Melsungen stürzte Flensburg und erkämpfte ein rein deutsches Finale der European League gegen Kiel
MT Melsungen hat sich nach einem überzeugenden 37:30-Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt im Halbfinale der Winamax EHF Finals 2026, das am 30. Mai in der Barclays Arena in Hamburg ausgetragen wurde, den Einzug ins Finale der EHF European League Men gesichert. Dem offiziellen Bericht der Europäischen Handballföderation zufolge ging die Mannschaft von Trainer Roberto Parrondo mit einer knappen 15:14-Führung in die Pause und brach anschließend in der zweiten Hälfte den Titelverteidiger, wodurch sie das angekündigte, offene deutsche Duell in einen überraschend klaren Sieg verwandelte. Melsungen erreichte damit sein erstes internationales Finale in Wettbewerben unter dem Dach der EHF und beendete Flensburgs Erfolgsserie bei Finalturnieren in Hamburg. Im Finale am Sonntag, dem 31. Mai um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit, spielt Melsungen gegen den THW Kiel, der im ersten Halbfinale Montpellier Handball mit 29:28 besiegte.
Das Ergebnis von 37:30 ist besonders bedeutsam, weil Flensburg als zweifacher aufeinanderfolgender Sieger der EHF European League und als Mannschaft, die den dritten Titel in Serie jagte, nach Hamburg gekommen war. Die EHF führt an, dass Flensburg zuvor die Finalturniere 2024 und 2025 gewonnen hatte, während es im diesjährigen Halbfinale nicht gelang, den Rhythmus zu halten, der die Mannschaft während der Saison geprägt hatte. Melsungen erhielt dagegen ein Jahr nach der schmerzhaften Niederlage gegen denselben Gegner im Halbfinale 2025 die Gelegenheit, um die erste große Trophäe der Vereinsgeschichte zu spielen. Das Finalturnier in Hamburg wird somit einen neuen Meister der European League hervorbringen, denn weder Melsungen noch Kiel haben diesen Wettbewerb in seinem jetzigen Format bisher gewonnen.
Eine starke zweite Halbzeit entschied das deutsche Duell
Die Partie hatte in der ersten Hälfte einen anderen Rhythmus, als es das Endergebnis vermuten lässt. Flensburg hatte in der frühen Phase die Möglichkeit, sich einen deutlicheren Vorsprung zu erspielen, doch dem EHF-Bericht zufolge ließ die Mannschaft vier aufeinanderfolgende Chancen zur 8:4-Führung aus. Melsungen überstand das und übernahm nach und nach die Kontrolle, teilweise dank der Tore von Aaron Mensing, einem ehemaligen Flensburger Spieler. Dennoch reagierte der Titelverteidiger mit einem Torwartwechsel, brachte Kevin Møller, den wertvollsten Spieler des Finalturniers 2025, und schaffte es in der Schlussphase der ersten Halbzeit, die Partie wieder zu öffnen. Ein wichtiger Moment ereignete sich in der 26. Minute, als Melsungens Außenspieler David Mandić die Rote Karte erhielt und Flensburg per Siebenmeter zum 14:14 kam.
Trotz dieses Rückschlags ging Melsungen mit einem Tor Vorsprung in die Pause, und die Fortsetzung brachte eine völlige Veränderung im Ton der Partie. Die EHF hebt hervor, dass Parrondos Spieler nach der Pause die Lücken in Flensburgs Abwehr deutlich leichter fanden, sei es durch die Größe und Kraft von Dainis Kristopans, sei es durch die Schnelligkeit und Kreativität von Erik Balenciaga. Bereits in der 40. Minute zog Melsungen auf 24:20 davon, was in einer Partie mit einem solchen Stellenwert das erste ernsthafte Signal war, dass der Titelverteidiger den Halt verlor. Noch wichtiger war die Leistung von Nebojša Simić, der innerhalb weniger Minuten zwei Siebenmeter von Emil Jakobsen parierte und die Energie zusätzlich auf Melsungens Seite lenkte. Als der Abstand in der 45. Minute auf 29:22 anwuchs, geriet Flensburg in eine Zone, aus der man gegen eine organisierte und disziplinierte Mannschaft nur schwer zurückkommt.
