Jake Paul bot NFL-Spielern eine Million Dollar für ein ungewöhnliches Duell aus Boxen und American Football
Jake Paul verband erneut Profisport, soziale Netzwerke und Spektakel, indem er aktuellen oder ehemaligen NFL-Spielern eine Million US-Dollar anbot, wenn sie nach seinem ungewöhnlichen Vorschlag beweisen würden, dass sie besser boxen, als er in der Rolle eines Passempfängers im American Football erfolgreich ist. Die Herausforderung veröffentlichte er am 1. August 2026 im sozialen Netzwerk X, nachdem mehrere Tage lang über seine Behauptung diskutiert worden war, er könne in der stärksten American-Football-Liga auf der Position des Slot Receivers spielen. Paul schlug einen zweiteiligen Wettkampf vor: Ein NFL-Spieler würde im Boxring gegen ihn antreten, anschließend würde Paul Passrouten laufen, während derselbe Gegner versuchte, ihn auf dem Feld zu decken. Die endgültige Entscheidung darüber, wer sich in der Sportart des anderen besser geschlagen habe, würde nach seiner Vorstellung das Internetpublikum treffen.
Das Angebot erregte sofort Aufmerksamkeit, weil es gleichzeitig eine beträchtliche Geldsumme und Regeln umfasst, die noch nicht genau definiert sind. Paul gab nicht bekannt, wie lange der Boxteil dauern würde, ob es sich um einen professionellen oder einen Schaukampf handeln würde, welche Handschuhe verwendet würden, ob es Gewichtsgrenzen gäbe oder wer die Veranstaltung regulieren würde. Ebenso legte er weder die Anzahl der Routen auf dem Feld noch die Art der Pässe, die Dauer der Spielzüge, die Kriterien für einen erfolgreichen Fang oder die Methode fest, nach der zwei völlig unterschiedliche Leistungen miteinander verglichen würden. In seinem Beitrag erklärte er, er werde seinen Privatjet schicken, um einen interessierten Gegner abzuholen, doch bis zum 2. August 2026 wurden weder ein unterzeichneter Vertrag noch ein Datum, ein Veranstaltungsort oder ein offizieller Organisator des Wettkampfs bekannt gegeben.
Herausforderung entstand nach Konflikt mit Ryan Clark
Auslöser für Pauls Angebot war eine Diskussion mit Ryan Clark, einem ehemaligen NFL-Safety und einem der Moderatoren des Podcasts The Pivot. Clark widersprach Pauls Einschätzung, dass er ohne professionelle Erfahrung im American Football sofort um einen Platz als Passempfänger in der NFL konkurrieren könne. Im Gespräch stellte er insbesondere Pauls Selbstsicherheit infrage, er könne im Stil bekannter Slot Receiver wie Wes Welker oder Julian Edelman spielen, und betonte, dass der Boxer noch nie auf einem professionellen Footballfeld angetreten sei. Paul entgegnete mit Aussagen über seine Kraft, Geschwindigkeit, Arbeitsmoral und Fähigkeit, den Ball zu fangen, und bestand darauf, dass er mit entsprechendem Routentraining in eine andere Sportart wechseln könne.
Clarks Kritik hat auch wegen seiner langjährigen Karriere in der Liga Gewicht. Nach der offiziellen NFL-Statistik bestritt er als Defensivspieler 177 Spiele der regulären Saison und spielte für die New York Giants, Washington und die Pittsburgh Steelers. Er beendete seine Karriere mit 815 kombinierten Tackles und 16 Interceptions und gewann mit den Steelers den Super Bowl XLIII. Seine Position erforderte das Lesen der gegnerischen Offensive, das Decken von Räumen und direkte Duelle mit Passempfängern, weshalb er die Diskussion auf den Unterschied zwischen allgemeiner athletischer Fähigkeit und den spezialisierten Fertigkeiten lenkte, die für das Spielen in der NFL erforderlich sind.
