Die Sommerschule der Grobniker Mundart bringt erneut die jüngsten Hüter der heimischen Sprache zusammen
Vom 24. bis 28. August 2026 findet im Kastell in Grad Grobnik die Sommerschule der Grobniker Mundart statt, ein fünftägiges Programm für Kinder im Grundschulalter, das das Erlernen des heimatlichen Idioms mit Spiel, Kreativität und gemeinsamem Beisammensein verbindet. Die Workshops finden täglich von 10 bis 12 Uhr statt, und den Abschluss des Programms bildet eine Aufführung am Samstag, dem 29. August, in den späten Nachmittagsstunden. Laut Ankündigung der Veranstalter werden die Kinder ihren Eltern, Familienmitgliedern und anderen Besuchern dann präsentieren, was sie im Laufe der Woche gelernt und vorbereitet haben. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch verpflichtend, und die Eltern bringen die Kinder zum Kastell in Grad Grobnik. Auf diese Weise verbindet das Programm das praktische Kennenlernen der Grobniker Mundart mit der Idee, dass sprachliches Erbe am besten erhalten bleibt, wenn es aktiv verwendet und an neue Generationen weitergegeben wird.
Die Schule wird vom Lehrstuhl des Čakavski Sabor von Grobnišćina und vom Klub der Kroatistikstudierenden organisiert, mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Medien der Republik Kroatien und der Gemeinde Čavle. Laut der veröffentlichten Ankündigung wird das diesjährige Programm von den Kroatistikstudentinnen Laura Lukanić und Matea Škalamera geleitet, die die Aktivitäten so konzipiert haben, dass die Kinder nicht nur passive Zuhörer sind. Der Schwerpunkt liegt auf dem Lernen durch Gespräche, Spiel, kreative Aufgaben und gemeinsame Arbeit, also auf Situationen, in denen Wörter und Formen der heimatlichen Mundart sofort verwendet werden können. Ein solcher Ansatz ist insbesondere bei immateriellem Kulturerbe wichtig, dessen Wert nicht nur durch Dokumentation, sondern auch durch seine tatsächliche Nutzung in der Gemeinschaft bewahrt wird. Gerade deshalb ist die Abschlussaufführung nicht nur eine feierliche Ergänzung des Programms, sondern eine Gelegenheit, das im Workshop Gelernte vor der Familie und einem breiteren Publikum zu präsentieren.
Fünf Tage Lernen durch Spiel und Kreativität
Während der fünf Tage werden die Teilnehmer die Besonderheiten der Grobniker Mundart und die Möglichkeiten kennenlernen, wie diese Mundart im alltäglichen Ausdruck verwendet werden kann. Die Veranstalter möchten dabei zeigen, dass eine heimatliche Mundart nicht nur ein Überbleibsel der Vergangenheit oder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen ist, sondern eine lebendige Kommunikationsform, die auch für Kinder interessant sein kann, die in einem völlig anderen medialen und schulischen Umfeld aufwachsen als die Generationen vor ihnen. Das Lernen durch Spiel und kreative Aktivitäten ermöglicht es, sprachliche Besonderheiten mit konkreten Erfahrungen zu verbinden und nicht nur mit einer Liste von Wörtern oder grammatischen Regeln. Gleichzeitig eröffnet ein solches Programm Raum für Gespräche darüber, warum unterschiedliche lokale Mundarten existieren, wie sie sich verändern und was geschieht, wenn jüngere Sprecher sie immer seltener verwenden. Die Abschlussaufführung am 29. August soll gerade diese praktische Dimension der Schule zeigen - eine Sprache, die gesprochen, weitergegeben und mit anderen geteilt wird.
Das Ministerium für Kultur und Medien zählt in seinen Richtlinien zum immateriellen Kulturerbe mündliche Überlieferungen, Ausdrucksformen und Sprechweisen zu dessen Bereichen und nennt die Weitergabe von Wissen, Workshops, formale und informelle Bildung sowie die Präsentation des Kulturguts in der Gemeinschaft und in der Öffentlichkeit als wichtige Formen des Schutzes. In diesem Rahmen kann die Sommerschule als konkretes Beispiel für die Weitergabe des Erbes an jene Generation betrachtet werden, die darüber entscheiden wird, ob einzelne lokale Ausdrücke im täglichen Leben weiterverwendet werden. In seinen Schutzprogrammen betont das Ministerium insbesondere die Zusammenarbeit der Träger des Kulturerbes mit Fach-, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie die Dokumentation und Präsentation immaterieller Kulturgüter. Das Grobniker Programm verbindet dabei einen Kulturverein mit zukünftigen Fachleuten für die kroatische Sprache, der lokalen Selbstverwaltung und staatlichen Kulturinstitutionen. Dadurch erhält die Schule eine Bedeutung, die über einen einmaligen Sommerworkshop hinausgeht.
