Australien gewinnt nach dramatischem 28:28 gegen 13 Spieler erstmals eine Serie in Argentinien
Australien hat zum ersten Mal in der Geschichte eine Testspielserie auf argentinischem Boden gewonnen, doch der historische Erfolg der Wallabies in Mendoza ging mit einem starken Gefühl einer verpassten Gelegenheit einher. Argentinien und Australien trennten sich am Samstag, dem 5. September 2026, im Estadio Malvinas Argentinas im zweiten und letzten Spiel der aus zwei Begegnungen bestehenden Serie 28:28. Da die Australier eine Woche zuvor in San Salvador de Jujuy mit 27:21 gewonnen hatten, endete die Serie 1:0 für die Gäste. Laut Rugby Australia und dem australischen öffentlich-rechtlichen Sender ABC hatten die Wallabies zuvor noch nie eine aus mehreren Tests bestehende Serie in Argentinien gewonnen. Das Unentschieden hinterließ dennoch einen ungewöhnlichen Schlusspunkt, weil die Pumas die letzten rund zehn Minuten nach aufeinanderfolgenden Gelben Karten für Lucio Cinti und Santiago Carreras mit zwei Spielern weniger bestreiten mussten.
Die Begegnung zeigte zugleich, warum sich das 28:28 nicht einfach auf ein australisches Versagen trotz numerischer Überlegenheit reduzieren lässt. Argentinien holte zweimal einen Rückstand auf, zunächst von 0:14 in der ersten Halbzeit auf 14:14 zur Pause, und ging anschließend im zweiten Durchgang erstmals mit 28:21 in Führung. Kapitän Pablo Matera führte die Gastgeber mit zwei Versuchen an, während Ignacio Mendy und Ignacio Ruiz die beiden übrigen argentinischen Versuche erzielten. Für Australien legten Kapitän Harry Wilson, Max Jorgensen und Fraser McReight Versuche, während der vierte als Strafversuch nach einem Vergehen von Carreras in der Schlussphase gewertet wurde. Carreras verwandelte alle vier argentinischen Versuche, während Ryan Lonergan nach allen drei australischen Versuchen vor dem Strafversuch erfolgreich war, der nach den Regeln automatisch sieben Punkte zählt.
Australien ging 14:0 in Führung, Argentinien antwortete vor der Pause
Laut dem offiziellen Bericht des argentinischen Rugbyverbands UAR eröffneten die Pumas die Partie mit Druck im Gedränge, doch die australische Verteidigung überstand den ersten Ansturm. Die Wallabies übernahmen anschließend schrittweise die territoriale Kontrolle und glaubten in der 15. Minute bereits, ihren ersten Versuch erzielt zu haben, doch die Aktion wurde nach Überprüfung einer vorherigen Situation an der Seitenlinie aberkannt. Vier Minuten später durchbrach Wilson aus kurzer Distanz die argentinische Verteidigung und brachte Australien in Führung, ehe Lonergan mit der Erhöhung auf 7:0 stellte. Eine Serie argentinischer Regelverstöße innerhalb der eigenen 22 Meter brachte Franco Molina anschließend eine Gelbe Karte ein, was die Gäste schnell ausnutzten. Taniela Tupou war an der Aktion beteiligt, aus der Jorgensen den Angriff mit dem zweiten australischen Versuch und der 14:0-Führung abschloss.
In diesem Moment sah es so aus, als könnte Australien das Spiel bereits im ersten Durchgang vorentscheiden, doch das Kräfteverhältnis änderte sich schnell. Jeremy Williams erhielt auf australischer Seite eine Gelbe Karte, wodurch die Anzahl der Spieler auf dem Feld wieder ausgeglichen war, und Argentinien erhöhte den Druck. Matera schloss in der 35. Minute nach einer dominanten Phase des Pumas-Pakets einen Angriff ab und verkürzte auf 14:7. Nur wenige Minuten später öffnete Joaquín Moro nach einem gut ausgeführten Line-out den Raum für Mendy, der die Linie durchbrach und den zweiten argentinischen Versuch erzielte. Carreras verwandelte auch den zweiten Versuch, sodass es mit 14:14 in die Pause ging, obwohl Australien einen Großteil der ersten Halbzeit die Ergebniskontrolle gehabt hatte.