Paul zog sich nach der Kritik jedoch nicht zurück. In einem weiteren Beitrag behauptete er, kein NFL-Spieler würde gegen ihn in einem professionellen Boxring zwei Runden überstehen, während er nach eigener Einschätzung bereits am folgenden Tag einen Pass zum Touchdown fangen könne. Damit verlagerte er die Diskussion von der Frage, ob er eine tatsächliche NFL-Karriere erreichen könne, auf ein Werbeduell, bei dem beide Seiten ihr eigenes Fachgebiet verlassen müssten. Ein solches Format würde Pauls ursprüngliche Behauptung unter den Bedingungen eines Ligaspiels nicht wirklich prüfen, aber es würde ein leicht verständliches Internetspektakel mit einem klaren Aufeinandertreffen von Boxen und American Football schaffen.
Chad Johnson zeigte als einer der Ersten Interesse
Zu den bekanntesten Namen, die reagierten, gehörte Chad Johnson, der ehemalige Passempfänger der Cincinnati Bengals und der New England Patriots, der auch unter dem Spitznamen Ochocinco bekannt ist. Johnson antwortete auf Pauls Beitrag mit einer Nachricht, die als Bereitschaft interpretiert wurde, die Herausforderung anzunehmen. Seine Beteiligung ist besonders interessant, weil er auf beiden Seiten des geplanten Wettkampfs Erfahrung besitzt: Er war ein herausragender NFL-Receiver, versuchte sich nach seiner Spielerkarriere aber auch in einem Box-Schaukampf. Deshalb wäre er ein wesentlich überzeugenderer Kandidat als ein durchschnittlicher ehemaliger Spieler, der nie eine Kampfsportart trainiert hat.
Offizielle NFL-Daten zeigen, dass Johnson in elf Spielzeiten 766 Pässe für 11.059 Yards und 67 Touchdowns in 166 Spielen der regulären Saison fing. Er wurde sechsmal in den Pro Bowl gewählt und verbrachte den größten Teil seiner Karriere bei den Cincinnati Bengals, wo er für präzises Routenlaufen, plötzliche Richtungswechsel und seine Fähigkeit bekannt war, sich von Defensive Backs zu lösen. Genau diese Fertigkeiten stehen im Mittelpunkt von Pauls Vorschlag, denn das Laufen von Routen ist nicht nur ein Sprint zu einem vorher festgelegten Punkt. Ein erfolgreicher Receiver muss seine Schritte mit dem Passgeber synchronisieren, die defensive Deckung erkennen, bei Körperkontakt das Gleichgewicht behalten und den Ball unter Druck fangen.
Am 6. Juni 2021 trat Johnson in einem vier Runden dauernden Box-Schaukampf gegen Brian Maxwell bei der Veranstaltung an, deren Hauptkampf das Duell zwischen Floyd Mayweather und Logan Paul war. Der Kampf hatte keine offiziellen Punktrichter und keinen verkündeten Sieger. Nachdem Johnson in der letzten Runde zu Boden gegangen war, stand er wieder auf und hielt bis zum Ende durch. Diese Erfahrung macht ihn nicht zu einem professionellen Boxer auf Pauls Niveau, bedeutet jedoch, dass er die grundlegenden Anforderungen der Vorbereitung, der Bewegung im Ring und des Einsteckens von Schlägen vor einem großen Publikum kennt. Neben Johnson äußerten nach Berichten, die von US-amerikanischen Sportmedien zusammengetragen wurden, auch andere aktuelle oder ehemalige Profispieler öffentliches Interesse, doch bisher führte keine Reaktion zu einer offiziellen Vereinbarung.
Pauls Behauptung über die NFL löste breitere Meinungsverschiedenheiten aus
Die Diskussion begann nach Pauls Interview mit Front Office Sports, in dem er sagte, er habe mit mehreren NFL-Teams und Trainern gesprochen, die an der Möglichkeit seiner Verpflichtung interessiert seien. Er behauptete, in der Liga viel Mittelmäßigkeit zu sehen, einige Passempfänger ließen den Ball zu häufig fallen und er sei stärker, schneller und arbeitsbereiter als zahlreiche Spieler in den bestehenden Kadern. Seinen Worten zufolge müsse er nach dem Ende seiner Boxkarriere vor allem das Laufen von Routen trainieren. Er nannte jedoch weder die Vereine noch die Trainer öffentlich, die angeblich Kontakt mit ihm aufgenommen hatten, und keine NFL-Organisation bestätigte offiziell einen Plan, ihm einen Vertrag anzubieten.
