Macklemore reagiert auf Kritik wegen propalästinensischer Rede bei Ed-Sheeran-Konzerten in New Jersey
Macklemore hat nach einer Welle der Kritik an seinen propalästinensischen Botschaften bei den Konzerten von Ed Sheeran in New Jersey erklärt, seine Kritik an der israelischen Politik richte sich nicht gegen Juden und er verstehe seine Botschaft als Aufruf zu Frieden, Gleichheit und Würde für alle Menschen. Der US-amerikanische Rapper, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Hammond Haggerty heißt, trat am 4. und 5. September als einer der Künstler im Vorprogramm von Sheerans Konzerten der LOOP-Tour im MetLife Stadium in East Rutherford auf. Während seines Auftritts rief er zu einem "freien Palästina" auf, sprach über Zivilisten im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland und spielte den Protestsong "Hind's Hall". Seine Worte lösten geteilte Reaktionen im Publikum und scharfe Kritik seitens einiger jüdischer und proisraelischer Organisationen aus, die Sheeran aufforderten, Macklemore von den verbleibenden US-Terminen der Tour zu entfernen. Berichten von Variety, der Los Angeles Times und CBS New York zufolge betonte der Rapper anschließend öffentlich, dass die Forderung nach gleicher Behandlung aller Menschen nicht kontrovers sein sollte.
Ein wichtiges zeitliches Detail in der gesamten Kontroverse ist, dass Macklemore seine Antwort am 7. September nach Ortszeit in den sozialen Medien veröffentlichte, während führende US-amerikanische und internationale Medien am 8. September ausführlich über seine Reaktion und die Fortsetzung der Kontroverse berichteten. In einer Aufnahme der Rede, die er erneut teilte, erklärte er jüdischen Zuhörern, dass seiner Ansicht nach Kritik an Israel und dessen Politik keine Kritik an Juden als Volk oder Religionsgemeinschaft darstelle. "Meine Botschaft gilt dem Frieden", sagte er und betonte, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichheit behandelt werden sollten. Damit nahm er seine früheren Aussagen weder zurück noch entschuldigte er sich für den politischen Inhalt des Auftritts, sondern versuchte, die Kritik an einem Staat und dessen Politik klar von Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen zu trennen. Gerade diese Unterscheidung wurde zum zentralen Punkt seiner Antwort auf die Vorwürfe, er habe mit seinem Auftritt die Grenze zwischen politischem Aktivismus und Antisemitismus überschritten.
Was Macklemore im MetLife Stadium sagte
Aufnahmen des Auftritts und Medienberichten zufolge sagte Macklemore dem Publikum beim ersten Konzert am 4. September, einer der Gründe, warum er sich Sheerans Tour anschließen wollte, sei die Möglichkeit gewesen, in großen amerikanischen Stadien die Worte "Free Palestine" auszusprechen. Er fügte hinzu, er wolle, dass die Menschen vom Gazastreifen bis zum besetzten Westjordanland wissen, dass sie nicht vergessen seien. Er verband die Rede mit der universellen Idee von Sicherheit für Kinder und Familien und verwies auf seine eigene Erfahrung als Elternteil sowie auf seinen Wunsch, dass jedes Kind die Möglichkeit haben solle, ohne Gewalt aufzuwachsen. Beim zweiten Auftritt am 5. September wandte er sich zusätzlich direkt an das jüdische Publikum und betonte, dass er seine politischen Ansichten nicht als Angriff auf Juden betrachte. In derselben Rede erwähnte er auch den Libanon, Kuba, die Demokratische Republik Kongo, den Sudan sowie Menschen in den Vereinigten Staaten, die in Angst vor Maßnahmen der US-Einwanderungsbehörde ICE leben, und versuchte damit, seine Botschaft in einen breiteren Rahmen von Menschenrechten und Widerstand gegen staatliche Gewalt einzuordnen.
Macklemore verwendete während des Auftritts auch die Begriffe "Apartheid" und "Völkermord", als er über die israelische Politik und den Krieg im Gazastreifen sprach. Diese Begriffe besitzen eine außerordentlich starke politische und rechtliche Tragweite, und ihre Verwendung im öffentlichen Raum bleibt Gegenstand intensiver internationaler Auseinandersetzungen. Im Kontext seines Auftritts handelte es sich um Macklemores politische Bewertung und nicht um eine neutrale rechtliche Einordnung durch den Konzertveranstalter oder Ed Sheeran. Die Los Angeles Times weist darauf hin, dass der Rapper Israel bereits früher öffentlich wegen des Krieges im Gazastreifen beschuldigt hatte und seit Jahren zu den sichtbareren US-amerikanischen Musikern gehört, die offen die Rechte der Palästinenser unterstützen. Deshalb ist es wichtig, Macklemores Formulierungen als seine Behauptungen und politische Position darzustellen und nicht als rechtlich unstrittige Tatsachen, insbesondere weil die rechtliche Einordnung der Handlungen im Gazastreifen Gegenstand internationaler juristischer und politischer Streitigkeiten ist.
