Der Prozess gegen Walter Mzembi: wie ein Gerichtssaal in Harare zum Test für den simbabwischen Tourismus und die Investitionsbotschaft „World of Wonders“ wird
Der ehemalige Minister für Tourismus und Hotellerie sowie frühere Chefdiplomat Simbabwes Walter Mzembi befindet sich seit Monaten in Haft, und sein Fall – obwohl er formal wegen des mutmaßlichen Amtsmissbrauchs geführt wird – wird zunehmend auch als politisch-symbolischer Lackmustest für das internationale Ansehen des Landes interpretiert. Während die Behörden parallel Kampagnen verstärken, mit denen sie ausländische Märkte davon überzeugen wollen, dass Simbabwe stabil, sicher und offen für Kapital ist, tritt das Verfahren gegen eines der bekanntesten Gesichter aus der Ära Robert Mugabe in eine Phase ein, die darüber entscheiden wird, ob der Angeklagte überhaupt eine Verteidigung vortragen muss.
Was Mzembi vorgeworfen wird und warum der Fall so sichtbar ist
Laut Anklageschrift besteht das Kernstück des Verfahrens in der Frage des Umgangs mit Staatseigentum – großen öffentlichen Bildschirmen (public viewing screens), die nach Darstellung der Staatsanwaltschaft religiösen Gemeinschaften zugeteilt oder überlassen wurden, ohne dass die Verfahren ordnungsgemäß durchgeführt wurden. In Medienberichten ist von einem Wert von rund 200.000 US-Dollar die Rede, und das zentrale rechtliche Dilemma lautet, wer in der Entscheidungskette die Befugnis und Verantwortung für die Verfügung über solches Eigentum hatte: der Minister als politischer Amtsträger oder der „accounting officer“ innerhalb des Staatsdienstes.
Das Verfahren zieht auch deshalb Aufmerksamkeit auf sich, weil Mzembi ein öffentlich bekanntes Gesicht ist. In der Zeit, als er das Tourismusressort leitete, war er einer der wichtigsten Promotoren des Landes auf internationalen Messen, und Simbabwe versuchte durch Branding und politische Kommunikation, Reputationsschäden aus Phasen politischer Krisen und wirtschaftlicher Zusammenbrüche abzumildern. Der heutige Prozess wird daher nicht nur als Strafsache verfolgt, sondern auch als Indikator dafür, wie sehr das Justizsystem bereit ist, Professionalität, Vorhersehbarkeit und prozessuale Ordnung zu zeigen – Begriffe, die für Investoren und touristische Partner oft ebenso wichtig sind wie Werbeslogans.
Neueste Entwicklung: Gericht weist Antrag auf Entlassung am Ende des staatlichen Falls zurück
Nach Berichten, die am 18. Februar 2026 veröffentlicht wurden, hat das High Court in Harare Mzembis Antrag auf Entlassung (discharge) zurückgewiesen, nachdem die Staatsanwaltschaft ihren Teil des Verfahrens abgeschlossen hatte. Richter Benjamin Chikowero befand, dass die Staatsanwaltschaft genügend Elemente vorgetragen habe, damit die Sache weitergehen müsse, was bedeutet, dass vom Angeklagten erwartet wird, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und – wenn er dies will – eine Verteidigung vorzubringen. Die Entscheidung erging nach Ankündigungen, dass über den Antrag am 17. Februar 2026 entschieden werde, einem Datum, das in öffentlichen Berichten als entscheidender Wendepunkt des Prozesses genannt wurde.
In der Praxis bedeutet eine solche Entscheidung keine Schuld, sondern dass das Gericht der Auffassung ist, es liege ein „prima facie“-Fall vor, der bis zum Ende aufgeklärt werden müsse. Der politische und reputationsbezogene Effekt ist jedoch unmittelbar: Mzembi bleibt im Fokus, und internationale Beobachter – insbesondere in der Tourismusbranche – erhalten einen weiteren Hinweis darauf, dass die Erzählung vom „neuen“ Simbabwe weiterhin vor dem Hintergrund ungelöster Fälle aus der Vergangenheit verläuft.