Die Grobniker Mundart als geschütztes Kulturerbe
Der Lehrstuhl des Čakavski Sabor von Grobnišćina gibt an, dass der Schutz, die Bewahrung und die Förderung der Grobniker Mundart zu den grundlegenden Zielen seiner Tätigkeit gehören. Über Jahrzehnte hinweg hat der Verein dieses Ziel mit Verlagsarbeit, wissenschaftlichen Tagungen, Musik- und Bühnenprogrammen sowie der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbunden. Einen besonderen Stellenwert bei der Dokumentation des Idioms nimmt das Buch Die Grobniker Mundart des 20. Jahrhunderts - Grammatik und Wörterbuch ein, das von Iva Lukežić und Sanja Zubčić verfasst und 2007 vom Lehrstuhl veröffentlicht wurde. Das Werk beschreibt systematisch das sprachliche System, das die Bewohner von Grobnišćina im 20. Jahrhundert verwendeten, und umfasst eine grammatische Beschreibung sowie Wörterbuchmaterial. Der Lehrstuhl hebt hervor, dass gerade die langjährige fachliche Arbeit an der Dokumentation des Grobniker Čakavischen eine wichtige Rolle bei der Schaffung der Grundlage für seinen Schutz als immaterielles Kulturgut der Republik Kroatien gespielt hat.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem, dass sich die Grobniker Mundart, wie jedes lebendige Idiom, verändert. In ihrer Arbeit über sprachliche Veränderungen in der Grobniker Mundart analysierten Sanja Zubčić und Darja Šupljika Veränderungen auf phonologischer, morphologischer und syntaktischer Ebene, indem sie einen zeitgenössischeren Korpus mit dem für das 20. Jahrhundert beschriebenen Zustand verglichen. Die Autorinnen betonen dabei, dass die Veränderungen besonders auf der lexikalischen Ebene sichtbar sind, die für Einflüsse und die Aufnahme neuer Elemente am offensten ist. Solche Erkenntnisse liefern zusätzlichen Kontext für Programme, die sich an Kinder richten: Das Ziel der Bewahrung bedeutet nicht, die Mundart in einer einzigen historischen Form einzufrieren, sondern die Möglichkeit zu erhöhen, dass sie in der tatsächlichen Kommunikation präsent bleibt. Workshops sind deshalb gerade als Orte sinnvoll, an denen dokumentiertes Sprachmaterial zu den Sprechern und potenziellen neuen Sprechern zurückkehrt.
Der Lehrstuhl verbindet seit mehr als drei Jahrzehnten das Kastell und das Kulturerbe
Der Lehrstuhl des Čakavski Sabor von Grobnišćina wurde am 28. Juli 1992 gegründet, und nach Angaben des Lehrstuhls selbst waren Vertreter der Universität Rijeka, der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der Matica hrvatska, des Čakavski Sabor und der damaligen lokalen Behörden an seiner Gründung beteiligt. Sein Sitz befindet sich im Grobniker Kastell, das er seit April 1994 auf Grundlage eines Vertrags mit der Gemeinde Čavle verwaltet. Zu seinen wichtigsten Tätigkeiten zählt der Lehrstuhl die Betreuung des Kastells als geschütztes materielles Kulturerbe, die Erforschung und Förderung des kulturellen Erbes von Grobnik sowie insbesondere die Bewahrung der Grobniker Mundart. Im Laufe der Jahrzehnte wurden im Kastell museale, galeristische, verlegerische, musikalische und pädagogische Inhalte entwickelt. Die Sommerschule fügt sich somit in ein breiteres Modell ein, in dem derselbe historische Raum sowohl der Bewahrung des materiellen Kulturerbes als auch der Weitergabe immaterieller Kultur dient.