Petition fordert seine Entfernung von der Tour
Die konkreteste Reaktion nach den Auftritten kam vom Israeli-American Council, einer Organisation, die die israelisch-amerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten vertritt. Die Organisation startete eine Petition, die sich an Ed Sheeran, die Tourleitung und die Hallen beziehungsweise Stadien richtet, in denen die Tour gastieren soll. In der Petition heißt es, es handle sich um ein Konzert von Ed Sheeran und nicht um eine politische Kundgebung oder Demonstration, und es wird die Frage nach der Grenze zwischen dem Recht eines Künstlers auf eine politische Position und der Nutzung der Konzertplattform eines anderen für eine einseitige politische Botschaft aufgeworfen. Der IAC forderte, Macklemore von den verbleibenden Terminen zu entfernen, für die er angekündigt ist, und verlangte außerdem eine Klarstellung, ob seine Rede, die visuellen Inhalte und die Aufführung des Liedes "Hind's Hall" im Voraus genehmigt worden waren. Die Organisation forderte die Tourveranstalter zudem auf, klarere Regeln für politische Botschaften auf der Bühne einzuführen.
Kritik kam auch von anderen jüdischen Organisationen. Die Los Angeles Times berichtete, dass StopAntisemitism und die Anti-Defamation League Macklemores Auftritt öffentlich verurteilten, während einige Besucher erklärten, sie hätten bei einem Konzert mit Ed Sheeran als Hauptkünstler keine politische Rede erwartet. Gleichzeitig berichtete CBS New York, dass die Reaktionen der Besucher geteilt waren: Ein Teil des Publikums kritisierte Macklemore und forderte seine Entfernung, während andere ihn dafür unterstützten, eine große Bühne zur Äußerung einer politischen Position zu nutzen. Diese Spaltung zeigt, dass sich der Streit nicht nur um den Inhalt seiner Haltung zu Israel und Palästina dreht, sondern auch um die umfassendere Frage, ob populäre Musik auf großen kommerziellen Tourneen auch als Raum für politischen Aktivismus dienen sollte. In der Geschichte der Popmusik sind politische Botschaften nicht ungewöhnlich, doch der Konflikt verschärft sich, wenn ein Künstler als Gast vor einem Publikum auftritt, das die Eintrittskarten in erster Linie wegen eines anderen Künstlers gekauft hat.
Sheeran hat bislang nicht bekannt gegeben, dass Macklemore die Tour verlässt
Bis zum 9. September gab es keine öffentliche Bestätigung dafür, dass Ed Sheeran der Forderung nach Macklemores Entfernung zugestimmt hatte. Die Los Angeles Times berichtete am 8. September, dass Sheerans Vertreter auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme zur Kontroverse nicht umgehend reagiert habe. Gleichzeitig führte die offizielle Website von Ed Sheerans Tour Macklemore am 9. September weiterhin als Vorgruppe bei einer Reihe bevorstehender Konzerte in den Vereinigten Staaten auf. Dazu gehören Auftritte am 19. September in Philadelphia, am 25. und 26. September in Foxborough, am 3. Oktober in Atlanta, am 10. Oktober in Indianapolis, am 17. Oktober in Charlotte, am 24. Oktober in Arlington und am 7. November in Tampa. Auf Grundlage dieser offiziellen Angaben gibt es derzeit keine Bestätigung dafür, dass die Besetzung der Tour aufgrund der Petition geändert wurde.