Haft, verweigerte Kaution und die Gesundheitsfrage des Angeklagten
Mzembis Anwaltsteam hat mehrfach versucht, eine Kaution zu erwirken, doch das Gericht wies solche Anträge zuvor zurück und begründete dies mit einem hohen Fluchtrisiko wegen früherer Abwesenheit bei Verhandlungen und eines längeren Aufenthalts außerhalb des Landes. Teile der Medien berichteten zudem, der Angeklagte sei in Haft gesundheitlich angeschlagen, was das öffentliche Interesse weiter verstärkte und Debatten über die Bedingungen im Haftsystem auslöste.
Gleichzeitig betonen Strafverfolgungsbehörden und Antikorruptionsstellen, dass es sich um ein Verfahren handelt, das ohne Ausnahmen geführt werden müsse – gerade weil es um öffentliches Eigentum und das Handeln von Amtsträgern geht. Diese Argumentation hat eine starke politische Botschaft an das heimische Publikum, aber auch eine externe Dimension: Simbabwe will zeigen, dass es bereit ist, korrupte Praktiken zu verfolgen, was ein zentrales Signal sowohl an internationale Finanzinstitutionen als auch an die Wirtschaft ist.
Tourismus als „Schaufenster des Staates“ und warum die Justiz Teil der Markenstory wird
In der Tourismusbranche ist Reputation eine Währung. Kampagnen und Slogans können Aufmerksamkeit erzeugen, doch der Eindruck von Sicherheit, Stabilität und Vorhersehbarkeit entsteht über Jahre – und kann durch eine einzige Krise beschädigt werden. Genau deshalb wird der Fall Mzembi häufig als Test interpretiert, der die Grenzen eines Gerichtssaals überschreitet.
Simbabwe versucht seit Langem, die Destinationsmarke „Zimbabwe: A World of Wonders“ zu festigen, gestützt auf Naturattraktionen wie die Victoriafälle (Mosi-oa-Tunya), Nationalparks und ein reiches kulturelles Erbe. In der Kommunikation zu ausländischen Märkten liegt der Schwerpunkt auf der „Rückkehr zur Normalität“ und auf Investitionsmöglichkeiten in Unterkunftskapazitäten, Infrastruktur, Kongresstourismus und begleitende Dienstleistungen. Doch in einer Welt, in der sich Nachrichten schneller verbreiten als Werbespots, kann jedes Bild von Haft, Rechtsstreit oder institutioneller Unsicherheit rasch Teil der „Destinationsgeschichte“ werden.
Warum es gerade jetzt besonders sensibel ist
Der Fall spielt sich in einem Moment ab, in dem das Land seine internationalen Auftritte intensiviert. Simbabwe hat seine eigene zentrale Tourismusmesse, die Sanganai/Hlanganani/Kumbanayi World Tourism Expo, deren Ziel es ist, Aussteller, Käufer und Investoren zusammenzubringen und das Angebot verschiedener Regionen zu präsentieren. In der Ausgabe 2025 betonte die Veranstaltung laut Berichten den Abschluss von Geschäftspartnerschaften und den Investitionsteil des Events – ein typisches Format, wenn ein Staat Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung verknüpfen will.
Parallel zu Tourismusmessen versucht das Land, auch einen breiteren Wirtschaftskalender zu stärken, einschließlich großer Wirtschafts- und Handelsmessen, die als Plattformen für Handel und Investitionen präsentiert werden. Solche Veranstaltungen haben eine doppelte Rolle: Sie bringen direkte Ausgaben durch Besuche und Übernachtungen, doch noch wichtiger dienen sie als Bühne, auf der ein internationales Publikum davon überzeugt wird, dass das Geschäftsumfeld stabil ist. In dieser Logik wird auch das Justizsystem Teil derselben Botschaft, denn Investoren und internationale Veranstalter – von der Kongressindustrie bis zu Sport- und Kulturveranstaltungen – bewerten Risiken auch danach, wie ein Staat sensible Verfahren führt.