Dieser Abschluss der ersten 40 Minuten legte das Muster für das gesamte Spiel fest: Immer wenn eine Mannschaft den Eindruck erweckte, die Partie fest in den Griff zu bekommen, antwortete die andere. Rugby Australia schreibt, dass die Gastgeber nach einer Phase ausglichen, in der die Wallabies mehrere Chancen hatten, ihren Vorsprung weiter auszubauen, und gerade die ungenutzten Möglichkeiten sollten nach dem Spiel zu einem der Hauptthemen der australischen Analysen werden. Für Argentinien hatte die Aufholjagd nach dem 0:14 zusätzliche Bedeutung, weil es sich um den letzten Auftritt der Pumas vor heimischem Publikum im Jahr 2026 handelte. UAR vermerkte außerdem, dass Facundo Cardozo und Mateo Soler in dieser Partie ihre ersten Einsätze für die A-Nationalmannschaft absolvierten. Mendoza erlebte damit ein Spiel, in dem Erfahrung, Disziplin und das Management entscheidender Momente ebenso wichtig waren wie die reine Angriffsqualität.
Matera traf zweimal, Pumas gingen in der 64. Minute erstmals in Führung
Australien machte zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut den ersten Schritt. McReight gelang es in der 47. Minute nach Druck nahe der argentinischen Mallinie, den Ball über die Linie zu tragen, und Lonergan brachte die Wallabies mit seiner dritten erfolgreichen Erhöhung wieder mit sieben Punkten in Führung. Argentinien antwortete acht Minuten später durch Hooker Ignacio Ruiz, der eine Aktion aus kurzer Distanz zum 21:21 abschloss. Es folgte eine der besten Phasen der Pumas in diesem Spiel, mit Druck nach einem Line-out und Maul sowie einer langen Folge von Phasen vor der australischen Linie. Laut Rugby Australia fiel Materas zweiter Versuch nach 23 Angriffsphasen, und Carreras' vierte Erhöhung brachte den Gastgebern in der 64. Minute mit 28:21 die erste Führung des Abends.
Matera übernahm damit die zentrale Rolle bei der argentinischen Wende. Als Kapitän und einer der erfahrensten Spieler der Mannschaft schloss er zwei entscheidende Aktionen ab und verschaffte den Pumas zu einem Zeitpunkt die Führung, als das Spiel in sein letztes Viertel ging. Australiens Problem war bereits aus der ersten Halbzeit bekannt: Die Mannschaft erspielte sich einen Vorteil und ließ den Gegner anschließend durch eine Reihe von Fehlern, Ballverlusten oder Strafen wieder zurückkommen. Trainer Les Kiss räumte nach der Partie laut Sky Sports ein, dass seine Spieler in mehreren Phasen die Kontrolle übernommen und sich in eine gute Position für den Sieg gebracht hätten, die Aufgabe jedoch nicht zu Ende bringen konnten. Dennoch betonte er, dass der Gewinn der Serie eines der Hauptziele der Tour gewesen sei und dieser Erfolg nicht geschmälert werden dürfe.
Zwei Gelbe Karten innerhalb von zwei Minuten veränderten die Schlussphase
Der dramatischste Moment kam rund zehn Minuten vor dem Ende. UAR berichtet, dass Lucio Cinti in der 68. Minute eine Gelbe Karte erhielt, nachdem er versucht hatte, den Ball aus einer unzulässigen Position zu spielen, sodass Argentinien nur noch 14 Spieler hatte. Bereits in der folgenden Minute griffen die Wallabies erneut an, und Santiago Carreras stoppte absichtlich mit der Hand einen Pass in einer Situation, in der der australische Angriff freien Weg zu einem Versuch hatte. Der neuseeländische Schiedsrichter James Doleman sprach Australien einen Strafversuch zu und zeigte Carreras die Gelbe Karte. Der Spielstand wurde automatisch auf 28:28 ausgeglichen, und die Pumas mussten mit nur 13 Spielern in die Schlussphase gehen.
Auf dem Papier hatte Australien damit nahezu ideale Voraussetzungen für einen Sieg: zwei Spieler mehr, ein ausgeglichener Spielstand und eine Mannschaft, die selbst mit einem Unentschieden die Serie bereits für sich entschied. Dennoch gelang es den Wallabies nicht, die numerische Überlegenheit in einen weiteren Versuch oder einen Straftritt zur Führung umzuwandeln. Die Gastgeber verlangsamten das Spiel, hielten den Ball, wann immer es möglich war, und verteidigten den Raum, ohne ihre Abwehrlinie unnötig auseinanderzuziehen. Australiens Kapitän Harry Wilson sagte später gegenüber Sky Sports, Argentinien habe sein Spiel in den letzten zehn Minuten sehr gut an die Bedingungen auf dem Feld und an die Tatsache angepasst, dass zwei Spieler fehlten. Seiner Einschätzung nach war das Unentschieden nach einer Siegesserie enttäuschend, doch die Trophäe und die ungeschlagene Tour verliehen der Mannschaft dennoch Schwung für die kommenden Herausforderungen.
