IIHF hält Russland und Belarus von wichtigen Weltmeisterschaften 2027 fern
Der Internationale Eishockeyverband (IIHF) hat entschieden, dass russische Nationalmannschaften in der Saison 2026/2027 nicht an vier großen Weltmeisterschaften teilnehmen werden, während über die Teilnahme der russischen Frauen-A-Nationalmannschaft gesondert entschieden wird. Die am 30. Juli 2026 veröffentlichte Entscheidung betrifft die Herren-Weltmeisterschaft 2027, die U20-Junioren-Weltmeisterschaft sowie die U18-Weltmeisterschaften der Männer und Frauen. Der IIHF erklärte, dass nach einer individuellen Bewertung jedes Wettbewerbs weiterhin Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, des Schutzes der Teilnehmenden, der organisatorischen Durchführbarkeit und der Integrität der Wettbewerbe bestünden. Damit wurde bestätigt, dass Russland auch in der kommenden Saison nicht in die wichtigsten Nationalmannschaftswettbewerbe unter dem Dach des Weltverbands zurückkehren wird. Der Status der russischen Frauen-A-Nationalmannschaft wird im November 2026 auf Grundlage der dann geltenden Umstände und Risikobewertung erneut geprüft.
Belarus blieb gleichzeitig von der Herren-Weltmeisterschaft und der U20-Junioren-Weltmeisterschaft 2027 ausgeschlossen. Im Unterschied zu Russland dürfen belarussische Nationalmannschaften jedoch weiterhin an drei Wettbewerben teilnehmen, die der IIHF zuvor im Rahmen einer schrittweisen Rückkehr genehmigt hatte: an der U18-Weltmeisterschaft der Männer, an der Frauen-Weltmeisterschaft der Division IV und an der U18-Weltmeisterschaft der Frauen in einer niedrigeren Division. Der IIHF hatte im Mai mitgeteilt, dass eine solche begrenzte Rückkehr nach Gesprächen mit den Organisationskomitees und gesonderten Risikoanalysen möglich sei. Die jüngste Entscheidung stellt daher keine vollständige Aufhebung der belarussischen Suspendierung dar, sondern eine Unterscheidung einzelner Turniere nach den bewerteten Sicherheits- und Organisationsbedingungen. In der Praxis werden die beiden Staaten, für die seit 2022 gemeinsame Beschränkungen galten, in der Saison 2026/2027 in unterschiedlichem Umfang teilnehmen dürfen.
Russland bleiben vier große Turniere verschlossen
Die wichtigste Folge der Entscheidung betrifft die Herren-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland. Nach dem offiziellen Zeitplan des IIHF wird der Hauptteil des Turniers vom 14. bis 30. Mai in Düsseldorf und Mannheim ausgetragen, während für den 13. Mai in Gelsenkirchen ein besonderes Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und der Schweiz vorgesehen ist. Die Organisatoren haben bereits die vorläufigen Gruppen mit 16 Nationalmannschaften vorgestellt, unter denen weder Russland noch Belarus vertreten sind. Russische Spieler aus der NHL, der KHL und anderen Profiligen werden ihr Land bei diesem Wettbewerb daher unabhängig von ihrem individuellen Vereinsstatus nicht vertreten können. Die Entscheidung betrifft den Einsatz für die Nationalmannschaft unter russischer nationaler Identität und nicht das Recht einzelner Eishockeyspieler, für Vereine außerhalb des Systems der IIHF-Nationalmannschaftswettbewerbe zu spielen.
Russland wird auch nicht an der U20-Junioren-Weltmeisterschaft teilnehmen, die vom 26. Dezember 2026 bis zum 5. Januar 2027 in den kanadischen Städten Edmonton und Red Deer ausgetragen wird. Es handelt sich um eines der meistbeachteten Turniere für junge Spieler, an dem U20-Nationalmannschaften teilnehmen und das traditionell eine wichtige Rolle bei der Entwicklung zukünftiger Profis spielt. Der Ausschluss erstreckt sich auch auf die U18-Weltmeisterschaft der Männer, die vom 22. April bis zum 2. Mai 2027 in Duluth im US-Bundesstaat Minnesota angesetzt ist. Die U18-Weltmeisterschaft der Frauen wird vom 8. bis 16. Januar 2027 in Ostrava in Tschechien ebenfalls ohne die russische Nationalmannschaft stattfinden. Der IIHF nannte für alle vier Turniere eine Kombination aus fortbestehenden Sicherheits-, Schutz- und sportlichen Gründen, legte in seiner öffentlichen Mitteilung jedoch keine Einzelheiten zu den jeweiligen Risikobewertungen dar.