Was die Aussagen zeigen: Verfahrenslücken und die Frage der Zuständigkeit
Im bisherigen Verlauf des Prozesses haben sich Zeugen laut öffentlich zugänglichen Berichten damit befasst, wie in der Staatsverwaltung Entscheidungen über die Verfügung von Vermögenswerten getroffen werden und welche Verfahren Spenden oder dauerhafte Überlassungen von Ausrüstung begleiten müssen. Teile der Aussagen eröffneten laut einzelnen Medienangaben Spielraum für das Verteidigungsargument, dass der Minister nicht der „rechnungsführende“ verantwortliche Beamte sei und dass die entscheidenden Schritte in den Händen von Staatsbediensteten und internen Kontrollmechanismen liegen.
Auf der anderen Seite stützt sich die Staatsanwaltschaft auf die These, dass eine politische Genehmigung oder Initiative – wenn sie entscheidend dafür war, dass Vermögen das System verließ – eine ausreichende Grundlage für strafrechtliche Verantwortlichkeit im Rahmen des Delikts des Amtsmissbrauchs darstellt. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung brechen Fälle aus dem Bereich „Korruption auf hoher Ebene“ oft: Die Beweismaßstäbe sind hoch, und das öffentliche Interesse ist außergewöhnlich stark.
Der größere Hintergrund: die Post-Mugabe-Ära, die Antikorruptionsagenda und Innenpolitik
Mzembi gehörte zur Führungsspitze in einer Zeit, als Simbabwe tiefe politische Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Turbulenzen durchlief. Nach dem Machtwechsel 2017 und neuen politischen Konstellationen wurden viele Fälle aus dem alten System Gegenstand von Ermittlungen oder wiederaufgenommenen Verfahren, und die Öffentlichkeit ist häufig gespalten zwischen dem Ruf nach Verantwortung und dem Verdacht, dass manche Prozesse auch für politische Abrechnungen genutzt werden.
In diesem Kontext hat der Prozess gegen einen ehemaligen Minister mehrere Zielgruppen: die heimische, die wissen will, ob Mächtige tatsächlich vor dem Gesetz gleich sind; die regionale, besonders im südlichen Afrika, wo politische Veränderungen oft durch Gerichtsprozesse verfolgt werden; und die internationale, die sich bei Interesse an Tourismus und Investitionen zwangsläufig auch mit der Frage der Rechtsstaatlichkeit befasst. Jeder Verfahrensfehler, jede Vertagung oder widersprüchliche Aussage kann sowohl für Kritiker als auch für Verteidiger der offiziellen Erzählung zum Argument werden.
Wie sich der Fall auf die Tourismusbranche auswirkt
Für den durchschnittlichen Reisenden sind Nachrichten über Gerichtsverfahren meist nicht ausschlaggebend für die Reiseentscheidung. Für Reiseveranstalter, Versicherer, Fluggesellschaften und Kongressorganisatoren fließt die Wahrnehmung politischer und institutioneller Stabilität jedoch in Risikobewertungen ein – und indirekt auch in Preise, Versicherungen, Routenplanung und Kapazitäten.
Simbabwe betont in jüngster Zeit Strategien, die eine stärkere Präsenz auf internationalen Märkten, digitales Marketing und die Gewinnung großer Veranstaltungen einschließen, darunter das Segment des Geschäfts- und Kongresstourismus (MICE). Ein solches Modell setzt langfristige Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und ein hohes Maß an Vertrauen in Institutionen voraus. Der Prozess gegen einen hochrangigen Politiker kann dabei in beide Richtungen wirken: als Beleg, dass Korruption verfolgt wird, oder als Signal, dass das Land noch immer das Erbe vergangener Konflikte „aufarbeitet“.
