Von der Krise zur Transformation: Nairobi brachte globale Tourismus-Spitzen in der Suche nach einer widerstandsfähigeren Zukunft zusammen
Mitte Februar wurde Nairobi zum Zentrum einer der wichtigsten Debatten im globalen Tourismus: Wie lassen sich Destinationen und die Reiseindustrie auf eine Phase vorbereiten, in der Störungen immer häufiger und immer teurer werden. Auf der 4. Konferenz und Messe zum Globalen Tag der Tourismusresilienz (Global Tourism Resilience Day Conference & Expo – GTRDCE) warnten Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen, der Privatwirtschaft und der Wissenschaft, dass der Tourismus in ein „neues Normal“ eintritt – eine Zeit permanenter Krisen, von extremen Wetterereignissen und Gesundheitsbedrohungen bis hin zu Cyberangriffen und der Verbreitung von Desinformation.
Die Veranstaltung fand in Nairobi vom 16. bis 18. Februar 2026 im Kenyatta International Convention Centre (KICC) statt, organisiert vom kenianischen Ministerium für Tourismus und Wildtiere in Partnerschaft mit dem Global Tourism Resilience and Crisis Management Centre (GTRCMC). Das Thema war klar gesetzt:
„Tourism Resilience in Action: From Crisis Response to Impactful Transformation” – Resilienz in der Praxis, von der Krisenreaktion bis zur echten Transformation.
Warum Nairobi eine wichtige Wahl war
Kenia wollte mit der Gastgeberrolle die Botschaft senden, dass die Debatte über Tourismusresilienz nicht nur in den traditionellen Zentren der globalen Branche geführt wird, sondern auch in Regionen, die oft als erste von Schocks getroffen werden. Die Organisatoren betonten, dass es sich um ein Forum handelt, das Politik, Investitionen und Innovationen verbindet, und das Programm umfasste Diskussionen über die Umsetzung von Politikmaßnahmen, Infrastruktur, Krisenkommunikation, Personalentwicklung und die Finanzierung von Resilienz – einschließlich der Nutzung von Daten, künstlicher Intelligenz und prädiktiver Analytik.
In Nairobi wurde zudem die Rolle des akademischen Sektors hervorgehoben. Das GTRCMC in Ostafrika ist an der Kenyatta University angesiedelt, wo es 2019 als regionales Zentrum mit dem Ziel eingerichtet wurde, Kapazitäten für Krisenmanagement im Tourismus zu stärken und eine schnellere Erholung von Destinationen nach Schocks zu ermöglichen.
„Krise ist keine Ausnahme mehr“: Botschaften von Edmund Bartlett
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand Jamaikas Tourismusminister
Hon. Edmund Bartlett, zugleich einer der wichtigsten Förderer der globalen Agenda zur Tourismusresilienz. In seinen Ansprachen warnte er, die Branche müsse aufhören, so zu handeln, als seien Störungen selten und kurzlebig. Die Botschaft, die er vor den Teilnehmenden wiederholte, lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Disruption ist zur Konstante geworden.
Bartlett betonte mehrere Bereiche, die seiner Ansicht nach nicht mehr als Nebenrisiken behandelt werden können. Dazu gehören Cybersicherheit, der Schutz der Reputation von Destinationen im digitalen Umfeld, verlässliche Informationssysteme und eine schnellere internationale Koordination, wenn eine Krise ausbricht. Er warnte, dass Angriffe auf digitale Infrastruktur sowie Wellen von Desinformation in kurzer Zeit zu Buchungsrückgängen, Markenschäden und Vertrauensverlust führen können – manchmal sogar ohne jede reale Veränderung vor Ort.
Das digitale Schlachtfeld: Cyberrisiken, Reputation und Desinformation
Einer der konkretesten Schwerpunkte des Gipfels lag auf
Cybersicherheit. Der Tourismus ist weitgehend digitalisiert: Buchungs- und Zahlungssysteme, Gästemanagement, Luftverkehr und Logistik stützen sich auf Netzwerke und Daten. Das macht ihn zu einem attraktiven Ziel für Erpressung, Datendiebstahl und Angriffe auf kritische Infrastruktur. Die Teilnehmenden warnten, dass bei einem schwerwiegenderen Vorfall die Folgen nicht nur einzelne Unternehmen treffen, sondern auch Destinationen – insbesondere, wenn es zu einem massenhaften Abfluss personenbezogener Daten oder zu Systemausfällen in der Hochsaison kommt.
Parallel dazu eröffnet die wachsende Rolle sozialer Netzwerke und Bewertungsplattformen Raum für schnelle Reputationskrisen. Eine falsch interpretierte Information, eine Falschmeldung oder eine koordinierte Kampagne kann die Wahrnehmung der Sicherheit einer Destination praktisch über Nacht verändern. Genau deshalb wurde in Nairobi über
„vertrauenswürdige Informationssysteme“ gesprochen: wie sich verifizierte, rechtzeitige und international vergleichbare Daten während einer Krise sicherstellen lassen und wie man gegenüber der Öffentlichkeit ohne Panik und ohne Beschönigung kommuniziert.
Von Klimaschocks bis Gesundheit: Resilienz als öffentliche Politik
Die Panels betonten besonders, dass Tourismusresilienz nicht mehr nur eine Frage der Unternehmensstrategie ist, sondern auch
öffentlicher Politik. Der Klimawandel erhöht die Häufigkeit extremer Wetterereignisse, was Anpassungen der Infrastruktur, Risikomanagement und Evakuierungsplanung erfordert. Gleichzeitig zeigte die Erfahrung der COVID-19-Pandemie, wie schnell internationale Reisen zusammenbrechen können und wie verletzlich Destinationen sind, die von einer einzigen Besucherart oder von einer begrenzten Zahl von Märkten abhängen.
