Europäischer Satellit der nächsten Generation sendet erste Bilder: MTG-S ebnet den Weg für präzisere Vorhersagen über Europa und Nordafrika
Auf der 18. Europäischen Weltraumkonferenz in Brüssel, die am 27. und 28. Januar 2026 stattfand, präsentierten die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und EUMETSAT der Öffentlichkeit erstmals die ersten Aufnahmen des Meteosat Third Generation-Sounder Satelliten (MTG-S1). Es handelt sich um eine Mission, die die Art und Weise verändern soll, wie meteorologische Dienste die Entwicklung der Atmosphäre über Europa und Teilen Nordafrikas überwachen, mit Schwerpunkt auf schnellerer Warnung vor gefährlichen Wetterphänomenen. Im Gegensatz zu klassischen Satelliten-„Wolkenbildern“ liefert das neue System auch geschichtete Daten zu Temperatur und Feuchtigkeit, was die Grundlage für eine präzisere Einschätzung ist, wann und wo sich ein starker Sturm „entzünden“ kann. Die Vorstellung der ersten Ergebnisse in Brüssel erfolgte zu einem Zeitpunkt, als in der europäischen Politik zunehmend über Wetterextreme, Infrastruktursicherheit und die Notwendigkeit zuverlässiger Warnungen in Echtzeit diskutiert wird.
Die Aufnahmen, die die meiste Aufmerksamkeit erregten, entstanden am 15. November 2025, als das Instrument Infrared Sounder (IRS) die volle Erdscheibe aus der geostationären Umlaufbahn, etwa 36.000 Kilometer über der Oberfläche, aufzeichnete. Ein geostationärer Satellit befindet sich über dem Äquator und „folgt“ der Rotation des Planeten, wodurch er einen ständigen Blick auf dasselbe Gebiet behält. Dies ermöglicht eine häufige Wiederholung der Messungen, was entscheidend für die kurzfristige Vorhersage (Nowcasting) ist, bei der Minuten und Zehnerminuten oft wichtiger sind als lange Datenreihen. In europäischen meteorologischen Diensten werden Entscheidungen über Warnungen vor Hagel, Sturmböen, starkem Niederschlag und Sturzfluten genau in diesem Zeitrahmen getroffen, und die Qualität der Eingangsbeobachtungen bestimmt oft, wie früh und präzise die Warnung sein wird.
Was die ersten Bilder zeigen: Wärme des Festlandes und kalte Wolkengipfel
In der Temperaturdarstellung nutzte der IRS einen langwelligen Infrarotkanal, der die Oberflächentemperatur misst, aber auch die Temperatur an der Wolkenobergrenze. In einem solchen Bild werden wärmere Gebiete in dunkleren Rottönen dargestellt, während kältere Teile – meist die Spitzen hoher Wolken – in Blautönen erscheinen. Auf der ersten globalen Darstellung sind die ausgeprägtesten thermischen „Flecken“ erwartungsgemäß über den Landgebieten Afrikas und Südamerikas zu sehen, während sich über den Ozeanen und stärkerer Bewölkung kältere Töne abheben. In der Fachwelt werden solche Darstellungen als schnelle Einschätzung genutzt, wo die Luft „stabiler“ ist bei klarem Himmel und aufgeheiztem Untergrund, und wo Wetterenergie in die vertikale Wolkenentwicklung übergeht. Gleichzeitig erinnert die Karte daran, wie oft Wettersysteme auf Kontrasten beruhen: zwischen Land und Meer, zwischen trockenen und feuchten Luftmassen sowie zwischen dem warmen Boden und der kalten höheren Schicht.
Unter den Details, die auf den ersten Materialien hervorstechen, wird die klare Sichtbarkeit der Küstenkonturen Westafrikas in wärmeren Farben erwähnt, einschließlich des Gebiets der Halbinsel Cap-Vert, wo sich Dakar befindet. Auf der anderen Seite des Atlantiks hebt sich die Nordostküste Brasiliens in Dunkelrot ab. Im Südwesten Afrikas sind wärmere Landoberflächen Namibias und Südafrikas erkennbar, teilweise bedeckt von einem kälteren Wolkenwirbel. Obwohl es sich um einen einzelnen „eingefrorenen“ Moment handelt, ermöglichen solche Darstellungen in einer Messserie die Verfolgung von Änderungen in relativ kurzen Intervallen, und das ist die Voraussetzung dafür, dass Meteorologen sehen, wie sich das System entwickelt, bevor es auf Land trifft. Genau auf diesem Prinzip beruht das Versprechen des MTG-S-Systems: dass gefährliche Veränderungen in der Atmosphäre nicht zu spät erkannt werden, wenn Sturmwolken bereits über Städten sind, sondern in der Phase, in der sie sich erst organisieren und verstärken.
