Polen baut Hotel-„Giganten“ an der Ostsee, deutsche Hoteliers an der Ostsee warnen vor Druck: Was das Projekt mit 1.200 Zimmern bringt
An der polnischen Ostseeküste, im Ort Pobierowo in der Gemeinde Rewal, wird ein Projekt fertiggestellt, das seit Monaten auf beiden Seiten der Grenze für Diskussionen sorgt: das Hotel Gołębiewski, konzipiert als Komplex mit rund 1.200 Zimmern, einem Wasserpark, Spa-Einrichtungen und großen Kongresskapazitäten. Nach jahrelangen Verzögerungen nennen einige Quellen und Medienberichte das Jahr 2026 als realistischen Termin, und zwar mit der Möglichkeit einer schrittweisen Inbetriebnahme – in der ersten Phase ein Teil der Unterkunftsetagen, Restaurants und Poolanlagen, gefolgt von der Erweiterung des Angebots nach Abschluss technischer Abnahmen und Verfahren.
Für deutsche Hoteliers an der Ostseeküste, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, ist das Projekt zum Symbol einer neuen Welle grenzüberschreitenden Wettbewerbs geworden: große Ganzjahres-Resorts, die Unterkunft, Unterhaltung und Wellness kombinieren und Pakete zu Preisen anbieten, mit denen kleinere Hotels und Familienpensionen nur schwer mithalten können. Im Fokus der Debatte steht nicht nur der Marktwettbewerb, sondern auch die Frage, welches Modell des Küstentourismus in einer Zeit klimatischer, infrastruktureller und gesellschaftlicher Belastungen der Küstenregion vorherrscht.
Was über das Projekt in Pobierowo bekannt ist: Ausmaße, Inhalte und Eröffnungsplan
Nach Angaben polnischer Fach- und Wirtschaftsmedien wurde das Objekt in Pobierowo als eine der größten Hotelinvestitionen an der polnischen Küste projektiert. Erwähnt wird ein Gebäude mit 13 Etagen und einer Gesamtfläche von rund 180.000 Quadratmetern bei einer Kapazität von mehreren tausend Gästen, wenn alle geplanten Teile in Betrieb wären. Das Konzept ist eine „Stadt im Hotel“: Neben Zimmern und Apartments sind ein Wasserpark und Pools, Sauna- und Wellnesszonen, ein breites gastronomisches Angebot, Einrichtungen für Familien sowie große Kongressräume geplant, die Geschäftsveranstaltungen außerhalb der Hauptsaison anlocken sollen.
Ein Portal, das Großinvestitionen und Genehmigungsverfahren verfolgt, gibt an, dass eine phasenweise Eröffnung als wahrscheinliches Szenario genannt wird. In diesem Rahmen stünden den Gästen in der ersten Etappe ein Teil der Etagen und Zimmer, die Rezeption, zwei Restaurants sowie Poolanlagen zur Verfügung, während die übrigen Funktionen später eingeführt würden, abhängig von der Dynamik der Endabnahmen und notwendigen Genehmigungen. Genau dieses „Etappenmodell“ wird oft genutzt, wenn der umsatzgenerierende Teil des Betriebs früher gestartet werden soll, jedoch unter der Bedingung, dass jede eröffnete Einheit vollständig sicher und formal für die Nutzung zugelassen ist.
Für die weitere Region ist auch die geografische Lage wichtig: Pobierowo liegt an der polnischen Küste nahe der deutschen Grenze, sodass das touristische Angebot nicht nur innerhalb Polens konkurriert, sondern auch mit deutschen Zielen auf Usedom und Rügen sowie mit zahlreichen kleineren Orten entlang der Küste von Mecklenburg-Vorpommern. In der Praxis bedeutet dies, dass Gäste, insbesondere Autoreisende, Ziele nach dem Gesamtangebot und dem Preis wählen, nicht nach der Staatsgrenze.
Von der Vision zu Verzögerungen: Genehmigungen, Aufsicht und Umweltfragen
Das Projekt in Pobierowo wird seit Jahren von Berichten über Terminverschiebungen begleitet. In Medienberichten werden verschiedene Gründe genannt: die Pandemie und Störungen in den Lieferketten im Baugewerbe, Änderungen in der Baustellenorganisation, aber auch eine Reihe formal-rechtlicher Fragen. In Polen wurden die Übereinstimmung der Ausführung mit den Baugenehmigungen sowie Verfahren im Zusammenhang mit Umweltbedingungen hervorgehoben, was typisch für große Eingriffe in sensiblen Küstengebieten ist.
