Tom Pidcock feierte mit seinem Sieg in Larciano die Rückkehr zum Straßenradsport
Tom Pidcock kehrte auf eine Weise zu den Straßenrennen zurück, die erneut unterstrich, wie erfolgreich er zwischen verschiedenen Radsportdisziplinen wechselt. Der Brite vom Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team gewann am 6. September die 48. Ausgabe des Gran Premio Industria & Artigianato di Larciano, eines Eintagesrennens in der Toskana, nur sieben Tage nachdem er in Val di Sole den Weltmeistertitel im olympischen Cross-Country-Mountainbike gewonnen hatte. Laut dem offiziellen Bericht seines Teams setzte er die entscheidende Attacke am letzten Anstieg zum Mungherino, innerhalb der letzten 13 Kilometer des rund 196,5 Kilometer langen Rennens. Nachdem er sich von seinen Rivalen abgesetzt hatte, behauptete er seinen Vorsprung über den Gipfel des Anstiegs und auf der Abfahrt in Richtung Larciano und erreichte allein das Ziel auf der Piazza Vittorio Veneto. Mit dem Sieg bestätigte er, dass der Wechsel vom Mountainbike zum Straßenrad diesmal keine lange Anpassungsphase erforderte.
Pidcock beendete das Rennen in einer Zeit von 4 Stunden, 33 Minuten und 8 Sekunden. Der Italiener Christian Scaroni vom XDS Astana Team belegte mit 12 Sekunden Rückstand den zweiten Platz, während der Däne Anthon Charmig von Uno-X Mobility mit demselben Zeitabstand Dritter in der Verfolgergruppe wurde. Laut den offiziellen Ergebnissen und Rennberichten kamen auch Roger Adrià, Alessandro Fancellu, Antonio Tiberi und Thomas Gachignard in derselben Gruppe ins Ziel, während Mathys Rondel auf dem achten Platz 18 Sekunden zurücklag. Ben O'Connor wurde Neunter und Romain Grégoire Zehnter. Dieser Rennverlauf zeigte, wie präzise Pidcocks Vorstoß im Finale getimt war: Der Abstand war nicht groß, doch nach seiner Attacke gelang es den Verfolgern nicht mehr, den Kontakt wiederherzustellen.
Attacke am Mungherino entschied das Rennen
Der Gran Premio Industria & Artigianato wird traditionell auf welligem und selektivem Terrain rund um Larciano, eine Stadt in der italienischen Region Toskana, ausgetragen. Die Ausgabe 2026 brachte fast 200 Rennkilometer mit mehreren Anstiegen, die das Hauptfeld vor der abschließenden Entscheidung schrittweise verkleinerten. Nach Angaben des Team Cofidis und Berichten der Organisatoren, die von italienischen Radsportmedien aufgegriffen wurden, bewältigten die Fahrer im zweiten Teil der Strecke mehrfach den rund 8,2 Kilometer langen Anstieg San Baronto mit einer durchschnittlichen Steigung von ungefähr 3,5 Prozent. Das letzte entscheidende Hindernis war der Mungherino, ein etwa 6,2 Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich knapp sechs Prozent, anspruchsvoll genug, um am Ende eines langen Eintagesrennens die besten Kletterer und explosiven Klassikerfahrer voneinander zu trennen. Genau dort entschied Pidcock, nicht auf den Sprint einer kleineren Gruppe zu warten.
Das Rennen begann mit einer frühen Ausreißergruppe, und laut dem Bericht von Tuttobiciweb gelang es in der ersten Phase neun Fahrern, einen spürbaren Vorsprung auf das Hauptfeld herauszufahren. Mit zunehmender Zahl der Runden und Anstiege verringerte sich der Abstand, und in den letzten rund dreißig Kilometern bildete sich an der Spitze eine neue Gruppe, zu der unter anderem Ben O'Connor, Anthon Charmig, Ion Izagirre und Pidcocks Teamkollege Quinten Hermans gehörten. Pinarello Q36.5 übernahm im Laufe des Tages Verantwortung an der Spitze des Pelotons, und das Team hob nach dem Rennen besonders Hermans' Rolle beim Reagieren auf die Attacken der Rivalen hervor. Dadurch konnte Pidcock bis zu dem Moment geschützt bleiben, an dem er den Angriff für am aussichtsreichsten hielt. Als er am letzten Anstieg beschleunigte, überholte er schnell die verbliebenen Fahrer vor sich und setzte seinen Weg allein zum Ziel fort.