Bild der Feuchtigkeit: Wo sich Wasserdampf ansammelt und wo trockene Luft vorherrscht
Das zweite veröffentlichte Bild zeigt die Feuchtigkeit der Atmosphäre, gewonnen aus dem mittelwelligen Infrarotkanal des IRS. In dieser Darstellung kennzeichnen Blautöne Teile der Atmosphäre mit höherer Feuchte, während rote Farben auf trockenere Luft hinweisen. Im Gegensatz zur Temperaturkarte sind hier Landkonturen fast nicht zu sehen, da nicht die Oberfläche dargestellt wird, sondern die Verteilung von Wasserdampf in der Atmosphäre. In den ersten Materialien ist ein breiter Gürtel trockener Luft über der Sahara und dem Nahen Osten zu beobachten, während gleichzeitig über einem Teil des Südatlantiks ein Gebiet verringerter Feuchtigkeit zu sehen ist. Auf der anderen Seite werden dunkelblaue „Inseln“ höherer Feuchtigkeit über Ostafrika und in Zonen bemerkt, die auf die komplexe Dynamik der Tropen und höheren Breiten hinweisen. Eine solche Darstellung ist für Meteorologen wertvoll, da viele gefährliche Phänomene, von heftigen Regengüssen bis zu starkem Gewitter, darauf beruhen, wo und wie schnell Feuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt.
Für Meteorologen ist dabei entscheidend nicht nur, „wie feucht es ist“, sondern auch in welcher Schicht sich die Feuchtigkeit befindet und wie sie sich mit wärmerer und kälterer Luft mischt. Wenn Feuchtigkeit in der unteren Schicht konzentriert ist und darüber kältere Luft existiert, wird die Atmosphäre instabiler und bereit für starke vertikale Wolkenentwicklung. Wenn eine feuchte Schicht allmählich durch Zustrom vom Meer oder aus südlicheren Gegenden „aufgefüllt“ wird, kann das Sturmpotenzial in kurzer Zeit stark ansteigen. In der Praxis ergänzen solche Messungen Radare und Bodenmessungen: Radare sehen den bereits entstandenen Niederschlag am besten, während Satellitenprofile helfen abzuschätzen, ob es erst zu Niederschlag kommen wird. Genau hier wird der größte Gewinn des MTG-S-Systems in realen Situationen erwartet, besonders in Übergangsjahreszeiten, wenn sich Fronten und Sturmsysteme schnell organisieren können.
Europa in Großaufnahme: Front über den Pyrenäen, Wärme über Afrika
Neben globalen Darstellungen wurde auch ein regionaler „Zoom“ über Europa und Nordafrika veröffentlicht, der den Kontrast zwischen wärmeren Landoberflächen auf dem afrikanischen Kontinent und kälteren, hochgelegenen Wolken, die Wetterfronten begleiten, hervorhebt. Im gezeigten Beispiel bedeckt ein kälteres System das Gebiet von Spanien und Portugal, während sich die Apenninhalbinsel in der Bildmitte befindet. Solche Bilder sind für Meteorologen nicht nur wegen der visuellen Klarheit nützlich, sondern auch, weil auf ihnen die Entwicklung von Wolkengipfeln, Breite und Dynamik von Frontalzonen sowie das Verhältnis zwischen Oberflächen- und Höhenprozessen verfolgt werden kann. Wenn dies mit Temperatur- und Feuchtigkeitsprofilen verglichen wird, eröffnet sich die Möglichkeit einer präziseren Interpretation, warum sich ein bestimmter Sturm gerade an einem bestimmten Ort entwickelt. Mit anderen Worten, das Bild hört auf, nur ein „Foto“ zu sein, und wird Teil einer dreidimensionalen Diagnostik der Atmosphäre.