Offizielle Spuren solcher Verfahren sind auch in öffentlichen Bekanntmachungen der lokalen Selbstverwaltung sichtbar. In den Registern der Gemeinde Rewal wurden Informationen über Verwaltungsverfahren zu den Umweltbedingungen für das Projekt „Hotel Gołębiewski in Pobierowo“ mit dazugehöriger Infrastruktur und Objekten veröffentlicht. Gleichzeitig geben Fachmedien an, dass technische Abnahmen und endgültige Genehmigungen der entscheidende Punkt waren, der die zuvor genannten Eröffnungstermine änderte, wobei in der Öffentlichkeit periodisch eine Kombination aus optimistischen Ankündigungen und nachträglichen Verzögerungen auftauchte.
Für den Investor sind Dokumentation und Aufsicht keine reine Formalität. An der Ostseeküste, wo Küstenerosion und Dünen-Dynamik ständige Themen sind und lokale Gemeinschaften sensibel auf die Belastung der Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Verkehr, Abfall) reagieren, wird ein großes Resort zum Test für die institutionelle Fähigkeit: Kann ein Modell intensiveren Tourismus unter Einhaltung von Umweltgrenzen und öffentlichen Verfahren umgesetzt werden. Genau deshalb verlässt ein Teil der Debatte den Rahmen der klassischen Tourismusgeschichte und geht in den Bereich der öffentlichen Politik über: Wer setzt die Grenzen der Entwicklung, wie wird der Raum geschützt und welchen Preis zahlt die lokale Gemeinschaft für einen starken wirtschaftlichen Impuls.
Warum Deutschland beunruhigt ist: Preise, Saisonalität und Nachfrageänderung
Die deutsche Ostseeküste verzeichnete in den letzten Jahren eine starke Nachfrage, aber auch steigende Kosten – von Energie und Arbeit bis hin zur Sanierung von Objekten sowie Druck auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Unter solchen Bedingungen kommt ein großes Resort jenseits der Grenze, das Skaleneffekte erzielen kann, oft mit einer aggressiveren Preisstrategie: Pakete, die Unterhaltung und Inhalte unter einem Dach beinhalten, ziehen Familien an, aber auch Gäste, die ein kalkulierbares Budget suchen. Für einen Teil der deutschen Vermieter und kleineren Hotels bedeutet dies möglichen Preisdruck, insbesondere im Segment „Value for Money“, das sensibel auf jeden Unterschied bei den Gesamtkosten des Urlaubs reagiert.
In den Medien angestoßene Diskussionen betonen, dass es sich in Pobierowo nicht um ein weiteres klassisches Hotel handelt, sondern um einen integrierten Komplex, der Reiseströme umleiten kann. Ein Gast, der normalerweise deutsche Ziele an der Ostsee wählt, könnte einen Teil des Urlaubs nach Polen verlegen, wenn er eine ähnliche Reiseentfernung, mehr Indoor-Angebote und einen niedrigeren Gesamtpreis erhält. In einer Region, in der das Wetter Pläne schnell ändern kann, wird ein „Plan B“ in Form eines Wasserparks und Wellness oft zum entscheidenden Kriterium – nicht nur für Familien mit Kindern, sondern auch für Paare und die ältere Bevölkerung, die eine sichere Infrastruktur unabhängig von den Wetterbedingungen wünscht.
Besonders wichtig ist die Frage der Saisonalität. Der traditionelle Küstentourismus an der Ostsee stützt sich auf den Sommer, während die Herbst- und Wintermonate schwächer sind. Projekte wie Gołębiewski rechnen damit, dass der Wasserpark, Wellness- und Kongressbereich die Kapazitäten außerhalb der Hauptsaison füllen wird. Für einen Teil der deutschen kleinen und mittleren Hotels ist dies eine Herausforderung, da viele weder die Infrastruktur für einen Ganzjahresbetrieb in dieser Größenordnung haben noch leicht kapitalintensive Einrichtungen finanzieren können. In einem solchen Spiel können Resorts mit tausend und mehr Zimmern die Investitionskosten auf eine größere Anzahl von Gästen und einen längeren Teil des Jahres „verteilen“.