Laut dem von BiciTV wiedergegebenen Bericht der Organisatoren setzte sich der Brite etwa 12,5 Kilometer vor dem Ziel ab und hatte am Gipfel rund 20 Sekunden Vorsprung auf die nächsten Verfolger. Auf der Abfahrt ließ er die Gruppe nicht wieder herankommen, obwohl sich der Abstand auf den letzten Kilometern verringerte. Scaroni sicherte sich aus der Gruppe hinter ihm den zweiten Platz, während Charmig Dritter wurde. Pidcock vermied damit ein Szenario, in dem ein Sprint über den Sieg entschieden hätte, was er nach dem Rennen selbst als eine der logischen taktischen Möglichkeiten auf einer solchen Strecke bezeichnete: Den Sieg musste man entweder aus einer sehr kleinen Gruppe heraus oder mit einer Soloattacke suchen. In seinem Fall erwies sich die zweite Option als vollkommen erfolgreich.
Sieben Tage vom WM-Gold zum Sieg auf der Straße
Besonderes Gewicht erhält das Ergebnis durch die Tatsache, dass Pidcock zwischen den beiden großen Erfolgen nicht den üblichen Wettkampfrhythmus auf der Straße hatte. Am Sonntag, dem 30. August, gewann er bei den UCI-Mountainbike-Weltmeisterschaften in Val di Sole, ebenfalls in Italien, den Weltmeistertitel der Elite im olympischen Cross-Country. Die Organisatoren der Weltmeisterschaft und Cyclingnews berichten, dass er aus der fünften Startreihe beziehungsweise von Position 35 startete, sich im Verlauf des Rennens jedoch nach vorn arbeitete und sich im Finale von seinem Nationalmannschaftskollegen Charlie Aldridge absetzte. Er erreichte das Ziel 17 Sekunden vor Aldridge und gewann damit seinen zweiten Elite-Weltmeistertitel in der Disziplin XCO nach seinem vorherigen Gold aus dem Jahr 2023. Dieses Ergebnis festigte zusätzlich seinen Status als einer der erfolgreichsten multidisziplinären Radsportler seiner Generation.
Pidcock hat außerdem bereits zwei olympische Goldmedaillen im Mountainbike. Er gewann bei den Spielen in Tokio, die offiziell als Tokio 2020 geführt werden, und verteidigte den Titel 2024 in Paris. Neben seinen Titeln im Mountainbike gewann er in seiner Karriere auch höchste Auszeichnungen im Cyclocross, während er auf der Straße seit Jahren Etappenrennen, Klassiker und Meisterschaften miteinander kombiniert. Gerade wegen dieser Vielseitigkeit sieht sein Kalender häufig anders aus als das Programm von Fahrern, die sich während der gesamten Saison nur auf eine Disziplin konzentrieren. Der Sieg in Larciano zeigte, dass ihm der kurze Wechsel zwischen technisch und physiologisch unterschiedlichen Rennformaten diesmal ohne sichtbaren Formverlust gelang.
Nach dem Zieleinlauf räumte Pidcock ein, dass er vor allem in die Toskana gekommen sei, um nach Wochen mit dem Schwerpunkt Mountainbike wieder ein Gefühl für Straßenrennen zu bekommen. In einer von seinem Team veröffentlichten Erklärung betonte er, dass sich die Belastung in XCO-Rennen deutlich von den Anforderungen eines Straßenrennens unterscheidet und er nach einem Disziplinwechsel manchmal Zeit zur Anpassung benötige. Diesmal verlief die Anpassung jedoch beinahe sofort. Er hob außerdem die außergewöhnlich heißen Bedingungen und die Arbeit des gesamten Teams hervor, insbesondere die von Hermans, der auf Attacken im entscheidenden Rennabschnitt reagierte. Diese Aussage erklärt zusätzlich, warum der Sieg nicht nur das Ergebnis eines einzigen explosiven Vorstoßes war, sondern auch eines taktisch kontrollierten Vorgehens über einen großen Teil des Tages.
Fünfter Straßensieg der Saison und Fortsetzung eines starken Jahres 2026
Der Triumph in Larciano war laut mehreren spezialisierten Radsportquellen Pidcocks fünfter Straßensieg in der Saison 2026 und sein 15. Straßensieg in seiner Profikarriere. Im Laufe des Jahres hatte er bereits bei unterschiedlichen Rennarten gewonnen, und der Erfolg in der Toskana folgte auf einen wichtigen Sommerblock, in dem er auch an der Tour de France teilnahm. Sein Team gibt an, dass er die Tour am 26. Juli auf dem neunten Platz der Gesamtwertung beendete, was zugleich die erste Teilnahme des Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team am größten französischen Etappenrennen war. Danach wechselte er erneut zum Mountainbike und bereitete sich auf die Weltmeisterschaften in Val di Sole vor.