Australien hatte in den Schlussminuten zudem ein organisatorisches Problem nach dem Ausscheiden von Carter Gordon, der laut Rugby Australia wegen einer Beinverletzung das Feld verließ. In einer ungewöhnlichen Rollenverteilung musste Lonergan einen Teil der Aufgaben des Spielmachers übernehmen, während Argentinien versuchte, die verbleibende Zeit herunterzuspielen. Die Gäste kamen zu Ballbesitz und Raumgewinn, nicht jedoch zu den entscheidenden Punkten. Nach Ablauf der Spielzeit versuchten die Pumas noch, mit dem Ball voranzukommen, doch als klar wurde, dass keine realistische Chance auf einen siegbringenden Angriff bestand, endete die Partie ohne weitere Veränderung des Spielstands. Laut Rugby Australia war es das vierte Unentschieden in der Geschichte der direkten Duelle zwischen den beiden Nationalmannschaften.
Historische Serie für die Wallabies, aber ohne den gewünschten "Durchmarsch"
Das Ergebnis von Mendoza bedeutete, dass Australiens erster Triumph in einer aus mehreren Tests bestehenden Serie in Argentinien nicht als perfekter 2:0-Sieg, sondern als Kombination aus einem Sieg und einem Unentschieden in Erinnerung bleiben wird. Im ersten Spiel, das am 29. August im Estadio 23 de Agosto in San Salvador de Jujuy ausgetragen wurde, gewann Australien mit 27:21. Laut dem offiziellen Bericht von Rugby Australia bauten die Gäste früh durch Versuche von Brandon Paenga-Amosa, Carter Gordon und Fraser McReight einen Vorsprung auf, während Tom Hooper in der zweiten Halbzeit einen Versuch erzielte, der sich als entscheidend erwies. Argentinien kam im weiteren Verlauf bis auf einen Punkt heran, doch die Wallabies überstanden den Schlussspurt und sicherten sich vor der Reise nach Mendoza die Führung in der Serie. Dieses Ergebnis ermöglichte es Australien, die Gesamtserie im zweiten Test auch mit einem Unentschieden zu gewinnen.
Der historische Charakter des Erfolgs wird auch von australischen Quellen bestätigt, die angeben, dass die Wallabies vor dieser Tour noch nie eine aus mehreren Tests bestehende Serie auf argentinischem Boden gewonnen hatten. Das bedeutet nicht, dass Australien zuvor nicht in Argentinien gewonnen hätte: Einzelne Tests wurden dort mehrfach gewonnen, darunter auch Spiele in Mendoza. UAR erklärte vor der diesjährigen Begegnung, dass die Pumas und Wallabies vor 2026 viermal in dieser Stadt aufeinandergetroffen waren. Argentinien gewann 2014 mit 21:17, während Australien 2015 mit 34:9, 2017 mit 37:20 und 2022 mit 41:26 siegte. Das Unentschieden von 2026 wurde damit zum fünften Test zwischen den beiden Mannschaften in Mendoza und zum ersten, der dort keinen Sieger hervorbrachte.
Für Australien ist die Serie auch wegen des Beginns der Amtszeit von Les Kiss von Bedeutung. ABC berichtet, dass seine Bilanz als Trainer der Wallabies nach dem Unentschieden in Mendoza weiterhin ungeschlagen blieb: drei Siege und ein Remis, seit er Joe Schmidt abgelöst hat. Vor der Argentinien-Tour hatte die Mannschaft von Kiss zweimal Japan besiegt und anschließend in Jujuy gewonnen. Das Unentschieden beendete Australiens Serie von vier Test-Siegen in Folge, nicht jedoch die ungeschlagene Phase unter dem neuen Nationaltrainer. Für eine Mannschaft, die nach mehreren turbulenten Spielzeiten Stabilität aufbauen möchte, stellt der Gewinn einer Auswärtsserie ein Ergebnis mit klarer symbolischer Bedeutung dar, auch wenn die Leistung in Mendoza nicht vollkommen war.
Argentinien vermied die Niederlage und zeigte mit einer verjüngten Mannschaft Widerstandskraft
Aus argentinischer Sicht bringt das 28:28 eine Mischung aus Frustration und Ermutigung. Den Pumas gelang es nicht, die Serie auszugleichen, obwohl sie in der zweiten Halbzeit 28:21 führten und die Gelegenheit hatten, den Heimteil der Saison mit einem Sieg abzuschließen. Andererseits machte die Art und Weise, wie sie die letzten rund zehn Minuten mit 13 Spielern überstanden, die Schlussphase zu einem Beispiel für defensive Disziplin und Zeitmanagement unter extremem Druck. UAR hob in seinem Bericht besonders die Reaktion der Mannschaft hervor, nachdem sie zwei Spieler verloren hatte, während Materas Leistung mit zwei Versuchen die argentinische Aufholjagd nach dem frühen Rückstand symbolisierte. Die Partie war auch ein wichtiger Entwicklungsmoment für die Mannschaft von Felipe Contepomi, mit zwei Debütanten und einer Reihe von Spielern, die auf höchstem internationalen Niveau erst noch Kontinuität aufbauen.
