Artemis II wieder auf Kurs zum Start: NASA und ESA in den abschließenden Vorbereitungen für die erste bemannte Mission zum Mond seit mehr als einem halben Jahrhundert
Das Space Launch System der NASA und das Raumschiff Orion sind erneut in Richtung Startrampe 39B im Kennedy Space Center in Florida aufgebrochen, was eine neue Phase der Vorbereitungen für Artemis II markiert, die erste bemannte Mission des Artemis-Programms. Es handelt sich um einen Flug, der in den weltweiten Raumfahrtkreisen als einer der wichtigsten Tests der neueren Ära der Erforschung des tiefen Weltraums betrachtet wird, denn vier Astronauten sollen den Mond umrunden und zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren zur Erde zurückkehren.
Die jüngsten Entwicklungen folgen auf mehrtägige technische Überprüfungen und eine Reihe von Verzögerungen, die nach den Tests der Rakete an der Rampe eintraten. Mitte März gab die NASA bekannt, dass alle Schlüsselteams nach der abschließenden Bereitschaftsprüfung grünes Licht für den weiteren Weg zum Start gegeben haben, mit dem Plan, die Rakete vor Beginn des Startfensters im April zur Rampe zurückzubringen. Nach Angaben der NASA wurde der ursprüngliche Rollout-Plan für den 19. März zunächst wegen des Austauschs eines elektrischen Kabelbaums im Flugabbruchsystem der Zentralstufe der Rakete verschoben, und anschließend eröffnete der beschleunigte Abschluss der Arbeiten die Möglichkeit, dass der Ausrollvorgang doch früher als erwartet stattfinden könnte.
Schließlich bestätigte die NASA, dass Artemis II in der Nacht zum 20. März Ortszeit erneut in Richtung Startrampe aufgebrochen ist. Es ist der zweite Weg dieser Konfiguration zur Rampe 39B in diesem Jahr. Der erste erfolgte im Januar, als das gewaltige System, auf einem mobilen Launcher montiert und vom Crawler-Transporter der NASA getragen, etwa 6,5 Kilometer vom Vehicle Assembly Building zur Startposition zurücklegte. Auch die jetzige Rückkehr zur Rampe erfolgt auf derselben bekannten, aber äußerst empfindlichen Route, mit einer Geschwindigkeit, die um ein Vielfaches langsamer ist als der übliche Straßenverkehr, weil selbst kleinste Vibrationen, meteorologische Bedingungen oder technische Unregelmäßigkeiten Folgen für die Vorbereitungen haben können.
Warum Artemis II in das Montagegebäude zurückkehren musste
Obwohl der erste Rollout im Januar als wichtiger Schritt in Richtung des historischen Flugs bezeichnet wurde, zeigten die anschließenden Vorbereitungen, wie komplex jedes Segment dieser Mission ist. Im Februar führte die NASA die sogenannte wet dress rehearsal durch, eine vollständige Generalprobe des Starts, bei der die Rakete mit kryogenen Treibstoffen befüllt wird, Countdown-Sequenzen geübt und die Bereitschaft der Boden- und Flugsysteme überprüft werden. Nach Angaben der NASA endete die Probe wie geplant bei T-29 Sekunden, was der Behörde ermöglichte, entscheidende Daten über das Verhalten des Systems unter Bedingungen zu sammeln, die einem realen Start möglichst nahekommen.
Gerade nach diesem Test wurde jedoch ein Problem entdeckt, das mit der Heliumzufuhr zur Oberstufe der Rakete zusammenhing, also zur Interim Cryogenic Propulsion Stage. Helium spielt in dieser Konfiguration eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Drucks in den Treibstofftanks, sodass jede Anomalie in diesem Teil des Systems automatisch zu einer Frage höchster Priorität wird. Die NASA entschied deshalb, die gesamte Rakete und Orion zurück in das Vehicle Assembly Building zu bringen, damit Techniker Zugangsbereiche öffnen, die problematischen Komponenten inspizieren und Reparaturen unter besser kontrollierten Bedingungen durchführen konnten.