Die gesonderte Behandlung der russischen Frauen-A-Nationalmannschaft lässt für die Saison 2026/2027 nur einen möglichen Weg zur Rückkehr offen. Die Frauen-Weltmeisterschaft 2027 wurde an Quebec City in Kanada vergeben, und der IIHF wird die russische Anmeldung im November 2026 erneut prüfen. Eine solche Entscheidung bedeutet nicht, dass eine Teilnahme im Voraus wahrscheinlich oder genehmigt ist, sondern lediglich, dass die endgültige Bewertung für dieses Turnier noch nicht abgeschlossen wurde. Der Verband betonte, dass er die dann bestehenden Umstände und die aktuelle Risikobewertung berücksichtigen werde, wodurch sowohl eine Bestätigung des Verbots als auch eine Änderung des Status möglich bleiben. Bis zu dieser Entscheidung besitzt die russische Frauen-Nationalmannschaft keinen bestätigten Startplatz bei der Weltmeisterschaft.
Warum die Januarentscheidung erneut geprüft werden musste
Das Verfahren, das zu den Entscheidungen vom 30. Juli führte, war rechtlich und verfahrenstechnisch komplexer als die früheren jährlichen Verlängerungen der Suspendierung. Der IIHF-Rat kam am 21. Januar 2026 zu dem Schluss, dass die Sicherheitsbedingungen eine Rückkehr russischer und belarussischer Nationalmannschaften und Vereine in der Saison 2026/2027 weiterhin nicht zuließen. Nach der damaligen Mitteilung des Verbands beruhte die Bewertung auf der Annahme, dass die Organisatoren nicht alle Bedingungen gewährleisten könnten, die für die Sicherheit der Teilnehmenden und die ordnungsgemäße Durchführung der Wettbewerbe erforderlich seien. Der Russische Eishockeyverband legte beim Disziplinarausschuss des IIHF Berufung ein. Der Ausschuss hob die Januarentscheidung am 25. Mai in dem Teil auf, der Russland betraf, betonte jedoch ausdrücklich, dass die Aufhebung keine automatische Wiedereingliederung der russischen Nationalmannschaften bedeute.
Nach der Erklärung des IIHF wurde die Angelegenheit an den Rat zurückverwiesen, damit sie auf Grundlage konkreterer Sicherheits-, Schutz-, Betriebs- und Sportpläne erneut geprüft werden konnte. Der russische Verband teilte mit, der Disziplinarausschuss sei zu der Auffassung gelangt, dass die frühere Bewertung keine ausreichend ausführliche Begründung enthalten habe und die Risikoberichte zu allgemein gewesen seien. Deshalb konnte sich der Rat nicht länger nur auf eine allgemeine Entscheidung für die gesamte Saison stützen, sondern musste jedes Turnier einzeln analysieren. Genau dieser Ansatz wurde im Juli angewandt, als die Anmeldungen für fünf russische Nationalmannschaftswettbewerbe getrennt geprüft wurden. Das Ergebnis blieb dem früheren Verbot nahezu gleich, wurde nun jedoch als Bündel einzelner Entscheidungen formuliert, wobei die Entscheidung über die Frauen-Weltmeisterschaft vertagt wurde.