Die offizielle Website des MetLife Stadium bestätigt, dass Sheerans Konzerte am 4. und 5. September stattfanden und dass neben Macklemore auch Lukas Graham und BIIRD als Gäste angekündigt waren. Das Stadion befindet sich in East Rutherford im Bundesstaat New Jersey, im Großraum New York, und gehört zu den größten Sport- und Konzertstätten der Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Stadions selbst beträgt die Kapazität bei Spielen 82.500 Plätze, während die Konfiguration für Konzerte je nach Produktion variiert. Gerade die Größe des Veranstaltungsortes verstärkte die Wirkung von Macklemores Rede zusätzlich: Die politische Botschaft wurde nicht bei einem seiner eigenen Clubkonzerte oder einer Aktivistenveranstaltung ausgesprochen, sondern vor Zehntausenden Menschen auf einer der größten Pop-Tourneen des Jahres. Deshalb wurden Aufnahmen der Rede rasch Teil einer breiteren amerikanischen Debatte über die Freiheit künstlerischen Ausdrucks, die Verantwortung der Veranstalter und die Grenze zwischen politischer Rede und Unterhaltungsprogramm.
"Hind's Hall" war von Anfang an ein politisches Lied
Ein zentraler Bestandteil von Macklemores Set war "Hind's Hall", ein Lied, das er im Mai 2024 während einer Welle propalästinensischer Studentenproteste in den Vereinigten Staaten veröffentlichte. Der Titel des Liedes bezieht sich auf die Hamilton Hall an der Columbia University in New York, ein Gebäude, das die Demonstrierenden während der Besetzung symbolisch in "Hind's Hall" umbenannten, zum Gedenken an das palästinensische Mädchen Hind Rajab, das im Gazastreifen getötet wurde. Pitchfork berichtete damals, Macklemore habe das Lied direkt mit der Studentenbewegung verknüpft und angekündigt, die Einnahmen aus dem Streaming an UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge, weiterzuleiten. UNRWA USA erwähnt in seinem Jahresbericht 2024 ebenfalls Macklemores Unterstützung und die Einnahmen aus dem Lied als Teil einer Spendenkampagne. Damit war "Hind's Hall" von Anfang an nicht als politisch neutrales Lied gedacht, sondern als offen protestorientierte Komposition.
Das ist wichtig, um zu verstehen, warum Macklemore nicht mit einem Rückzug oder einer Distanzierung von seinen Worten reagierte. Sein Auftritt im MetLife Stadium war die Fortsetzung eines politischen Engagements, das mindestens seit 2023 und 2024 andauert, und keine plötzliche Improvisation, die völlig von seiner öffentlichen Identität losgelöst wäre. Macklemore hatte im Laufe seiner Karriere bereits vor dem Krieg im Gazastreifen Musik genutzt, um gesellschaftliche und politische Themen zu kommentieren, von den Rechten von LGBT-Personen über Rassismus und Sucht bis hin zur amerikanischen Politik. In diesem Sinne folgt seine verteidigende Reaktion seiner bisherigen Logik: Er vertritt die Auffassung, ein Künstler solle eine Botschaft, die er als Menschenrechtsfrage betrachtet, nicht allein deshalb aufgeben, weil das Publikum groß oder politisch vielfältig ist. Kritiker entgegnen jedoch, dass die Situation anders sei, wenn der Künstler nicht der Hauptact der Tour ist und Teil eines Programms, das dem Publikum unter dem Namen eines anderen Künstlers präsentiert wurde.
Die Unterscheidung zwischen Israelkritik und Antisemitismus steht im Zentrum des Streits
Macklemores wichtigste Antwort auf die Kritik bezog sich nicht auf sein Recht, auf der Bühne zu sprechen, sondern auf die Behauptung, dass Kritik an Israel nicht dasselbe sei wie Feindseligkeit gegenüber Juden. Diese Unterscheidung ist seit Langem Bestandteil der Debatten über den israelisch-palästinensischen Konflikt, in der Praxis jedoch häufig umstritten, weil verschiedene Organisationen und Experten unterschiedlich bestimmen, wann politische Rede in Dämonisierung, kollektive Schuldzuweisung oder Antisemitismus übergeht. Macklemore versuchte auf der Bühne, eine klare Grenze zu ziehen: Er richtete seine Worte gegen den Staat, dessen Politik und militärische Handlungen, während er jüdischen Zuhörern erklärte, dass er sie nicht als Ziel seiner Kritik betrachte. Seine Gegner sind der Ansicht, dass die Art, wie er über Israel spricht, die Auswahl visueller Materialien und der politische Kontext des Konzerts ein einseitiges Bild erzeugen, das weiterreichende Folgen für das jüdische Publikum haben kann. Genau deshalb lässt sich die Kontroverse nicht allein auf die Frage reduzieren, ob jemand die israelische oder die palästinensische Seite unterstützt.
