Polen füllen weiterhin die Adria, aber sie ändern die Spielregeln: wie sich 2025 die Art des Reisens nach Kroatien verändert hat
Kroatien zählt seit Jahren zu den wichtigsten Sommerzielen für polnische Gäste, doch die jüngsten Zahlen und Signale aus dem Tourismussektor deuten auf veränderte Gewohnheiten hin. Polen hat 2025 seinen Status als einer der wichtigsten Auslandsmärkte behalten, während gleichzeitig immer deutlicher eine Verschiebung vom „einen großen Sommerurlaub“ hin zu flexibleren, vielfältigeren und besser geplanten Reisen zu sehen ist.
Nach Angaben des eVisitor-Systems kamen 2025 rund 1,24 Millionen Touristen aus Polen nach Kroatien und erzielten etwa 7,32 Millionen Übernachtungen. Damit blieb Polen der viertwichtigste Quellmarkt für den kroatischen Tourismus, hinter Deutschland, Slowenien und Österreich. Im selben Zeitraum verzeichnete Kroatien insgesamt mehr als 21,8 Millionen touristische Ankünfte und 110,1 Millionen Übernachtungen, was die zuständigen Institutionen als weiteres Rekordjahr in Folge anführen.
Hinter dem Rekord: von „Sonne und Meer“ hin zu einem Mix aus Erlebnissen
Die Zahlen allein erklären die Veränderung nicht, doch sie zeigt sich in der Struktur des Interesses. Strände und Baden bleiben das Hauptmotiv, doch immer häufiger werden Reisen um Inhalte ergänzt, die zuvor nicht im Vordergrund standen: Besichtigungen historischer Städte, lokale Gastronomie, Veranstaltungen und Aktivitäten im Freien. In der Tourismusbranche wird ein solcher Wandel als Wachstum des „Erlebnisreisens“ erkannt – vom Segeln und Inselausflügen bis hin zu Radfahren, Wandern und kürzeren Städteurlauben.
Aus der Vertretung der Kroatischen Zentrale für Tourismus und dem polnischen Büro der Kroatischen Zentrale für Tourismus (CNTB) heißt es, polnische Touristen kombinierten immer bewusster bewährte Adria-Destinationen mit anderen Urlaubsarten. Die Leiterin der Vertretung in Polen, Małgorzata Kowalska, betonte in einer Erklärung gegenüber polnischen Medien, dass neben dem klassischen Urlaub am Meer immer häufiger aktive Angebote, Stadtbesuche und Reisen außerhalb der Hochsaison gewählt werden.
Die Saison weitet sich aus: wachsendes Interesse vor und nach Juli und August
Juli und August sind weiterhin die stärksten Monate, doch der Tourismus „verläuft“ allmählich in Frühling und Herbst. Für viele Reisende aus Polen bedeutet das weniger Andrang, angenehmere Temperaturen und eine einfachere Planung von Aktivitäten – von Besichtigungen bis hin zum Outdoor-Angebot. Der kroatische Tourismussektor verbindet diesen Trend mit zwei parallelen Veränderungen: flexibleren Arbeitsmodellen (Remote-Arbeit und kürzere Auszeiten) sowie einem wachsenden Angebot an Veranstaltungen und Inhalten, die nicht ausschließlich an den Sommer gebunden sind.
In den nationalen Daten für 2025 wird zudem hervorgehoben, dass der kontinentale Teil des Landes, einschließlich Zagreb, ein Wachstum bei den Übernachtungen verzeichnet. Obwohl die Adriaregionen weiterhin dominieren, kommen Zagreb und das Landesinnere immer häufiger in die Pläne der Gäste als City-Break-Destinationen oder als Ergänzung zu einem Aufenthalt an der Küste.
Wo polnische Gäste am häufigsten übernachten
Betrachtet man die Verteilung der Übernachtungen, konzentrieren sich polnische Gäste traditionell auf die Adria, insbesondere in Dalmatien und Istrien. 2025 werden unter den gefragtesten Gespanschaften Split-Dalmatien und Istrien genannt, gefolgt von Zadar, Primorje-Gorski Kotar sowie Dubrovnik-Neretva. In der Praxis bedeutet das, dass neben klassischen Destinationen wie Zadar, der Makarska-Riviera und dem Gebiet um Omiš ein erheblicher Teil des Interesses auch auf die Kvarner-Inseln sowie auf die Region Pelješac und Dubrovnik entfällt.