Im operativen Sinne ist das Ziel nicht nur zu sehen, wo Wolken sind, sondern vorherzusagen, was in den nächsten 30 bis 180 Minuten passieren wird. Wird sich das System intensivieren oder abschwächen, wird es Richtung Küste oder ins Landesinnere abbiegen, wird es sich zu einer Sturmlinie mit starkem Wind organisieren oder verstreut bleiben? In diesem Zeitrahmen „hinken“ klassische numerische Modelle manchmal schnellen Änderungen hinterher, sodass Beobachtungen mit hoher Frequenz entscheidend werden. Deshalb wird in öffentlichen Erklärungen zu MTG-S1 die Fähigkeit zur regelmäßigen Datenaktualisierung betont: damit meteorologische Einschätzungen auf frischen Messungen basieren und nicht auf einem Bild, das eine Stunde alt ist. In der Praxis kann das den Unterschied bedeuten zwischen einer rechtzeitigen Warnung und einer Situation, in der ein Sturm ein Gebiet mit großer Exposition von Menschen und Infrastruktur überrascht.
Beispiel aus der Praxis: Ausbruch des äthiopischen Vulkans und Ascheverfolgung
Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Animation, die den Ausbruch des Vulkans Hayli Gubbi in Äthiopien am 23. November 2025 zeigt. Im Hintergrund wird auf Basis von Temperaturänderungen die Entwicklung der Ereignisse an der Oberfläche verfolgt, während Infrarotkanäle die Entstehung und Ausbreitung von Aschewolken hervorheben. In solchen Situationen ist rechtzeitige Information über die Aschebewegung nicht nur eine wissenschaftliche Kuriosität: Vulkanasche stellt ein ernstes Risiko für die Luftfahrt dar, da sie Triebwerke und Instrumente beschädigen kann, weshalb ihre Ausbreitung routinemäßig überwacht und für Sicherheitsbewertungen im Luftverkehr genutzt wird. Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass sich eine Aschewolke sehr schnell ausbreiten kann, und Richtung und Höhe von Winden in verschiedenen Schichten der Atmosphäre abhängen, was eine kontinuierliche Überwachung erfordert. Genau deshalb wird in Anwendungsbeispielen des MTG-Sounders die Möglichkeit betont, Änderungen über die Zeit zu beobachten, und nicht nur eine einmalige Aufnahme.
Laut Veröffentlichungen wissenschaftlicher Institutionen, die das Ereignis verfolgten, zog der Ausbruch des Hayli Gubbi auch deshalb Aufmerksamkeit auf sich, weil es sich um das erste aufgezeichnete explosive Ereignis dieses Vulkans in der neueren Geschichte handelt, in der Afar-Region, die aufgrund tektonischer Plattendivergenzprozesse geologisch aktiv ist. Aus verfügbaren Berichten geht hervor, dass Satellitenbeobachtungen entscheidend für die frühe Einschätzung der Höhe und Bewegungsrichtung von Asche- und Gaswolken waren. Solche Beispiele erklären, warum MTG-S oft als System beschrieben wird, das nicht nur für Meteorologen wichtig ist, sondern auch für einen breiteren Kreis von Nutzern: von Flugdiensten bis zu Umweltschutz und Krisenmanagement. Im europäischen Kontext ist die Geschichte über Vulkanasche besonders sensibel, da Unterbrechungen des Luftverkehrs große wirtschaftliche Folgen haben können und eine zuverlässige Risikobewertung von der Datenqualität abhängt. Zusätzlich geschehen solche Ereignisse oft in abgelegenen Gebieten mit wenigen Messstationen, sodass Satellitenüberwachung zur Hauptinformationsquelle wird.
Warum MTG-S wichtig ist: vom Wolkenbild zur 3D-Karte der Atmosphäre
Meteosat Third Generation (MTG) ist ein gemeinsames europäisches Programm, in dem die ESA Technologie und System entwickelt, und EUMETSAT die operative Steuerung und Datenverteilung übernimmt. Das Konzept ist als „Paar“ von Satelliten in geostationärer Umlaufbahn angelegt: MTG-I (Imager) liefert sehr schnelle und detaillierte Bilder von Wolken, Aerosolen und Blitzen, während MTG-S (Sounder) eine systematische Sondierung der Atmosphäre aus derselben Umlaufbahn einführt. Gerade der Infrared Sounder auf MTG-S1 ist das erste europäische hyperspektrale Instrument dieser Art in geostationärer Umlaufbahn. Hyperspektrale Messung bedeutet, dass gleichzeitig eine große Anzahl von Kanälen im Infrarotbereich gesammelt wird, und aus feinen Unterschieden im Spektrum Profile von Temperatur und Wasserdampf nach Höhe berechnet werden. In öffentlich zugänglichen technischen Beschreibungen wird hervorgehoben, dass das Instrument kontinuierlich etwa 1.700 Infrarotkanäle sammelt, und durch Kombination dieser Kanäle ist es möglich, dreidimensionale Karten der Atmosphäre zu erhalten. Solche Produkte sind nicht „sofortig“, sondern erfordern Verarbeitung und Validierung, eröffnen aber ein neues Kapitel in der europäischen geostationären Wetterüberwachung.