Die Arbeit mit jungen Menschen ist kein neues Element dieses Ansatzes. Auf seinen Internetseiten dokumentiert der Lehrstuhl verschiedene Projekte, bei denen Kinder an musikalischen, szenischen und sprachlichen Programmen beteiligt waren, ebenso wie Wettbewerbe für literarische Schülerarbeiten in čakavischen Mundarten. Im Juli 2026 fand im Kastell auch das Abschlussprogramm des Sommercamps Hüter der Kultur statt, das für Kinder Theater, Tanz, Debatte, die glagolitische Schrift und das Kennenlernen des kulturellen Erbes miteinander verband. Solche Programme zeigen die Kontinuität der Idee, dass Kulturerbe am erfolgreichsten weitergegeben wird, wenn es jungen Menschen nicht nur als etwas präsentiert wird, das respektiert werden soll, sondern als Material, mit dem sie arbeiten, gestalten und kommunizieren können. Die Sommerschule der Grobniker Mundart konzentriert diese Idee zusätzlich auf die Sprache, verbindet sie aber zugleich mit Identität, familiärer Erfahrung und lokalem kulturellem Gedächtnis.
Das Kastell als Klassenzimmer außerhalb der klassischen Schule
Der Veranstaltungsort verleiht dem Programm eine zusätzliche Symbolik. Der Tourismusverband Čavle beschreibt das Kastell von Grad Grobnik als historische Festung in strategisch wichtiger Lage über dem Grobniker Feld, deren heute sichtbare Teile überwiegend aus der Zeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert stammen. Das Kastell hatte im Laufe der Geschichte eine Verteidigungs- und Wohnfunktion, während sich heute dort kulturelle und interpretative Einrichtungen befinden, darunter eine Galerie, ein Heimatmuseum und das Interpretationszentrum Auf den Wegen der Frankopanen. Der Raum wird im Laufe des Jahres für Ausstellungen, Konzerte, Präsentationen, Workshops und andere Veranstaltungen genutzt. In einer solchen Umgebung erhält ein Sprachworkshop eine unmittelbare Verbindung zu dem Ort, an dem sich dieselbe kulturelle Identität über Jahrhunderte hinweg entwickelte und weitergegeben wurde.
Grad Grobnik liegt auf einem Hügel oberhalb des Grobniker Feldes, im Hinterland der nördlichen Adria und in der Nähe von Rijeka. Das historische Kastell ist einer der markanten lokalen Kulturpunkte, und seine heutige Funktion geht über die klassische Besichtigung eines historischen Bauwerks hinaus. Für die Teilnehmer der Schule wird es zu einem vorübergehenden Klassenzimmer, in dem die Mundart mit einem konkreten Ort, Geschichten, Ortsnamen und der lokalen Geschichte verbunden werden kann. Für Familien, die wegen des Programms aus anderen Orten nach Grad Grobnik kommen, sind praktische Informationen deshalb ebenso wichtig wie der kulturelle Inhalt: Die Workshops beginnen um 10 Uhr und enden um 12 Uhr, und die Eltern sind für das Bringen und Abholen der Kinder verantwortlich. Besucher, die wegen des Programms einen längeren Aufenthalt in der Umgebung planen, können sich Unterkunftsangebote in der Umgebung von Grobnik ansehen.
Warum die Weitergabe der Mundart an Kinder wichtig ist
Der Schutz einer Mundart endet nicht mit ihrer Eintragung in offizielle Register, der Veröffentlichung von Wörterbüchern oder der Aufnahme von Archivmaterial. Das Ministerium für Kultur und Medien betont in seiner Erläuterung der Verfahren zum Schutz immateriellen Kulturerbes, dass dieses Erbe Wissen, Darbietungen, Ausdrucksformen, Fertigkeiten und Praktiken umfasst, die Gemeinschaften als Teil ihrer eigenen Kultur anerkennen. Das bedeutet, dass der Träger des Kulturerbes in erster Linie die Gemeinschaft ist, die es verwendet und weitergibt. Wenn sich eine bestimmte Mundart aus Familien, Spielen, alltäglichen Gesprächen und öffentlichen Veranstaltungen zurückzieht, kann ihre Dokumentation für die Wissenschaft weiterhin außerordentlich wertvoll bleiben, doch ihre Funktion als lebendiges Kommunikationsmittel nimmt ab. Gerade auf diesem Unterschied zwischen dokumentierter und aktiv verwendeter Sprache beruht die Bedeutung der Arbeit mit Kindern.