Die Disziplin wird dennoch ein offensichtliches Thema der Analyse bleiben. Argentinien erhielt während der Partie drei Gelbe Karten: Molina in der ersten Halbzeit sowie Cinti und Carreras in der Schlussphase. Die letzten beiden Vergehen waren besonders teuer, weil sie praktisch unmittelbar aufeinanderfolgten und Australien durch den Strafversuch direkt wieder zum Ausgleich brachten. Gleichzeitig spielten auch die Wallabies in der ersten Halbzeit nach Williams' Gelber Karte mit 14 Spielern, und genau in dieser Phase gelang Argentinien der Ausgleich. Das Spiel bot daher ein sehr deutliches Beispiel dafür, wie eine zehnminütige Zeitstrafe auf internationalem Niveau Rhythmus, Kräfteverhältnis und die Auswahl taktischer Entscheidungen verändern kann.
Es folgen unterschiedliche Herausforderungen: Springboks für Australien, Nations Championship für Argentinien
Nach der Serie in Argentinien haben die Wallabies mehrere Wochen Zeit, sich auf ihr nächstes Spiel vorzubereiten. Laut ABC trifft Australien am 27. September in Perth auf Weltmeister Südafrika, was für die Mannschaft von Kiss eine deutlich andere Prüfung darstellen wird. In dieser Zeit muss der Trainerstab den Zustand von Carter Gordon beurteilen, dessen Verletzung in Mendoza die Organisation des Spiels in der Schlussphase zusätzlich beeinträchtigte. Gleichzeitig liefert der Seriensieg in Argentinien Australien ein Ergebnis, auf dem sich aufbauen lässt, aber auch genügend Warnzeichen dafür, dass numerische Überlegenheit, territoriale Vorteile und eine frühe Führung allein keine Kontrolle über eine Partie garantieren. Gerade die Effizienz beim Abschluss von Angriffen und das Management entscheidender Minuten werden zu den Bereichen gehören, die die Wallabies verbessern wollen.
Für Argentinien war die Begegnung in Mendoza das letzte Heimspiel der Nationalmannschaft im Jahr 2026. UAR erklärt, dass die Pumas nach einer Ruhephase am 6. November zurückkehren und dann in Dublin gegen Irland die zweite Phase der neuen Nations Championship eröffnen werden. Damit verlagert sich der Fokus der Mannschaft von Felipe Contepomi von der kurzen Serie gegen Australien auf einen breiteren internationalen Zyklus, in dem die Entwicklung jüngerer Spieler und größere Stabilität in der Disziplin eine wichtige Rolle spielen werden. Das Unentschieden gegen die Wallabies ändert nichts daran, dass die Serie an Australien ging, doch die Art und Weise, wie Argentinien mit 13 Spielern eine Niederlage verhinderte, bleibt eines der eindrucksvollsten Bilder der beiden Begegnungen. Für Australien wird der historische Eintrag dagegen einfach sein: Ein 27:21-Sieg in Jujuy und ein 28:28-Unentschieden in Mendoza reichten zum ersten Seriengewinn auf argentinischem Boden.
Quellen:
- Unión Argentina de Rugby (UAR) – offizieller Bericht über das Spiel in Mendoza, Spielverlauf, Aufstellungen, Karten, Punktesammler und Argentiniens nächster Einsatz (Link)
- Rugby Australia – offizieller Bericht über das 28:28-Unentschieden und Australiens ersten Seriensieg in Argentinien (Link)
- Rugby Australia – offizieller Bericht über den 27:21-Sieg der Wallabies im ersten Test in San Salvador de Jujuy (Link)
- ABC News Australia – Bestätigung der historischen Bedeutung der Serie, der Bilanz von Les Kiss, der Verletzung von Carter Gordon und des nächsten Spiels Australiens (Link)
- Sky Sports – Bericht über die Schlussphase mit 13 argentinischen Spielern sowie die Reaktionen von Harry Wilson und Les Kiss nach dem Spiel (Link)
- Unión Argentina de Rugby (UAR) – Geschichte der früheren Begegnungen zwischen Argentinien und Australien in Mendoza und Kontext des letzten Heimspiels der Pumas im Jahr 2026 (Link)