Laut offiziellen Informationen stellten die Ingenieure fest, dass eine Dichtung in der sogenannten quick-disconnect-Verbindung den Heliumfluss von den Bodensystemen zur Rakete behinderte. Die Teams demontierten daraufhin die Verbindung, bauten das System erneut zusammen und führten Validierungstests bei reduziertem Durchfluss durch, um zu bestätigen, dass das Problem behoben war. Parallel dazu wurde auch eine Reihe zusätzlicher Arbeiten durchgeführt, darunter die Aktivierung neuer Batterien im Flugabbruchsystem, der Austausch von Batterien an der Oberstufe, der Zentralstufe und den seitlichen Feststoffboostern sowie das Laden der Batterien des Startrettungssystems von Orion.
Diese Vorsicht ist keine bürokratische Formalität, sondern eine Notwendigkeit. Artemis II ist weder eine Frachtmission noch eine unbemannte Demonstration, sondern der erste Flug der SLS-Rakete und des Orion-Raumschiffs mit menschlicher Besatzung. Jedes Teilsystem muss nicht nur unter nominalen Bedingungen, sondern auch in möglichen Notfallszenarien überprüft werden. In offiziellen Materialien führt die NASA an, dass zu den Hauptzielen der Mission die Bestätigung der Fähigkeiten der Lebenserhaltungssysteme für die Besatzung, die Überprüfung von Hardware und Abläufen, die für die Mondkampagne entscheidend sind, die Sammlung von Daten für zukünftige Flüge sowie die Demonstration von Verfahren für Notfälle und die Bergung der Besatzung gehören.
Was Artemis II eigentlich ist und warum sie wichtig ist
Artemis II ist der erste bemannte Flug im Rahmen des breiteren Programms, mit dem die Vereinigten Staaten gemeinsam mit internationalen Partnern eine nachhaltige Präsenz um den Mond und auf seiner Oberfläche aufbauen wollen. Anders als Artemis I, das 2022 eine unbemannte Testmission war, muss Artemis II zeigen, dass die Rakete, das Raumschiff, die Bodeninfrastruktur und die operativen Teams für einen Flug mit Astronauten jenseits des niedrigen Erdorbits bereit sind.
Die geplante Besatzung vereint vier Astronauten: Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch von der NASA sowie Missionsspezialist Jeremy Hansen von der kanadischen Raumfahrtagentur. Schon die Zusammensetzung der Besatzung trägt eine starke Symbolik, aber auch technisches Gewicht. Die NASA präsentiert diese Mission nicht nur als prestigeträchtige Rückkehr menschlicher Flüge in Richtung Mond, sondern als operativen Test aller Systeme, die in den kommenden Jahren auch komplexere Mondmissionen unterstützen sollen.
Nach Angaben von NASA und ESA soll die Mission etwa zehn Tage dauern. Orion wird nach dem Start mehrere Male die Erde umkreisen und sich dann auf den Weg zum Mond machen. Während des Flugs wird die Besatzung Systemprüfungen und Demonstrationen der Steuerung des Raumschiffs durchführen, einschließlich Tests, die für künftige Operationen im Zusammenhang mit der Mondstation Gateway wichtig sein werden. Im Press Kit führt die NASA an, dass sich Orion und die Besatzung etwa 4.600 Meilen hinter die erdabgewandte Seite des Mondes entfernen werden, danach auf einer Freirückkehrbahn zur Erde zurückkehren und die Mission mit einer Wasserung im Pazifischen Ozean abschließen.
Im weiteren politischen und technologischen Sinn ist Artemis II auch ein Test der Glaubwürdigkeit des gesamten Artemis-Programms. Nach zahlreichen Terminverschiebungen, steigenden Kosten und verstärkter Kontrolle durch amerikanische Institutionen wäre der Erfolg dieser Mission ein starkes Signal dafür, dass die NASA in der Lage ist, von der Entwicklungsphase in die Phase regelmäßiger bemannter Operationen zum Mond überzugehen. Ein Misserfolg oder eine weitere größere Verzögerung würde dagegen erneut Fragen nach dem Tempo und der Nachhaltigkeit des amerikanischen Mondprogramms aufwerfen.