In den vergangenen Jahren hat der Lehrstuhl die Bewahrung des Grobniker Čakavischen auch mit der Digitalisierung und der Sammlung toponymischen Materials verbunden. Im Februar 2026 wurde die Fortsetzung der Arbeit am Toponomastischen Atlas von Grobnišćina vorgestellt, einem Projekt zur Sammlung und Beschreibung traditioneller Namen von Orten, Gebieten, Feldern, Wegen, Quellen und anderen Örtlichkeiten. Laut Ivo Bogović, dem Leiter der Programmtätigkeiten des Lehrstuhls, dessen Aussagen Novi list wiedergab, besteht das Ziel solcher Projekte darin, gefährdeten Wortschatz zu dokumentieren und für zukünftige Generationen und Forscher zu bewahren. Die Sommerschule wirkt auf einer anderen, aber damit verbundenen Ebene: Statt dass Wörter nur aufgezeichnet werden, begegnen Kinder ihnen in gesprochenen Situationen und lernen ihre Bedeutung. Dokumentation und unmittelbare Weitergabe werden so zu zwei Teilen derselben Bewahrungsstrategie.
Kostenlose Workshops mit verpflichtender Anmeldung
Die Sommerschule der Grobniker Mundart findet von Montag, dem 24. August, bis Freitag, dem 28. August 2026, täglich von 10 bis 12 Uhr im Kastell in Grad Grobnik statt. Das Programm richtet sich an Kinder im Grundschulalter, und die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist verpflichtend, und die Veranstalter haben für die Anmeldungen zwei E-Mail-Adressen veröffentlicht: laura.lukanic@gmail.com und matea.skalamera@gmail.com. Die Eltern sind dafür verantwortlich, die Kinder zum Kastell zu bringen und sie nach den Workshops abzuholen. Die Abschlussaufführung findet am Samstag, dem 29. August, in den späten Nachmittagsstunden statt; die genaue Uhrzeit ist in der verfügbaren Ankündigung nicht angegeben.
Sommerschule der Grobniker Mundart
- 24.-28. August 2026
- täglich von 10:00 bis 12:00 Uhr
- Kastell in Grad Grobnik
- für Kinder im Grundschulalter
- die Teilnahme ist kostenlos, die Anmeldung ist verpflichtend
- Abschlussaufführung: 29. August 2026 in den späten Nachmittagsstunden
- Anmeldung: laura.lukanic@gmail.com oder matea.skalamera@gmail.com
Das Programm in Grad Grobnik verbindet somit unmittelbar drei Ebenen der Bewahrung des Kulturerbes: fachliche Dokumentation, die Arbeit kultureller Institutionen und das alltägliche Lernen neuer Generationen. Die Grobniker Mundart wurde bereits systematisch in wissenschaftlichen und lexikografischen Arbeiten beschrieben, und der Lehrstuhl bezieht sie seit Jahrzehnten in seine kulturellen Aktivitäten ein. Dennoch hängt die langfristige Zukunft jeder lokalen Mundart davon ab, ob jemand sie weiterhin verstehen, sprechen und weitergeben wird. Fünf Tage Sommerworkshops können die Frage des sprachlichen Wandels nicht allein lösen, aber sie können Kindern eine unmittelbare Begegnung mit einer Mundart ermöglichen, die zur Geschichte des Raumes gehört, in dem sie aufwachsen oder mit dem sie familiär verbunden sind. Gerade in dieser praktischen Weitergabe, vom Wort im Wörterbuch bis zum im Kastell ausgesprochenen Wort, liegt die zentrale Idee der diesjährigen Sommerschule.
Quellen:
- Regionalni.hr - Ankündigung der Sommerschule der Grobniker Mundart 2026, Termine, Veranstalter, Leiterinnen, Anmeldungen und Abschlussaufführung (Link)
- Lehrstuhl des Čakavski Sabor von Grobnišćina - Angaben zur Bewahrung der Grobniker Mundart, zur Verlags- und Kulturtätigkeit sowie zum Buch Die Grobniker Mundart des 20. Jahrhunderts (Link)
- Lehrstuhl des Čakavski Sabor von Grobnišćina - Geschichte des Lehrstuhls, Gründung, Sitz und Tätigkeiten im Grobniker Kastell (Link)
- Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien - Definition des immateriellen Kulturerbes und Verfahren zur Eintragung in das Register der Kulturgüter (Link)
- Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien - Richtlinien zur Bewahrung, Weitergabe und Präsentation sowie zu Workshops im Zusammenhang mit immateriellen Kulturgütern (Link)
- Universität Rijeka, Philosophische Fakultät - Angaben zur wissenschaftlichen Arbeit Sprachliche Veränderungen in der Grobniker Mundart von Sanja Zubčić und Darja Šupljika (Link)
- Tourismusverband Čavle, Grobnik - Geschichte des Kastells von Grad Grobnik und seine heutige kulturelle Funktion (Link)
- Novi list - Angaben zum Projekt Toponomastischer Atlas von Grobnišćina und zur Digitalisierung des Grobniker Čakavischen (Link)