Eine solche Serie von Ergebnissen ist auch wegen der Art und Weise wichtig, wie Pidcock den Saisonabschluss aufbaut. Statt einer längeren Rückkehr über mehrere Straßenrennen zeigte er in Larciano sofort, dass er auf Attacken reagieren, das Tempo an langen Anstiegen mitgehen und anschließend mit einer eigenen Beschleunigung den Unterschied machen kann. Bei Eintagesrennen ist das besonders wichtig, weil die Fahrer oft nur eine Gelegenheit für den entscheidenden Vorstoß haben. Seine Kombination aus Explosivität, Abfahrtstechnik und der Fähigkeit, kurze und mittellange Anstiege zu bewältigen, macht ihn auf Profilen gefährlich, bei denen die Entscheidung in den letzten rund zwanzig Kilometern fällt. In der Toskana vereinten sich all diese Eigenschaften zu einem Ergebnis, das zu einem Zeitpunkt kam, an dem die wichtigsten Straßenrennziele des Jahresendes näher rücken.
Für Pinarello Q36.5 hat der Sieg zusätzliche symbolische Bedeutung, weil Pidcock erstmals beim Gran Premio Industria & Artigianato antrat. Laut dem Teambericht reichen die Wurzeln des Rennens bis zum lokalen Circuito di Larciano aus dem Jahr 1967 zurück, während der Gran Premio Industria & Artigianato 1977 als eigenständiges Rennen etabliert wurde und seit 2020 zum UCI-ProSeries-Kalender gehört. Auf der Siegerliste stehen zahlreiche große Namen des Straßenradsports, darunter Felice Gimondi, Roger De Vlaeminck, Francesco Moser, Giuseppe Saronni, Vincenzo Nibali, Adam Yates, Matej Mohorič und Marc Hirschi. Mit seinem Sieg wurde Pidcock zu einem weiteren prominenten Namen in dieser Geschichte und laut dem Bericht der Organisatoren erst zum zweiten britischen Sieger nach Adam Yates, der 2014 und 2017 triumphierte.
Larciano als Vorbereitung auf die kanadischen Klassiker und die Weltmeisterschaft
Der Sieg in Italien kommt unmittelbar vor Pidcocks geplanter Reise nach Kanada. Nach dem aktuellen Kalender des Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team soll er am 11. September beim Grand Prix Cycliste de Québec und am 13. September beim Grand Prix Cycliste de Montréal starten. Beide Rennen gehören zur UCI WorldTour und bringen traditionell Fahrer zusammen, die wiederholte Anstiege und explosive Schlussphasen gut bewältigen. Dadurch sind sie natürliche Vorbereitungsstationen für die diesjährige Straßen-Weltmeisterschaft, die vom 20. bis 27. September in Montréal stattfindet. Cyclingnews berichtete nach seinem Mountainbike-Weltmeistertitel, dass gerade der Kanada-Block als letzte Vorbereitung für den Versuch ausgewählt wurde, bei der Straßen-Weltmeisterschaft ein großes Ergebnis zu erzielen.
Die UCI gab bekannt, dass das Straßenrennen der Männer-Elite bei der Weltmeisterschaft am 27. September auf einer 273,7 Kilometer langen Strecke mit rund 3.803 Höhenmetern stattfinden wird. Der Start ist in Brossard südlich von Montréal vorgesehen, danach führt das Peloton durch die Region Montérégie zum abschließenden Rundkurs um den Mont Royal. Die Männer erwartet ein zwölfmal zu fahrender Rundkurs, zu dessen wichtigsten Hindernissen die Voie Camillien-Houde, der Chemin de la Polytechnique mit Abschnitten von mehr als 11 Prozent Steigung sowie der Anstieg in Richtung Ziel auf der Avenue du Parc gehören werden. Ein großer Teil dieses Schlussrundkurses ist vom Grand Prix Cycliste de Montréal bekannt, sodass der Start beim WorldTour-Rennen zwei Wochen zuvor ein direkter Test von Terrain und Form sein wird. Das Profil ist lang, wellig und anspruchsvoll genug, um Fahrer zu belohnen, die Ausdauer mit kurzen, kraftvollen Beschleunigungen verbinden können.
Pidcocks bestes bisheriges Ergebnis im Straßenrennen der Elite bei Weltmeisterschaften ist laut den von Cyclingnews angeführten Daten der sechste Platz in Leuven 2021. Der Weltmeistertitel auf der Straße bleibt daher einer der wenigen ganz großen Titel, die in seiner multidisziplinären Sammlung noch fehlen. Der Sieg in Larciano allein garantiert jedoch kein ähnliches Ergebnis in Montréal: Die Weltmeisterschaft wird deutlich länger sein, einen größeren kumulierten Höhenunterschied aufweisen und eine andere taktische Dynamik der Nationalmannschaften bieten. Sie liefert jedoch einen sehr aktuellen Formnachweis und bestätigt, dass er nach dem Mountainbike seine Fähigkeit zu langen Belastungen auf der Straße bewahrt hat. Gerade deshalb hat sein Auftritt in der Toskana eine größere Bedeutung als nur ein weiterer Sieg bei einem Eintagesrennen.