Diese Verteilung spiegelt auch die Reiselogistik aus Polen wider: Die Anreise mit dem Auto dominiert weiterhin, was Destinationen mit guten Straßenverbindungen und einer großen Auswahl an Privatunterkünften begünstigt. Gleichzeitig eröffnet der Ausbau der Flugverbindungen Spielraum für schnellere Wochenendtrips sowie für Reisen in der Vor- und Nachsaison, wenn sich Reisende leichter für einen kürzeren Aufenthalt entscheiden.
Unterkunft: private Apartments bleiben die Basis, aber die Nachfrage nach höherer Qualität wächst
Private Unterkünfte und Familienapartments bleiben das „Rückgrat“ der polnischen Ankünfte, doch der Sektor verzeichnet ein wachsendes Interesse an Campingplätzen und Hotels. In Branchenmitteilungen wird insbesondere das schnellere Wachstum der Nachfrage nach Hotels höherer Kategorien hervorgehoben, was in einen breiteren Trend passt: Ein Teil der Gäste sucht nicht mehr nur einen günstigen Preis, sondern auch einen höheren Standard, zusätzliche Angebote und verlässlichen Service.
Dieser Wandel zeigt sich auch in der Art der Planung: Mehr Aufmerksamkeit gilt der Lage, Angeboten in der Nähe, der Verfügbarkeit von Aktivitäten und der Qualität des Angebots. Im Tourismussektor wird dies als Wachstum von „Preis-Leistungs-Verhältnis“ interpretiert – nicht unbedingt das Teuerste, sondern im Verhältnis zu den Erwartungen gerechtfertigt.
Wer reist und warum er zurückkehrt
Polnische Gäste sehen Kroatien oft als Familienziel und danach als Destination für Paare. Gleichzeitig wird in der Kommunikation des Tourismussektors häufig eine hohe Loyalität betont – ein großer Teil der Gäste kehrt mehrfach zurück, und Empfehlungen von Familie und Freunden bleiben einer der wichtigsten Auslöser für eine neue Reise. Soziale Netzwerke und Buchungsplattformen spielen natürlich ebenfalls eine Rolle, doch persönliche Erfahrung und ein „bewährtes“ Reiseziel bleiben ein starker Faktor.
Für Kroatien ist eine solche Loyalität aus einem weiteren Grund wichtig: Wiederkehrende Gäste entscheiden sich leichter dafür, neue Orte und Inhalte zu erkunden. Gerade sie „weichen“ häufiger von der eingespielten Route ab, etwa zu kleineren Inseln, ins dalmatinische Hinterland oder zu gastronomischen und Wein-Ausflügen in Istrien und am Kvarner. Solche Muster fördern eine Ausweitung der Ausgaben über den engsten Küstenstreifen hinaus und außerhalb der am stärksten belasteten Wochen im Juli und August.
Das Auto als Teil des Erlebnisses, aber Flugwachstum verändert die Dynamik
Die Anreise auf dem Landweg bleibt die dominierende Wahl der Reisenden aus Polen. Für viele ist die Fahrt durch Mitteleuropa und Slowenien Teil des Urlaubs, und das Auto bietet Flexibilität für den Besuch mehrerer Orte. Das Wachstum der verfügbaren Flüge, insbesondere zu Küstenflughäfen und nach Zagreb, verändert jedoch allmählich die Dynamik: Es erleichtert kürzere und spontanere Reisen, reduziert die „Zeitkosten“ und macht City-Breaks außerhalb der Saison einfacher.
In Kombination mit der Tatsache, dass Kroatien im Schengen-Raum ist und den Euro nutzt, wird das Reisen in der Praxis zusätzlich vereinfacht – vom Grenzübertritt bis zum Bezahlen vor Ort. Touristische Institutionen betonen häufig, dass gerade die leichtere Logistik das Wachstum kurzer Aufenthalte und mehrmaliger Reisen im Jahresverlauf fördert.
