxen anknüpfe, einschließlich der Erwähnung eines Kampfes gegen Francis Ngannou, den ehemaligen UFC-Champion, der bereits im Profiboxen gegen große Namen des Schwergewichts angetreten ist.
Kremlev erklärte in der Mitteilung, dass die IBA zunächst verstehen wolle, wie ernst Jones' Pläne seien. Seinen Worten zufolge sollte ein Gespräch mit Jones während seiner Ankunft in Russland am 27. Juni beim IBA-Bare-Knuckle-Turnier stattfinden. Wenn das Interesse tatsächlich besteht, behauptet die IBA, dass sie in Russland ein großes Ereignis mit Jones als einem der Hauptakteure organisieren werde.
In der Ankündigung wird der Austragungsort des möglichen Boxkampfs nicht genannt, es wird kein finanzielles Angebot erwähnt und es werden keine Verhandlungen mit einem anderen Kämpfer bestätigt. Deshalb sollte die Ankündigung in dieser Phase als öffentlich bekundetes Interesse des Veranstalters betrachtet werden und nicht als bestätigter Kampf. Im Profiboxen und im Kampfsport dienen solche Ankündigungen häufig auch dazu, den Markt, die Reaktion des Publikums und die Bereitschaft potenzieller Partner zu testen.
Warum Francis Ngannou und Daniel Cormier erwähnt werden
Der klangvollste Name in dieser Geschichte ist neben Jones sicherlich Francis Ngannou. Er wurde jahrelang mit einem möglichen MMA-Duell gegen Jones in Verbindung gebracht, doch dieses Aufeinandertreffen kam in der UFC nicht zustande. Nach seinem Abschied von der UFC schlug Ngannou ein neues Kapitel seiner Karriere auf, einschließlich Auftritten im Profiboxen. Genau deshalb hat sein Name im Zusammenhang mit einem möglichen Boxdebüt von Jones besonderes Gewicht.
Daniel Cormier ist die zweite wichtige Referenz, weil es sich um einen der größten sportlichen Rivalen von Jones handelt. Ihre Rivalität prägte die UFC-Halbschwergewichtsklasse, und ihre Kämpfe haben für das MMA-Publikum weiterhin einen starken symbolischen Wert. Die Idee, dass eine solche Rivalität in den Boxring übertragen werden könnte, ist aus Marketingperspektive attraktiv, auch wenn es bislang keine Bestätigung gibt, dass Cormier an einem solchen Auftritt interessiert wäre.
Die IBA erwähnte beide Namen im Kontext von Kämpfen, "über die gesprochen wird", was nicht als Bestätigung von Verhandlungen verstanden werden sollte. Für die Vereinbarung eines solchen Kampfes müssten sportliche, vertragliche, gesundheitliche, regulatorische und finanzielle Bedingungen geklärt werden. Besonders wichtig wären Fragen des Startrechts, da die Verträge von Spitzenkämpfern häufig ein Hindernis für Auftritte bei Veranstaltungen außerhalb ihrer Stammorganisationen darstellen.
Jones' Karriere und Status in der UFC
Jon Jones ist einer der erfolgreichsten Kämpfer in der Geschichte der UFC. Laut seinem offiziellen UFC-Profil und den Statistiken trat er als Halbschwergewichtler und Schwergewichtler an, und seine Karriere war geprägt von Siegen gegen eine Reihe ehemaliger Champions und führender Kämpfer. Im professionellen MMA wird er mit einer Bilanz von 28 Siegen, einer Niederlage und einem No Contest geführt, wobei seine einzige Niederlage auf eine Disqualifikation im Kampf gegen Matt Hamill zurückgeht.
Die UFC führt in ihren offiziellen Unterlagen Jones' wichtigste Kämpfe im Halbschwergewicht auf, darunter Titelverteidigungen und Siege gegen Daniel Cormier, Glover Teixeira, Lyoto Machida und andere große Namen. Jones kehrte 2023 nach einer mehrjährigen Pause zurück und gewann den Titel im Schwergewicht durch einen Sieg gegen Ciryl Gane, womit er seinen Status als einer der erfolgreichsten Kämpfer in der Geschichte der Organisation festigte.