Italienisches Rennen zog erneut starke internationale Konkurrenz an
Der Gran Premio Industria & Artigianato nimmt seit Jahrzehnten einen besonderen Platz im italienischen Kalender ein, weil er lokale Tradition mit einem internationalen Profipeloton verbindet. Die jüngsten Austragungen brachten regelmäßig Sieger aus unterschiedlichen Ländern und Teams der höchsten Kategorien hervor. Vor Pidcock gewannen Isaac del Toro 2025, Marc Hirschi 2024, Ben Healy 2023 und Diego Ulissi 2022, was zusätzlich zeigt, welchen Fahrertyp dieses Rennen häufig belohnt: stark genug für wiederholte Anstiege, aber zugleich in der Lage, im Finale taktisch zu reagieren. Die diesjährige Rangliste mit Fahrern wie Scaroni, Charmig, Adrià, Tiberi, O'Connor und Grégoire unter den ersten Zehn bestätigte erneut das hohe Niveau der Konkurrenz.
Für den italienischen Straßenradsport markierte das Rennen in Larciano außerdem den Beginn einer intensiven September-Serie von Eintages- und Regionalrennen. ANSA hob nach Pidcocks Sieg hervor, dass das Programm in der Toskana unmittelbar mit dem Giro della Toscana am 9. September und der Coppa Sabatini am 10. September fortgesetzt wird. Pidcock richtet laut dem veröffentlichten Zeitplan seines Teams nach Larciano den Fokus auf die kanadischen Rennen, doch sein Erfolg erhöhte zusätzlich die internationale Sichtbarkeit des italienischen Teils des Kalenders. Für die Organisatoren ist besonders wertvoll, dass der Sieger der amtierende Mountainbike-Weltmeister und zweifache Olympiasieger ist, ein Fahrer, dessen Name auch Publikum außerhalb des traditionellen Kreises der Straßenradsportfans anzieht.
Die wichtigste Botschaft des Rennens bleibt dennoch sportlicher Natur. Am 30. August musste Pidcock in Val di Sole aus einer tiefen Startposition Plätze gutmachen und auf einer technisch anspruchsvollen XCO-Strecke gewinnen, und nur eine Woche später absolvierte er in Larciano mehr als viereinhalb Stunden Straßenrennen, bevor er im Finale eine Soloattacke setzte. Die beiden Erfolge erforderten eine unterschiedliche Kräfteverteilung, andere Taktiken und völlig verschiedene Rennrhythmen. Gerade diese Anpassungsfähigkeit ist eine der Eigenschaften, die ihn im modernen professionellen Radsport auszeichnen. Vor Québec, Montréal und der Straßen-Weltmeisterschaft zeigte der Sieg in der Toskana, dass er mit einer Form in den September gestartet ist, die ihn erneut zu den Fahrern zählt, die seine Rivalen genau im Auge behalten müssen.
Quellen:
- Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team – offizieller Bericht über Pidcocks Sieg in Larciano, die Teamtaktik, das Ergebnis und sein Programm (Link)
- Val di Sole Bikeland – Bericht der Organisatoren der UCI-Mountainbike-Weltmeisterschaften über Pidcocks XCO-Titel (Link)
- UCI – offizielle Angaben zu den UCI-Mountainbike-Weltmeisterschaften 2026 und zum Kontext des Elite-XCO-Rennens in Val di Sole (Link)
- UCI – offizieller Überblick über die Strecke der Straßen-Weltmeisterschaft Montréal 2026, einschließlich Distanz, Höhenunterschied und Schlussrundkurs des Elite-Rennens der Männer (Link)
- ANSA – Bericht über den Sieg in Larciano und die Fortsetzung des Radsportprogramms im September in der Toskana (Link)
- BiciTV – Bericht von der 48. Ausgabe des Gran Premio Industria & Artigianato, Einzelheiten zur Schlussattacke und Rangliste der führenden Fahrer (Link)
- Cyclingnews – Berichte über den Sieg in Larciano, den XCO-Weltmeistertitel und Pidcocks Plan für die kanadischen Rennen und die Straßen-Weltmeisterschaft (Link)
- Team Cofidis – Angaben zur Renndistanz und zu den wiederholten Anstiegen nach San Baronto im abschließenden Teil der Strecke (Link)
- Tuttobiciweb – Chronologie der frühen Fluchtgruppe, der Schlussattacken und offizielle Rangliste des Rennens in Larciano (Link)