„Größtes und vielleicht hässlichstes“: Wie die deutsche Presse die Geschichte einrahmte
Die Geschichte erhielt auch eine kulturpolitische Dimension nach Veröffentlichungen, die sich auf Kommentare der deutschen Zeitung Süddeutsche Zeitung beziehen, die im Rahmen der Deutschen Welle übernommen wurden. In diesen Rezensionen wird das Objekt in Pobierowo mit sehr kritischem Vokabular beschrieben, mit Schwerpunkt auf der monumentalen Architektur und dem Eindruck, dass das Projekt die Identität des kleinen Ortes verändert. Polnische Portale, die die Diskussion wiedergaben, betonen, dass sich neben Ästhetik und Ausmaßen auch die Frage nach den Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität der Einwohner stellt, bzw. wie der kleine Küstenort mit dem neuen Niveau der Besucherzahlen umgehen wird.
Eine solche Rhetorik muss nicht die Haltung der gesamten deutschen Tourismusbranche widerspiegeln, zeigt aber, dass der Wettbewerb in der Region immer häufiger durch das Prisma von Werten interpretiert wird: Ist das Modell eines großen Resorts, das Massenströme anzieht, wünschenswert oder sollte die Ostsee an einer weniger intensiven Entwicklung festhalten, mit Schwerpunkt auf Naturlandschaft und geringerer Bebauung. Im Hintergrund steht auch das klassische Dilemma von Küstenzielen: Tourismus bringt Einnahmen, aber der physische Raum und die Infrastruktur haben eine klare Belastungsgrenze.
Die Ostsee als einheitliche Region: Markt ohne Grenzen und gemeinsames Ökosystem
Die Ostsee zeichnet sich dadurch aus, dass Tourismus in einem gemeinsamen Ökosystem und in einem Raum stattfindet, in dem Grenzen einfach überschritten werden – mit dem Auto, der Fähre, manchmal auch mit dem Zug. Dadurch verstärkt sich der Wettbewerb, aber auch die Notwendigkeit für harmonisiertere Standards. In der Praxis vergleicht der Gast Ziele nach sehr konkreten Kriterien: Übernachtungspreis, Servicequalität, Verfügbarkeit von Angeboten für Kinder, Möglichkeiten bei schlechtem Wetter, Zustand der Strände, Verkehrsanbindung und das allgemeine Gefühl von „Preis-Leistungs-Verhältnis“.
In diesem Rahmen investiert die polnische Küste in den letzten Jahren in Unterkünfte mit höherem Standard und in Angebote, die auf Gäste aus Polen, Deutschland und der weiteren Region abzielen. Die deutsche Küste hingegen betont verstärkt nachhaltige Praktiken, sieht sich jedoch gleichzeitig mit steigenden Preisen konfrontiert. Das Ergebnis ist, dass die Ostsee immer weniger als eine Ansammlung getrennter nationaler Märkte betrachtet wird, sondern immer mehr als eine einheitliche Region, in der Gäste frei zum besten Angebot „überströmen“. Genau deshalb ist die Eröffnung eines großen Komplexes in Pobierowo keine lokale Nachricht: Es ist ein Signal für die Richtung, in die sich die Küstenwirtschaft in ganz Nordeuropa bewegen könnte.
Was das Projekt für die lokale Gemeinschaft bedeutet: Arbeitsplätze, Verkehr und Druck auf die Infrastruktur
Für Pobierowo und die weitere Gemeinde Rewal kann ein großes Resort eine neue Welle von Arbeitsplätzen bedeuten – von Hotel- und Gastronomieberufen bis hin zu technischen und logistischen Berufen. Das Erscheinen öffentlicher Bekanntmachungen und Rekrutierungssignale, über die polnische Fachportale schrieben, deutet auf Vorbereitungen für die operative Phase hin. Die lokalen Auswirkungen sind jedoch nicht eindimensional. Eine Erhöhung der Gästezahlen in der Hochsaison kann Straßen, Parkplätze, lokale Ambulanzen und kommunale Systeme belasten und damit auch die Kosten erhöhen, die die lokale Gemeinschaft decken oder verwalten muss. Unter solchen Bedingungen werden Verkehrslösungen, die Organisation der Zufahrten und Systeme, die plötzliche Sprünge in der Besucherzahl abfedern können, entscheidend.