Die Investitionsbotschaft: Zahlen, Pläne und die Realität der Wahrnehmung
Regierung und Tourismusinstitutionen betonen, dass der Tourismussektor eine wichtige Säule der wirtschaftlichen Erholung ist. In öffentlichen Auftritten und Medienberichten werden Ziele für steigende Ankünfte und Investitionen genannt sowie Pläne zu Infrastruktur, Ausbildung von Personal und Promotion. Der Schwerpunkt liegt auf der Kombination aus Naturattraktionen und der Fähigkeit des Landes, internationale Messen, Investitionskonferenzen und Geschäftstreffen zu organisieren.
Doch die „Realität der Wahrnehmung“ lässt sich nicht allein durch Mitteilungen steuern. In der Tourismusbranche – insbesondere auf weiter entfernten Märkten – werden Informationen über ein Land oft auf wenige dominante Bilder reduziert: Sicherheit, Politik, Währung, Transport und Vertrauen in Institutionen. Der Fall Mzembi ist in diesem Sinne ein Musterbeispiel dafür, wie eine Geschichte aus Kriminalberichterstattung oder Politik mit Marketinganstrengungen konkurrieren kann – und warum Staaten, die auf Tourismus setzen, nicht selten ebenso viel Energie in Reputationsmanagement investieren wie in den Bau von Hotels.
Was als Nächstes im Gerichtssaal und auf dem „Markengelände“ folgt
Nachdem das Gericht den Antrag auf Entlassung zurückgewiesen hat, tritt das Verfahren in eine Phase ein, in der die Verteidigung eigene Zeugen und Argumente vorbringen kann. Der Ausgang hängt davon ab, ob nachgewiesen wird, dass Mzembi tatsächliche Befugnis oder Absicht hatte, entgegen den Vorschriften über Staatseigentum zu verfügen, und ob das Gericht die Verteidigungslinie akzeptiert, dass zentrale administrative Entscheidungen außerhalb seiner unmittelbaren Zuständigkeit lagen.
Für die Tourismusbranche und Investoren ist ebenso wichtig, wie das Verfahren geführt wird: ob die Verhandlungen regelmäßig stattfinden, ob Entscheidungen begründet und fundiert sind und ob der Öffentlichkeit Fakten ohne Politisierung kommuniziert werden. Simbabwe versucht sich als Destination zu positionieren, die eine „Welt der Wunder“ bietet, doch moderner Tourismus funktioniert über Vertrauen in Systeme – von Sicherheitsstandards bis zum rechtlichen Schutz von Investitionen. Gelingt es den Institutionen, Konsequenz zu zeigen, kann der Fall zum Argument werden, dass der Staat Verantwortung ernst nimmt. Überwiegt der Eindruck von Selektivität oder Chaos, wird der Schaden nicht nur in politischen Punkten gemessen, sondern auch am Interesse von Partnern, die entscheiden, wohin sie in den kommenden Jahren Geld und Gäste lenken.
Quellen:- NewZimbabwe.com – Bericht über die Entscheidung des High Court, den Antrag auf discharge zurückzuweisen ( link )- The Herald – Bericht über den Antrag auf discharge und Angaben zur Spende von Bildschirmen im Wert von rund 200.000 USD ( link )- ZimLive – Kontext zu Haft, verweigerter Kaution und Vertagungen von Verhandlungen ( link )- Xinhua – Bericht über die Eröffnung der Sanganai/Hlanganani/Kumbanayi World Tourism Expo und die Ziele der Messe ( link )- Zimbabwe International Trade Fair (ZITF) – offizielles Factsheet für die ZITF 2026 als Plattform für Handel, Investitionen und Tourismus (PDF) ( link )- Zimbabwe Tourism – offizielle Inhalte und Kampagnen zur Markenbildung und Promotion der Destination ( link )
Unterkünfte in der Nähe finden
Erstellungszeitpunkt: 2 Stunden zuvor