Deshalb ging es um die Diversifizierung touristischer Produkte, die Stärkung lokaler Lieferketten und Investitionen in Humanressourcen. Die Idee ist, dass Destinationen nicht nur gegenüber „großen“ Schocks widerstandsfähiger werden, sondern auch gegenüber einer Reihe kleinerer Störungen – von Lieferunterbrechungen bis zu regionalen Sicherheitsvorfällen – die sich in Kombination zu einer ernsten Krise auswachsen können.
Globaler Tag der Tourismusresilienz: internationaler Rahmen und politisches Gewicht
Die Konferenz in Nairobi fand in der Woche statt, in der der
Global Tourism Resilience Day begangen wird, der jedes Jahr am 17. Februar begangen wird. Der Tag wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen durch die Resolution A/RES/77/269 ausgerufen, mit dem Ziel, Staaten zur Ausarbeitung von Strategien für Erholung und resilientere Tourismusentwicklung sowie zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor zu ermutigen.
In diesem Kontext diente Nairobi als eine Art Arbeitsplattform: wie globale Erklärungen in operative Pläne, Budgets und Standards übersetzt werden können, die in Krisensituationen gelten. Die Teilnehmenden betonten, dass Resilienz nicht auf einmalige Übungen oder PR-Botschaften reduziert werden kann, sondern Investitionen in Systeme, Daten, Schulungen und Koordination erfordert.
Aufruf zu einem Globalen Fonds für Tourismusresilienz
Ein Vorschlag, der in dieser Initiative immer wieder auftaucht, ist die Einrichtung eines
Global Tourism Resilience Fund – eines Finanzmechanismus, der die Vorbereitung und Erholung von Destinationen schneller unterstützen würde, insbesondere in Ländern mit weniger fiskalischem Spielraum, die stark vom Tourismus abhängen. Auf der Konferenz wurde hervorgehoben, dass Schocks häufig verletzliche Volkswirtschaften am härtesten treffen: Eine Unterbrechung der Saison oder ein Rückgang der Ankünfte kann direkte Auswirkungen auf Beschäftigung, lokale Einkommen und die Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen haben.
Der Vorschlag für den Fonds in Nairobi wurde mit der Idee „von Worten zu Strukturen“ verknüpft – Resilienz durch Programme und Finanzierung zu institutionalisieren, statt sie als deklaratives Ziel stehen zu lassen. Obwohl Details zum Governance-Modell und zu Finanzierungsquellen in öffentlich zugänglichen Materialien nicht vollständig ausgearbeitet sind, liegt der Schwerpunkt auf globaler Zusammenarbeit, Transparenz und Reaktionsgeschwindigkeit.
Auszeichnung und Symbolik: Anerkennung für Bartlett in Nairobi
Am Rande der Veranstaltung erhielt Bartlett in Nairobi den
Global Tourism Resilience Lifetime Achievement Award, eine Auszeichnung, die während der Feierlichkeiten zum 4. Globalen Tag der Tourismusresilienz am 17. Februar 2026 im Safari Park Hotel verliehen wurde. Die Preisverleihung unterstrich zusätzlich die Rolle Jamaikas dabei, das Thema Tourismusresilienz auf die internationale Ebene zu heben, einschließlich der Initiative, die zur offiziellen UN-Begleitung des 17. Februar führte.
Was das für die Branche bedeutet: von „Krisenmanagement“ zu Systemdesign
Die wichtigste Schlussfolgerung der Diskussionen in Nairobi war nicht, dass die Krise verschwinden wird, sondern dass der Tourismus als System gestaltet werden muss, das Störungen voraussetzt. Dazu gehören Standards für Datensicherheit, Protokolle für Krisenkommunikation, Szenarioplanung, Sicherung der Geschäftskontinuität und ein besserer Informationsaustausch zwischen Staaten und Branche.
Die Organisatoren betonten auch die Notwendigkeit, Resilienz mit Nachhaltigkeit zu verknüpfen: Investitionen in Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und den Schutz des Naturerbes haben einen doppelten Nutzen – sie verringern Risiken und bewahren die grundlegende Attraktivität von Destinationen. In der Praxis bedeutet das, dass neben klassischen Tourismusindikatoren zunehmend auch die Fähigkeit einer Destination gemessen wird, sich zu erholen, das Vertrauen der Märkte zu erhalten und lokale Gemeinschaften zu schützen, die vom Tourismus leben.
In den Wochen nach dem Ende des Treffens wird erwartet, dass ein Teil der Empfehlungen in neue Kooperationsprogramme zwischen Kenia, dem GTRCMC und Partnern aus anderen Regionen überführt wird, während die Debatte über den globalen Fonds und digitale Sicherheit auch über andere internationale Foren fortgesetzt wird.
Quellen:- Kenianisches Ministerium für Tourismus und Wildtiere – Ankündigung und Rahmen der GTRDCE-Konferenz 2026 ( link )- GTRCMC – Informations-PDF-Paket für GTRDCE 2026 (Daten, Ort, Thema, Programmdetails) ( link )- ATTA Travel – Programmüberblick und Kernthemen, einschließlich der Keynote von Edmund Bartlett ( link )- Vereinte Nationen – Global Tourism Resilience Day und Resolution A/RES/77/269 ( link )- Breaking Travel News – Verleihung des „Global Tourism Resilience Lifetime Achievement Award“ an Edmund Bartlett in Nairobi ( link )- eTurboNews – Bericht von der Konferenz und Schwerpunkte zu Cyberrisiken und Desinformation ( link )
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Erstellungszeitpunkt: 1 Stunden zuvor