Dieser technologische Unterschied übersetzt sich in der Meteorologie in einen praktischen Vorteil: Statt auf Basis von Wolken nur zu schlussfolgern, was passiert, ist es möglich, direkter einzuschätzen, in welcher Schicht die Atmosphäre instabil ist und wo genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, damit das System schnell stärker wird. In Kombination mit Daten über Wolken und Blitze können solche Profile helfen, die Entwicklung starker Stürme und lokaler Unwetter früher zu erkennen, einschließlich Episoden von starkem Wind, Hagel und starkem Regen. In europäischen Erklärungen zu MTG-S1 wird auch betont, dass neben Temperatur und Feuchtigkeit mit der Zeit Produkte entwickelt werden, die bei der Einschätzung von Wind und bestimmten Spurengasen helfen. All dies fließt in dasselbe Ziel ein: die Vorhersage auf kurzen Zeithorizonten zu verbessern und „blinde Flecken“ in Momenten zu verringern, wenn sich Systeme schnell ändern. In der Praxis bedeutet das mehr Gelegenheiten, Warnungen früher herauszugeben, und weniger Situationen, in denen ein Sturmsystem „aus heiterem Himmel“ erscheint.
Reaktionen aus der ESA: Betonung auf Stürmen und schnelleren Warnungen
In Erklärungen, die die Vorstellung der ersten Bilder begleiteten, betonten Vertreter der ESA, dass eine Verbesserung der Vorhersage und Warnung vor Stürmen über Europa erwartet wird. Dabei wird hervorgehoben, dass es sich um einen langen Entwicklungszyklus und um ein System handelt, das sich auf ein breites Netzwerk europäischer Partner stützt, einschließlich EUMETSAT und Industrie. Im fachlichen Sinne ist die Botschaft, dass häufigere und vielschichtigere Messungen von Temperatur und Feuchtigkeit die Unsicherheit in der Anfangsphase der Sturmentwicklung verringern sollen, wenn Meteorologen oft zwischen mehreren möglichen Szenarien wählen müssen. Im europäischen Raum sind Situationen besonders sensibel, in denen sich Stürme sehr schnell organisieren, beispielsweise im wärmeren Teil des Jahres über dem Mittelmeer, wo eine Kombination aus warmem Meer und Zustrom kälterer Luft eine starke Entwicklung anstoßen kann. Unter solchen Bedingungen kann der Unterschied zwischen einer zwei Stunden früher herausgegebenen Warnung und einer eine halbe Stunde früher herausgegebenen Warnung entscheidend für die Vorbereitung der Dienste und die Information der Öffentlichkeit sein.
In das Projekt eingebundene Experten betonen dabei auch, dass dem System eine Phase der schrittweisen Produkteinführung bevorsteht, da es bei solchen Instrumenten notwendig ist, Kalibrierung, Datenqualität und Interpretationsweise sorgfältig abzustimmen. In der Meteorologie kann sich auch der kleinste systematische Fehler auf Modelle übertragen und die Vorhersage beeinflussen, weshalb die operative Anwendung schrittweise eingeführt wird, mit Überprüfung in verschiedenen Wettersituationen. Das ist Teil des Standardwegs von „ersten Bildern“ zum vollen operativen Dienst: Zuerst wird bestätigt, dass das Instrument funktioniert, dann wird die Verarbeitung stabilisiert, und erst dann werden Produkte in den Routinegebrauch eingeführt. In diesem Prozess ist auch die Kommunikation gegenüber Nutzern wichtig, da ein neuer Datentyp auch neue Interpretationsregeln und Anpassung von Prozeduren in meteorologischen Zentren erfordert. Genau deshalb wird die erste öffentliche Präsentation als Beginn einer größeren, mehrjährigen Veränderung im europäischen meteorologischen System betrachtet.