Zusätzliche Sensibilität entsteht dadurch, dass die Debatte im Schatten des Krieges stattfindet, der nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begann. Die Los Angeles Times gibt unter Berufung auf Daten israelischer Behörden und Gesundheitseinrichtungen im Gazastreifen an, dass beim Hamas-Angriff etwa 1.200 Menschen getötet und 251 Personen als Geiseln genommen wurden, während bei israelischen Operationen im Gazastreifen bis September 2026 nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Palästinenser ums Leben kamen. Diese Zahlen sowie die Frage, wie Verantwortung, Verhältnismäßigkeit und die rechtliche Einordnung der Handlungen der Kriegsparteien interpretiert werden, bleiben Teil einer stark polarisierten internationalen Debatte. In einem solchen Umfeld bleibt eine Äußerung eines weltweit bekannten Musikers in einem Stadion nicht bloß Teil des Konzertprogramms, sondern wird nahezu sofort zu einer politischen Nachricht. Macklemore war sich dieser Wirkung offensichtlich bewusst und zeigte mit seiner späteren Antwort, dass er nicht beabsichtigt, von seiner Botschaft abzurücken.
Die Kontroverse verlagert sich nun auf die Frage der Verantwortung der Tour
Während die Debatte über seine Worte weitergeht, lautet die praktische Frage, ob der Druck von Organisationen und Teilen des Publikums Auswirkungen auf die weiteren Auftritte haben wird. Bislang zeigt der offizielle Spielplan keine Änderung. Macklemore wird weiterhin gemeinsam mit Sheeran bei mehreren großen Stadionkonzerten im September, Oktober und November aufgeführt, und weder Sheeran noch die Tourleitung haben öffentlich eine Entscheidung bekannt gegeben, den Rapper aus dem Programm zu entfernen. Das bedeutet, dass die Petition bislang politischen und reputationsbezogenen Druck darstellt und keine Entscheidung der Veranstalter. Da das nächste gemeinsame Konzert näher rückt, dürfte jede mögliche Änderung des Spielplans oder jede öffentliche Erklärung Sheerans auch als Antwort auf die breitere Debatte darüber interpretiert werden, wie viel Raum Gastkünstler für politische Botschaften haben.
Für Macklemore ist die Antwort andererseits bereits ziemlich klar: Er stellt seine Botschaften als universalistischen Aufruf zu Freiheit und Gleichheit dar und nicht als Angriff auf die jüdische Gemeinschaft. Seine Kritiker halten diese Erklärung nicht für ausreichend und argumentieren, dass Inhalt und Art der Präsentation dennoch politische Verantwortung mit sich bringen, insbesondere auf der Bühne der Tour eines anderen Künstlers. Daher wird die Kontroverse aus dem MetLife Stadium wahrscheinlich nicht mit einer Diskussion über einen einzigen Satz oder ein einziges Lied enden. Sie hat sich zu einem breiteren Streit über die Rolle von Musikern in politischen Konflikten, die Grenzen künstlerischer Freiheit und die Erwartungen des Publikums bei globalen Tourneen entwickelt. Solange offiziell nichts anderes bekannt gegeben wird, bleibt Macklemore Teil von Sheerans US-amerikanischem Konzertplan, und seine Botschaften über Palästina bleiben ein fester Bestandteil der öffentlichen Identität, die er auch auf die größten Stadionbühnen bringen will.
Quellen:
- Variety - Bericht über Macklemores Antwort, seine Ansprache an das jüdische Publikum und die Petition zu seiner Entfernung von der Tour (Link)
- Los Angeles Times - Bericht über die Reaktionen auf die Auftritte, Macklemores Veröffentlichung und die öffentliche Kritik von Organisationen (Link)
- CBS News New York - Reaktionen der Besucher und Kontext der Kontroverse nach den Konzerten im MetLife Stadium (Link)
- Israeli-American Council - Petition an Ed Sheeran, die Tourleitung und die Veranstaltungsorte der Konzerte (Link)
- Ed Sheeran - offizieller Tourplan mit der aktuellen Liste der Termine, bei denen Macklemore weiterhin als Gast aufgeführt ist (Link)
- MetLife Stadium - offizielle Bestätigung der Konzerte am 4. und 5. September 2026 sowie der Liste der Gastkünstler (Link)
- Pitchfork - Hintergrund zum Lied "Hind's Hall", seine Verbindung zu den Studentenprotesten und die Ankündigung der Spende der Einnahmen an UNRWA (Link)
- UNRWA USA - Jahresbericht 2024 mit Angaben zu Macklemores Unterstützung und dem Lied "Hind's Hall" (Link)