Europäischer Beitrag: Ohne das ESA-Servicemodul könnte Orion die Mission nicht durchführen
Ein wichtiger Teil der Geschichte von Artemis II betrifft Europa. Das Europäische Servicemodul der ESA, das zweite für das Orion-Programm gebaute, ist ein Schlüsselelement des gesamten Raumschiffs. Es liefert elektrische Energie, Antrieb, Wasser, Sauerstoff, Stickstoff und Wärmeregulierung, also Funktionen, ohne die vier Astronauten nicht sicher zum Mond und zurück reisen könnten. Die ESA betont, dass gerade dieses Modul das Herz des europäischen Beitrags zur Mission ist, und an seiner Herstellung waren mehr als 20 Unternehmen aus 10 ESA-Mitgliedstaaten beteiligt, wobei Airbus die führende industrielle Rolle innehatte.
Die europäische Rolle endet nicht mit der Lieferung der Hardware. Während der Mission werden Ingenieure, die den Betrieb des Servicemoduls am besten kennen, praktisch ununterbrochen von ESA-Zentren in den Niederlanden und Deutschland sowie vom Johnson Space Center der NASA in Houston aus Unterstützung leisten. Das macht Artemis II auch zu einem ausgesprochen internationalen Projekt: eine amerikanische Rakete und Kapsel, ein europäisches Antriebs- und Unterstützungsmodul sowie ein kanadischer Astronaut in der Besatzung zeigen gemeinsam, wie Mondmissionen des 21. Jahrhunderts durch Partnerschaften und nicht nur durch nationale Programme aufgebaut werden.
In ihren Materialien führt die ESA an, dass das Servicemodul für Artemis II etwa 8.600 Kilogramm Treibstoff, 240 Kilogramm Trinkwasser, 30 Kilogramm Stickstoff und 90 Kilogramm Sauerstoff mitführt. Seine Solarpaneele spannen sich nach dem Entfalten im Weltraum auf etwa 19 Meter. Für ein breiteres Publikum übersetzt bedeutet das, dass Europa nicht nur symbolisch teilnimmt, sondern ein System bereitstellt, das Orion buchstäblich am Leben und auf der richtigen Bahn hält.
Das Startfenster im April und was der Zeitplan bedeutet
Nach dem aktualisierten NASA-Kalender, der am 12. März veröffentlicht wurde, öffnet sich das erste Startfenster im April am 1. April um 18:24 Uhr Ortszeit in Florida, also um 22:24 UTC, was 00:24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit am 2. April entspricht. Danach folgen weitere Termine am 2., 3., 4., 5. und 6. April Ortszeit, also in den Nacht- und frühen Morgenstunden mitteleuropäischer Zeit, und eine zusätzliche Gelegenheit ist auch für den 30. April vorgesehen.
Für europäische und kroatische Leser bedeutet das konkret, dass derzeit folgende Startmöglichkeiten in Mitteleuropäischer Sommerzeit geplant sind: am 2. April um 00:24 Uhr, am 3. April um 01:22 Uhr, am 4. April um 02:00 Uhr, am 5. April um 02:53 Uhr, am 6. April um 03:40 Uhr und am 7. April um 04:36 Uhr. Die NASA weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass die Zeiten Anpassungen unterliegen, was in der Praxis bedeutet, dass Wetterbedingungen, der technische Status der Systeme und abschließende Überprüfungen den tatsächlichen Startversuch innerhalb des verfügbaren Fensters verschieben können.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Zeitplan an sich nicht bedeutet, dass der Start genau am ersten Tag des Fensters garantiert ist. Im Raumfahrtbetrieb gibt es einen Unterschied zwischen der Bereitschaft zu einem Startversuch und der endgültigen Entscheidung zum Start. Die NASA und ihre Partner stimmen daher in den letzten Wochen alle Segmente sorgfältig aufeinander ab, von meteorologischen Vorhersagen und dem Gesundheitszustand der Besatzung bis hin zum Betrieb der Systeme an der Rampe und den Kommunikationsverfahren.