Wie sich MTG-S in das breitere Bild einfügt: MTG-I arbeitet bereits, und weitere Starts folgen
Das MTG-System ist dank des Satelliten MTG-I1, dem ersten „Imager“ der dritten Generation, der im Dezember 2022 gestartet wurde, bereits teilweise operativ. Nach Daten von EUMETSAT liefert MTG-I1 Bilder der vollen Erdscheibe im Abstand von etwa 10 Minuten, und Ziel ist, dass eine solche Häufigkeit in Kombination mit besserer räumlicher und spektraler Auflösung die Verfolgung schneller Änderungen in Wolken und Gewittersystemen verbessert. Die Idee des Programms ist, dass Daten von Imager und Sounder zusammen genutzt werden: Der Imager zeigt schnell, wo sich das System entwickelt und wie sich Wolken und Blitze ändern, und der Sounder fügt Information darüber hinzu, wie der „innere Aufbau“ der Atmosphäre ist und warum sich das System verstärkt oder abschwächt. Ein solcher Ansatz ist besonders wichtig in Situationen, wenn sich gefährliches Wetter lokal und schnell entwickelt, beispielsweise in Zonen orografischen Einflusses oder entlang von Küstenkonvergenzen. In Kombination sollten MTG-I und MTG-S eine „vollständigere Geschichte“ über die Atmosphäre geben, was die Grundlage für präzisere Vorhersage und zuverlässigere Warnungen ist.
MTG-S1 wurde am 1. Juli 2025 gestartet, und in der industriellen Arbeitsteilung wird Thales Alenia Space als Hauptauftragnehmer des gesamten MTG-Programms genannt, während OHB Systems für den Sounder-Satelliten verantwortlich ist. Operative Steuerung und Datenverteilung leitet EUMETSAT, was das Standardmodell für europäische geostationäre meteorologische Missionen ist. In den nächsten Schritten sieht der europäische Plan zusätzliche Starts vor, einschließlich eines zweiten Imager-Satelliten, dessen Start im Laufe des Jahres 2026 erwartet wird. Damit würde die Datenverfügbarkeit gestärkt und die Servicekontinuität gesichert, was für meteorologische Dienste entscheidend ist, die sich auf einen stetigen Strom von Satellitenprodukten verlassen. In der Praxis müssen solche Systeme auch Redundanz haben, da Vorhersage und Warnungen nicht „pausiert“ werden können, wenn ein Satellit ein technisches Problem hat. Deswegen wird MTG als langfristige Infrastruktur betrachtet, und nicht als Einzelprojekt.
Sentinel-4 auf demselben Satelliten: stündliche Überwachung der Luftqualität über Europa
MTG-S1 trägt nicht nur einen meteorologischen Sounder. Auf derselben Plattform befindet sich auch das Instrument der Mission Copernicus Sentinel-4, eine Ultraviolett-Sichtbar-Nahinfrarot (UVN) bildgebende Spektrometerlösung, bestimmt zur Überwachung der Atmosphärenzusammensetzung und Luftverschmutzung über Europa. Sentinel-4 ist besonders wichtig, da es eine stündliche Überwachung einzelner Schadstoffe, wie Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Ozon, aus der geostationären Umlaufbahn ermöglicht. Erste vorläufige Bilder von Sentinel-4 wurden im Oktober 2025 veröffentlicht, und Institutionen betonten dabei, dass es sich um eine frühe Datenphase handelt, die die Richtung zeigt, in die sich operative Dienste entwickeln werden. Stündliche Aktualisierung eröffnet die Möglichkeit, tagsüber zu sehen, wie sich Konzentrationen ändern, wo „Hotspots“ entstehen und wie Verschmutzung durch Luftströmungen transportiert wird. Im Kontext der öffentlichen Gesundheit und öffentlichen Politik kann ein solcher Einblick bei der Bewertung der Wirkung von Maßnahmen und bei rechtzeitigerer Information der Bevölkerung in Episoden erhöhter Verschmutzung helfen.