In Küstenorten mit einer relativ geringen Anzahl an ständigen Einwohnern können Unterkunftskapazitäten, die in einer Welle tausende Gäste bringen, den Rhythmus des Alltags verändern. Daher rührt auch ein Teil des Widerstands in der Öffentlichkeit: Die einen warnen vor dem Verlust des ruhigeren Charakters des Ortes, während die anderen betonen, dass der Tourismus ohnehin die lokale Wirtschaft dominiert und eine starke Investition höheren Konsum, besser bezahlte Arbeitsplätze und stabilere Arbeit außerhalb der Saison bedeuten kann. Vor Ort läuft die Debatte oft auf die Frage des Gleichgewichts hinaus: Wie viel Wachstum ist genug, um Nutzen zu bringen, ohne das „aufzufressen“, warum das Ziel überhaupt attraktiv ist.
Wie sich der Wettbewerb an der Ostsee verändern könnte
Für deutsche Hoteliers stellt sich nicht nur die Frage, ob ein Teil der Gäste nach Polen abwandert, sondern auch, wie man auf die Änderung der Präferenzen reagiert. Ein Teil der Branche betont schon lange die Notwendigkeit der Differenzierung: ein stärkerer Fokus auf Authentizität, lokale Gastronomie, nachhaltige Praktiken, eine geringere Anzahl von Zimmern und ein höheres Maß an personalisiertem Service. Ein anderer Teil, insbesondere in größeren Destinationen, denkt über Investitionen in Wellness und Angebote nach, die über die Saison hinausgehen. In beiden Fällen ist das Ziel dasselbe: das Angebot so unterschiedlich zu gestalten, dass der Wettbewerb nicht auf reines Preissenken reduziert wird.
Große Resorts haben jedoch den Vorteil der Integration: Der Gast muss den Komplex nicht verlassen, um Unterhaltung, Pools, Restaurants und Angebote für Kinder zu erhalten. Wenn das Hotel in Pobierowo tatsächlich die geplanten Funktionen realisiert, könnte es einen neuen Referenzpunkt für Familienurlaub in der Region setzen und damit die Konkurrenten zwingen, ihr Angebot neu zu definieren – sei es durch Spezialisierung oder durch Investitionen in Angebote, die die Saison verlängern. Dies kann gleichzeitig auch breitere Veränderungen beschleunigen: die Entwicklung neuer Verkehrslinien, die Stärkung grenzüberschreitender Wochenendreisen sowie einen verstärkten Kampf um Arbeitskräfte im Tourismus, der in Nordeuropa bereits an mehreren Fronten geführt wird.
Eröffnung 2026 und offene Fragen
Obwohl in der Öffentlichkeit immer häufiger 2026 als das Jahr genannt wird, in dem das Objekt die ersten Gäste empfangen könnte, bleiben einige Informationen von Verfahren abhängig. Entscheidend ist, wann die Abnahmen abgeschlossen und alle notwendigen Betriebsgenehmigungen erteilt werden und ob die Eröffnung in einer oder mehreren Phasen erfolgt. Ebenso wichtig ist, wie in der Praxis das Verhältnis zur Umwelt und zur lokalen Gemeinschaft gehandhabt wird – nicht nur durch Dokumente, sondern auch durch Maßnahmen vor Ort: Verkehrslösungen, Energieeffizienz, Abfall- und Wassermanagement sowie die Art der Nutzung des Raumes am Wald und an den Dünen.
In diesem Sinne ist die Geschichte über das „Mega-Resort“ an der Ostsee nicht nur eine Geschichte über den Tourismus. Es ist ein Test für die gesamte Region – von lokalen Institutionen bis zur Hotelbranche auf beiden Seiten der Grenze – ob Wachstum mit den Grenzen des Raumes und den Erwartungen der Gäste in Einklang gebracht werden kann, die immer häufiger sowohl Komfort als auch Verantwortung suchen.
Quellen:- Muratorplus (Architektura) – Übersicht über die Investition und Informationen zur phasenweisen Eröffnung, Kapazitäten und Genehmigungsstatus Link- Muratorplus – Basisdaten zu Ausmaßen (Etagen, Zimmeranzahl, Fläche) und Investitionsverlauf Link- Gemeinde Rewal (BIP) – öffentliche Bekanntmachung über das Verwaltungsverfahren zu den Umweltbedingungen für das Projekt Link- Deutsche Welle (via Onet.pl) – Zusammenfassung deutscher Kommentare (Süddeutsche Zeitung) und Kontext der Debatte Link- eTurboNews – Übersicht über die Debatte zu den Auswirkungen auf den deutschen Ostsee-Markt und Veränderungen im Küstentourismus Link
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Erstellungszeitpunkt: 2 Stunden zuvor