Der zweite Rollout als Symbol der Beharrlichkeit, aber auch als Erinnerung an die Komplexität des Programms
Allein die Tatsache, dass Artemis II erneut den Weg zur Rampe angetreten hat, sagt genug über die Phase aus, in der sich das Programm derzeit befindet. Einerseits teilt die NASA mit, dass die Probleme entdeckt, analysiert und behoben wurden und dass die Mission weiterhin bereits Anfang April für den Start vorbereitet werden kann. Andererseits zeigt der gesamte Prozess, wie schmal der Grat zwischen großem technischem Fortschritt und der Notwendigkeit zusätzlicher Verzögerungen ist, wenn es um bemannte Raumflüge geht.
In der Öffentlichkeit wird oft die spektakuläre visuelle Dimension des Rollouts hervorgehoben: eine fast hundert Meter hohe Rakete, ein mobiler Launcher und ein langsamer, fast zeremonieller Weg zur Rampe. Doch hinter diesen Bildern stehen Monate der Integration, Tests, des Austauschs von Komponenten, der Datenanalyse und von Verfahren, die gerade deshalb wiederholt werden, damit das Risiko auf das kleinstmögliche Maß reduziert wird. Artemis II ist daher nicht nur eine Geschichte über die Rückkehr zum Mond, sondern auch eine Geschichte über industrielle Disziplin, das Management komplexer Systeme und internationale Koordination.
Im Moment ist die wichtigste Schlussfolgerung nicht, dass der Start sicher ist, sondern dass die Mission erneut operativen Schwung gewinnt. Die Rakete ist wieder auf dem Weg zur Rampe, die Termine im April bleiben offen, und NASA und ESA setzen die Vorbereitungen für einen Flug fort, der den Beginn einer neuen Ära menschlicher Missionen jenseits des niedrigen Erdorbits markieren könnte. Wenn Artemis II nach dem aktuellen Plan startet, wird das nicht nur ein weiteres hochkarätiges Raumfahrtereignis sein, sondern auch der erste echte Beweis dafür, dass die Rückkehr der Menschen zum Mond nach Jahrzehnten des Wartens nicht mehr als ferne Ambition betrachtet wird, sondern als konkreter, technisch machbarer Schritt.
Quellen:- NASA – offizielle Mitteilung über die abschließende Bereitschaftsprüfung und grünes Licht für den weiteren Weg zum Start im April (link)- NASA – offizielle Mitteilung über die Reparatur des Heliumdurchflusssystems und zusätzliche technische Arbeiten, einschließlich Batteriewechseln (link)- NASA – Mitteilung über die Beschleunigung der abschließenden Arbeiten und den neuen Rollout-Plan zur Rampe 39B (link)- NASA – offizieller Kalender der Startmöglichkeiten im April, aktualisiert am 12. März 2026 (link)- NASA – allgemeiner Überblick über die Artemis-II-Mission, die Zusammensetzung der Besatzung, die Missionsdauer und den Status als erste bemannte Mission auf SLS und Orion (link)- NASA – Press Kit mit einer Beschreibung der Flugbahn, der Missionsprioritäten und der wichtigsten operativen Ziele (link)- NASA – Aufzeichnung des wet-dress-rehearsal-Tests und des Abschlusses der Generalprobe mit dem Countdown bis T-29 Sekunden (link)- ESA – offizieller Überblick über die Artemis-II-Mission und die Rolle des Europäischen Servicemoduls beim Flug zum Mond und zurück (link)- ESA – technischer Überblick über das Europäische Servicemodul und seine Funktionen für Orion (link)
Unterkünfte in der Nähe finden
Erstellungszeitpunkt: 3 Stunden zuvor