Laut Berichten spezialisierter Kampfsportmedien sprach Jones nach den jüngsten Veränderungen in seiner Karriere öffentlich über die Möglichkeit, aus seinem UFC-Vertrag auszusteigen, und über sein Interesse an einem Kampf gegen Ngannou. Solche Aussagen haben die Spekulationen über das Boxen zusätzlich angeheizt, doch der vertragliche Status bleibt eine der wichtigsten offenen Fragen. Ohne eine klare Klärung des Verhältnisses zur UFC ist es schwierig, von einem realistischen Termin für irgendeinen Auftritt unter einem anderen Promoter zu sprechen.
Boxen als neue Richtung für MMA-Stars
Ein möglicher Wechsel von Jones zum Boxen fügt sich in einen breiteren Trend ein, in dem bekannte MMA-Kämpfer große Kämpfe außerhalb ihrer ursprünglichen Disziplinen suchen. Boxen, besonders im Schwergewicht, ermöglicht ein anderes kommerzielles Modell, größere internationale Sichtbarkeit und ein klareres Format für einmalige Spektakel. Andererseits garantiert der Wechsel vom MMA zum Boxen keinen sportlichen Erfolg, da er eine Anpassung an eine völlig andere Kampfdynamik, Verteidigung, Beinarbeit und längere Runden ohne Ringen, Clinch im MMA-Sinn und Bodenkampf erfordert.
Ngannou hat gezeigt, dass ein MMA-Kämpfer enormes Interesse des Boxpublikums wecken kann, aber auch, dass die Boxelite ein außerordentlich anspruchsvolles Wettbewerbsniveau darstellt. Jones würde in einem solchen Umfeld einen großen Namen und einen außergewöhnlichen kämpferischen Stammbaum mitbringen, müsste sich aber Fragen zu Boxtechnik, Vorbereitung und Gegnerwahl stellen. Deshalb wäre die Wahl des ersten Gegners entscheidend für die Glaubwürdigkeit des gesamten Projekts.
Für die IBA hätte ein möglicher Auftritt von Jones auch eine breitere werbliche Bedeutung. Die Organisation positioniert sich in den vergangenen Jahren immer stärker durch professionelle und alternative Kampfsportformate, darunter IBA Pro und IBA Bare Knuckle. Die Verpflichtung eines Namens wie Jones könnte die Sichtbarkeit dieser Projekte erhöhen, besonders auf Märkten außerhalb der traditionellen Boxzentren.
Der politische und institutionelle Kontext der IBA
Die Geschichte über einen möglichen Auftritt von Jones in Russland lässt sich nicht vollständig von der institutionellen Stellung der IBA trennen. Das Internationale Olympische Komitee entzog der IBA 2023 die Anerkennung als internationale Föderation für olympisches Boxen und berief sich dabei auf Fragen der Führung, Finanzen und Integrität. Das bedeutet, dass die IBA nicht mehr das vom Olympischen Komitee anerkannte Leitungsgremium für Boxen innerhalb der olympischen Bewegung ist.
Im Februar 2025 erkannte das Internationale Olympische Komitee World Boxing vorläufig als internationale Föderation für Boxen in der olympischen Bewegung an. Laut Mitteilungen des IOC und von World Boxing war diese Entscheidung ein entscheidender Schritt zur Erhaltung des Boxens im Programm der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Dieser Kontext ist wichtig, weil er zeigt, dass die IBA, obwohl sie weiterhin aktiv Wettbewerbe organisiert, außerhalb des olympischen Systems steht, das jahrzehntelang der wichtigste Rahmen des internationalen Amateurboxens war.
Deshalb kann die Ankündigung über Jones auch als Teil der Strategie der IBA gelesen werden, durch professionelle Veranstaltungen und bekannte Namen eine eigenständige sportliche und kommerzielle Sichtbarkeit aufzubauen. Anstatt sich auf den olympischen Rahmen zu stützen, versucht die Organisation, Ereignisse zu schaffen, die als globale Kampfsportspektakel vermarktet werden können. In diesem Sinne ist Jones ein idealer Werbename: bekannt genug über den engen Kreis des MMA-Publikums hinaus und zugleich verbunden mit Geschichten über eine neue Herausforderung, ein mögliches Boxdebüt und große Rivalitäten.