Timo Kastening bestätigte acht Minuten vor Schluss mit dem Treffer zum 33:26 praktisch, dass Melsungen das Spiel um den Titel bestreiten würde. Flensburg konnte den Rückstand bis zum Ende noch teilweise verkürzen, fand aber keinen Weg zu einer ernsthaften Rückkehr. Den offiziellen EHF-Daten zufolge war Kristopans mit neun Toren aus dreizehn Versuchen Melsungens bester Torschütze, während Simon Pytlick für Flensburg acht Tore aus fünfzehn Versuchen erzielte. Simić beendete die Begegnung mit fünfzehn Paraden, und gerade seine Leistung war die wichtigste defensive Stütze der Siegermannschaft.
Flensburg blieb ohne Chance auf eine historische Serie
Flensburgs Niederlage hat einen größeren Kontext als ein einziges verlorenes Halbfinale. Die Europäische Handballföderation führt an, dass die SG Flensburg-Handewitt vor dieser Begegnung alle vier Spiele gewonnen hatte, die sie bei den EHF Finals in Hamburg 2024 und 2025 bestritten hatte, wobei sie beide Male die Trophäe in die Höhe stemmte. In der Saison 2025/26 erzielte die Mannschaft in der European League im Durchschnitt 36 Tore pro Spiel, doch gegen Melsungen gelang es ihr nicht, die gewohnte Geschwindigkeit und Flüssigkeit zu entwickeln. Melsungens Abwehr war gut vorbereitet, und in den letzten rund zwanzig Minuten der Begegnung machte Simić mit einer Serie von Paraden den Unterschied, der sich auf der Anzeigetafel in einen uneinholbaren Vorsprung verwandelte.
Flensburg blieb damit ohne die Chance, am Sonntag gegen Kiel um den dritten aufeinanderfolgenden Titel zu spielen, was im europäischen Klubhandball ein besonders starkes Ergebnis gewesen wäre. Die Mannschaft von Aleš Pajovič wird nun das Spiel um Platz drei gegen Montpellier Handball bestreiten, eine Neuauflage des letztjährigen Finales, in dem Flensburg klar überlegen war. Dem EHF-Spielplan zufolge wird das Duell um Platz drei am 31. Mai um 15 Uhr gespielt, während das Finale drei Stunden später beginnt. Für Flensburg ist das eine abrupte Wende an einem Wochenende, das seine Dominanz in der European League bestätigen sollte, sich nach der zweiten Halbzeit gegen Melsungen jedoch in einen Kampf um die Korrektur des Eindrucks verwandelte.
Die Aussagen nach dem Spiel zeigten, wie verdient Melsungens Sieg war. Flensburgs Torwart Benjamin Burić bewertete laut den offiziellen EHF-Zitaten, dass Melsungen klug gespielt habe und dass sein Torwart seinen Tag gehabt habe, und fügte hinzu, dass der Sieg verdient gewesen sei. Trainer Aleš Pajovič betonte, seine Mannschaft habe Melsungens Angriffe nicht stoppen können, insbesondere das Sieben-gegen-sechs-Spiel, und bei einem Turnier in einem solchen Format sei es schwierig, nach einem Rückstand von vier oder fünf Toren zurückzukommen. Eine solche Einschätzung passt zum Bild einer Partie, in der Flensburg bis zur Halbzeit mithielt, in der Fortsetzung jedoch Kontrolle und Rhythmus verlor.
Melsungen erhielt die Revanche für 2025 und das erste europäische Finale
Für Melsungen hatte dieser Sieg auch eine starke emotionale Dimension. Vor einem Jahr, ebenfalls in Hamburg, hatten dieselben Gegner das Halbfinale der EHF Finals gespielt, und Flensburg hatte damals nach Verlängerung mit 35:34 triumphiert und anschließend den Titel gewonnen. Die EHF erinnert daran, dass Melsungen das Finalturnier 2025 ohne Sieg beendete, nach einer Niederlage im Halbfinale und anschließend im Spiel um Platz drei gegen Kiel. Diesmal änderte sich das Szenario vollständig: Melsungen besiegte den Titelverteidiger, erreichte das erste Finale in einem EHF-Wettbewerb und bekam die Chance, die Saison mit einer historischen Trophäe abzuschließen.