Paul spielte an der Westlake High School im US-Bundesstaat Ohio American Football, durchlief danach jedoch weder das College-System noch einen professionellen Entwicklungsweg in dieser Sportart. Das ist ein wichtiger Unterschied, weil sich NFL-Spieler jahrelang durch spezialisierte Kraft-, Taktik- und Technikprogramme vorbereiten und Passempfänger umfangreiche Playbooks sowie Anpassungen der Routen beherrschen müssen, die von den defensiven Aufstellungen abhängen. Auch das für das Boxen erforderliche athletische Profil lässt sich nicht automatisch auf das Spielfeld übertragen: Ein Boxer trainiert Explosivität, Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Ausdauer auf begrenztem Raum, während ein Receiver wiederholt maximal beschleunigen, bei voller Geschwindigkeit die Richtung wechseln und den Ball trotz Körperkontakt des Gegners kontrollieren muss.
Andererseits verfügt Paul über erheblich mehr professionelle Sporterfahrung als zu dem Zeitpunkt, als er mit dem Boxen begann. Bis zum 2. August 2026 beträgt seine Profibilanz zwölf Siege und zwei Niederlagen, darunter sieben Siege durch K. o., laut den von Bleacher Report und anderen Sportquellen angeführten Daten. Er besiegte die ehemaligen Mixed-Martial-Arts-Champions Tyron Woodley und Anderson Silva sowie Mike Tyson, während er seine jüngste Niederlage durch K. o. in der sechsten Runde gegen Anthony Joshua erlitt. Dieses Ergebnis zeigt, dass Paul im Ring nicht nur eine Internetpersönlichkeit ohne Wettkampferfahrung ist, aber auch, dass zwischen seinem Niveau und der Spitze des Schwergewichts ein deutlicher Unterschied besteht.
Zwei Sportarten lassen sich schwer durch eine einzige Abstimmung vergleichen
Die größte Unklarheit in Pauls Vorschlag betrifft das Kriterium für den Sieg. Das Publikum sollte beurteilen, ob der NFL-Spieler gegen Paul besser geboxt hat, als Paul gegen ihn Routen gelaufen ist, doch die beiden Leistungen besitzen keine gemeinsame Maßeinheit. Im Boxteil könnten die Anzahl sauberer Treffer, die Kontrolle des Raums, die Verteidigung und die Fähigkeit, die Runden durchzuhalten, berücksichtigt werden. Auf dem Footballfeld wären die Trennung vom Verteidiger, die Präzision der Route, das Fangen, die Körperposition und der Abschluss des Spielzugs wichtig. Ohne eine im Voraus vereinbarte Punktevergabe könnten die Popularität im Internet, die Art des Videoschnitts und die Zugehörigkeit der Fans einen größeren Einfluss haben als die eigentliche sportliche Qualität.
Wichtig ist auch die Frage, wer Paul decken würde. Wenn jeder Herausforderer persönlich in der Verteidigung spielen müsste, wären Passempfänger und Spieler der Offensive Line in einer anderen Lage als professionelle Cornerbacks oder Safeties. Johnson ist beispielsweise ein Spezialist für offensives Routenlaufen, war während seiner NFL-Karriere jedoch kein spezialisierter Defensive Back. Clark hätte hingegen relevante Erfahrung beim Decken von Passempfängern, ist aber nicht als Boxer bekannt. Die Wahl des Gegners könnte daher nahezu im Voraus bestimmen, in welchem Teil der Herausforderung Paul den größeren Vorteil hätte.