Was vor einem möglichen Kampf noch geschehen muss
Der erste Schritt wird Jones' Ankunft in Russland zum IBA-Bare-Knuckle-Turnier am 27. Juni 2026 sein, sofern sich dieser Plan gemäß der IBA-Ankündigung verwirklicht. Erst nach Gesprächen mit der Führung der Organisation könnte klarer werden, ob eine tatsächliche Absicht besteht, in Verhandlungen über einen professionellen Boxkampf einzutreten. Bis dahin kann nicht von einem bestätigten Kampf gesprochen werden, sondern nur von Interesse und der öffentlich bekundeten Bereitschaft des Veranstalters.
Die zweite wichtige Bedingung betrifft Jones' vertraglichen Status. Falls er weiterhin durch Verpflichtungen gegenüber der UFC oder anderen Partnern gebunden ist, könnte ein Auftritt in einem Boxkampf außerhalb dieser Organisation eine Genehmigung, eine Vertragsauflösung oder eine besondere Vereinbarung erfordern. Im Kampfsport sind gerade solche vertraglichen Hindernisse häufig der entscheidende Faktor, unabhängig vom Wunsch des Kämpfers oder vom Interesse des Publikums.
Das dritte Element ist die sportliche Regulierung. Ein professioneller Boxkampf müsste Regeln, eine Kommission oder eine zuständige Aufsichtsbehörde, medizinische Untersuchungen, eine vereinbarte Gewichtsklasse, die Anzahl der Runden und die Lizenzierung der Kämpfer haben. Falls die Veranstaltung in Russland stattfinden würde, kämen zusätzlich Fragen der internationalen Übertragungsverbreitung, Sanktionen, Reisen, Sponsoren und der Verfügbarkeit der Übertragung auf verschiedenen Märkten hinzu.
Großes Interesse, aber noch kein bestätigter Kampf
Die Ankündigung der IBA ist bislang eher ein Signal der Ambition als eine fertige sportliche Vereinbarung. Die Organisation möchte Jones' Interesse am Boxen und seine Rolle als globaler Botschafter des IBA-Bare-Knuckle-Projekts nutzen, um Raum für ein großes Ereignis in Russland zu schaffen. Die Namen Francis Ngannou und Daniel Cormier erhöhen die Aufmerksamkeit zusätzlich, bleiben aber ohne bestätigte Verhandlungen Teil eines breiteren Werberahmens.
Für Jones wäre ein Auftritt im Profiboxen einer der wichtigsten Wendepunkte seiner Karriere nach jahrelanger Dominanz im MMA. Für die IBA wäre es der Versuch, in einer Zeit, in der die Organisation neue Einflussmodelle außerhalb des olympischen Systems sucht, ein weltweit erkennbares Ereignis zu schaffen. Für das Kampfsportpublikum bleibt die wichtigste Frage einfach: Wird sich die Ankündigung in einen vertraglich vereinbarten Kampf verwandeln oder eine weitere große, aber nicht verwirklichte Kampfsportidee bleiben?
Quellen:
- International Boxing Association – Mitteilung über die Bereitschaft der IBA, einen professionellen Boxkampf von Jon Jones in Russland zu organisieren (link)
- International Boxing Association – Ankündigung der Zusammenarbeit zwischen Jon Jones und dem IBA-Bare-Knuckle-Projekt (link)
- BoxingScene – Bericht über die IBA-Ankündigung und mögliche Gespräche über Jones' Boxdebüt (link)
- UFC – offizielles Profil und Statistik von Jon Jones (link)
- UFC Stats – offizielle Statistikseite von Jon Jones (link)
- Internationales Olympisches Komitee – Entscheidung über den Entzug der Anerkennung der IBA im Jahr 2023 (link)
- World Boxing – Mitteilung über die vorläufige Anerkennung von World Boxing und den olympischen Rahmen für LA28 (link)