Trainer Roberto Parrondo betonte nach der Begegnung, dass der endgültige Unterschied von sieben Toren nicht zeige, wie anspruchsvoll die Partie gewesen sei. Laut EHF sagte Parrondo, seine Mannschaft habe in jedem Angriff äußerst konzentriert sein und in der Abwehr Flensburgs außergewöhnliche Spieler stoppen müssen. Er fügte hinzu, dass ein Finalturnier für die Fans ein großartiges Erlebnis sein könne, für Trainer aber sehr anspruchsvoll sei, weil zwischen Halbfinale und Finale weniger als 24 Stunden Vorbereitung blieben. Seine Aussage zeigt deutlich, dass die Feier im Melsunger Lager nicht lange dauern konnte, denn schon am nächsten Tag folgte das Duell mit Kiel.
Dainis Kristopans, Melsungens bester Torschütze im Halbfinale, beschrieb die Begegnung laut EHF-Zitaten als großen Druck und eine Art Revanche für die vergangene Saison. Der lettische rechte Rückraumspieler betonte, dass sich die Mannschaft die gesamte Woche sehr ernsthaft auf Flensburg vorbereitet habe und in der zweiten Halbzeit spielen musste, ohne an Müdigkeit zu denken. Nebojša Simić hob ebenfalls hervor, dass die Mannschaft eine schwere Saison hinter sich habe, nun aber die Chance besitze, den ersten Titel zu gewinnen. Seine Siebenmeter-Paraden gegen Jakobsen nannte er als den Moment, der die Begegnung entschied, weil Flensburgs Versuch einer Rückkehr genau dann gestoppt wurde, als Melsungen seinen Vorsprung ausbaute.
Kiel nach dramatischem Sieg über Montpellier im Finale
Der zweite Finalist, THW Kiel, erreichte das Endspiel früher am selben Tag durch einen 29:28-Sieg gegen Montpellier Handball. Dem offiziellen EHF-Bericht zufolge führte Kiel zur Halbzeit mit 15:12, Montpellier kam in der zweiten Hälfte zurück und drehte den Rhythmus der Begegnung, doch die deutsche Mannschaft fand in der Schlussphase einen Weg zum Sieg. Der Schlüsselmoment ereignete sich in den letzten Sekunden, als Torwart Andreas Wolff mit einer Doppelparade den knappen Vorsprung Kiels rettete. Die EHF führt an, dass Wolff die Partie mit dreizehn Paraden beendete, darunter jene wichtigsten ganz am Ende.
Kiel nahm damit Revanche an Montpellier für das letztjährige Halbfinale, in dem die französische Mannschaft mit einem Treffer in den letzten Augenblicken gewonnen hatte. In dieser Saison war der Ausgang umgekehrt, und der deutsche Rekordmeister erreichte sein erstes Finale der EHF European League. Der Klub aus Kiel besitzt eine reiche europäische Geschichte, darunter vier Titel in der EHF Champions League und vier Titel im EHF Cup, doch in diesem Wettbewerb in seinem aktuellen Format spielt er erstmals um die Trophäe. Das verleiht dem Finale gegen Melsungen zusätzliches Gewicht: Ein Klub sucht überhaupt den ersten internationalen Titel, der andere will eine neue europäische Bestätigung in einem Wettbewerb, den er noch nicht gewonnen hat.