Falls die Veranstaltung echte Schläge mit voller Kraft umfassen würde, müssten die Organisatoren auch gesundheitliche und regulatorische Anforderungen klären. Professionelle Boxkämpfe und Box-Schaukämpfe in den Vereinigten Staaten unterliegen üblicherweise den Vorschriften der Sportkommission des Bundesstaates, in dem sie stattfinden. Erforderlich sein könnten medizinische Untersuchungen, Lizenzen, Versicherungen, eine vereinbarte Gewichtsklasse, offizielle Regeln, Punktrichter und medizinisches Personal am Ring. Aktive NFL-Spieler müssten zusätzlich ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ihren Vereinen berücksichtigen, weil eine Verletzung außerhalb der Mannschaftsaktivitäten ihre Verfügbarkeit und ihren Status beeinträchtigen könnte. Paul erklärte in seinem ursprünglichen Beitrag nicht, wie er diese Hindernisse lösen würde.
Die Million Dollar ist vorerst ein Angebot ohne veröffentlichte Bedingungen
Pauls Formulierung lässt auch den finanziellen Teil der Geschichte offen. Es wurde nicht bekannt gegeben, ob die Million Dollar ein garantiertes Honorar, ein Preis aus einem Treuhandkonto, ein Werbebonus oder eine Wette wäre, die einen gleich hohen Einsatz der anderen Seite erfordern würde. Ebenso ist nicht bekannt, ob das Geld nur ein Sieger, jeder NFL-Spieler, der das Kriterium erfüllt, oder die Person erhalten würde, die das Publikum bei einer einzigen im Voraus vereinbarten Veranstaltung auswählt. Ohne schriftliche Regeln und einen Nachweis über die hinterlegten Mittel bleibt das Angebot eine öffentliche Herausforderung und kein verbindlicher Sportvertrag.
Diese Unbestimmtheit ist gleichzeitig ein Teil des Grundes, weshalb die Geschichte schnell viral wurde. Paul baute seine Karriere auf der Fähigkeit auf, sportliche Diskussionen in Inhalte zu verwandeln, die ein Publikum außerhalb des traditionellen Boxsports anziehen. Seine Kämpfe verbinden häufig Wettbewerb, persönliche Provokationen und eine große Verbreitung im Internet, weshalb auch der Konflikt mit NFL-Spielern so gestaltet ist, dass er als öffentliches Vorsprechen funktioniert. Selbst wenn das Duell niemals stattfindet, erhöht das Millionenangebot die Sichtbarkeit seiner Behauptung, er könne in den professionellen American Football wechseln.
Das bislang konkreteste Ergebnis der Herausforderung ist eine Reihe öffentlicher Antworten und eine neue Diskussion über die Grenzen der Übertragbarkeit athletischer Fähigkeiten. Paul besitzt echte professionelle Boxerfahrung, während NFL-Spieler über spezifische Geschwindigkeit, Kraft und Technik verfügen, die für eine völlig andere Sportart entwickelt wurden. Doch weder die eine noch die andere Seite kann ihre Behauptungen ohne klar definierte Regeln, Gesundheitsprotokolle und eine unparteiische Bewertungsmethode beweisen. Bis diese Elemente veröffentlicht werden, bleibt das ungewöhnliche Duell eine attraktive Idee für soziale Netzwerke und keine bestätigte Sportveranstaltung.
Quellen:
- Jake Paul im Netzwerk X, wiedergegeben von BroBible – ursprüngliche Formulierung der Herausforderung, Veröffentlichungsdatum und öffentliche Reaktionen interessierter Spieler (Link)
- The Pivot Podcast – Gespräch von Jake Paul mit Ryan Clark über einen möglichen Auftritt in der NFL und die Unterschiede zwischen professionellem Boxen und American Football (Link)
- Bleacher Report – Überblick über Pauls Angebot, die Reaktion von Chad Johnson, die Football-Behauptungen und die aktuelle professionelle Boxbilanz (Link)
- NFL – offizielle Statistik der Spielerkarriere von Chad Johnson (Link)
- NFL – offizielle Statistik der Spielerkarriere von Ryan Clark (Link)
- CBS Sports – Bericht über den Box-Schaukampf zwischen Chad Johnson und Brian Maxwell im Jahr 2021 (Link)