Ein ähnliches Verfahren wurde auch auf Belarus angewandt, doch das Ergebnis war nicht für alle Turniere gleich. Nachdem der Disziplinarausschuss eine erneute Risikobewertung angeordnet hatte, gestattete der IIHF im Mai eine begrenzte Wiedereingliederung in drei Wettbewerbe. Der Weltverband erklärte damals, die Entscheidungen seien nach ausführlichen Gesprächen mit den Organisatoren, Sicherheitsanalysen und Konsultationen mit den maßgeblichen Interessengruppen getroffen worden. Er betonte außerdem, dass die Rückkehr schrittweise erfolgen und Schutzmaßnahmen unterliegen werde, die gemeinsam mit den nationalen Verbänden und den Gastgebern ausgearbeitet würden. Die Entscheidung vom Juli bestätigte dieses begrenzte Modell, öffnete jedoch weder der belarussischen Herren-A-Nationalmannschaft noch der U20-Junioren-Nationalmannschaft die Tür.
Russischer Verband kündigte Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof an
Der Russische Eishockeyverband teilte nach der Veröffentlichung des IIHF mit, dass er die neue Entscheidung vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne anfechten werde. Der Verband erklärte, er akzeptiere die Position des Weltverbands nicht, und behauptete, diese ignoriere neuere Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees sowie die Idee des Sports als verbindendes Mittel. Die angekündigte Berufung bedeutet, dass das Verfahren noch in eine neue rechtliche Phase eintreten kann, doch allein die Einreichung des Falls beim CAS ändert die geltende Entscheidung des IIHF nicht automatisch. Derzeit ist nicht offiziell bestätigt, wann die Berufung eingereicht wird, innerhalb welcher Frist das Gericht sie behandeln wird oder ob die russische Seite eine einstweilige Maßnahme beantragen wird. Solange der CAS nicht gegebenenfalls anders entscheidet, können die Turnierorganisatoren ihre Vorbereitungen ohne die russischen Nationalmannschaften fortsetzen.
Das Argument bezüglich der Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees ist ein wichtiger Bestandteil der russischen Anfechtung. Das IOC hob im Juli 2026 die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig auf und erklärte, seine früheren Empfehlungen an internationale Verbände zur Einschränkung der Teilnahme russischer Athleten seien nicht mehr anwendbar. Für belarussische Sportler hatte das IOC bereits im Mai die aus den Jahren 2022 und 2023 stammenden empfohlenen Teilnahmebedingungen aufgehoben. Die olympische Bewegung hatte zuvor auch einen breiteren Zugang zu internationalen Wettbewerben für junge Sportler mit russischem oder belarussischem Pass unterstützt. Internationale Sportverbände entscheiden jedoch weiterhin eigenständig über ihre Meisterschaften, Anmelderegeln, Sicherheitsstandards und organisatorischen Bedingungen, sodass eine Änderung der IOC-Politik den IIHF nicht automatisch zur Rückkehr der Nationalmannschaften verpflichtet.
Darin liegt der zentrale Unterschied zwischen der Position des russischen Verbands und der Begründung des IIHF. Die russische Seite betrachtet die Entscheidung als Fortsetzung einer sportlichen Isolation, die nach ihrer Auslegung immer weniger mit der Richtung der olympischen Bewegung übereinstimmt. Der IIHF hingegen stützt seine Entscheidungen formell auf Bewertungen der Sicherheit, des Schutzes der Teilnehmenden, der betrieblichen Durchführbarkeit und der sportlichen Integrität jedes einzelnen Ereignisses. Der Weltverband führte in seiner Mitteilung vom Juli keine politische Sanktion als Rechtsgrundlage an, sondern hielt an seinem Modell der Risikobewertung fest. Ein mögliches Verfahren vor dem CAS würde sich daher wahrscheinlich auf die Frage konzentrieren, ob die Bewertungen ausreichend konkret und verhältnismäßig waren und auf jedes Turnier ordnungsgemäß angewandt wurden.
Suspendierung dauert seit Februar 2022 an
Russland und Belarus sind seit dem 28. Februar 2022, wenige Tage nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine, von den Wettbewerben des IIHF ausgeschlossen. Damals suspendierte der IIHF-Rat alle russischen und belarussischen Nationalmannschaften und Vereine aller Altersklassen bis auf Weiteres und entzog Russland die Austragung der U20-Junioren-Weltmeisterschaft 2023. Der Verband begründete die Entscheidung mit seiner Pflicht zum Schutz von Spielern, Funktionären, Fans und anderen Teilnehmenden sowie mit Bedenken hinsichtlich sicherer Reisen nach Russland, aus Russland und innerhalb Russlands. Im Juli 2022 wies der Disziplinarausschuss des IIHF die ersten Berufungen des russischen und belarussischen Verbands zurück und kam zu dem Schluss, dass es sich um eine Sicherheitspolitik und nicht um eine Disziplinarsanktion handele. Die Beschränkungen wurden anschließend nach neuen Risikobewertungen für jede folgende Saison verlängert.