Die EHF führt in der Vorschau auf den Finaltag an, dass es sich um das dritte rein deutsche Finale der EHF European League handelt, nach 2021 und 2024. Außerdem betont sie, dass der neue Sieger erneut aus Deutschland kommen wird, während Benfica aus dem Jahr 2022 bislang der einzige Gewinner dieser Trophäe von außerhalb Deutschlands im aktuellen Wettbewerbsformat ist. Im selben Kontext wird auch die Bedingung im Zusammenhang mit der Qualifikation für die EHF Champions League 2026/27 genannt: Wenn die Füchse Berlin das EHF FINAL4 der Champions League in Köln nicht gewinnen, erhält der Sieger des Hamburger Finales in der nächsten Saison einen Platz im stärksten europäischen Klubwettbewerb. Damit besitzt das Finale zwischen Kiel und Melsungen auch einen sportlichen und wettbewerblichen Wert, der über die Trophäe selbst hinausgeht.
Hamburg erneut Mittelpunkt der Schlussphase der European League
Die Winamax EHF Finals 2026 finden am 30. und 31. Mai in der Barclays Arena in Hamburg statt, und den offiziellen Informationen der EHF zufolge kämpfen drei deutsche Mannschaften und ein französischer Vertreter um den Titel. Die Teilnehmer des Finalturniers waren MT Melsungen, THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt und Montpellier Handball. Das Format des Finalwochenendes bleibt für die EHF Finals klassisch: Am Samstag werden zwei Halbfinals gespielt, am Sonntag das Spiel um Platz drei und das Finale. Die Internationale Handballföderation beschreibt die EHF Finals Men ebenfalls als Höhepunkt der zweiten Stufe des europäischen Klubhandballs.
Das Hamburger Turnier unterstrich zusätzlich die Tiefe des deutschen Klubhandballs. An den Halbfinals nahmen drei deutsche Vertreter teil, und das Finale wird ausschließlich deutsch sein. Die EHF erinnerte in ihrer Live-Übertragung daran, dass seit 2010 in der zweiten europäischen Klubstufe, einschließlich der früheren Formate des EHF Cups und des Europapokals der Pokalsieger, nur zweimal keine Mannschaft aus Deutschland den Titel gewann. Eine solche Statistik gibt dem Sieg Melsungens über Flensburg Kontext: Es geht nicht nur um eine Überraschung innerhalb eines einzelnen Spiels, sondern auch um eine neue Verschiebung der Kräfteverhältnisse unter deutschen Klubs auf internationaler Bühne.
Für Melsungen ist der Finaltag die Gelegenheit, den Sieg über Flensburg in einen historischen Schritt nach vorn zu verwandeln. Für Kiel ist es die Möglichkeit, eine Saison ohne nationale Trophäen mit einem europäischen Titel abzuschließen und den Status eines Klubs zu bestätigen, der in Finalspielen zu gewinnen weiß. Flensburg und Montpellier, die Finalisten des Vorjahres, spielen nun um Platz drei, was am besten zeigt, wie sehr sich die Rangordnung in nur einer Saison verändert hat. Nach dem Halbfinale, in dem Melsungen den Titelverteidiger mit 37:30 überspielte, geht die Schlussphase in Hamburg mit einer klaren Erkenntnis in den letzten Tag: Die European League wird einen neuen Sieger bekommen, und der deutsche Handball eine weitere internationale Trophäe.
Quellen:
- Europäische Handballföderation (EHF) – Bericht über Melsungens Sieg gegen Flensburg im Halbfinale der Winamax EHF Finals 2026. (Link)
- Europäische Handballföderation (EHF) – offizieller Spielplan, Ergebnisse und Informationen zum Finalturnier in Hamburg. (Link)
- Europäische Handballföderation (EHF) – Bericht über den Sieg des THW Kiel gegen Montpellier Handball im ersten Halbfinale. (Link)
- Europäische Handballföderation (EHF) – offizielle Aussagen von Spielern und Trainern nach den Halbfinalspielen am 30. Mai 2026. (Link)
- Europäische Handballföderation (EHF) – Vorschau auf den Finaltag und Kontext des Finales THW Kiel – MT Melsungen. (Link)
- Internationale Handballföderation (IHF) – Zusammenfassung der Veranstaltung EHF Finals Men 2026 und Liste der Teilnehmer des Finalturniers. (Link)