Preise, Wert und ein „neuer Realismus“ bei der Urlaubsplanung
Wachsende Nachfrage bedeutet nicht, dass die Kostenfrage aus der Gleichung verschwunden ist. Im Gegenteil: In polnischen Medien, die Daten touristischer Institutionen wiedergeben, wird oft hervorgehoben, dass Reisende Angebote immer sorgfältiger vergleichen und die Gesamtkosten berechnen – von Maut und Kraftstoff bis zu Unterkunft und Verpflegung. In der Praxis werden daher häufiger frühere Buchungen, Reisen in der Vor- und Nachsaison oder Unterkünfte gewählt, die mehr Selbstständigkeit ermöglichen, etwa Apartments mit Küche, während ein Teil der Ausgaben auf Erlebnisse umgelenkt wird: Ausflüge, lokale Konobas, Museen, Festivals und Aktivitäten auf dem Meer.
Für Kroatien, das zugleich die Zahlen halten und die Qualität steigern möchte, eröffnet das Raum für ein klareres „Packaging“ von Wert: besseres Management von Menschenmengen, transparentere Informationen zu Preisen und Inhalten sowie ein Angebot, das über das klassische Sommerurlaubs-Muster hinausgeht. Genau deshalb wird immer häufiger die Entwicklung von Premium-Segmenten erwähnt, aber auch nachhaltigere Formen des Tourismus, die Gästen einen Grund geben, zurückzukehren – und Kroatien auch dann zu wählen, wenn sie nicht ausschließlich Meer und Strand suchen.
Das größere Bild: Tourismus als wirtschaftlicher Hebel und die Herausforderungen 2026
Die Rekordergebnisse 2025 fügen sich in den breiteren Kontext der kroatischen Wirtschaft ein, in dem der Tourismus eine der wichtigsten Exportaktivitäten bleibt. Gleichzeitig geht der Sektor 2026 mit klaren Herausforderungen an den Start: Preiswettbewerbsfähigkeit in der Region, Druck auf die Infrastruktur in der Hochsaison, Bedarf an Arbeitskräften sowie der immer stärkere Einfluss von Klimaextremen auf die Sommernachfrage.
In diesem Sinne passen die Trends aus dem polnischen Markt – Saisonverlängerung, wachsendes Interesse an Qualität und Diversifizierung der Inhalte – gut zu den Zielen, die kroatische Institutionen im Tourismus in den letzten Jahren betont haben: weniger Abhängigkeit von zwei Sommermonaten, mehr gleichmäßig verteilter Verkehr über das Jahr und eine stärkere Positionierung des Kontinents und der Städte.
Für polnische Reisende bedeutet das praktisch eine breitere Auswahl: vom klassischen Urlaub am Meer bis zu kürzeren thematischen Reisen, etwa für Gastronomie, kulturelle Veranstaltungen oder Aktivurlaub. Und für Kroatien ist es neben der Bestätigung der Popularität auch ein Signal, dass sich der Markt verändert – und dass der Erfolg zunehmend nicht nur an der Zahl der Ankünfte, sondern auch an der Qualität des Erlebnisses gemessen wird, das der Gast mit nach Hause nimmt.
Quellen:- Kroatische Zentrale für Tourismus (HTZ) – offizielle Pressemitteilung zu den Ergebnissen des kroatischen Tourismus 2025 nach dem eVisitor-System link
- PolskieRadio24 (PR24) – Artikel über die Rekordzahl polnischer Touristen in Kroatien 2025 und eVisitor-Daten link
- WP Turystyka – Artikel mit der Aussage von Małgorzata Kowalska zu Veränderungen der Reisegewohnheiten und eVisitor-Daten link
- All Inclusive (Polen) – Überblick über die Ergebnisse 2025 und die Marktposition Polens im kroatischen Tourismus (unter Bezug auf eVisitor) link
- Kroatisches Statistisches Amt (DZS) – methodischer Hinweis zur Übernahme von Daten aus dem eVisitor-System und zur monatlichen Tourismusstatistik link
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Erstellungszeitpunkt: 2 Stunden zuvor