Die Kombination von Meteorologie und Überwachung der Luftqualität auf demselben Satelliten hat auch einen zusätzlichen praktischen Wert: Dieselbe Luftzirkulation, die einen Sturm oder stabiles Wetter bringt, bestimmt oft auch, ob sich Verschmutzung am Boden hält oder verdünnt und fortgetragen wird. In Winterepisoden können stabile Atmosphäre und Temperaturinversionen eine Ansammlung schädlicher Stoffe in der bodennahen Schicht verursachen, während in windigen Situationen Konzentrationen stark fallen können. Wenn Änderungen Stunde für Stunde verfolgt werden, ist es möglich, kritische Situationen schneller zu erkennen, aber auch die Mechanismen dahinter besser zu verstehen. In diesem Sinne wird MTG-S1 zur Plattform, die zwei Themen verbindet, die Bürger oft getrennt wahrnehmen: das Wetter und die Luft, die sie atmen. Genau das erklärt, warum um dieses System herum oft auch „gesellschaftliche Herausforderungen“ erwähnt werden, und nicht nur technologische Errungenschaften.
Was nach den ersten Bildern folgt: von der Demonstration zur operativen Nutzung
Die ersten veröffentlichten Aufnahmen vom MTG-Sounder haben sowohl symbolischen als auch praktischen Wert. Symbolischen, weil sie bestätigen, dass das Instrument im Orbit arbeitet und die erwartete Art von Messungen liefert. Praktischen, weil der meteorologischen Gemeinschaft nun die Phase der Umwandlung von Rohbeobachtungen in stabile operative Produkte bevorsteht: vertikale Profile, Karten nach Schichten, Instabilitätsindikatoren und andere Parameter, die in Vorhersage und Warnungen eingehen. In diesem Prozess ist es wichtig, dass Produkte zuverlässig und konsistent sind, damit sie über die Zeit und zwischen verschiedenen Wettersituationen verglichen werden können. Erst wenn eine solche Stabilität erreicht ist, erhalten Daten vollen Wert in operativen Zentren, wo Entscheidungen unter Zeitdruck und Verantwortung getroffen werden. Genau deshalb werden „erste Bilder“ als Anfang behandelt, und nicht als Ziel.
Für Europa ist das auch im Kontext immer häufigerer Wetterextreme wichtig, von kurzzeitigen, aber starken Stürmen bis zu Episoden ergiebigen Niederschlags, die Sturzfluten verursachen können. In solchen Situationen können Satellitendaten, die schneller und mit mehr Information über die Struktur der Atmosphäre eintreffen, helfen, dass Warnungen präziser und die Reaktion früher sind. Gleichzeitig eröffnet die Tatsache, dass MTG-S1 neben meteorologischer Sondierung auch Sentinel-4 trägt, die Möglichkeit, dass Wetter- und Umweltrisiken in einem einheitlichen Zeitrahmen beobachtet werden. In der Praxis bedeutet das mehr Situationsbewusstsein: wie sich die Atmosphäre verhält, wo sich gefährliche Systeme entwickeln, wie Partikel und Gase transportiert werden und welchen Einfluss all das auf Verkehr, Wirtschaft und Gesundheit haben kann. Wie sich in den folgenden Monaten und Jahren operative Produkte ausweiten, wird erwartet, dass das MTG-S-System eine der wichtigsten europäischen Datenquellen für Vorhersage, Warnungen und Überwachung des Atmosphärenzustands wird.
Quellen:- Europäische Weltraumorganisation (ESA) / Phys.org – Bekanntmachung über erste MTG-Sounder-Bilder und Erklärung der Temperatur- und Feuchtigkeitsdarstellungen (Link)
- Europäische Weltraumorganisation (ESA) – Informationen zur 18. Europäischen Weltraumkonferenz (27.–28. Januar 2026, Brüssel) (Link)
- EUMETSAT – Überblick über MTG-S1 und Copernicus Sentinel-4 Mission sowie EUMETSATs Rolle bei Betrieb und Datenverteilung (Link)
- ESA – technische Beschreibung des Instruments Infrared Sounder (hyperspektrale Sondierung in geostationärer Umlaufbahn) (Link)
- EUMETSAT – Darstellung erster Bilder von MTG-I1 und Daten zur Aufnahme der vollen Erdscheibe im Abstand von etwa 10 Minuten (Link)
- EUMETSAT – Bekanntmachung über erste vorläufige Copernicus Sentinel-4 Bilder und Möglichkeiten stündlicher Verschmutzungsüberwachung (Link)
- Europäische Kommission (DG DEFIS) – Erklärung des ersten Stickstoffdioxidbildes von Sentinel-4 und Messkontext (Link)
- NASA Science – Überblick über den Ausbruch des Vulkans Hayli Gubbi am 23. November 2025 und Satellitenbeobachtungen (Link)
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Erstellungszeitpunkt: 4 Stunden zuvor