Im Januar 2026 deutete der IIHF erstmals offener die Möglichkeit an, eine Rückkehr von Spielern unter 18 Jahren in der Saison 2027/2028 zu prüfen, sofern die Sicherheitsrisiken ausreichend zurückgingen. Belarus erreichte bereits für einen Teil der Saison 2026/2027 eine begrenzte Rückkehr, während Russland für keines der vier bereits entschiedenen Turniere eine Genehmigung erhielt. Dieser Unterschied zeigt, dass der Weltverband die beiden Länder nicht mehr vollständig gleich behandelt und dass Entscheidungen je nach Gastgeber, Kategorie und bewerteten Bedingungen des einzelnen Wettbewerbs unterschiedlich ausfallen können. Gleichzeitig bleibt unklar, welche konkreten Veränderungen eintreten müssten, damit der IIHF die Risiken für eine umfassendere Rückkehr als ausreichend reduziert bewerten würde. Bislang hat der Verband lediglich die weitere Beobachtung der Umstände und eine neue Bewertung der russischen Teilnahme an der Frauen-Weltmeisterschaft im November bestätigt.
Für die Organisatoren der Weltmeisterschaften beseitigt die Entscheidung einen Teil der Unsicherheit zu einem Zeitpunkt, an dem die Vorbereitungen, Spielpläne und Teilnehmerlisten bereits weit fortgeschritten sind. Für die russischen Nationalmannschaften verlängert sie den Zeitraum ohne offizielle Spiele bei den größten Turnieren des IIHF, darunter Wettbewerbe, die für die Entwicklung der U18- und U20-Generationen entscheidend sind. Belarus wird gleichzeitig eine teilweise Rückkehr über jüngere und niedrigere Ebenen ermöglicht, jedoch ohne Teilnahme an den beiden wichtigsten Herren-Meisterschaften, die von der Julientscheidung erfasst werden. Die nächsten wichtigen Punkte werden eine mögliche russische Berufung beim CAS und die Sitzung des IIHF-Rats im November 2026 zur Frauen-A-Nationalmannschaft sein. Bis dahin bleibt der Spielplan in Kraft, nach dem die meisten wichtigen Weltmeisterschaften 2027 ohne Russland und die Herren- sowie Junioren-Weltmeisterschaft zusätzlich ohne Belarus stattfinden werden.
Quellen:
- Internationaler Eishockeyverband – Entscheidung über die russische Teilnahme in der Saison 2026/2027 und Liste der Turniere, von denen Russland ausgeschlossen ist (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – Entscheidung über die belarussische Teilnahme und Bestätigung des Verbots für die Herren- und Junioren-Weltmeisterschaft (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – Erklärung zur Aufhebung der Januarentscheidung und zur Einführung einer gesonderten Bewertung jedes Turniers (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – Entscheidung über die begrenzte Wiedereingliederung von Belarus in drei Wettbewerbe (Link)
- Russischer Eishockeyverband – Ankündigung einer Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof gegen die IIHF-Entscheidung vom 30. Juli 2026 (Link)
- Internationales Olympisches Komitee – vorläufige Aufhebung der Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees und Änderung der Empfehlungen an internationale Verbände (Link)
- Internationales Olympisches Komitee – Aufhebung der empfohlenen Beschränkungen für belarussische Sportler (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – offizieller Spielplan der Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland und vorläufige Gruppen (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – Übersicht über Termine und Gastgeber der Weltmeisterschaften 2027 (Link)
- Internationaler Eishockeyverband – ursprüngliche Entscheidung über die Suspendierung russischer und belarussischer Nationalmannschaften und Vereine vom Februar 2022 (Link)